Risikomanagement-News

Für die Risikomanagement-News werden regelmäßig aktuelle Studienergebnisse ausgewertet, die auf der US-Wissenschaftsplattform „Social Science Research Network“ (SSRN) eingestellt sind. Um die kompletten Studien als Download einzusehen, ist eine unverbindliche und kostenlose Anmeldung auf www.ssrn.com erforderlich.

Ein Besuch beim Nobelpreisträger

Der US-amerikanische Makroökonom und Nobelpreisträger Thomas J. Sargent ist Gastredner der 12. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment. Ein kleines Filmporträt stellt den Professor der New York University vor. Dabei gibt Sargent Auskunft über die Tücken des von Donald Trump angekündigten Infrastrukturprogramms und warum selbst rational handelnde Anleger an Börsen an Grenzen stoßen. Außerdem gibt der Experte für Geldpolitik einen Ausblick auf das Thema seines Vortrags, den er am 7. November 2017 bei der Risikomanagement-Konferenz halten wird. Zusätzlich wurde auch auf www.dievermessungdesrisikos.de , der interdisziplinären Risikoanthologie von Union Investment, ein Interview eingestellt, in dem Thomas J. Sargent über seine Forschung und seine Einschätzungen zu den größten Risiken der kommenden Jahre spricht.

Whale Watching auf dem Börsenparkett

Der Fall des Wertpapierhändlers Nick Leeson wurde 1995 zum Paradebeispiel für Händler, die auf der Suche nach dem schnellen Geld das Vermögen und den Ruf ihrer Finanzfirmen gefährden. Die Libor-Euribor-Manipulationen, in die zum Teil sogar das Management bekannter Geldhäuser eingebunden war, sind ein weiteres Beispiel. Solche und ähnliche Fälle von im Verborgenen gehaltenen Praktiken des sogenannten „collusive rogue trading“ – kurz CRT – haben Hagen Rafeld und Peter N. Posch (beide TU Dortmund) sowie Sebastian Fritz-Morgenthal (Frankfurt School of Finance & Management) näher untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass es sich hierbei nicht um wenige Einzelfälle handelt, sondern um ein Phänomen, das weite Teile des Finanzsektors und insbesondere die Investmentbanking-Branche betreffen kann. In der Studie untersuchen die Autoren nicht nur Fälle, sondern ermitteln auch, wie Organisationen ein „Behavioral Risk Management“ etablieren können, um in Zukunft folgenschweres spekulatives Fehlverhalten zu verhindern.

Cyber-Security-Studie: Viele Unternehmen haben Nachholbedarf

Viele Unternehmen sind nicht hinreichend auf die Risiken aus dem Cyberspace vorbereitet. Dies geht aus einer aktuellen Studie der international tätigen Risikomanagementberatung Control Risks hervor, die die Befragung im Januar und Februar 2017 in über 20 Ländern durchführte. Laut dem „State of the Cyber Security Landscape Survey 2017“ fühlen sich viele Führungskräfte und IT-Entscheider in Fragen der Cyber Security überfordert. Annähernd die Hälfte der Befragten ist davon überzeugt, dass die Führungsetage ihres Unternehmens die Cyberrisiken nicht ernst genug nehmen würde. 34 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, keinen Krisenmanagementplan für den Fall eines Cyberangriffs zu haben. Die Studie untersucht aber auch, mit welchen Strategien und Maßnahmen sich Unternehmen weltweit vor Risiken aus dem Cyberspace schützen.

Die Brexit-Nacht als Experiment

Am 23. Juni 2016 stimmte eine Mehrheit der britischen Wähler für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. In der Folge sackte das britische Pfund zunächst auf ein 30-Jahres-Tief. Die Wahlnacht stellt für Didier Sornette und Spencer Wheatley (beide ETH Zürich) ein Experiment unter realistischen Bedingungen dar, um die Hypothese effizienter Märkte zu überprüfen und die Möglichkeiten von Echtzeitvorhersagen zu testen. Anhand der ersten Stimmenergebnisse von 20 der insgesamt 382 Wahlbezirke als einzigem Faktor gelang es den beiden bereits, den Ausgang des Votums mit hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Dessen ungeachtet reagierten die Märkte stark verzögert auf die ersten Wahlinformationen. Dieses kollektive Scheitern an Informationen belegt in den Augen der Autoren eine allgemeine Ineffizienz sowie eine spezifische Trägheit und eine dauerhafte Voreingenommenheit in den Märkten, die ähnlich wie das Herdenverhalten während Blasen funktionieren.

Menschenrechtsverletzungen, ein globales Risiko für Unternehmen

Kinderarbeit, mangelnde Arbeitssicherheit oder Umweltsünden, die Gesundheit und Leben gefährden: Auch wenn in Deutschland Menschenrechtsverletzungen am Arbeitsplatz eher zu den absoluten Ausnahmen gehören, sind auch deutsche Unternehmen betroffen. So zum Beispiel, wenn sie durch Zulieferer oder Unternehmensakquisitionen in Schwellenländern Verantwortung übernehmen müssen. Wie aber reagieren Unternehmen, wenn etwa Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten publik werden? Und was machen Unternehmen besser, wenn sie sich zu den Prinzipien des internationalen Nachhaltigkeitspakts UN Global Compact bekennen? In einer globalen Studie hat Menno T. Kamminga (Universität Maastricht) insgesamt 1.877 Menschenrechtsbeschwerden empirisch ausgewertet. Davon betrafen 87 deutsche Unternehmen, womit Deutschland im internationalen Vergleich den fünften Rang belegt. Lediglich die USA mit 511, Großbritannien mit 198, Kanada mit 110 und China mit 94 Beschwerden liegen noch davor.
Archiv...