Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Grundsätzlich lässt sich konstatieren, dass die Unterstützung durch die Notenbanken perspektivisch abnehmen wird
  • In den USA steht die US-Notenbank unmittelbar davor, den Bilanzabbau voranzutreiben. Eine weitere Anhebung der Leitzinsen im September ist unwahrscheinlich und wohl erst im Dezember zu erwarten
  • In Europa dürfte die EZB im September die Reduzierung des Anleiheankaufprogramms verkünden

  • Zinserhöhungen stehen jedoch noch in weiter Ferne und sind daher nicht zu befürchten

US-Notenbank: Zinsschritt im September nun unwahrscheinlich

Wahrscheinlichkeit einer Fed-Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte, in Prozent
US-Zinserhöhung

Quelle: Bloomberg. Stand: 2. August 2017.

Aktuelle Entwicklung

Auf der Sitzung der US-Notenbank im August wurde erwartungsgemäß keine Zinsänderung beschlossen. Es gab jedoch Hinweise darauf, dass die Währungshüter nun wohl schon im September einen Abbau ihrer Bilanz verkünden werden. Die Thematik ist sehr komplex, weil unklar ist, wie sich ein Ausbleiben der bislang noch getätigten Reinvestitionskäufe auf den Kapitalmarkt auswirken wird. Experten rechnen mit einem ähnlichen Effekt wie bei Zinserhöhungen. Über das Ausmaß der Stärke wird noch gerätselt. Ähnlich ergeht es den Notenbankern. Umso erstaunlicher ist es, dass man im Führungsgremium wohl Einigkeit erzielen konnte. Von einer Zinserhöhung im September wird indes nicht mehr ausgegangen. Der nächste Zinsschritt ist erst im Dezember zu erwarten. Inwieweit Bilanzabbau und Zinserhöhungen dann im kommenden Jahr parallel stattfinden, dürfte vor allem von den dann veröffentlichten Daten abhängen.

Geldpolitik Tendenz

Quelle: Datastream, Bloomberg. Stand 31. Juli 2017. *Mit den Pfeilen wird ein positiver, neutraler oder negativer Ausblick für die kommenden Wochen des jeweiligen Indikators oder Index angezeigt.

Ausblick

EZB-Chef Draghi äußerte sich zuletzt eher zurückhaltend. Mit seiner Rhetorik dürfte er versucht haben, die Marktteilnehmer zu beruhigen und einem stärkeren Euro sowie höheren Renditen entgegenzuwirken. Dies gelang ihm jedoch nur zum Teil. Womöglich wird er schon auf dem Notenbanksymposium im amerikanischen Jackson Hole eine weitere Reduzierung des Ankaufprogramms bekanntgeben und damit für höhere Renditen sorgen. Mit einer Anhebung der Leitzinsen muss indes nicht so schnell gerechnet werden. Ein solcher Schritt dürfte erst dann anstehen, wenn das Kaufprogramm komplett zurückgefahren wurde. Die US-Notenbank dürfte weiter versucht sein, die Sätze auch trotz Bilanzabbau anzuheben, um Spielraum für den nächsten Abschwung zu haben. Dazu wird sie die Konjunktur und besonders den USArbeitsmarkt sehr genau beobachten. Solange es die US-Wirtschaft verkraftet, muss mit weiteren Zinsschritten gerechnet werden.

Reduzierung der Anleihekäufe erwartet

EZB-Ankaufprogramm in Milliarden Euro pro Monat

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Quelle: Bloomberg. Stand: 31. Juli 2017.

 

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 7. August 2017, soweit nicht anders angegeben.