Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Geldpolitik: US-Notenbank „all in“

Die wichtigsten Notenbanken der Welt haben in den vergangenen Tagen in atemberaubendem Tempo sehr aggressive Maßnahmen beschlossen. So hat beispielsweise die US-Notenbank Fed am 23. März neue Schritte zur Stützung der Finanzmärkte bekanntgegeben. Dazu gehört eine im Prinzip unbegrenzte quantitative Lockerung (QE = Quantitative Easing), zu der auch die Käufe von Unternehmensanleihen gehören, sowie umfangreiche Hilfen für die Kreditversorgung der Realwirtschaft. Bereits zuvor hatte sie auf einer außerordentlichen Sitzung eine Zinssenkung um 100 Basispunkte sowie eine Ausweitung des Ankaufprogramms beschlossen.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat Hilfen von historischer Dimension beschlossen. In der Nacht zum 19. März hat die Notenbank überraschend die Ausweitung ihrer Wertpapierankäufe angekündigt. Das neu geschaffene „Pandemie Emergency Purchase Programme“ (PEPP) sieht ein zusätzliches Ankaufvolumen von 750 Milliarden Euro vor. Der EZB-Rat bekräftigte, „alles Notwendige“ zu tun und im Bedarfsfall Umfang, Dauer und Zusammensetzung des Programms anzupassen. Man prüfe außerdem alle Optionen, um die Wirtschaft der Eurozone bei der Überwindung des Corona-Schocks zu unterstützen.

Diese beiden Beispiele (sowie ähnliche Beschlüsse in Großbritannien und vielen anderen Ländern) zeigen: Die Notenbanken reagieren nun schnell und umfangreich auf die Marktturbulenzen. Sie mindern damit den Stresslevel im Finanzsystem. Das ist einerseits die Voraussetzung für eine Stabilisierung an den Kapitalmärkten (speziell bei Unternehmensanleihen), schafft aber andererseits auch die Bedingungen für eine möglichst schnelle und kräftige Konjunkturerholung. Im Verbund mit den beträchtlichen fiskalischen
Sonderprogrammen zahlreicher Länder bedeutet dies eine große Unterstützung für den Finanzsektor und die Realwirtschaft, aber beides ist nicht hinreichend für eine nachhaltige Überwindung der Krise.

Notenbanken reagieren mit Zinssenkungen und Ankaufprogrammen

Summe der Fed-Bilanz, in Milliarden US-Dollar
Notenbanken reagieren mit Zinssenkungen und Ankaufprogrammen
Quelle: Bloomberg, Union Investment. Stand: 23. März 2020.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
27. März 2020, soweit nicht anders angegeben.