Risikomanagement-News

Für die Risikomanagement-News werden regelmäßig aktuelle Studienergebnisse ausgewertet, die auf der US-Wissenschaftsplattform „Social Science Research Network“ (SSRN) eingestellt sind. Um die kompletten Studien als Download einzusehen, ist eine unverbindliche und kostenlose Anmeldung auf www.ssrn.com erforderlich.

Cyber-Security-Studie: Viele Unternehmen haben Nachholbedarf

Viele Unternehmen sind nicht hinreichend auf die Risiken aus dem Cyberspace vorbereitet. Dies geht aus einer aktuellen Studie der international tätigen Risikomanagementberatung Control Risks hervor, die die Befragung im Januar und Februar 2017 in über 20 Ländern durchführte. Laut dem „State of the Cyber Security Landscape Survey 2017“ fühlen sich viele Führungskräfte und IT-Entscheider in Fragen der Cyber Security überfordert. Annähernd die Hälfte der Befragten ist davon überzeugt, dass die Führungsetage ihres Unternehmens die Cyberrisiken nicht ernst genug nehmen würde. 34 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, keinen Krisenmanagementplan für den Fall eines Cyberangriffs zu haben. Die Studie untersucht aber auch, mit welchen Strategien und Maßnahmen sich Unternehmen weltweit vor Risiken aus dem Cyberspace schützen.

Die Brexit-Nacht als Experiment

Am 23. Juni 2016 stimmte eine Mehrheit der britischen Wähler für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. In der Folge sackte das britische Pfund zunächst auf ein 30-Jahres-Tief. Die Wahlnacht stellt für Didier Sornette und Spencer Wheatley (beide ETH Zürich) ein Experiment unter realistischen Bedingungen dar, um die Hypothese effizienter Märkte zu überprüfen und die Möglichkeiten von Echtzeitvorhersagen zu testen. Anhand der ersten Stimmenergebnisse von 20 der insgesamt 382 Wahlbezirke als einzigem Faktor gelang es den beiden bereits, den Ausgang des Votums mit hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Dessen ungeachtet reagierten die Märkte stark verzögert auf die ersten Wahlinformationen. Dieses kollektive Scheitern an Informationen belegt in den Augen der Autoren eine allgemeine Ineffizienz sowie eine spezifische Trägheit und eine dauerhafte Voreingenommenheit in den Märkten, die ähnlich wie das Herdenverhalten während Blasen funktionieren.

Menschenrechtsverletzungen, ein globales Risiko für Unternehmen

Kinderarbeit, mangelnde Arbeitssicherheit oder Umweltsünden, die Gesundheit und Leben gefährden: Auch wenn in Deutschland Menschenrechtsverletzungen am Arbeitsplatz eher zu den absoluten Ausnahmen gehören, sind auch deutsche Unternehmen betroffen. So zum Beispiel, wenn sie durch Zulieferer oder Unternehmensakquisitionen in Schwellenländern Verantwortung übernehmen müssen. Wie aber reagieren Unternehmen, wenn etwa Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten publik werden? Und was machen Unternehmen besser, wenn sie sich zu den Prinzipien des internationalen Nachhaltigkeitspakts UN Global Compact bekennen? In einer globalen Studie hat Menno T. Kamminga (Universität Maastricht) insgesamt 1.877 Menschenrechtsbeschwerden empirisch ausgewertet. Davon betrafen 87 deutsche Unternehmen, womit Deutschland im internationalen Vergleich den fünften Rang belegt. Lediglich die USA mit 511, Großbritannien mit 198, Kanada mit 110 und China mit 94 Beschwerden liegen noch davor.

Nachruf auf Stephen A. Ross

Prof. Stephen A. Ross, Professor für Finanz- und Wirtschaftswissenschaft an der Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist am 3. März 2017 im Alter von 73 Jahren verstorben. Der US-Ökonom wurde bekannt für die Entwicklung der Arbitragepreistheorie und der Optionspreistheorie. Noch im November 2016 sprach Stephen Ross als einer der Hauptredner der 11. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment. Für „Die Vermessung des Risikos“, die interdisziplinäre Online-Anthologie von Union Investment, wurde Ross im Vorfeld der Konferenz zu kommenden Risiken, weißen Flecken in der Risikoforschung und zu den Lehren aus der großen Finanzkrise von 2008 interviewt. Der Beitrag wurde um einen Nachruf vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) aktualisiert.

Welt-Risiko-Bericht warnt vor Populismus

Das Brexit-Votum in Großbritannien und der Wahlsieg Donald Trumps in den USA lenkten vor allem den Blick auf Europa und Nordamerika. Doch auch in anderen Regionen der Welt wie etwa Brasilien, den Philippinen und der Türkei zeigen Beispiele eine heftige Bewegung gegen Teile des inländischen und internationalen Status quo. So zählt der anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos publizierte 12. Welt-Risiko-Bericht die Rückkehr des Nationalismus und den Aufstieg populistischer Bewegungen aktuell zu einem der fünf globalen Kernprobleme. Potenziell gefährlich für die Welt seien auch die wachsende soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die Migrationsproblematik, der Klimawandel und Terroranschläge. Für die Studie wurden weltweit etwa 750 Manager und Wirtschaftswissenschaftler befragt.
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