Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Die US-Notenbank unterstrich erneut ihre abwartende und zugleich datenabhängige Haltung

  • Darüber hinaus überlegen die US-Währungshüter den Bilanzabbau zu reduzieren oder womöglich sogar auszusetzen

  • Sollten sich die Wirtschaftsdaten aber wieder verbessern, könnte die US-Geldpolitik wieder restriktiver interpretiert werden
  • Auch die EZB äußerte sich abermals zurückhaltend
  • Kürzlich beschloss die EZB die Neuauflage langfristiger Finanzierungsgeschäfte (TLTROs)

Geldpolitische Reaktionen zwischen Normalisierungswünschen und zunehmender Konjunkturschwäche

Unsere Erwartung für die weitere geldpolitische Ausrichtung der Notenbanken
Geldpolitische Reaktionen zwischen Normalisierungswünschen und zunehmender Konjunkturschwäche
Quelle: Union Investment. Stand: 8. März 2019.

Aktuelle Entwicklung

Für eine Überraschung sorgte die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrem Treffen Anfang März. Die Währungshüter senkten ihre Wachstums- und Inflationsprognosen und schlossen eine Zinserhöhung in diesem Jahr kategorisch aus. Darüber hinaus werden den Banken ab September insgesamt acht neue Tender (TLTRO) mit einer Laufzeit von jeweils zwei Jahren zur Verfügung gestellt. Damit wolle man vor allem den angeschlagenen Kreditinstituten in Spanien und Italien unter die Arme greifen. Marktteilnehmer hatten zwar auf die Ankündigung neuer Tender gehofft, mit derart konkreten Maßnahmen wurde aber nicht gerechnet. Die EZB befindet sich damit wieder im Krisenmodus.

Geldpolitik Tendenz
Quelle: Thomson Reuters Datastream, Bloomberg. Stand: 31. Januar 2019.

Keine Leitzinserhöhung der Fed mehr eingepreist

Wahrscheinlichkeit für konstanten Leitzinssatz von 2,5 Prozent

Keine Leitzinserhöhung der Fed mehr eingepreist
Quelle: Bloomberg, Union Investment. Stand: 5. März 2019.

Ausblick

Die US-Notenbank wird den Leitzins im März nicht weiter anheben. Inzwischen haben die Marktteilnehmer sämtliche Zinsschritte für das komplette Jahr ausgepreist. Sollte sich das Umfeld wieder bessern, dürften Zinsanhebungen wieder auf die Agenda kommen. Denn die erklärte Abhängigkeit von Konjunkturdaten ist auch dann gegeben, wenn sich wichtige Indikatoren wieder stabilisieren. Vorerst dürfte diese Art von „Soft Put“ der US-Notenbank die Kapitalmärkte aber weiter stützen.

Bei der EZB ist eingetreten, was einige Analysten schon im vergangenen Sommer befürchteten. Bevor die Währungshüter die Krisenmaßnahmen beendet haben, hat sich die konjunkturelle Lage derart eingetrübt, dass Zinserhöhungen nicht durchsetzbar sind. Im Juni rechnen wir mit Details zur Ausgestaltung der neuen Tender.

 

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 8. März 2019, soweit nicht anders angegeben.