Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Geldpolitik: Notenbanken kaufen

Der kaum vorhandene Preisauftrieb gibt den wichtigsten Notenbanken der Welt den nötigen Spielraum, in noch  nie gekanntem Ausmaß mit äußerst niedrigen oder negativen Zinsen beziehungsweise massiver Ausweitung der quanti- tativen Lockerungen (direkte Wertpapierankäufe und Refinanzierungs geschäfte für die Banken) die Folgen der Pandemie für das Finanzsystem und die Kapitalmärkte ab zumildern. Und die Zentralbanker betonen in diesen  Tagen immer wieder, dass im Zweifel noch weitere Maßnahmen beschlossen werden können. Denn wenn beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) das bisherige Tempo bei den Käufen von Anleihen im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) beibehält, wird dessen  Volumen von 750 Milliarden Euro spätestens im Oktober ausgeschöpft sein. Der Beschluss einer Aufstockung des Programms in den Sommermonaten ist somit wahrscheinlich. Zunächst wird aber in den kommenden Tagen begonnen, den Banken durch die neuen Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Auch die US-Notenbank ist zu weiteren Maßnahmen bereit, sollte dies erforderlich sein. In den letzten Wochen preisten Marktteilnehmer bereits negative Leitzinsen in den USA ein. Kürzlich erteilte Fed-Chef Jerome Powell diesen Spekulationen allerdings eine Absage. Die US-Währungshüter zweifeln an der Wirksamkeit dieses Mittels. Man hätte in anderen Ländern die Beobachtung gemacht, dass insbesondere der Bankensektor stark unter den negativen Sätzen leide. Vorstellbar ist, dass auch die Fed sich für eine gewisse Zeit auf ihre Politik festlegt (Forward Guidance) und den Marktteilnehmern so eine zusätzliche Sicherheit gibt.

PEP-Programm der EZB vor Aufstockung

Summer der bisher angekauften Papiere, in Milliarden Euro
PEP-Programm der EZB vor Aufstockung
Quelle: Bloomberg. Stand: 19. Mai 2020.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
25. Mai 2020, soweit nicht anders angegeben.