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#Palmöl

Umstrittener Rohstoff – Palmöl im Fokus der Nachhaltigkeit

Umstrittener Rohstoff

Palmöl im Fokus der Nachhaltigkeit
Ob Margarine, Pizza, Schokoriegel, Waschmittel, Hautcreme oder Lippenstift: So gut wie jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. Und jede Kaufentscheidung entscheidet auch über das Schicksal bedrohter Tierarten und des Regenwaldes. Daher stand dieser umstrittene Rohstoff 2016 auch im Fokus des Engagement-Dialogs von Union Investment.

Palmöl ist besonders hitzebeständig, haltbar und streichfähig und somit ein äußerst nützlicher und vielseitiger Rohstoff. Doch der große Bedarf hat schwerwiegende Folgen für die Umwelt: In Südostasien und insbesondere auf Sumatra entstanden in den vergangenen Jahrzehnten riesige Plantagen, für die gigantische Flächen an Regenwald abgeholzt wurden. Indigene Völker verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage. Bedrohte Tierarten wie Orang-Utans, Elefanten, Tiger und Nashörner verlieren ihren Lebensraum.

# Palmöl

# Palmöl

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Mit einem weltweiten Marktanteil von 30 Prozent ist es vor Sojaöl das wichtigste Pflanzenöl. Mehr als 85 Prozent der Palmölproduktion kommen aus Indonesien und Malaysia. Die größten Importeure sind Indien, Indonesien, China und die EU. Weltweit ist der Verbrauch von Palmöl von 37,58 Millionen Tonnen im Jahr 2007 auf 62,22 Millionen Tonnen im Jahr 2016 gestiegen.

#RSPO und Forest Trust

Der Standard Roundtable for Sustainable Palm Oil (RSPO) enthält zahlreiche verbindliche Kriterien für den Anbau von Palmöl, beispielsweise beim Verbot von Abholzung. Eine Raffinerie, die RSPO-zertifiziert ist, liefert noch kein zertifiziertes Palmöl. RSPO sagt nur, dass gewisse Mindeststandards eingehalten wurden. Darüber hinaus gibt es noch „Forest Trust“. Bei diesem Standard werden die Kriterien von den jeweiligen Unternehmen individuell definiert und können strenger oder laxer sein.

Unterschiedlicher Nachhaltigkeitsgrad von Palmöl

  • Identity Preserved (IP)
  • Segregated (SG)
  • Massbalanced (MB)
  • Book & Claim (BC)

Schwerwiegende Umweltfolgen

Aber auch das Klima leidet: Wenn für die Palmplantagen Moore trockengelegt und Wälder brandgerodet werden, werden große Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen. Weitere negative Effekte dieser monokulturellen Plantagenwirtschaft sind eine größere Erosion des Bodens und eine höhere Anfälligkeit der Pflanzen gegenüber Krankheitserregern. Durch den massiven Einsatz von Düngemitteln wird außerdem das Grundwasser belastet. Die schwerwiegenden Folgen sind bereits spürbar, und damit steigt der Druck, dass sich etwas verändern muss, von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), aber auch von politischer Seite. Die Frage ist, wie kann der Rohstoff Palmöl genutzt werden, ohne dass Menschen und Umwelt zu den Verlierern gehören?

Ursachenforschung ist Teil des Engagement-Dialogs

Für Union Investment hat das Thema eine hohe Brisanz. Dabei gilt es zunächst die Ursachen zu erkunden. Neben den Produzenten von Palmöl müssen nämlich auch die Unternehmen in der Wertschöpfungskette betrachtet werden. Dazu zählen beispielsweise Konsumgüterunternehmen, die Endprodukte abnehmen, oder Banken, die Palmölplantagen finanzieren. Union Investment hat daher im Jahr 2016 zahlreiche Gespräche mit Unternehmensvertretern geführt. Unter anderem mit Henkel, einem der größten Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie von Kosmetika, die eben auch auf Palmöl basieren. Darüber hinaus befindet sich Union Investment im intensiven Dialog mit NGOs wie dem World Wide Fund For Nature (WWF) und dem Südwind-Institut. Ziel dieser Aktivitäten ist es, nach Alternativen und Wegen eines möglichst nachhaltigen und umweltverträglichen Umgangs mit dem Rohstoff Palmöl zu suchen. Darüber hinaus hat Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Engagement bei Union Investment, Unternehmen in Südostasien als der am meisten betroffenen Region besucht – und sich ein eigenes Bild gemacht. Für ihn steht fest: „Alle mit Palmöl wirtschaftenden Unternehmen unterliegen einem erhöhten Klage-, Regulierungs- oder Reputationsrisiko, unabhängig davon, ob sie Produzenten oder weiterverarbeitende Unternehmen sind.“ Der Kern des Problems sind die oben erwähnten Umweltaspekte und teilweise auch Menschenrechtsverstöße, auf die Union Investment alle Unternehmen angesprochen hat.

Politik drängt auf Nachhaltigkeit

Inzwischen wächst auch in Südostasien der politische Druck. Alleine im vergangenen Jahr lag Singapur fast zwei Monate lang unter einer Rußglocke, Haze genannt, die das (wirtschaftliche) Leben massiv beeinträchtigte. NGOs behaupten, dass die durch Brände ausgelösten Emissionen in Indonesien 2015 größer gewesen seien als die Emissionen, die die gesamte chinesische Volkswirtschaft im selben Jahr verursacht hat. Die politischen Vertreter in Singapur üben daher Druck auf Unternehmen und die beiden wichtigsten Länder der Palmölproduktion, Indonesien und Malaysia, aus.Durch den politischen Druck können sich börsengelistete Unternehmen kaum noch der Nachhaltigkeitsthematik entziehen.

Begehrter Rohstoff

Verwendung von Palmöl bei Konsumgütern und als Energieträger

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