Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

EZB mit neuer geldpolitischer Strategie

Die Fed hat bei der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses einen ersten, noch vorsichtigen Schritt in Richtung Tapering getan. Man habe, so Zentralbankchef Powell auf der Pressekonferenz im Anschluss, verschiedene Tapering-Szenarien diskutiert – ein deutlicher Hinweis auf die Pläne zur Rückführung der Anleihekäufe. Die zwei Wochen später veröffentlichten Fed Minutes konkretisieren diese Absichten zusätzlich. Vermutlich werden die Ausführungen auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole weitere Klarheit bringen. In Summe ist die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank möglicherweise etwas früher als ursprünglich erwartet in den Tapering-Modus wechselt, zuletzt gestiegen. Wir rechnen um die Jahreswende 2021/2022 mit einer Verringerung der geldpolitischen Hilfen. Ein erster Zinsschritt der Fed sollte dann in der ersten Jahreshälfte 2023 folgen.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) gilt es zunächst zu klären, ob sie das Notfallankaufprogramm (PEPP) über März 2022 hinaus verlängert, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft auf den Vor-Corona-Pfad zurückkehrt. Wir gehen davon aus, dass die EZB auch nach dem möglichen Ende des PEPP im März 2022 noch länger Anleihen in größerem Umfang kaufen und die Euroraum-Wirtschaft unterstützen wird. Die Währungshüter wollen verhindern, dass sich die Finanzierungsbedingungen zu sehr, zu früh oder aus den falschen Gründen verschlechtern könnten. Die EZB betonte im Juli erneut, dass ein zeitweises moderates Überschießen der Inflation über die Zielmarke von 2 Prozent möglich sei. Dabei werde auch berücksichtigt, dass sich die Zinsen nahe der Untergrenze befinden. Ob die EZB auf ein Überschießen der Inflation proaktiv hinarbeiten oder dies lediglich billigend tolerieren wird, bleibt aber ein Punkt, an dem sich die Geister im Zentralbank-Rat scheiden. Ein Ende der Anleihe-Nettokäufe ist daher erst Ende 2023 zu erwarten und ein erster Zinsschritt vor 2024 unwahrscheinlich.

Erste Zinserhöhung in den USA für 2023 eingepreist

Implizierter Leitzins anhand der Fed Fund Futures, in Prozent

Erste Zinserhöhung in den USA für 2023 eingepreist
Quelle: Bloomberg, Union Investment. Stand: 25. August 2021.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
27. August 2021, soweit nicht anders angegeben.