Nachgefragt bei Dr. Christian Wildmann

Wie geht es im Handelsstreit weiter?

Wildmann

Dr. Christian Wildmann ist Leiter der Abteilung Emerging Markets im Renten-Portfoliomanagement von Union Investment. Dort verantwortet er das Management von Rentenfonds in Hartwährung und lokaler Währung sowie in Staats- sowie Unternehmensanleihen. In der Analyse fokussiert er sich auf die Region Asien.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat sich zuletzt weiter verschärft. Was das für Chinas Wirtschaft bedeutet und welche Gegenmaßnahmen Peking zur Verfügung stehen, erklärt Dr. Christian Wildmann, Leiter Renten Emerging Markets bei Union Investment.

Herr Dr. Wildmann, erst sah es so aus, als würde es zu einer Lösung kommen. Dann erhöhte US-Präsident Donald Trump erneut die Zölle und der Handelskonflikt eskalierte weiter. Wie schmerzhaft ist das für China?

Nach der jüngsten Eskalation geben die Hardliner auf beiden Seiten, in USA und China, den Ton an. Dass Trump die Zölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar auf 25 Prozent erhöht hat, ist für die chinesische Wirtschaft schmerzhaft. Peking leidet stärker unter dem Konflikt als die USA, denn die Chinesen exportieren viel mehr in die Vereinigten Staaten, als sie von dort importieren. Das heißt, sie können auf der Handelsseite nicht gleichziehen.

In der Handelspolitik sind China also die Hände gebunden. Welche Gegenmaßnahmen stehen noch zur Verfügung?

Die Chinesen haben noch Munition übrig. Beispielsweise können sie ihre Währung, den Renminbi, noch stärker als bisher abwerten. Das bedeutet: Die Exportprodukte werden für ausländische Nachfrager billiger. Damit würde China den Zollschaden begrenzen. Zudem stehen Beschränkungen auf den Export von Seltenen Erden im Raum. Binnenwirtschaftlich würde die chinesische Regierung über Steuersenkungen den Konsum im Land weiter ankurbeln und die chinesische Zentralbank wohl auch die Zinsen senken.

Trump hat den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei und weitere Firmen auf eine „schwarze Liste“ gesetzt und die Unternehmen damit vom US-Markt abgeschnitten. Plant Peking Vergeltungsmaßnahmen?

Das ist für China nur bedingt sinnvoll. Nehmen wir Apple als Beispiel: Um das iPhone zu bauen, sind in China etwa eine Million Arbeiter beschäftigt. Würde China also in gleicher Weise gegen Apple vorgehen, schneidet es sich ins eigene Fleisch. Denkbar wäre, dass Peking Firmen wie FedEx, Starbucks oder McDonald’s, die im Land stark vertreten sind, im operativen Geschäft behindert. Die langfristige Konsequenz wird für Peking aber letztlich sein, dass es noch schneller versuchen wird, unabhängig von anderen Nationen zu werden und Produkte wie Halbleiter selbst herstellen zu können.

Kann es denn noch zu einer Lösung im Handelsstreit kommen?

Wir messen dem G20-Gipfel Ende Juni eine hohe Bedeutung bei. Es wird entscheidend sein, ob Trump und sein chinesisches Pendant Xi Jinping von Konfrontation auf Kooperation umschalten. Von ökonomischer Seite würde eine Einigung Sinn machen. Ob es dazu auf dem G20-Gipfel kommt, ist nicht völlig ausgeschlossen. Es würde aber wiederum wahrscheinlich nur eine Verständigung auf höchster Ebene werden – bestenfalls mit einer Rücknahme der jüngsten Eskalationsmaßnahmen.

Gehen wir mal von einer Einigung aus. Was würde dies für Chinas Wirtschaft bedeuten?

Das würde zu einer stabilen Entwicklung des Wirtschaftswachstums führen. Wir dürfen aber nicht vergessen: Auch ohne den Handelsstreit hat China mit Problemen wie einer hohen gesamtwirtschaftlichen Verschuldung zu kämpfen. Schließlich befindet sich das Land mitten in der Transformation seines Wirtschaftsmodells. Bei einer Eskalation gehen wir von einer deutlichen Eintrübung des Wachstums im dritten Quartal aus.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
26. Juni 2019, soweit nicht anders angegeben.