Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Geldpolitik: Hauptsache günstige Finanzierungsbedingungen

Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Federal Reserve (Fed) gaben sich auf ihren jüngsten Sitzungen unbeeindruckt von den zuletzt höheren Inflationszahlen. Dieser kurzzeitige Anstieg wird die Geldpolitik unserer Meinung nach auch deshalb nicht weiter beeinflussen, da er zu großen Teilen auf coronabedingten Sondereffekten beruht. Geldpolitische Reaktionen sind nicht zu erwarten.

Was den Anstieg der (realen) Renditen im ersten Quartal angeht, so fällt das transatlantische Bild jedoch etwas auseinander. So hat die EZB auf ihrer März-Sitzung reagiert, indem sie eine Beschleunigung ihrer Anleiheankäufe bekannt gab. Mittlerweile lässt sich diese Ankündigung auch in den wöchentlich veröffentlichten Zahlen zu den einzelnen Programmen nachvollziehen. Dabei argumentiert die EZB mit den Finanzierungsbedingungen als maßgeblicher Voraussetzung für eine konjunkturelle Erholung der europäischen Wirtschaft. Präsidentin Lagarde bezeichnete den Inflationsausblick als Anker und die Finanzierungskonditionen als Kompass. Allerdings: Eine Operationalisierung dieses Verständnisses haben die Währungshüter bislang nicht vorgelegt. Damit ist unklar, wann und worauf die EZB reagieren würde.

Anders hingegen die Fed. Nach der jüngsten geldpolitischen Sitzung machte Fed-Chef Powell deutlich, dass er die derzeitigen Finanzierungsbedingungen als günstig und die aktuelle geldpolitische Ausrichtung als angemessen beurteilt. Damit bringt er indirekt zum Ausdruck, dass die Fed im derzeitigen Renditeniveau zumindest (noch) keine grundsätzlichen Schwierigkeiten sieht. Aus unserer Sicht ist daher für den Treasury-Markt kurzfristig nicht mit einer Intervention der Fed zu rechnen. Gleichzeitig hat Powell aber – erneut – allen Spekulationen über eine in naher Zukunft anstehende Verringerung der Anleiheankäufe (Tapering) eine Absage erteilt. Wir gehen davon aus, dass die Fed erst im zweiten Quartal 2022 damit beginnen wird, ihre Anleihekäufe sukzessive zu reduzieren. Mit einer Ankündigung des Taperings rechnen wir gegen Ende des Jahres 2021.

EZB erhöht wie angekündigt das Ankaufvolumen beim PEPP

Wöchentliche Ankäufe, in Milliarden Euro

EZB erhöht wie angekündigt das Ankaufvolumen beim PEPP
Quelle: Bloomberg. Stand: 23. März 2021

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
26. März 2021, soweit nicht anders angegeben.