Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Die US-Notenbank hat das aktuelle Umfeld für einen weiteren Zinsschritt genutzt, dämpfte im Anschluss aber zugleich die Befürchtungen, die weitere Politik könne womöglich zu restriktiv ausfallen
  • Die EZB zeigt sich weiter abwartend und ist versucht, eine Tapering-Debatte gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dies dürfte aber aufgrund der aktuellen Kaufbeschränkungen unvermeidlich sein
  • Höhere Inflationsraten erhöhen den Druck auf die Bank of England, trotz der Wachstumssorgen möglicherweise die Zinsen zu erhöhen

Drosselung der Anleihekäufe hat begonnen – Bilanzanstieg wird sich verringern

EZB-Bilanz in Milliarden Euro
Geldpolitik Bilanz

Quelle: Bloomberg, Stand: 3. April 2017.

Aktuelle Entwicklung

Vonseiten der US-Notenbanker deuteten alle Kommentare zu Monatsbeginn auf einen weiteren Zinsschritt hin, zu dem es letztlich auch kam. Wie erwartet erhöhten die Währungshüter den Leitzins um 25 Basispunkte, zeigten sich in der anschließenden Pressekonferenz aber überraschend zurückhaltend. Die zweite Erhöhung innerhalb von drei Monaten hatte bei vielen Marktteilnehmern den Eindruck erweckt, die Währungshüter würden von nun an deutlich aggressiver zu Werke gehen. Nachdem die Fed in den letzten Jahren jedoch mehrfach die Chance einer Erhöhung ungenutzt ließ, sieht es so aus, als hätten die Notenbanker diese nun nutzen wollen. Das Wachstumsbild ist freundlich, die Inflation liegt leicht über dem Zielwert und die Marktstimmung war ebenfalls positiv. Für das restliche Jahr werden jedoch nur noch maximal zwei weitere Zinsschritte erwartet.

Geldpolitik Tendenz

Quelle: Datastream, Bloomberg. Stand 31. März 2017. *Mit den Pfeilen wird ein positiver, neutraler oder negativer Ausblick für die kommenden Wochen des jeweiligen Indikators oder Index angezeigt.

Ausblick

Neben den bereits erwähnten zwei Zinserhöhungen seitens der US-Notenbank wird weiterhin eine Verkürzung der Bilanz in Betracht gezogen. Bislang werden fällige Papiere und erhaltene Zinskupons aus dem damaligen Ankaufprogramm noch reinvestiert. Nun gibt es Überlegungen, die Bilanz zwar nicht aktiv, also durch Verkäufe, wohl aber passiv zu verkürzen. Die Reinvestition von Fälligkeiten würde dann ausbleiben. Ein derartiger Schritt hätte eine ähnliche Wirkung wie eine Zinserhöhung.

Die EZB hatte zuletzt noch einmal betont, sie könne das Ankaufprogramm bei Bedarf auch wieder ausweiten. Damit will sie offenbar die Tapering-Debatte im Keim ersticken. Wir glauben nicht, dass ihr das gelingen wird. Schließlich sorgen die selbst gesteckten Grenzen dafür, dass eine Fortführung spätestens zum Jahresende überdacht werden muss. Vermutlich wird bereits im Herbst eine Reduzierung angekündigt.

Nächster Zinsschritt könnte im Juni folgen

Wahrscheinlichkeit einer Fed-Leitzinserhöhung im Juni um 25 Basispunkte, in Prozent

Nächster Zinsschritt könnte im Juni folgen

Quelle: Bloomberg, Stand: 3. April 2017.

 

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 7. April 2017, soweit nicht anders angegeben.