Die Folgen einer Dollarschwäche

US-Präsident Donald Trump wünscht sich einen schwachen US-Dollar. Das hätte vielfältige Auswirkungen auf sämtliche Assetklassen: Denn unabhängig vom Anti-Globalisierungskurs unter Donald Trump ist der Greenback immer noch das Schwungrad der Weltwirtschaft.
Max Holzer

Beitrag von Max Holzer

Leiter Relative Return und Mitglied des Union Investment Committee

Rund drei Jahre nach seinem Wahlsieg im November 2016 notiert die US-Währung fast auf dem gleichen Niveau wie damals. Das kann Donald Trump nicht gefallen. Dem lautstarken Verfechter eines schwächeren Greenbacks ist es in seiner Amtszeit nicht gelungen, den Wert der heimischen Währung zu drücken. Und das, obwohl er die US-Notenbank Federal Reserve und ihren Präsidenten Jerome Powell ebenso wie dessen Vorgängerin Janet Yellen mit harscher Kritik überzog und immer wieder nach Leitzinssenkungen rief.

Den Zins am liebsten bei Null

Die US-Notenbank betont ihre Unabhängigkeit. So ist es dem US-Präsidenten, der die US-Leitzinsen am liebsten bei null Prozent oder im negativen Bereich sehen würde, nicht gelungen, die Fed auf einen ultralockeren Kurs zu bringen. Doch es gibt einige Punkte, die für einen Kursrückgang des Dollars gegenüber dem Euro sprechen: Dazu zählt die größere Inflationstoleranz der US-Notenbank, die offenbar über ein kurzzeitiges Überschießen der Teuerungsrate hinwegzusehen bereit ist. Auch die Positionierung an den Kapitalmärkten und das steigende Haushaltsdefizit sprechen für eine anhaltende Dollarschwäche. Die Spezialisten von Union Investment gehen deshalb davon aus, dass der US-Dollar bis Ende kommenden Jahres von aktuell 1,10 auf 1,18 US-Dollar pro Euro nachgibt.

Für die Anleger stellt sich freilich die Frage: Was bedeutet das für die Entwicklung an den Kapitalmärkten? Und die Antwortet lautet: Einiges. Denn auch wenn Trump versucht, die Globalisierung zurückzudrehen, ist und bleibt der US-Dollar die Leitwährung der Welt. Sie ist die wichtigste Reservewährung, dominiert die Kapitalmärkte und bestimmt den Weg der Warenströme.

Der US-Dollar dominiert die Reserven 

Anteil der Währungen an den globalen Devisenreserven
Der US-Dollar dominiert die Reserven 
Quelle: Internationaler Währungsfonds; Stand: 11. November 2019

Drei Gründe für die Macht des Greenbacks

Treiber der globalen Realwirtschaft

Erstens wirkt der US-Dollar als Währung der größten Volkswirtschaft der Welt wie ein Transmissionsriemen auf die globale Realwirtschaft. Eine Auf- oder Abwertung setzt also Warenströme in Bewegung, die mit keiner anderen Währung erzielbar sind. Dieser Fluss wiederum hat Auswirkungen auf die Profitabilität von Unternehmen, die Geschäftsaussichten von Branchen und sogar auf die Solvenz von Staaten. 

Basiswährung des Rohstoffhandels

Zweitens sind quasi alle international gehandelten Rohstoffe in US-Dollar notiert. Jeder Kauf und Verkauf von Metallen, Nahrungsmitteln oder Energie wird also durch den Wert der amerikanischen Währung (mit-)bestimmt – und hat umgekehrt Rückwirkungen auf den Dollar-Wechselkurs.

Der Dollarraum als wichtige Anlageregion

Drittens ist der Dollarraum eine der wichtigsten Anlageregionen auf dem Globus. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das Gewicht: Jede vierte weltweit emittierte Anleihe lautet auf US-Dollar. Das sind aktuell knapp 106.000 von insgesamt rund 420.000 Papieren. Etwa die Hälfte der weltweiten Marktkapitalisierung im Aktienbereich wird an amerikanischen Börsen gehandelt. Wer immer sich dort engagiert, kommt am Greenback nicht vorbei.

Hinsichtlich der einzelnen Assetklassen sind die Effekte aus der Dollarschwäche höchst unterschiedlich. Da alle Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden, wirkt ein schwächerer Greenback grundsätzlich preisunterstützend für Rohstoffe. Insbesondere dann, wenn die Nachfrage industriell getrieben ist.

Bei Öl ist dies der Fall. Anleger aus anderen Währungsräumen können sich somit vergleichsweise günstiger am Markt positionieren, daher stärkt ein schwacher Dollar den Preis für Rohöl. Für den Ölpreis ist die Schwäche des Greenback also eine gute Nachricht. Bremsend könnte sich auswirken, dass die globale Wirtschaft auf Sicht mit niedrigeren Wachstumsraten auskommen muss, denn das hemmt die Nachfrage.

Wenn der US-Dollar fällt ...

... unterstützt das tendenziell die Kurse in verschiedenen Assetklassen
Wenn der US-Dollar fällt ...
Quelle: Union Investment, illustrative Darstellung von Tendenzaussagen unter ceteris paribus; Stand: 11. November 2019

Bei Aktien ist die Situation zwiegespalten. Für den US-amerikanischen Unternehmenssektor ist der schwächelnde Dollar zunächst mal interessant. Eine schwache Heimatwährung hilft vor allem den Adressen, die ihr Geld in weiten Teilen außerhalb der USA erwirtschaften. Sie bekommen durch die Abwertung einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern mit einer vergleichsweise stärkeren Währung. Dadurch bauen die US-Konzerne ihre Marktstellung aus und drängen unliebsame Konkurrenz zurück. Das ist auch der zentrale Grund für Präsident Trumps großes Interesse an einem schwachen Dollar.

Schwere Zeiten für den DAX

Bei europäischen Aktien hingegen fällt der Befund genau spiegelbildlich aus. Mit weiteren Verbesserungen ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch einen im Verhältnis zum US-Dollar schwachen Euro können sie nicht mehr rechnen. Im Gegenteil: Dort, wo europäische Konzerne gegen Konkurrenz aus den USA antreten, spielt der Währungskurs nun den US-Konzernen in die Karten. Das trifft insbesondere die Konzerne aus exportstarken Volkswirtschaften wie etwa Deutschland. Für den DAX ist das Performancepotenzial im laufenden Jahr insgesamt also eher begrenzt.

Fazit: Je stärker die Schwäche der globalen Leitwährung ausfällt, desto massiver sind die Implikationen für die Kapitalmärkte. Am Aktienmarkt wird das Kräfteverhältnis zwischen den USA und Europa neu austariert. Und Rohstoffe werden für alle erschwinglicher, deren Hauptwährung nicht der Dollar ist.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
15. November 2019, soweit nicht anders angegeben. Aktualisiert am 27. November 2019.