Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Die US-Notenbank agiert weiterhin auf Autopilot und hält an ihrem Zinspfad fest. Wir rechnen in den nächsten vier Quartalen mit vier weiteren Zinsanhebungen. Danach könnte die Fed eine Pause einlegen

  • Beim erst kürzlich gestarteten Bilanzabbau der US-Notenbank treten erste Probleme auf. Womöglich muss die Fed bald pausieren

  • Seit Oktober hat die EZB ihr Ankaufprogramm erneut halbiert
  • Global gesehen wird die Geldpolitik zunehmend restriktiver, insbesondere in den Schwellenländern

Fed weiter auf Zinserhöhungspfad – vorzeitiges Ende
des Bilanzabbaus?

Fed-Bilanzsumme, in Milliarden US-Dollar
Fed weiter auf Zinserhöhungspfad – vorzeitiges Ende?

Quelle: Macrobond, Bloomberg, Union Investment. Stand: 31. Oktober 2018.

Aktuelle Entwicklung

Die Europäische Zentralbank (EZB) änderte auf ihrer Sitzung im Oktober ihre geldpolitische Ausrichtung nicht. Die Beendigung des Anleihekaufprogramms wurde zum Jahresende in Aussicht gestellt, die Zentralbank verzichtete diesbezüglich aber auf eine formale Bestätigung. Draghi unterstrich auch dieses Mal die Erwartung einer fortlaufend guten Wachstumsdynamik in der Eurozone. Die jüngste Abschwächung bewertete er im Wesentlichen als Normalisierung, wobei die meisten Volkswirtschaften weiterhin über Trend wachsen würden. Die Binnennachfrage erweise sich als robust, während die Wachstumsbeiträge aus dem Außenhandel abnehmen sollten. Durch Unsicherheiten, unter anderem aufgrund des Handelskonflikts und der Turbulenzen in den Schwellenländern, bedürfe es aber weiterhin bedeutsamer geldpolitischer Unterstützung. Zusammengefasst war es eine neutrale Notenbanksitzung ohne relevante Änderungen.

Geldpolitik Tendenz

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Bloomberg. Stand: 31. Oktober 2018.

EZB: Ende des Ankaufprogramms steht bevor

Veränderung des Kaufvolumens, monatliche Durchschnittswerte,
in Milliarden Euro

EZB: Ende des Ankaufprogramms steht bevor

Quelle: Bloomberg. Stand: 31. Oktober 2018.

Ausblick

Im Durchschnitt halten die Mitglieder des US-Offenmarktausschusses von heute an bis Ende 2019 noch weitere 100 Basispunkte an geldpolitischer Straffung für angemessen. Dies hat sich gegenüber der letzten Sitzung mit Prognosen im Juni nicht geändert. Auch wir sind der Meinung, dass im Dezember ein und 2019 drei weitere Zinsschritte folgen werden.

Mit jeder Anhebung steigt aber auch die Gefahr, dass die Leitzinsen perspektivisch zu einer Belastung der Wirtschaft werden könnten. Die Fed wird daher versuchen, möglichst kontinuierlich (quartalsweise) weitere Erhöhungen vorzunehmen. Bevor die EZB die Leitzinsen in Gänze anhebt, dürfte sie zunächst die Angleichung des Einlagenzinses an den Hauptrefinanzierungssatz angehen. Die Differenz liegt hier zurzeit bei 40 statt 25 Basispunkten. Einen richtigen ersten Zinsschritt erwarten wir erst Ende 2019.

 

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 07. November 2018, soweit nicht anders angegeben.