Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Die US-Notenbank dürfte im Juni erneut den Leitzins anheben
  • Darüber hinaus ist inzwischen aber nur noch ein und nicht zwei Schritte eingepreist
  • Vonseiten der US-Notenbank war zu hören, dass sie höhere Inflationsraten tolerieren würde

  • Vor der Sommerpause dürfte die EZB für Klarheit sorgen wollen und Änderungen am Ankaufprogramm bekannt geben
  • Aktuell ist der Inflationsdruck überschaubar und im Euroraum kein Thema
  • Ein möglicher Handelskrieg mit Importzöllen könnte die Inflationsraten in die Höhe treiben und die Notenbanken zusätzlich auf den Plan rufen

Fed setzt Normalisierung der Geldpolitik fort – nächster Zinsschritt im Juni erwartet

Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozent im Juni und September, in Prozent
Fed setzt Normalisierung der Geldpolitik fort – nächster Zinsschritt im Juni erwartet

Quelle: Bloomberg. Stand: 4. Juni 2018.

Aktuelle Entwicklung

Die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank ist selten von besonderem Interesse. Diesmal enthielt das Dokument jedoch ein paar aufschlussreiche Botschaften. So wollen die Notenbanker kurzfristig auch höhere Inflationsraten tolerieren. Damit soll vermieden werden, dass Anleger bei einem Preisanstieg sofort weitere Leitzinserhöhungen einpreisen. Zudem sind die Währungshüter versucht, die Zinsstrukturkurve nicht invers werden zu lassen. Dies könnte aber passieren, wenn am kurzen Ende die Leitzinsen steigen und ein Renditeanstieg am langen Ende der Zinsstrukturkurve größtenteils ausbleibt. Anleger sehen in den Worten den
Hinweis auf eine weniger restriktive Politik in den kommenden Monaten. Im Vergleich zum Vormonat sind deshalb nur noch zwei weitere Zinserhöhungen bis zum Jahresende in den Kursen eingepreist. Bis vor Kurzem ging man noch von drei Zinsschritten aus.

Geldpolitik Tendenz

Quelle: Datastream, Bloomberg. Stand: 31. Mai 2018.

Ausblick

Von einer restriktiven Geldpolitik sind wir ohne Zweifel noch weit entfernt. Aber: Die Unterstützung der Notenbanken wird weltweit weiter abnehmen. Die EZB hat zwar deutlich gemacht, dass Zinserhöhungen erst Mitte 2019 auf der Agenda stehen dürften. Die Ankündigung eines möglichen Endes des Kaufprogramms könnte aber unerwünschte Marktreaktionen auslösen. Vor einer Leitzinserhöhung dürfte zunächst die Angleichung des Einlagenzinses an den Hauptrefinanzierungssatz stehen. Die Differenz liegt hier bei 40 statt 25 Basispunkten. Zunächst einmal sollte es der EZB auf der nächsten Sitzung aber um Änderungen am Ankaufprogramm gehen. Spannend wird sein, wie weit die Notenbanker das Programm reduzieren werden und wann es komplett eingestellt wird. In den USA gilt ein weiterer Zinsschritt im Juni schon seit Wochen als gesetzt.

Änderungen am Ankaufprogramm sind zu erwarten

Veränderung des Kaufvolumens, monatliche Durchschnittswerte in Milliarden Euro

Änderungen am Ankaufprogramm sind zu erwarten

Quelle: Bloomberg. Stand: 6. Juni 2018.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 12. Juni 2018, soweit nicht anders angegeben.