Für die Risikomanagement-News werden regelmäßig aktuelle Studienergebnisse ausgewertet, die auf der US-Wissenschaftsplattform „Social Science Research Network“ (SSRN) eingestellt sind. Um die kompletten Studien als Download einzusehen, ist eine unverbindliche und kostenlose Anmeldung auf www.ssrn.com erforderlich.

Risikomanagement-News

George A. Akerlof: Erkenntnisse eines Grenzgängers

Der Wirtschaftsnobelpreisträger von 2001, George A. Akerlof, ist Gastredner der diesjährigen Risikomanagement-Konferenz von Union Investment. Im Vorfeld ergab sich für InstitutionalTV die Gelegenheit, den Ökonomen und Autoren mehrerer wichtiger Bücher zur Finanzpsychologie wie „Market for Lemmons“, „Animal Spirits“ und „Pishing for Phools“ zu interviewen. Akerlof ist ein Grenzgänger verschiedener Disziplinen und verbindet Wirtschaftswissenschaft mit Psychologie und Soziologie. Insbesondere die Soziologie eröffnete ihm einen neuen Blick auf das Finanzverhalten von Menschen. Das Interview als Video ist auf InstitutionalTV abrufbar.

Investieren unter Extremwetterbedingungen

Der Klimawandel wirkt disruptiv – auch auf Geschäftsmodelle von Unternehmen. Diese Themen im Chancen- und Risikomanagement zu berücksichtigen wird für den Asset Manager zur Pflichtaufgabe. Das bedeutet: Klimafaktoren müssen tief in sämtlichen Investmentprozessen verankert werden. Wie dieser Prozess aussehen kann, hat Union Investment, als einer der führenden nachhaltigen Asset Manager in Deutschland, beispielhaft mit der Analyse „Investieren unter Extremwetterbedingungen“ verdeutlicht.

Eckpunkte einer CO2-Preisreform für Deutschland

Noch sucht die Politik nach Möglichkeiten, das Pariser Klimaabkommen zur Begrenzung der Erderwärmung umzusetzen. Mit dem Kohleausstieg allein wäre in Deutschland noch nicht viel für den Klimaschutz gewonnen. Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) unter Leitung von Ottmar Edenhofer und Christian Flachsland (Hertie School of Governance) zeigt, dass Emissionen sogar weiter steigen könnten, wenn der CO2-Ausstoß nicht zusätzlich bepreist wird. Die Studie macht Vorschläge für eine umfassende Preisreform und ihre Umsetzung unter Berücksichtigung sozialer und wirtschaftlicher Aspekte. Prof. Ottmar Edenhofer, Direktor des PIK, ist Gastredner der Nachhaltigkeitskonferenz von Union Investment am 25. Juni 2019.

Kohlenstoffemissionen und Bankkredite

Der Kampf gegen den Klimawandel hat zunehmend auch Auswirkungen auf die Kreditvergabe von Banken. Eine aktuelle Studie der Polytechnischen Universität Hongkong (Jeong-Bon Kim, Chong Wang und Feng Wu) hat untersucht, wie stark sich das Kreditverhalten von Banken weltweit gegenüber Schuldnern mit einer hohen CO2-Bilanz verändert. Die Autoren fanden heraus, dass Finanzinstitute tendenziell höhere Kreditspreads verlangen und striktere Bedingungen an Firmenkredite von direkten Verursachern hoher Treibhausgasemissionen stellen. Zusätzlich wurden weitere Szenarien mit exogenen Schocks, einer weltweit verschärften Klimagesetzgebung und der gestaffelten Übernahme umweltbezogener Prinzipien im Bankensektor durchgespielt. Die Ergebnisse bestätigen, dass es sich um aufkommende CO2-Bedenken handelt, die zu den beobachteten Veränderungen der Kreditvertragsbedingungen führen. Zunehmende Erfahrungen mit extremen Klimaereignissen dürften folglich die Sensibilität der Kreditbedingungen für CO2-Emissionen weiter verschärfen. Im Umkehrschluss gehen die Autoren davon aus, dass Kreditnehmer, die nachweislich über Emissionsminderungssysteme verfügen und die Klimarisiken besser steuern, von besseren Kreditkonditionen profitieren können. Kohlenstoffintensive Unternehmen sind dagegen wegen einer verschlechterten Rentabilität und erhöhten regulatorischen und insolvenzrechtlichen Risiken einem zunehmenden Druck bei den Kreditbedingungen ausgesetzt.

Quanten-Computing, Wettermanipulation und monetärer Populismus als Risiko

Zum 14. Mal hat das Weltwirtschaftsforum in Davos seinen jährlichen Weltrisiko-Report veröffentlicht. Auf der Risikolandkarte des Reports rangieren Umweltrisiken, insbesondere extreme Wetterereignisse und weitere durch den Klimawandel hervorgerufene Folgen ganz weit vorne. Daneben beschäftigt sich der Bericht aber auch mit weiteren Risiken mit besonders hohem Schockpotenzial, wie dem Quanten-Computing, Wettermanipulationen, monetärem Populismus, also der politischen Einflussnahme auf Zentralbanken, und möglichen Missverständnissen in der Interaktion von menschlicher und künstlicher Intelligenz. Außerdem beleuchtet der Report die psychologischen Ursachen und Auswirkungen globaler Risiken. Angesichts zunehmender psychischer Belastungen weltweit sieht der Report hierbei akuten Handlungsbedarf.
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