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#Kreuzfahrten

Kreuzfahrten belasten Mensch, Umwelt und Klima

Zwischen Urlaub und Umweltverschmutzung

Kreuzfahrten belasten Mensch, Umwelt und Klima
Der Urlaub auf dem Traumschiff liegt im Trend. Aber die schwimmenden Luxushotels sind oft auch eine Umwelt- und Klimabelastung. Grund genug für Union Investment, mit der Kreuzfahrtbranche in den Dialog zu treten, um Probleme und Lösungen zu diskutieren.

Hochseeschiffe zählen zu den umweltschädlichsten Transport- und Fortbewegungsmitteln überhaupt. Nicht nur Handelsschiffe, sondern auch Urlaubsschiffe gehören dazu. Und die Kreuzfahrtbranche boomt: Weltweit dürften im vergangenen Jahr laut Internationalem Kreuzfahrtverband CLIA 24,2 Millionen Menschen auf Kreuzfahrt gegangen sein. 2017 wird mit 25,3 Millionen Passagieren gerechnet. Nach Verbandsangaben werden dabei allein 26 neue Hochsee-, Fluss- und Spezialkreuzfahrtschiffe auf Jungfernfahrt gehen. Bei den meisten Kreuzfahrtschiffen handelt es sich um schwimmende Kleinstädte mit eigener Infrastruktur, die bis zu 9.000 Passagiere an Bord beherbergen können. Das Problem: Anders als andere Transportmittel bewegen sich die Ozeanriesen kaum reguliert auf internationalen Gewässern.

Hohe ökologische Herausforderungen

Das Gros der Kreuzfahrtschiffe fährt noch immer mit Schweröl. An moderner Umwelttechnik wird oft gespart. Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) schätzt, dass allein 80 Prozent der in Europa fahrenden Schiffe über gar keine Abgasreinigung verfügen oder allenfalls den gesetzlichen Mindeststandards nachkommen. Das führt zu einem hohen Ausstoß von Luftschadstoffen wie Ruß, ultrafeinen Partikeln oder Stickoxiden, die die Umwelt belasten und auch eine direkte Gesundheitsbelastung für die Passagiere darstellen. Bereits im fünften Jahr hat der NABU 2016 ein Kreuzfahrtranking erstellt, bei dem die Schiffe der größten Reedereien auf ihre Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch Abgase untersucht wurden. Allerdings ist die Bewertung schwierig. Denn die Unternehmen kommunizieren nicht direkt mit dem NABU, sondern versorgen den Kreuzfahrtdachverband CLIA mit Informationen zur Weitergabe. Die Aussagekraft dieser aggregierten Zahlen bezweifelt der NABU selbst. Deshalb hat Union Investment 2016 verstärkt das direkte Gespräch mit den börsennotierten Touristikkonzernen gesucht, um über die zum Teil vom NABU genannten Probleme und Lösungen zu diskutieren. Ziel des Dialogs ist es, auf eine bessere Umweltbilanz bei Kreuzfahrtschiffen hinzuwirken. „Als nachhaltiger Investor fühlen wir uns verpflichtet, mit unseren Mitteln Einfluss auf die Unternehmen zu nehmen, damit die ökologischen Belastungen begrenzt werden“, sagt Duy Ton, Portfoliomanager im Team Nachhaltigkeit und Engagement bei Union Investment. „Die Umweltbelastungen stellen für uns aus Sicht der Regulierung und der Reputation ein erhöhtes Risiko für unsere Anteile dar.“ Zu den großen Unternehmen, die Union Investment als Zielunternehmen identifiziert und angesprochen hat, zählen die TUI AG, Royal Caribbean Cruises ltd., Norwegian Cruise Line Holdings ltd. und Carnival plc.

#Gasantrieb als Alternative

Dass es auch anders geht, will der deutsche Kreuzfahrt-Marktführer Aida Cruises zeigen. Er lässt im emsländischen Papenburg eine neuen Generation von Kreuzfahrtschiffen bauen. Die zwei neuen Schiffe sollen komplett mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden, das als umweltfreundlicher gilt als der Antrieb mit Diesel oder Schweröl. Der erste der beiden Neubauten wird ab Dezember 2018 zu siebentägigen Reisen zu den Kanaren aufbrechen. Die Fertigstellung des Schwesterschiffes ist für das Frühjahr 2021 geplant.

#CLIA

Die Cruises Lines International Association (CLIA) wurde 1975 gegründet und stellt heute den größten Dachverband der globalen Kreuzfahrtschiffsindustrie dar. Neben der Interessenvertretung der 60 Kreuzfahrtschiffsbetreiber, der 300 Partner (u. a. Zulieferer) und der zahlreichen Reisebüros gehören insbesondere die Schulung, Beratung und Förderung der Industrie zum Aufgabengebiet der CLIA.

Es geht auch sauberer

Auch Union Investment hält Bestände in Touristikkonzernen, die auch Kreuzfahrtschiffe betreiben. Als nachhaltig orientierter Investor stellen für uns vor allem die starken Umweltbelastungen ein Problem dar. Man muss sich vor Augen führen, dass ein großes Kreuzfahrtschiff in etwa so viele Schadstoffe ausstößt wie 350.000 Autos. Dabei wollen wir den Menschen auf keinen Fall ihren Urlaub vermiesen. Unser Punkt ist vielmehr, die hohen Umweltbelastungen so weit wie möglich zu reduzieren. Denn es geht inzwischen auch sauberer. Mit einer Umrüstung der Schiffe von Schweröl auf Marinediesel, oder noch besser auf Flüssiggas, wäre viel gewonnen. Zahlreiche Motoren sind bereits dementsprechend ausgerüstet, weil vor den Küsten der USA oder von Kanada nicht mit Schweröl gefahren werden darf. Aber sobald die Schiffe wieder auf offener See sind, werden die Maschinen auf kostengünstigeres Schweröl umgestellt. Das halten wir für äußerst problematisch.

Als Anteilseigner können wir in diesem Punkt Einfluss auf Unternehmen ausüben und im Dialog mit dem Management auf mehr Umweltfreundlichkeit drängen. Handeln sie nicht, erhöhen sie die Reputations- und Regulierungsrisiken für unsere Anteile. Ein weiteres Mittel ist unser Stimmrecht, das durch die Bündelung der treuhänderisch verwalteten Mittel und durch die Kooperation mit anderen nachhaltig orientierten Investoren Einfluss hat. Technologisch ist es inzwischen möglich, sehr saubere Schiffe zu bauen. Darauf arbeiten wir hin.

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Duy Ton

Portfoliomanager im Team
Nachhaltigkeit und Engagement
bei Union Investment