Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Grundsätzlich lässt sich konstatieren, dass die Unterstützung durch die Notenbanken perspektivisch geringer ausfallen wird
  • In den USA hat die Fed mit dem Bilanzabbau begonnen
  • Darüber hinaus gilt eine weitere Zinserhöhung im Dezember als ausgemacht

  • Jerome Powell plant keine großen Änderungen an der Ausrichtung der US-Geldpolitik. Das könnte sich mit der Ernennung neuer Mitglieder ändern
  • Die EZB halbiert zwar ab Januar ihre Anleihekäufe, hat das Programm aber zugleich um mindestens neun Monate verlängert

Marktteilnehmer zweifeln am Pfad der US-Notenbanker

Fed-Projektionen versus implizite Fed-Leitzinssätze, in Prozent
Marktteilnehmer

Quelle: Bloomberg, Thomsen Reuters, Datastream, Union Investment. Stand: 4. Dezember 2017.

Aktuelle Entwicklung

Im November tagte weder die EZB noch die Fed. Vonseiten der europäischen Währungshüter gab es daher keine neuen Erkenntnisse. Bei der US-Notenbank sorgte hingegen die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls für Aufsehen. Dass die Zinserhöhung im Dezember als sicher gilt, war weitgehend erwartet worden. Überrascht waren die Marktteilnehmer aber von den offenen Worten zur Inflationsentwicklung. Demnach haben auch die Notenbanker keine überzeugende Erklärung dafür, warum die Teuerungsraten trotz des zyklischen Drucks nicht anziehen. Janet Yellen kündigte zudem an, nach Ende ihrer Amtszeit nicht mehr dem Rat des Offenmarktausschusses anzugehören. Es ist gelebte Praxis, dass der Vorsitzende aus dem Gremium ausscheidet, auch wenn sie noch länger Teil des Rates hätte bleiben können. Demnächst sind also vier Stellen neu zu besetzen. Dies könnte die Ausrichtung der Fed durchaus verändern.

Geldpolitik Tendenz

Quelle: Datastream, Bloomberg. Stand: 30. November 2017.

Ausblick

Von einer restriktiven Geldpolitik sind wir ohne Zweifel noch weit entfernt. Aber: Die Unterstützung der Notenbanken wird perspektivisch weltweit abnehmen. Die EZB kam nicht umhin, eine Anpassung am Ankaufprogramm vorzunehmen. Selbst mit der Halbierung ihrer aktuellen Kaufsumme auf 30 Milliarden Euro pro Monat ab Januar  2018 droht sie bei einigen Emittenten schon bald an ihre selbst gesteckte Grenze (maximal 33 Prozent je Emission) zu gelangen. Demnächst ist mit einer Konkretisierung zu rechnen, welche Anleihen in welcher Höhe erworben werden.

Die US-Notenbank dürfte weiter versucht sein, die Leitsätze auch trotz des Bilanzabbaus anzuheben, um Spielraum für den nächsten Abschwung zu haben. Dazu wird sie die Konjunktur und besonders den US-Arbeitsmarkt sehr genau beobachten. Eine Erhöhung im Dezember scheint sicher. Im nächsten Jahr sollen weitere Schritte folgen.

EZB setzt Ankaufprogramm bei vermindertem Volumen fort

EZB-Bilanz in Milliarden Euro

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Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters, Datastream. Stand: 30. November 2017.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 4. Dezember 2017, soweit nicht anders angegeben.