Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Geldpolitik: Lagarde übernimmt

Substanzielle Neuigkeiten waren zuletzt aufseiten der Geldpolitik nicht zu verzeichnen. Weder die US-­Notenbank (Fed) noch die Euro­päische Zentralbank (EZB) haben ihre Ausrichtung modifiziert.  Ereignislos war der Dezember trotzdem nicht. In Frankfurt am Main leitete Christine Lagarde ihre erste geldpolitische Sitzung als EZB­-Chefin. Sie nutzte die Gelegenheit, um eigene Themen zu setzen. Eine Änderung der geldpolitischen Grundausrichtung ist zwar nicht zu erwarten. Hier hat ihr Vorgänger Mario Draghi die Weichen für die Zeit bis weit ins nächste Jahr gestellt. Zudem ist der Einfluss der Geldpolitik auf die Wirtschaft nach vielen ultralockeren Jahren geschrumpft. Impulse wird Lagarde trotzdem geben: Zum einen ließ sie gleich durchblicken, dass sie den Konsens sowohl inner­halb der Notenbank als auch außerhalb mit unterschiedlichen ge­sellschaftlichen Akteuren sucht. Das war unter Draghi anders, der für seine Alleingänge berüchtigt war. Zum anderen setzt sie mit der Hervorhebung des Klimawandels und der sozialen Ungleichheit neue inhaltliche Schwerpunkte. Sie werden auch Gegenstand der überfälligen Überarbeitung der EZB­Strategie sein, die Lagarde im kommenden Jahr angehen will. Zinsseitig ist auf absehbare Zeit nicht mit Änderungen zu rechnen. Auch das Ankaufprogramm sollte noch lange Bestand haben.


In den USA unterstrich die Fed erneut, dass sie weitere geldpoli­tische Schritte von der konjunkturellen Entwicklung abhängig macht. Vor diesem Hintergrund bleibt das UIC bei seiner Einschät­zung, dass die US­-Notenbanker bei fortgesetzter Abschwächung des Wachstums der amerikanischen Volkswirtschaft mit zwei wei­teren Zinssenkungen reagieren dürften. Je widerstandsfähiger sich die US­Konjunktur zeigt, umso unwahrscheinlicher (weil unnötiger) würden jedoch entsprechende Maßnahmen.

Erwartungen an die US-Notenbank ließen zuletzt nach

Wahrscheinlichkeit einer Fed Zinssenkung, in Prozent
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Quelle: Bloomberg; Stand: 17. Dezember 2019

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
19. November 2019, soweit nicht anders angegeben.