Wer soll das bezahlen?
Über die Tragfähigkeit des deutschen Schuldenbergs

Wer soll das bezahlen?

In der Corona-Krise ist die deutsche Staatsverschuldung in absoluten Zahlen erheblich gestiegen. Aber stimmt das auch in der relativen Betrachtung? Und was bedeutet das für die mittel- und langfristige Tragfähigkeit der Schulden? Unsere Analyse gibt Antworten.

Durchgedacht

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Über die Tragfähigkeit des deutschen Schuldenbergs

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12 Billionen US-Dollar! Um diese enorme Summe sind die globalen Staatsschulden im Krisenjahr 2020 laut dem Institute of International Finance (IIF) angewachsen. Schon gibt es wieder heiße Debatten: Wie hoch darf sich ein Land überhaupt verschulden? Wann und wie soll es seine Verbindlichkeiten zurückführen? Und: Muss es das überhaupt?

Eigentlich schienen die in der Vergangenheit aufgetürmten Schuldenberge mit dem gesunkenen Zinsniveau etwas an Schrecken verloren zu haben. Doch dann kam Corona: Die umfangreichen Stützungsprogramme während der Pandemie katapultierten die globalen Staatsschulden auf neue Rekordstände. Zudem sind sie noch nie so rasant wie im vergangenen Jahr gestiegen.

Auf insgesamt 82,3 Billionen US-Dollar bezifferte das IIF die weltweite Staatsverschuldung Ende 2020. 2007, am Beginn der Finanzkrise, stand die Schuldenuhr noch bei 34,8 Billionen US-Dollar. Auch die Schuldenquoten, also die Verbindlichkeiten im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, stiegen in vielen Ländern auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg – eine weitere Folge der Fiskalpakete, die die Belastungen von Wirtschaft und privaten Haushalten in der Krise abfedern sollten, aber auch der negativen Wachstumsraten in vielen Ländern.

Sind die steigenden Schulden ein Problem? Die an sich einfache Frage eröffnet ein weites Analysefeld. Denn natürlich ist die Schuldentragfähigkeit von diversen Parametern abhängig, die sich von Land zu Land teils deutlich unterscheiden. Für Deutschland stellt sich ein bestimmtes absolutes Schuldenlevel logischerweise völlig anders da als beispielsweise für Italien. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, sowohl bei den Einnahmen als auch bei den Ausgaben.

Gerade über die Länder der Euro-Peripherie ist in der Vergangenheit viel geschrieben worden. Gründe für und der Umgang mit der Eurokrise, die den gemeinsamen Währungsraum ab 2010 ins Wanken brachte, wurden oft und detailreich diskutiert. Im nachfolgenden Papier stellen wir deshalb Deutschland in den Mittelpunkt, wenn auch viele der genannten Punkte auf andere Länder ebenso zutreffen. Als Vergleichsmaßstab dient dabei die USA. Zwar sind die Vereinigten Staaten mit Blick auf Bevölkerung und Wirtschaftskraft deutlich größer als Deutschland. Außerdem ist das Land insgesamt auch höher verschuldet. Dennoch lassen sich im Vergleich mit der größten Volkswirtschaft der Welt einige Antworten finden.

In unserer Studie beschäftigen wir uns konkret mit folgenden Fragestellungen:

  • Welche Maßstäbe sind für die Beurteilung von Schuldenständen sinnvoll?
  • Wie stark sind die deutschen Verbindlichkeiten zuletzt gestiegen? Hat die Bundesrepublik ein Schuldenproblem?

  • Welche Rolle spielen die Notenbanken? Müssen die Zinsen jetzt für immer niedrig bleiben, damit die Schulden dauerhaft tragfähig bleiben?

  • Und: Sind Schulden eigentlich per se schlecht?