Homeoffice: Eldorado für Hacker

Homeoffice: Eldorado für Hacker?

Corona-Krise macht IT-Sicherheit noch wichtiger

Welche Risiken sind am bedrohlichsten für die künftige geschäftliche Tätigkeit von Unternehmen? Laut einer Studie von Marsh & McLennan (MMC) und FireEye sind es weder Wirtschaftskrisen noch der Klimawandel. Vielmehr stellen nach deren Befragung von Unternehmen Angriffe aus dem Internet („Cyber Attacks/Threats“) die größten Gefahren dar – und das bereits seit mehreren Jahren. Angesichts der taxierten weltweiten Kosten durch Cyberkriminalität von rund 600 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2018, ein Anstieg um 33 Prozent gegenüber 2016, ist diese Einschätzung verständlich. Mitverantwortlich für die gestiegenen Kosten durch solche Attacken ist die gleichzeitig steigende Anzahl erfolgreicher Angriffe über das Internet. In Deutschland gaben beispielsweise laut einer Cybersecurity-Studie des IT-Verbandes BITKOM aus dem letzten Jahr 70 Prozent der befragten Unternehmen an, im Zeitraum 2018/2019 durch digitale Angriffe geschädigt worden zu sein. In 2017 betrug die Quote noch 43 Prozent.

Aktuelles Beispiel: In Nordrhein-Westfalen versuchten Betrüger die Corona-Unsicherheit auszunutzen und staatliche Soforthilfen für Kleinunternehmen zu ergaunern – mit Erfolg. Es gelang ihnen, auf gefälschten Internetseiten sensible Unternehmensdaten zu erhalten, die sie nutzten, um die Unterstützungszahlungen auf ihre eigenen Konten umzuleiten.

Gründe für die Zunahme der Cyberattacken sind aber auch die ständig wachsende Anzahl der mobilen Endgeräte im privaten und geschäftlichen Umfeld und der damit in Verbindung stehende Anstieg an sensiblen Daten und versendeten E-Mails. MMC und FireEye schätzen, dass das Wachstum an Internetnutzern aktuell zehn Mal höher liegt als das der Weltbevölkerung. Diese Entwicklungen bieten Hackern ein neues Eldorado. Die Herausforderungen für das Management eines Unternehmens sind deshalb groß. Zum einen muss es den Schutz an vertraulichen Kunden- und Unternehmensdaten sicherstellen, auch um die immer strengeren regulatorischen Vorgaben zum Datenschutz zu erfüllen. Zum anderen muss das Management gleichzeitig dem Rechnung tragen, dass Mitarbeiter immer mobiler arbeiten und mit einer immer größeren Anzahl an digitalen Endgeräten ausgestattet sind. Die Aufgabe für die Unternehmensführung lautet deshalb: Stabile Rahmenbedingungen schaffen, die bestmöglichen Schutz gegen Cyberrisiken bieten und parallel mobile Heimarbeit ermöglichen. Dabei sind nicht nur Investitionen in Hard- und Software notwendig. Geschulte Mitarbeiter und eine gute Governance sind für alle Unternehmen mitentscheidend, um gegen Angriffe aus dem Internet gewappnet zu sein.

Das vorliegende anGEDACHT thematisiert zunächst gesteigerte IT-Risiken, die mit dem Trend zu verstärkter Heimarbeit einhergehen. Wie man Cyberrisiken systematisch in einem Modell erfasst und welche Investmentimplikationen sich daraus ergeben, wird anschließend erläutert.

Abbildung 1: Anzahl der Cyberangriffe mit Corona-Bezug nimmt zu

Abbildung 1: Anzahl der Cyberangriffe mit Corona-Bezug nimmt zu

Corona beschleunigt den Arbeitswandel und erhöht das Cyberrisiko

Der Trend zur Digitalisierung der Wirtschaft und die immer stärkere Nutzung des Internets sind keine neuen Entwicklungen. Die Corona-Pandemie hat diese Veränderungsprozesse aber noch einmal beschleunigt. Durch den erzwungenen, temporären „lockdown“ fast aller Wirtschaftsbereiche ist es kurzfristig zu einer drastischen Anpassung etablierter Arbeitsabläufe gekommen. Das Arbeiten im Homeoffice wurde gerade im Dienstleistungssektor zur gängigen Praxis. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass in den letzten Wochen und Monaten zwischenzeitlich bis zu 95 Prozent der Mitarbeiter nicht mehr von ihrem angestammten Arbeitsplatz aus arbeiteten. Mehrheitlich ersetzt(e) das Homeoffice den eigentlichen Arbeitsplatz. Und auch wenn der „lockdown“ nur temporär erfolgte, sind langfristige Auswirkungen wahrscheinlich. Vor allem bei Unternehmen, deren IT-Systeme die Krise gut gemeistert haben, dürfte mobiles Arbeiten auch in der Zukunft eine attraktive Alternative darstellen. Mit der Folge: Die Anzahl der Mitarbeiterzugriffe von außen auf Systeme und Daten von Unternehmen wird deutlich zunehmen. Das gilt auch für das Volumen an versendeten Daten. Hacker sind auf diese Entwicklungen offenbar vorbereitet. Sie versuchten verstärkt ab Mitte März die aktuelle Situation auszunutzen, zum Beispiel mittels neu geschaffener Webseiten und Phishing-Mails, wie Abbildung 1 verdeutlicht.

Auf diese Weise wollten und wollen sie Mitarbeiter und Internetnutzer zu Fehlverhalten verleiten. Laut einer Bloomberg-Untersuchung aus dem April wurden bis zu 8.000 schädliche Webseiten kurzfristig angelegt, die die Begriffe „Corona“ oder „COVID-19“ verwenden – Tendenz steigend. Der Cybersecurity-Anbieter Proofpoint schätzt in einer Analyse, dass es zudem mindestens 300 verschiedene, schädliche Internet-Kampagnen gibt, die ebenfalls versuchen, illegal von der aktuellen Krise zu profitieren. Zu den digitalen Angriffen zählen auch die vielen Millionen an schädlichen E-Mails, die ebenfalls nur die Absicht haben, Internetnutzer aufs Glatteis zu führen und dadurch einen finanziellen Vorteil für den Angreifer zu erzielen.

Management immer stärker gefordert

Viele Unternehmen sind sich der beschriebenen Gefahren schon seit längerem bewusst und haben bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet. Laut der erwähnten Studie von MMC und FireEye beliefen sich die Investitionen zum Schutz gegen Cyberrisiken im Jahr 2018 immerhin auf 114 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Im gleichen Zeitraum nahmen wie erwähnt die Schäden durch erfolgreiche Cyberattacken allerdings um 33 Prozent zu. Dieses Missverhältnis macht deutlich: Es sind noch stärkere Anstrengungen und Investitionen notwendig, damit Unternehmen im Kampf gegen Hacker nicht komplett ins Hintertreffen geraten.

Neben den IT-Investitionen sind eine gute Governance und ein funktionierendes Risikomanagement mitentscheidend dafür, wie zukünftige Cyberangriffe erfolgreich abgewehrt werden können. Folgende Grundsätze sollten aus Sicht von Experten innerhalb eines Unternehmens gelten:

• Das Top-Management eines Unternehmens trägt die Verantwortung für Datenschutz und -sicherheit und somit auch für die Einhaltung der jeweiligen nationalen, regulatorischen Anforderungen.

• Die Sicherheitssysteme müssen kontinuierlich überprüft werden; nicht nur innerhalb des eigenen Unternehmens, sondern auch in ausgelagerten Geschäftsbereichen.

• Eine offizielle Zertifizierung in den Bereichen IT-Sicherheit und Datenschutz dient als transparente Bestätigung der internen Prozessabläufe

• Sämtliche Mitarbeiter werden umfänglich und kontinuierlich geschult.

Nachhaltig agierende Unternehmen nehmen die Bedrohung ernst(er)

Wie bereits erwähnt spielt der Mitarbeiter eine wichtige Rolle bei der Abwehr von digitalen Angriffen. Denn: Cyberattacken beginnen noch immer mehrheitlich mit E-Mails, die an Privatpersonen und Mitarbeiter von Unternehmen versendet werden. MMC und FireEye schätzen, dass rund 90 Prozent der erfolgreichen Hackerangriffe durch „Phishing“-Mails ausgelöst werden. Gerade in Krisenzeiten und bei vermehrter Heimarbeit kann es häufiger zu (unbeabsichtigtem) Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter kommen, wenn diese sich alleine im Homeoffice befinden. Es gilt noch immer: Ungeschulte Mitarbeiter stellen das schwächste Glied in der Verteidigungskette eines Unternehmens im Kampf gegen Hacker dar.

Nachhaltig agierende Unternehmen handeln deshalb gemäß der Überzeugung, dass gut geschulte, motivierte und zufriedene Mitarbeiter ein wichtiges „Asset“ für ihr Unternehmen sind, wenn es um die Abwehr von Cyberangriffen geht. Solche Angestellte stellen eine erste, wirkungsvolle Verteidigungslinie im Kampf gegen IT-Angriffe von außen dar. Diesen Mitarbeitern gelingt es oftmals besser, schädliche E-Mails zu erkennen und auch richtig und schnell zu reagieren, wenn es zu einem IT-Vorfall gekommen ist.

Das kontinuierliche Schulen der Mitarbeiter zum Thema Cybersecurity und Datensicherheit ist die Basis für eine weitere, wichtige Managementaufgabe: Der Schutz von Kunden- und Unternehmensdaten spielt grundsätzlich eine immer wichtigere Rolle. Die regulatorischen Datenschutz-Anforderungen nehmen in vielen Ländern kontinuierlich zu und dadurch auch mögliche Strafen bei Verstößen, wie dies unter anderem die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union vorsieht. So mussten zum Beispiel British Airways und die Hotelkette Marriott im vergangenen Jahr hohe Strafzahlungen nach nicht abgewehrten Cyberattacken leisten.

Bei vielen der von IT-Angriffen betroffenen Unternehmen zeigte sich, dass sie unter anderem Schwächen im „Human Capital-“ und Risikomanagement aufwiesen, was sich auch in niedrigeren „Social-„ und „Governance-„Bewertungen niederschlug. Investoren können anhand solcher Auswertungen erste Hinweise zu drohenden Cyberrisiken erhalten und diese berücksichtigen.

Aber auch der Reputationsschaden, der durch ein „Datenleck“ entstehen kann, darf nicht unterschätzt werden. Besonders der damit einhergehende Vertrauensverlust bei Kunden und Geschäftspartnern wiegt langfristig oftmals schwerer als eine Strafzahlung.

Führende nachhaltige Unternehmen sind unter anderem durch die geeignete Besetzung des Vorstandes und Aufsichtsrates auf diese Szenarien gut vorbereitet. Sie besitzen in vielen Fällen eine größere IT-Expertise als ihre Konkurrenten. Sie erweisen sich deshalb als resilienter gegen Cyberangriffe und sind auch deswegen weniger stark von finanziellen Sonderbelastungen und Reputationsschäden betroffen.

Anforderungen an die IT-Infrastruktur im Wandel

Die durch die Corona-Pandemie erzwungenen Anpassungen bei etablierten Arbeitsabläufen haben viele Unternehmen dazu veranlasst, noch schneller die digitalen Voraussetzungen zu schaffen, die für eine stärkere Nutzung des Homeoffice nötig sind. Wirklich sinnvoll und erfolgreich ist dieser Veränderungsprozess für ein Unternehmen aber nur, wenn dadurch gleichzeitig keine erhöhten Cyberrisiken entstehen. Abbildung 2 stellt schematisch die (veränderten) IT-Anforderungen dar, vor und nach der Corona-Krise.

Abbildung 2: Mobiles Arbeiten erhöht das Cyberrisiko

Abbildung 2: Mobiles Arbeiten erhöht das Cyberrisiko

 

 

Konnten Unternehmen in der Pre-Corona-Zeit (in der Grafik links) ihre Mitarbeiter und sich selbst in vielen Fällen durch einen Cyberschutzwall („Firewall“) effektiv schützen, so ist dieser IT-Ansatz durch das vermehrte Arbeiten im Homeoffice nur noch bedingt zielführend. Denn: Im Vergleich zu früher hat die Zahl der Heimarbeitsplätze deutlich zugenommen. Dies bedeutet, dass auch die Anzahl an Zugriffen von außen auf die Systeme des Unternehmens deutlich angestiegen sind (in der Grafik rechts). Allein die notwendige IT-Stabilität in der aktuellen Phase zu gewährleisten stellt bereits viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Es kommt erschwerend hinzu, dass sich Hacker immer besser tarnen, wenn sie versuchen, illegalen Zugang zu Daten und System von Unternehmen zu bekommen. Die Angreifer sind auch aufgrund der deutlich gestiegenen Menge an externen Benutzeranfragen von den Sicherheitssystemen der Unternehmen nicht immer zu erkennen. Die Wahrscheinlichkeit eines schädlichen Hackerangriffs im aktuellen Umfeld steigt somit an.

Abbildung 2 macht klar, dass traditionelle IT-Ansätze zum Schutz von Mitarbeitern, Systemen und Daten nicht mehr zielführend sind und an die sich ändernden Verhaltens- und Arbeitsweisen angepasst werden müssen. Für viele Unternehmen ergibt sich daraus die Verpflichtung zu höheren Investitionen, gerade im Bereich der Cloud-Sicherheit. Die Cloud stellt eine spezielle IT-Infrastruktur dar, die beispielsweise über das Internet verfügbar gemacht wird. Durch sie wird in der Regel Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware bereit gestellt, ohne dass diese Applikationen auf dem lokalen Rechner installiert sein müssen. Doch die vielfältigen und wichtigen Cloud-basierten Anwendungsmöglichkeiten, die mobiles Arbeiten erst ermöglichen, erfordern einen besonderen Schutz dieser IT-Bereiche. Für Unternehmen sind Softwareanbieter aus diesem Bereich mit ihren Lösungskonzepten deshalb wichtige Partner. Für Investoren wiederum stellen sie spannende Investmentideen dar. Spezialisierte Cybersecurity-Anbieter wie zum Beispiel Crowd-Strike, Okta oder Zscaler bieten zum Schutz der IT-Systeme innovative Sicherheitslösungen an wie 

• den Schutz neu entstandener IT-Endpunkte (also Mitarbeiter mit ihren jeweiligen mobilen Endgeräten im Homeoffice)

• die verlässliche Feststellung der Identität einer Person, die auf Systeme oder Daten zugreifen möchte

• und den sicheren Transfer von schützenswerten Daten

Im Vergleich zu Unternehmen in diesen zukunftsorientierten IT-Subsegmenten verlieren Anbieter von traditioneller Sicherheitssoftware wie NortonLife Lock (ehemals Symantec), Trend Micro oder Juniper Networks relativ an Attraktivität, da nicht alle ihre Produkte effektiven Schutz vor Cyberattacken in der aktuellen Phase und in der Post-Corona-Zeit bieten können.

Neben ausgewählten Security-Softwareanbietern können auch IT-Dienstleistungsunternehmen wie Accenture, IBM und Capgemini von den sich ändern-den Parametern profitieren. Mit ihren Beratungsdienstleistungen tragen sie zu einer sichereren IT-Infrastruktur bei, so dass es Unternehmen gelingt, ihren Mitarbeitern mobiles Arbeiten zu ermöglichen und gleichzeitig die damit verbundenen IT-Risiken zu begrenzen.

Ausgewählte Branchen erscheinen stärker gefährdet

Für den Kapitalmarkt und Investoren ist es auch unter Risikogesichtspunkten zunehmend wichtig, die potenziellen Cyberrisiken vor ihren Investmententscheidungen zu berücksichtigen. Dies kann auf Einzeltitelebene erfolgen, aber auch auf einem höheren Aggregationsniveau. Denn für die verschiedenen Sektoren sind ebenfalls einige interessante Aussagen zur IT-Sicherheit möglich. Das Thema „Homeoffice“ kann dabei je nach Branche eine Rolle spielen, muss aber nicht.

Basierend auf einem proprietären Analyse-Modell lässt sich eine Cyberrisiko-Rangfolge für elf Sektoren erstellen. Faktor 1 in Abbildung 3 bewertet die Eintrittswahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Cyberangriffs in jedem einzelnen Sektor, durch den es zu einer deutlich eingeschränkten Geschäftstätigkeit kommt. Die Sektor-Spezialisten von Union Investment berücksichtigen folgende Punkte bei der qualitativen Beurteilung:

• Historische Daten zu Cyberangriffen im jeweiligen Sektor,

• die Governance-Strukturen des Sektors,

• das Datenvolumen und Datenschutzprozesse,

• den Stand der Digitalisierung innerhalb der Branche

• und die individuelle Beurteilung durch den jeweiligen Spezialisten.

Faktor 2 schätzt die potenzielle Schadenshöhe ab, die bei einer erfolgreichen Hackerattacke entstehen könnte. Auch diese qualitative Einschätzung fußt auf mehreren Annahmen:

• Daten über historische Schadenssummen bei einem „Befall“ mit schädlichen Software-Programmen (im Durchschnitt kostete solch ein „Malware“-Angriff drei bis vier Millionen Euro),die durchschnittliche Dauer, die ein Cyberangriff die Geschäftstätigkeit beeinträchtigt (bis zu 50 Tage),

• mögliche Strafzahlungen, falls es zu Datenschutz-Verfehlungen seitens des Unternehmens kam

• und eine fundamentale Beurteilung durch den Sektor-Spezialisten, wie sich all dies auf den Umsatz, Gewinn und die Reputation auswirken könnte.

Zusammengenommen ergibt sich aus den beiden Faktoren ein „Betroffenheitsranking“ (oder auch: „Exposure“) der einzelnen Sektoren, wie Abbildung 3 verdeutlicht.

Abbildung 3: Sektoren weisen unterschiedliche Risikoprofile auf

Abbildung 3: Sektoren weisen unterschiedliche Risikoprofile auf

 

Gemäß den Ergebnissen dieses Modells sind die Sektoren „Energy“ (Öl- und Gasunternehmen), „Financials“ (Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister) und „Utilities“ (Versorger) erhöhten Cyberrisken ausgesetzt. Investoren sollten deshalb bei ihren Anlageentscheidungen in diesen Marktsegmenten die möglichen Auswirkungen von Cyberattacken berücksichtigen. Erfolgreiche Cyberangriffe könnten unter anderem folgende negative Auswirkungen auf einzelne Branchen haben:

• Unternehmen aus dem Finanz-Sektor sind grundsätzlich für Hacker als Angriffsziel interessant, da sie wegen des hohen Grades der Digitalisierung und der Vielzahl an sensiblen Kunden- und Unternehmensdaten eine breite und lukrative Angriffsfläche bieten. Für die Finanzunternehmen wiederum, deren Geschäft vor allem auch auf Kundenvertrauen beruht, stellt jeder nicht abgewehrte Cyberangriff einen großen Reputationsverlust dar. Hinzu kommen mögliche finanzielle Belastungen durch die Abwanderung von Kunden, Geldabzüge und drohende Strafzahlungen.

• Das Profil der Versorgungsunternehmen hat sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt. Die Bedeutung digitaler Prozesse und Daten hat kontinuierlich zugenommen. Intelligente Stromnetze, Strom-speicher, digitale Kundendaten und der „Smart Home“-Trend lassen auch diesen Sektor immer stärker in den Fokus von Cyberkriminellen rücken. Doch neben dem Hacker-Interesse an sensiblen Kundendaten – so wurden in diesem Zusammenhang erst im Mai die Technischen Werke Ludwigshafen erpresst und ein „Lösegeld“ von mehreren Millionen Euro gefordert – sind die Unternehmen dieses Sektors auch wegen ihrer Systemrelevanz für die nationale Infrastruktur (sichere Versorgung mit Strom, Gas und Wasser, aber auch der Schutz von Kraftwerken) gefährdet. Unzureichende Schutzmaßnahmen gegen Cyberangriffe könnten deshalb nicht nur für diesen Sektor, sondern für die gesamte öffentliche Infrastruktur gravierende negative Langfristfolgen bedeuten.

• Auch der Pharma-Sektor bietet Hackern an mehreren Stellen digitale Angriffsflächen: Zum einen stellen Krankendaten von Kunden, aber auch persönliche Informationen, die durch sogenannte „wearables“ wie zum Beispiel Fitness-Armbänder aufgezeichnet werden, mögliche Ziele für Kriminelle dar. Zum anderen sind aber auch medizinische Geräte potenzielle Angriffspunkte eines Hackerangriffs. Es klingt nach Science-Fiction, aber Herzschrittmacher, Insulinpumpen und Hörgeräte könnten zum Gegenstand einer Erpressung durch Cyberkriminelle werden. Pharma- und Medizintechnikunternehmen stehen deshalb in der Pflicht, nicht nur Kundendaten vor Angriffen zu schützen, sondern auch ihre technischen Geräte. Denn: Sobald es zur digitalen Übertragung und Speicherung von Informationen und Daten kommt oder eine Steuerung über Smartphone-Apps möglich ist, könnte dies von Hackern grundsätzlich ausgenutzt werden.

Trotz aller Unterschiede: Die Notwendigkeit auf die zunehmenden Gefahren durch Angriffe aus dem Netz zu reagieren, besteht in allen Branchen. Das Management von Unternehmen aus Sektoren, die ein relativ hohes Cyberrisiko-Profil besitzen, stehen jedoch besonders in der Pflicht, sich diesen Herausforderungen zu stellen.
Investoren können unter anderem durch eigene Modelle, aber auch eine Nachhaltigkeitsanalyse der „Social“- und „Governance“-Bewertungen, wichtige Informationen erhalten, welche Unternehmen und Branchen in Bezug auf Mitarbeiterzufriedenheit, Schulungen, Risikomanagement und Datenschutz relativ gut aufgestellt und dadurch resilienter gegen Hacker-Angriffe sind.

 

Fazit

Das Risiko, Opfer einer Cyberattacke zu werden, nimmt bereits seit vielen Jahren zu. Nicht nur Privatpersonen, sondern immer stärker auch Unternehmen rücken ins Fadenkreuz von Hackern. Ihre Ziele: Das illegale Ausspähen von Kundendaten, Erpressungsversuche oder das komplette Lahmlegen von Geschäftsaktivitäten. Die Corona-Pandemie ist nicht der Auslöser dieser Entwicklung, hat aber den Trend zu Homeoffice-Aktivitäten verstärkt, was wiederum Unternehmen angreifbarer gemacht hat. Die schiere Anzahl an mobilen, digitalen Endgeräten und die erst noch anzupassende IT-Infrastruktur stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen und erhöhen grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit, in der Zukunft einem Cyberangriff ausgesetzt zu sein.


Nachhaltig geführten Unternehmen gelingt es oftmals besser, nicht nur in der aktuellen Krise, Mitarbeiter ausreichend gegen Cyberrisken zu schulen, eine „state-of-the-art“-IT-Infrastruktur zu installieren und weitsichtiges Risikomanagement zu betreiben. Durch diesen Dreiklang sind solche Unternehmen gegen digitale Angriffe von außen relativ gut gewappnet. Zudem gelingt es ihnen dadurch auch, mögliche Reputationsschäden und drohende Strafzahlungen bei regulatorischen Datenschutz-Versäumnissen gering zu halten. Derart agierende Unternehmen sind parallel in der Lage, auch auf die sich ändernden Anforderungen im Zusammenhang mit dem Homeoffice angemessen zu reagieren – ohne Hackern ein neues „Eldorado“ zu bieten.


Aus Investorensicht ergibt es bei Anlageentscheidungen ebenfalls Sinn, Cyberrisiken zu berücksichtigen. Ausgewählte Unternehmen und Branchen scheinen, unter anderem aufgrund ihrer breiten, digitalen Datenbasis, stärker durch Hacker gefährdet als andere. Eine Analyse der „Social“- und „Governance“-Bewertungen kann helfen, die Branchen und Unternehmen auszuwählen, die besonders gut auf Digitalisierung, Datenschutz und das Arbeiten im Homeoffice vorbereitet sind. Gleichzeitig können jene vermieden werden, deren relativ schlechte Beurteilungen, drohende Gefahren bei Angriffen aus dem Internet andeuten.

Themenspezial: Post-Corona

Das Homeoffice gehört post Corona zur neuen Normalität und birgt nebenbei Chancen für das Klima. In unserem Themenspezial analysieren wir die vielfältigen Folgen von Corona.

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