Risikomanagement-News Archiv

Im Dialog: Harold James und Christian Kopf

Der Wirtschaftshistoriker Harold James warnt vor einer dramatischen Änderung der Weltordnung. Davon sei auch der Euroraum betroffen. Union Investment-Rentenchef Christian Kopf traf den renommierten Princeton-Professor bei einem Aufenthalt in München und nutzte diese Gelegenheit für ein Videointerview.

Die 13. Risikomanagement-Konferenz als Multimedia-Dokumentation

Am 7. November fand die 13. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment in Mainz statt. Alexander Schindler, Mitglied des Vorstands von Union Investment, begrüßte dazu rund 250 institutionelle Investoren aus elf Nationen. Zu den diesjährigen Höhepunkten der Konferenz zählten die Keynote-Vorträge des Wirtschaftsnobelpreisträgers Prof. Paul Krugman, von Botschafter Wolfgang Ischinger (Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz) sowie von Lord Jonathan Evans (ehemaliger Generaldirektor des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5). Weitere Akzente setzte die Risikomanagement-Konferenz mit einer Diskussion zur aktuellen Zinslandschaft zwischen Dr. Frank Engels (Leiter Portfoliomanagement, Union Investment) und Francesco Garzarelli (Global Investment Research, Goldman Sachs), der Vorstellung einer empirischen Analyse zum aktiven Management von Unternehmensanleihen, einer Einschätzung zur Lage an den Märkten von Jens Wilhelm (Mitglied des Vorstands von Union Investment) sowie mit vier Impulsvorträgen aus der Praxis von institutionellen Anlegern. Auf der Website von Union Investment finden Sie eine Multimedia-Dokumentation der Konferenz.

Ein Workshop zu aktuellen Risikofaktoren

Ende September 2018 trafen sich Risikocontroller und Verantwortliche für das Risikomanagement in Frankfurt zum 4. Risikomanagement-Workshop von Union Investment. Ziel des im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden Workshops ist es, den Teilnehmern Orientierung für Anlageentscheidungen und Raum zum Dialog zu bieten. Beim diesjährigen Forum lag der Schwerpunkt erneut auf Lösungen für aktuelle Herausforderungen. So wurden neue Strategieansätze für das Zins- und Liquiditätsmanagement im Risikocontrolling erläutert. Ferner stellten Experten von Union Investment mit der „Global Credit Platform“ und der UI-Clock zwei Innovationen aus den Bereichen Anleihen- und Aktienmanagement vor. Eine Zusammenfassung der Vorträge und die Präsentationen sind nun auf der Website von Union Investment Institutional abrufbar.

Studie untersucht Strategien zur Cybersicherheit

Mit einer zunehmenden Vernetzung von Unternehmen und Infrastruktur gerät die Gefahr von Cyberattacken auch bei Finanzdienstleistern immer stärker in den Fokus. Dies geschieht nicht zuletzt auf Druck der Aufsichtsbehörden wie der Bafin, deren Exekutivdirektor Raimund Röseler bereits ankündigte, stärker auf die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen und auf geeignete Krisenreaktionsmechanismen zu achten. Was in der Cyberkriminalitätsabwehr alles möglich ist, ermittelt der „European Cyber Defense Report“ der Unternehmensberatung Deloitte. Dieser Report analysiert nationale Sicherheitsstrategien aus 29 europäischen Staaten, den USA, Russland und China sowie dort ansässiger Unternehmen. Auch auf der 13. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment geht es unter anderem um Cybersecurity. Als Gastredner spricht zu diesem Thema Lord Jonathan Evans, ehemaliger Generaldirektor des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5.

(Mögliche) Schritte in eine Fiskalunion

Im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise in der Eurozone (2010 bis 2013) wurde häufig argumentiert, dass eine Währungsunion nur in Verbindung mit einer Fiskalunion erfolgreich sein könne. Dabei wird oft die Einheit von Währungs- und Fiskalunion in den USA als Vorbild genannt. Der Wirtschaftshistoriker Harold James (Princeton) und der Ökonom Michael D. Bordo (Harvard) untersuchten daher genauer, wie belastbar dieses Argument ist. In dem Thesenpapier beschreiben die beiden zunächst, wie lang und beschwerlich der Weg zu einer US-Fiskalunion war. Dabei handelte es sich um einen Prozess, der von 1790 bis zur Mitte der 1930er Jahre dauerte. Anders als in den USA gibt es in der EU eine starke Opposition gegen eine mögliche Fiskalunion. Die Hauptsorge vieler Mitgliedsstaaten ist der damit verbundene Verlust der Souveränität. Die Autoren schlagen daher für Europa einen Kompromiss vor, der durch eine Reihe von Maßnahmen zumindest zu einer Teilfiskalisierung führen könnte. Zu den Schritten auf dem Weg dahin zählen James und Bordo eine Bankenunion, eine Union der Kapitalmärkte, eine Union der Sozialversicherungen genauso wie eine Energie- und Militärunion. Diese Maßnahmen beschreiben die Autoren als ein verbreitertes Angebot von Versicherungsmechanismen, in denen unterschiedliche Risiken für unterschiedliche Teilnehmer abgesichert werden könnten.

Im Dialog: Paul Krugman und Christian Kopf

Der Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger Paul Krugman ist Gastredner der 13. Risikomanagement-Konferenz am 7. November 2018. Im Vorfeld interviewte ein Team des Kundenmagazins Weitwinkel Paul Krugman in New York. Die Gelegenheit nutzte Christian Kopf, Leiter des Rentenfondsmanagements von Union Investment, um dem Ausnahme-Ökonomen weitere Fragen zu stellen, die Prof. Krugman gerne im Videochat beantwortete.

Claus Leggewie auf „Die Vermessung des Risikos“

Prof. Claus Leggewie ist einer der bekanntesten Politologen und Kulturwissenschaftler in Deutschland. Er warnt vor den Gefahren von Rechtspopulismus und Klimawandel und stellt Überlegungen an, wie Demokratien durch mehr Bürgerbeteiligung reformiert und gestärkt werden können. Prof. Claus Leggewie war im November 2017 Gastredner der 12. Risikomanagement-Konferenz. Am Rande der Veranstaltung interviewte InvestmentTV Prof. Leggewie für die interdisziplinäre Online-Anthologie „Die Vermessung des Risikos“.

Francis Fukuyama auf „Die Vermessung des Risikos“

„Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch“ des renommierten US-Politologen Francis Fukuyama zählt zu den meistzitierten politikwissenschaftlichen Werken der vergangenen Jahrzehnte. Francis Fukuyama gilt als überzeugter Liberaler und großer Kritiker des Neokonservativismus in den USA. Im November 2017 war Prof. Fukuyama Gastredner der 12. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment. Am Rande der Veranstaltung ergab sich die Möglichkeit eines Interviews für das Projekt „Die Vermessung des Risikos“. In dieser interdisziplinären Online-Anthologie beantwortet Prof. Fukuyama unter anderem Fragen zu Risiken, die genauer erforscht werden sollten, Lehren aus vergangenen Krisen sowie zur Prognose kommender Risiken.

Neubewertung globaler Konjunkturrisiken

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner aktuellen Prognose die globalen Konjunkturrisiken neu bewertet. Die weltweiten Wachstumsperspektiven sind weiterhin gut, aber der IWF warnt vor einer sich verengenden Finanzierungssituation. So werden tendenziell wieder steigende Zinsen die Kredite verteuern und die Kreditversorgung verknappen. Auch die Entwicklung der Börsenkurse könnte sich nach immer neuen Rekorden wieder abkühlen. Weitere Risiken sieht der IWF außer in geopolitischen Spannungen in der protektionistischen Wirtschaftspolitik der USA, die mit immer neuen Strafzöllen in einen Handelskrieg münden könnte.

Vermögenseffekte eines ansteigenden Meeresspiegels

Die Folgen des Klimawandels sind vielschichtig und können sich auch auf die Bepreisung risikobehafteter Anlagen auswirken. Eine neue Studie von Asaf Bernstein und Ryan Lewis (beide University of Colorado Boulder) sowie von Matthew Gustafson (Pennsylvania State University/Smeal College of Business) versucht die Vermögenseffekte eines ansteigenden Meeresspiegels (Sea Level Rise: SLR) zu quantifizieren. Den Erkenntnissen der drei Autoren zufolge müssen Häuser, die einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels (SLR) ausgesetzt sind, mit einem Abschlag von sieben Prozent rechnen im Vergleich zu Häusern, die in genügendem Abstand von der gefährdeten Uferzone stehen. Die Studie stellt einen Zusammenhang beim Anstieg des Abschlags mit einer Zunahme skeptischer Käufer und einer wachsenden Sorge um die Folgen der Klimaerwärmung fest. Dagegen konnten die Autoren keinen Zusammenhang zwischen SLR-Gefährdung und Mietpreisen feststellen.

Global Risk Report zeigt erhöhte Risikoerwartung

Anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos wurde auch in diesem Jahr wieder der Global Risk Report publiziert. Der Report beruht auf einer Befragung von fast 1.000 Entscheidern aus Wirtschaft und Politik zu den Risikoerwartungen für das Jahr 2018: 59 Prozent der Antworten deuten auf eine Verschärfung der Risiken hin. Nur sieben Prozent der Antworten ließen auf abnehmende Risiken schließen. Zu den größten Herausforderungen der kommenden zehn Jahre zählen die Befragten die wachsende Einkommens- und Wohlstandsdisparität. Eine sich abzeichnende Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums bietet Chancen, dieses Problem anzugehen. Allerdings deutet der zunehmende Anti-Establishment-Populismus darauf hin, dass dies möglicherweise nicht mehr ausreicht, um gesellschaftliche Brüche zu heilen.

Aufschlussreicher Rückblick auf Renditen

Ein Team um den Bonner ökonomen Moritz Schularick hat in jahrelanger Arbeit eine einzigartige Datenbank erstellt, aus der sich für den Zeitraum von 1870 bis 2015 für 16 Industrienationen reale Renditen für sehr unterschiedliche Kapitalanlagen (inklusive Wohneigentum) errechnen lassen. Die Langzeitperspektive auf reale Renditen der wichtigsten Anlageklassen gibt Hinweise auf oft gestellte Fragen wie etwa nach der Gesamtsumme der realen Renditen in der Wirtschaft. Wie steht diese Summe im Verhältnis zu den wirtschaftlichen Wachstumsraten? Fallen Renditen tendenziell in der Langzeitbetrachtung? Und welche Anlageklassen erbrachten in der Langzeitbetrachtung die höchsten Renditen?

Die 12. Risikomanagement-Konferenz als Multimedia-Dokumentation

Erstmals wird über die Risikomanagement-Konferenz von Union Investment ganz papierfrei mit einer umfassenden Multimedia-Dokumentation berichtet. Zu den Höhepunkten der Konferenz, die im November 2017 in Mainz stattfand und bei der geopolitische Risiken im Vordergrund standen, zählten die Reden des renommierten US-Politologen Prof. Francis Fukuyama und des bekannten deutschen Politik- und Kulturwissenschaftlers Prof. Claus Leggewie. Ferner sprach der Nobelpreisträger Prof. Thomas J. Sargent über die Schwierigkeit, mit Ungewissheiten in der Wahrscheinlichkeitsberechnung umzugehen. Jens Wilhelm, Vorstandsmitglied von Union Investment, analysierte die Entwicklungen an den weltweiten Kapitalmärkten. Auch in diesem Jahr wurde bei der nunmehr 12. Risikomanagement-Konferenz eine aktuelle Studie vorgestellt. So berichteten Prof. Alexander Szimayer von der Universität Hamburg und Thomas Bossert, Geschäftsführer von Union Investment, über die Ergebnisse der von Union Investment beauftragten aktuellen Risikomanagement-Studie zum Nutzen derivatebasierter Investmentstrategien.

Derivate verbessern das Risiko-Rendite-Profil

Derivatebasierte Investmentstrategien liefern einen Mehrwert sowohl für die Renditeoptimierung als auch für die Risikominimierung im Asset Management institutioneller Investoren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Union Investment in Zusammenarbeit mit Professor Alexander Szimayer von der Universität Hamburg. Ziel der Untersuchung war es, die Auswirkungen des Derivateeinsatzes auf das Risiko-Rendite-Profil von Portfolios institutioneller Anleger zu überprüfen. Die Studie beleuchtet die Fragestellung sowohl auf theoretischer als auch auf empirischer Ebene. Der Einsatz von Derivaten kann tatsächlich zu einer Reduzierung des Risikos führen. Bei Investmentfonds konnte die risikoadjustierte Rendite um 0,42 Prozent gesteigert werden, bei gleichzeitiger Reduzierung des systematischen Risikos um 13 Prozent. „Grundsätzlich funktioniert die Risikominimierung mittels Derivaten in allen Marktphasen, auch in Krisenzeiten“, stellt Szimayer fest.

Deutsche Investoren sehen weniger Liquiditätsrisiken als ihre europäischen Kollegen

Deutsche Großanleger sind bei der Kapitalanlage deutlich sicherheitsorientierter als andere europäische Investoren. Allerdings spielen Liquiditäts- und Reputationsrisiken für sie eine geringere Rolle. Zu diesem Ergebnis gelangt eine von Union Investment beauftragte Befragung von 205 institutionellen Investoren in Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern. Die Befragung institutioneller Anleger ist fester Bestandteil der seit 2005 durchgeführten Risikomanagementstudie von Union Investment, die auf der Risikomanagement-Konferenz am 7. November in Mainz vorgestellt wird.

Makroökonomische Unsicherheiten und gefährliche Annahmen

Die Entscheidungstheorie beschreibt ein typisches Verhalten von Investoren im Umgang mit Unsicherheiten bei der Berechnung von Wahrscheinlichkeiten: Ein Entscheider befürchtet, dass die Parameter mehrerer unterschiedlicher strukturierter Wahrscheinlichkeitsmodelle auf längere Sicht in unbekannter Weise so variieren, dass eine probabilistische Aussage unmöglich ist. In der Annahme, dass all diese parametrischen Modelle missverständlich sind, ist er eher bereit, auf alternative unstrukturierte Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu vertrauen, was neue Risiken birgt. Dieses Verhalten ist für Thomas J. Sargent (New York University) und Lars Peter Hansen (University of Chicago) die Grundlage, um ein Wettbewerbsgleichgewicht von Unsicherheitspreisen zu konstruieren. Sargent, der 2011 für sein empirisches Modell zur Berechnung der Wirkung wirtschaftspolitischer Maßnahmen den Nobelpreis erhielt, ist Gastredner der Risikomanagement-Konferenz von Union Investment am 7. November 2017.

Ein Besuch beim Nobelpreisträger

Der US-amerikanische Makroökonom und Nobelpreisträger Thomas J. Sargent ist Gastredner der 12. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment. Ein kleines Filmporträt stellt den Professor der New York University vor. Dabei gibt Sargent Auskunft über die Tücken des von Donald Trump angekündigten Infrastrukturprogramms und warum selbst rational handelnde Anleger an Börsen an Grenzen stoßen. Außerdem gibt der Experte für Geldpolitik einen Ausblick auf das Thema seines Vortrags, den er am 7. November 2017 bei der Risikomanagement-Konferenz halten wird. Zusätzlich wurde auch auf www.dievermessungdesrisikos.de , der interdisziplinären Risikoanthologie von Union Investment, ein Interview eingestellt, in dem Thomas J. Sargent über seine Forschung und seine Einschätzungen zu den größten Risiken der kommenden Jahre spricht.
31.08.2017

Whale Watching auf dem Börsenparkett

Der Fall des Wertpapierhändlers Nick Leeson wurde 1995 zum Paradebeispiel für Händler, die auf der Suche nach dem schnellen Geld das Vermögen und den Ruf ihrer Finanzfirmen gefährden. Die Libor-Euribor-Manipulationen, in die zum Teil sogar das Management bekannter Geldhäuser eingebunden war, sind ein weiteres Beispiel. Solche und ähnliche Fälle von im Verborgenen gehaltenen Praktiken des sogenannten „collusive rogue trading“ – kurz CRT – haben Hagen Rafeld und Peter N. Posch (beide TU Dortmund) sowie Sebastian Fritz-Morgenthal (Frankfurt School of Finance & Management) näher untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass es sich hierbei nicht um wenige Einzelfälle handelt, sondern um ein Phänomen, das weite Teile des Finanzsektors und insbesondere die Investmentbanking-Branche betreffen kann. In der Studie untersuchen die Autoren nicht nur Fälle, sondern ermitteln auch, wie Organisationen ein „Behavioral Risk Management“ etablieren können, um in Zukunft folgenschweres spekulatives Fehlverhalten zu verhindern.

Cyber-Security-Studie: Viele Unternehmen haben Nachholbedarf

Viele Unternehmen sind nicht hinreichend auf die Risiken aus dem Cyberspace vorbereitet. Dies geht aus einer aktuellen Studie der international tätigen Risikomanagementberatung Control Risks hervor, die die Befragung im Januar und Februar 2017 in über 20 Ländern durchführte. Laut dem „State of the Cyber Security Landscape Survey 2017“ fühlen sich viele Führungskräfte und IT-Entscheider in Fragen der Cyber Security überfordert. Annähernd die Hälfte der Befragten ist davon überzeugt, dass die Führungsetage ihres Unternehmens die Cyberrisiken nicht ernst genug nehmen würde. 34 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, keinen Krisenmanagementplan für den Fall eines Cyberangriffs zu haben. Die Studie untersucht aber auch, mit welchen Strategien und Maßnahmen sich Unternehmen weltweit vor Risiken aus dem Cyberspace schützen.

Die Brexit-Nacht als Experiment

Am 23. Juni 2016 stimmte eine Mehrheit der britischen Wähler für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. In der Folge sackte das britische Pfund zunächst auf ein 30-Jahres-Tief. Die Wahlnacht stellt für Didier Sornette und Spencer Wheatley (beide ETH Zürich) ein Experiment unter realistischen Bedingungen dar, um die Hypothese effizienter Märkte zu überprüfen und die Möglichkeiten von Echtzeitvorhersagen zu testen. Anhand der ersten Stimmenergebnisse von 20 der insgesamt 382 Wahlbezirke als einzigem Faktor gelang es den beiden bereits, den Ausgang des Votums mit hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Dessen ungeachtet reagierten die Märkte stark verzögert auf die ersten Wahlinformationen. Dieses kollektive Scheitern an Informationen belegt in den Augen der Autoren eine allgemeine Ineffizienz sowie eine spezifische Trägheit und eine dauerhafte Voreingenommenheit in den Märkten, die ähnlich wie das Herdenverhalten während Blasen funktionieren.

Menschenrechtsverletzungen, ein globales Risiko für Unternehmen

Kinderarbeit, mangelnde Arbeitssicherheit oder Umweltsünden, die Gesundheit und Leben gefährden: Auch wenn in Deutschland Menschenrechtsverletzungen am Arbeitsplatz eher zu den absoluten Ausnahmen gehören, sind auch deutsche Unternehmen betroffen. So zum Beispiel, wenn sie durch Zulieferer oder Unternehmensakquisitionen in Schwellenländern Verantwortung übernehmen müssen. Wie aber reagieren Unternehmen, wenn etwa Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten publik werden? Und was machen Unternehmen besser, wenn sie sich zu den Prinzipien des internationalen Nachhaltigkeitspakts UN Global Compact bekennen? In einer globalen Studie hat Menno T. Kamminga (Universität Maastricht) insgesamt 1.877 Menschenrechtsbeschwerden empirisch ausgewertet. Davon betrafen 87 deutsche Unternehmen, womit Deutschland im internationalen Vergleich den fünften Rang belegt. Lediglich die USA mit 511, Großbritannien mit 198, Kanada mit 110 und China mit 94 Beschwerden liegen noch davor.

Nachruf auf Stephen A. Ross

Prof. Stephen A. Ross, Professor für Finanz- und Wirtschaftswissenschaft an der Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist am 3. März 2017 im Alter von 73 Jahren verstorben. Der US-Ökonom wurde bekannt für die Entwicklung der Arbitragepreistheorie und der Optionspreistheorie. Noch im November 2016 sprach Stephen Ross als einer der Hauptredner der 11. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment. Für „Die Vermessung des Risikos“, die interdisziplinäre Online-Anthologie von Union Investment, wurde Ross im Vorfeld der Konferenz zu kommenden Risiken, weißen Flecken in der Risikoforschung und zu den Lehren aus der großen Finanzkrise von 2008 interviewt. Der Beitrag wurde um einen Nachruf vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) aktualisiert.

Welt-Risiko-Bericht warnt vor Populismus

Das Brexit-Votum in Großbritannien und der Wahlsieg Donald Trumps in den USA lenkten vor allem den Blick auf Europa und Nordamerika. Doch auch in anderen Regionen der Welt wie etwa Brasilien, den Philippinen und der Türkei zeigen Beispiele eine heftige Bewegung gegen Teile des inländischen und internationalen Status quo. So zählt der anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos publizierte 12. Welt-Risiko-Bericht die Rückkehr des Nationalismus und den Aufstieg populistischer Bewegungen aktuell zu einem der fünf globalen Kernprobleme. Potenziell gefährlich für die Welt seien auch die wachsende soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die Migrationsproblematik, der Klimawandel und Terroranschläge. Für die Studie wurden weltweit etwa 750 Manager und Wirtschaftswissenschaftler befragt.

Was muss man von TLAC und MREL erwarten?

Mit „Basel IV“ sollen die globalen Kapitalregeln für Banken erneut reformiert werden. Zwar befindet sich das Regelwerk noch in Abstimmung. Absehbar ist aber bereits, dass Themen wie die neuen Mindestanforderungen für Banken, TLAC und MREL, dabei eine wichtige Rolle spielen werden. Für Banken hat das Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen und bedeutet gleichzeitig einen enormen Umsetzungsaufwand. Die Bundesbank hat die absehbaren Auswirkungen für Banken und Investoren in Finanzanleihen in ihrem Monatsbericht näher behandelt.

Julian Nida-Rümelin auf „Die Vermessung des Risikos“

Prof. Julian Nida-Rümelin zählt zu den bekanntesten Philosophen Deutschlands. Der ehemalige Kulturstaatsminister lehrt Philosophie und politische Theorie an der Universität München und berät Führungskräfte zu ethischen Fragen. Als Grenzgänger zwischen Philosophie und Ökonomie interessiert er sich vor allem für Entscheidungsprozesse und deren ethische Aspekte. Prof. Nida-Rümelin war am 3. November 2016 Gastredner der 11. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment. Am Rande der Veranstaltung ergab sich die Möglichkeit eines Interviews für das Projekt „Die Vermessung des Risikos“. In dieser interdisziplinären Online-Anthologie beantwortet Prof. Nida-Rümelin unter anderem Fragen zu Risiken, die genauer erforscht werden sollten, Lehren aus vergangenen Krisen sowie zur Prognose kommender Risiken.

Risikostudie analysiert Blasenbildung an Finanzmärkten

Was sind die Ursachen von spekulativen Blasen an den Finanzmärkten? Und gibt es Möglichkeiten, diese rechtzeitig zu erkennen? Diese Fragen untersuchen Professor Martin Hellmich und Dr. Sikandar Siddiqui von der Frankfurt School of Finance & Management in der neuen Risikomanagement-Studie von Union Investment. Ziel der Studie ist es, Blasenbildungen besser vorhersehbar zu machen und im Idealfall einen Beitrag dazu zu leisten, zum richtigen Zeitpunkt gegen den Markt zu handeln. Dazu haben die Studienautoren ein empirisches Modell entwickelt, das das Handeln von heterogenen Finanzmarktakteuren in unterschiedlichen Netzwerken nachbildet und in einen Zusammenhang mit der Entstehung von unterschiedlichen Anomalien an den Finanzmärkten bringt.
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