Für die Risikomanagement-News werden regelmäßig aktuelle Studienergebnisse ausgewertet, die auf der US-Wissenschaftsplattform „Social Science Research Network“ (SSRN) eingestellt sind. Um die kompletten Studien als Download einzusehen, ist eine unverbindliche und kostenlose Anmeldung auf www.ssrn.com erforderlich.

Risikomanagement-News

Das Virus und die Stabilität der Finanzsysteme

Seit 1974 versucht der Basler Ausschuss für Finanzaufsicht die Finanzstabilität durch die weltweite Regulierung von Banken zu stärken. Dieses Ziel erforderte auch die Entwicklung und den Einsatz immer neuer Methoden der Risikomessung, die sich mit jeder Krise weiterentwickelt haben. Dennoch hätten die Basler Standards (Basel I, II und III) nicht dazu geführt, das globale Finanzsystem wirklich stabiler zu machen, kritisiert Dr. John Taskinsoy von der Universität Malaysia Sarawak  (UNIMAS). Die Corona-Pandemie stellt in seinen Augen eine neue Herausforderung für die Stabilität der Finanzmärkte dar. Wie lassen sich die Folgen der Billionen Dollar schweren Maßnahmen und Hilfspakete der Regierungen abschätzen? Dr. Taskinsoy bezweifelt, dass die bisherigen Modelle und Standards ausreichen, um die weiter existierenden strukturellen Probleme, die durch die Pandemie verschärft werden, zu beheben oder zumindest zu kontrollieren.

„Spanische Grippe“ als Worst-Case-Szenario

Die letzte große Pandemie, die die Welt vor der Corona-Epidemie heimsuchte, war die „Spanische Grippe“ von 1918 bis 1920. Welche Erwartungen lassen sich aus dieser großen Grippeepidemie für die möglichen Auswirkungen des Coronavirus auf Sterblichkeit und Wirtschaftstätigkeit ziehen? Dieser Frage gehen der Harvard-Ökonom Prof. Robert J. Barro, der Datenspezialist José F. Ursúa (Dodge & Cox Funds) und die New Yorker Gesundheitswesenstrategin Joanna Weng (EverLife) in einem Arbeitspapier nach. Angemerkt sei, dass die Spanische Grippe mit ihren verheerenden Auswirkungen bezüglich der Sterblichkeit und wirtschaftlichen Kontraktion eine ungefähre obere Grenze für die Erwartungen zur Corona-Epidemie bietet. Das Papier stellt insofern ein Worst-Case-Szenario dar.

Vier Antworten zur modernen Geldtheorie (MMT)

„Einem Staat kann das Geld nicht ausgehen. Er schöpft neues Geld, indem er es ausgibt“, das ist das Mantra von Stephanie Kelton. Die US-Ökonomin ist die neue Galionsfigur progressiverer US-Demokraten. Ihre Thesen für eine neue Geldpolitik basieren auf der von ihr mitentwickelten modernen Geldtheorie (Modern Monetary Theory oder kurz MMT), die vielen ökonomischen Lehrbüchern widerspricht. Selbst der liberale Nobelpreisträger Paul Krugman kritisiert den MMT-Denkansatz vehement und lieferte sich mit Kelton über seine Kolumne in der New York Times einen Schlagabtausch. Die Professorin antwortete über Bloomberg auf die von Krugman aufgeworfenen Fragen zur modernen Geldtheorie. Stephanie Kelton ist Gastrednerin der 15. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment am 11. November 2020.

„Europa sollte mehr tun“

Die italienische Ökonomin Prof. Lucrezia Reichlin leitete von 2005 bis 2008 die Researchabteilung der Europäischen Zentralbank. Am Rande der Risikomanagement-Konferenz in Mainz nutzte Union Investment-Rentenchef Christian Kopf die Gelegenheit, Prof. Reichlin zu einem Gespräch über die Zukunft des Euro und der EZB zu treffen. Eine Videoaufzeichnung dieses Gesprächs findet sich in der neuen Ausgabe von Weitwinkel.digital.

Weltwirtschaftsforum stellt Risikobericht vor

Im Vorfeld des 50. Jahrestreffens in Davos stellte das Weltwirtschaftsforum (WEF) seinen Weltrisikobericht 2020 vor. Der Report zeigt die größten Risiken auf, mit denen die Welt in diesem Jahr konfrontiert sein wird. Dazu zählt, dass die Weltwirtschaft von einem erhöhten Risiko des Abschwungs bedroht ist. Der Bericht prognostiziert ein Jahr mit zunehmenden nationalen und internationalen Spaltungen und eine konjunkturelle Abkühlung. Die politischen Entscheidungsträger müssten die Ziele für den Schutz der Erde mit denen für die Ankurbelung der Volkswirtschaften abgleichen. Denn die Effekte des Klimawandels sind bereits schneller und härter eingetreten als erwartet. Der Global Risk Report schlägt einen Multi-Stakeholder-Ansatz vor. Denn so der Bericht: „Ohne eine Behebung gesellschaftlicher Spaltungen und die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums können die Staats- und Regierungschefs Bedrohungen wie die Klima- oder Biodiversitätskrise nicht systematisch angehen.“ Als weitere große Risiken sieht der Report die Gefahren der Digitalisierung und die in vielen Ländern schwächelnden Gesundheitssysteme.
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