Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Die US-Notenbank wird im Dezember erneut ihre Leitzinsen anheben. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinspause im nächsten Jahr ist zuletzt aber gestiegen

  • Beim erst kürzlich gestarteten Bilanzabbau der US-Notenbank treten erste Probleme auf. Womöglich muss die Fed auch hier bald pausieren

  • Das Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) läuft Ende des Jahres aus
  • Leitzinserhöhungen seitens der EZB erwarten wir nicht vor Ende 2019
  • Global gesehen ist die Geldpolitik zunehmend restriktiver geworden, insbesondere in den Schwellenländern

Fed: Zinserhöhung im Dezember gilt als sicher, Zinspause 2019 möglich

Fed-Prognose gegenüber impliziten Fed-Leitzinssätzen, in Prozent
Fed: Zinserhöhung im Dezember gilt als sicher, Zinspause 2019 möglich

Quelle: Macrobond, Bloomberg, Union Investment. Stand: 4. Dezember 2018.

Aktuelle Entwicklung

US-Notenbankchef Jerome Powell machte zum Monatsende bei einer Rede in New York auf sich aufmerksam. In einer ersten Reaktion wurden die Worte Powells dahingehend interpretiert, dass die Fed die Leitzinsen zukünftig womöglich langsamer als bislang angenommen erhöhen könnte. Eine weniger restriktive US-Geldpolitik würde vor allem risikobehaftete Anlageklassen stützen. Schnell verbreitete sich die Meinung, die Fed stünde vor einem
Kurswechsel. Wir sind jedoch der Meinung, dass der Fed-Chef mit seinen Worten die Fed vielmehr wieder auf einen datenabhängigen Kurs bringen will. Der Zinspfad ist keinesfalls fest vorgezeichnet. Die Währungshüter dürften vielmehr die laufenden Zahlen genauer unter die Lupe nehmen. Dabei sollten der US-Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Lohnkosten von zentraler Bedeutung sein. Solange der US-Arbeitsmarkt weiter derart robust ist, wird die Fed in unseren Augen bei ihrer aktuellen Vorgehensweise bleiben.

Geldpolitik Tendenz

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Bloomberg. Stand: 30. November 2018.

EZB: Einstellung des Ankaufprogramms zum Jahreswechsel

Veränderung des Kaufvolumens, monatliche Durchschnittswerte,
in Milliarden Euro

EZB: Einstellung des Ankaufprogramms zum Jahreswechsel

Quelle: Bloomberg. Stand: 4. Dezember 2018.

Ausblick

Die Worte von Jerome Powell deuten auf eine mögliche Zinspause im Laufe des kommenden Jahres hin. Marktteilnehmer beginnen daher, mögliche weitere Zinsschritte auszupreisen. Wir halten diesen Schritt für verfrüht. Unsere Zinsmeinung bleibt unverändert: Zusätzlich zur Erhöhung im Dezember rechnen wir mit drei weiteren Anhebungen im kommenden Jahr. Aber: Die weitere US-Geldpolitik dürfte durch die Rede flexibler gestaltet werden. Eine Zinspause wäre durchaus möglich, ist aber aus heutiger Sicht noch keine ausgemachte Sache. Schließlich attestierte Powell der USWirtschaft abermals eine sehr gute Verfassung. Für die nächste Sitzung am 19. Dezember liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung bei 80 Prozent.

Bevor die EZB die Leitzinsen in Gänze anhebt, dürfte sie zunächst die Angleichung des Einlagenzinses an den Hauptrefinanzierungssatz angehen. Einen richtigen ersten Zinsschritt erwarten wir erst Ende 2019.

 

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 10. Dezember 2018, soweit nicht anders angegeben.