Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Unsere Einschätzung in Kürze

  • Die US-Notenbank erhöhte im Juni erneut die Leitzinsen. Eine weitere Anhebung ist wohl im September vorgesehen
  • Darüber hinaus wird die Fed ihre Bilanz verkürzen und zukünftig auf Reinvestitionskäufe verzichten
  • Der Effekt daraus hätte im kommenden Jahr wohl eine ähnliche Wirkung wie weitere drei Zinsschritte
  • In Europa dürfte die EZB im September die Reduzierung des Anleiheankaufprogramms verkünden. Zinserhöhungen stehen jedoch noch in weiter Ferne und sind daher nicht zu befürchten

Marktteilnehmer zweifeln noch an Zinsschritt im September

Wahrscheinlichkeit einer Fed-Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte, in Prozent
US-Zinserhöhung

Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters. Stand: 3. Juli 2017.

Aktuelle Entwicklung

Mitte des Monats hob die US-Notenbank erwartungsgemäß erneut den Leitzins um 25 Basispunkte an. Es war der inzwischen vierte Zinsschritt seit der Kurskorrektur. Glaubt man den Notenbankern, dann dürfte wohl im September ein weiterer Schritt folgen. Mit Blick auf die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten haben die Marktteilnehmer daran jedoch so ihre Zweifel. An den Kursen von entsprechenden Derivaten war zuletzt lediglich eine Eintrittswahrscheinlichkeit um die 20 Prozent abzulesen. Dies dürfte aber wohl auch dem Umstand geschuldet sein, dass die US-Währungshüter nun den Abbau ihrer Bilanz ankündigten. Das Ausbleiben der bislang noch getätigten Reinvestitionskäufe käme dann im kommenden Jahr einem Effekt von drei bis vier Zinserhöhungen gleich. So manch ein Investor rätselt, ob die Wirtschaft das verdauen kann oder die Fed damit nicht Gefahr läuft, das Wachstum abzuwürgen.

Geldpolitik Tendenz

Quelle: Datastream, Bloomberg. Stand 30. Juni 2017. *Mit den Pfeilen wird ein positiver, neutraler oder negativer Ausblick für die kommenden Wochen des jeweiligen Indikators oder Index angezeigt.

Ausblick

EZB-Chef Draghi bereitete die Marktteilnehmer darauf vor, dass demnächst der Ausstieg aus dem Anleiheankaufprogramm verkündet wird. Marktteilnehmer zeigten sich sehr verunsichert. Sie erinnern sich noch gut an die Zeit, als die US-Notenbank Fed ihren Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik verkündete. In den Wochen danach folgte eine längere Phase steigender Renditen. Aber: Die Euro-Währungshüter wollen zwar das Kaufprogramm langsam beenden, schwenken aber, nicht wie es die Fed damals tat, auf einen Zinserhöhungspfad um. Die Sorgen einiger Anleger halten wir daher für unbegründet. Höhere Leitzinsen im Euroraum dürften daher noch in weiter Ferne liegen. In entsprechenden Derivaten ist weder in diesem noch im nächsten Jahr ein Zinsschritt eingepreist.

EZB dürfte im September Reduzierung der Anleihekäufe ankündigen

EZB-Ankaufprogramm in Milliarden Euro pro Monat

Geldpolitik Ankauf

Quelle: Thomson Reuters, Bloomberg. Stand: 3. Juli 2017.

 

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 10. Juli 2017, soweit nicht anders angegeben.