Vorwahlschlappe für Argentiniens Macri

Bei den Vorwahlen hat das linksgerichtete Lager um Alberto Fernandez und Christina Kirchner ein überraschend hohes Ergebnis erzielt. Der marktliberale Präsident Macri steckt eine klare Niederlage ein. Damit haben sich die Wahrscheinlichkeiten für einen Sieg der Peronisten bei der Präsidentschaftswahl im Oktober deutlich erhöht. Wie ist Union Investment positioniert?

Kommentierung der Vorwahlen in Argentinien

Bei den Vorwahlen am 11.08.2019 hat das linksgerichtete Lager um Alberto Fernandez und Christina Kirchner mit über 47 Prozent der Stimmen ein überraschend hohes Ergebnis erzielt. Der amtierende Präsident Mauricio Macri kam nur auf 32 Prozent.   Damit haben sich die Wahrscheinlichkeiten für einen Sieg der Peronisten bei der Präsidentschaftswahl im Oktober deutlich erhöht. Darüber hinaus würde ein solcher Vorsprung eine mögliche Stichwahl zwischen Macri und Fernandez überflüssig machen.

Die politische Agenda von Fernandez/Kirchner sieht u.a. folgendes vor:

  • Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) neu verhandeln, ohne das Volk mehr zu belasten 
  • Implementierung einer Strategie, um die Kapitalflucht einzudämmen 
  • Schuldentilgung reduzieren zugunsten von Sozialprogrammen und Investitionsförderung
  • Einführung eines Gremiums zur Lohn- und Preiskontrolle in den ersten 100 Tagen, um die Inflation einzudämmen

Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Wochen und Monaten eine negative Dynamik in den Markt- und Makrodaten entsteht. Die Marktteilnehmer haben mit massiven Verkäufen von argentinischen Assets reagiert. Die signifikante Währungsabwertung der letzten Tage dürfte dazu führen, dass der Anteil der argentinischen Schulden in US-Dollar am Bruttoinlandsprodukt deutlich steigt und die Inflationsraten wieder anziehen. Darüber hinaus muss Argentinien 2020 wieder frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Die aktuellen Marktbewertungen lassen allerdings Zweifel an der Kapitalmarktfähigkeit aufkommen. Eine Restrukturierung der argentinischen Staatsanleihen ist daher ein realistisches Szenario.

Positionierung von Union Investment

Wir haben bereits im Juli unser Argentinien-Exposure reduziert. Dabei haben wir insbesondere die Anleihen, die einen hohen Cash-Preis hatten (meist Laufzeiten bis 2027) verkauft und uns auf länger laufende Anleihen mit niedrigeren Cash-Preisen fokussiert. Unternehmensanleihen oder Anleihen von argentinischen Lokalregierungen (u.a. Buenos Aires) halten wir in unserem institutionellen Staatsanleihen-Fonds nicht.

Wir sahen zuletzt eine erste Stabilisierung bei den Preisen für die Staatsanleihen und werden die Situation weiter genau beobachten. Tendenziell würden wir unsere Bestände weiter zurück fahren. Das hängt aber maßgeblich davon ab, wie sich der mögliche neue Präsident Fernandez zu den Themen Wirtschaftspolitik und IWF äußert. Auch die Anleihekurse spielen eine entscheidende Rolle.

 

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 16. August 2019, soweit nicht anders angegeben.