Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Geldpolitik: Abwartende Haltung

Nach der Aufstockung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) im Juni kam es auf der Juli-Sitzung der EZB zu keiner Änderung der Geldpolitik. Für den Moment dürfte die Ausweitung der EZB Zeit verschafft haben, daher sind perspektivisch nur kleinere Maßnahmen wahrscheinlich, zumal die Notenbank im Rahmen der letzten Sitzung auf die spürbare Verbesserung der wirtschaftlichen Daten seit Mai – trotz großer regionaler und sektoraler Unterschiede – verwiesen hat. Ebenso entlastet der Beschluss des europäischen Wiederaufbaufonds die Geldpolitik. So steht vor allem eine Anhebung des tiering multipliers, von sechs auf acht auf einer der nächsten Notenbanksitzungen im Raum. Dies ist das Vielfache der von den Banken im Notenbanksystem zu haltenden Mindestreserve, das von der Negativverzinsung befreit ist, sodass eine solche Anhebung den Banken mehr bilanziellen Spielraum geben würde. Darüber hinaus steht die EZB bereit, um bei einer Verschlechterung der Lage erneut deutlich stärker zu reagieren und beispielsweise die Ankäufe unter PEPP weiter auszudehnen.

Das Gleiche gilt in den Vereinigten Staaten für die Federal Reserve (Fed), die notfalls vor weiteren Maßnahmen nicht zurückschrecken wird. So ist die schon länger diskutierte yield curve control, also das Management der Zinsstrukturkurve durch die Zentralbank, weiterhin eine Option, die die Fed ziehen könnte. Das in den letzten Wochen zu beobachtende Absinken der US-Notenbankbilanz sollte daher nicht falsch interpretiert werden. Hierbei handelt es sich um eine Reaktion auf die abnehmende Inanspruchnahme von US-Dollar-Kreditlinien durch befreundete ausländische Notenbanken, denen auf dem Höhepunkt der Corona-Krise solche Möglichkeiten eingeräumt worden waren. Eine Abkehr von der akkommodierenden US-Geldpolitik ist nicht in Sicht.

Fed-Bilanz sinkt wegen anderer Notenbanken

Summe der Fed-Bilanz, in Milliarden US-Dollar
Fed-Bilanz sinkt wegen anderer Notenbanken
Quelle: Macrobond. Stand: 21. Juli 2020.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
24. Juli 2020, soweit nicht anders angegeben.