Brexit

Weg frei für Brexit im Januar 2020

Nach dem Wahlsieg der britischen Konservativen Partei bei den Parlamentswahlen stehen die Zeichen auf einen Austritt Großbritanniens aus der EU zum 31. Januar 2020. Das Thema wird die Kapitalmärkte aber dennoch weiter begleiten, denn die Lage bleibt unsicher.
Zeuner

Ein Beitrag von

Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment

Mit dem Sieg von Boris Johnson bei den britischen Unterhauswahlen ist der Weg frei für einen baldigen, geregelten Brexit. Endlich, werden viele Börsianer sagen. Der Chef der Konservativen Partei interpretiert das Votum der Wähler als starkes Mandat für seinen neu ausgehandelten „Deal“ mit der EU. Parlamentarischer Widerstand gegen diesen Kurs ist unwahrscheinlich, nachdem sowohl Johnsons innerparteiliche Kritiker als auch die oppositionelle Labour Party über eine deutlich geschwächte Basis in Westminster verfügen. Das Vereinigte Königreich sollte damit spätestens zum 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union ausscheiden.

Für die Kapitalmärkte sind das gute Nachrichten, denn das Randrisiko eines „harten Brexit“ ist vom Tisch. Allerdings wird das Thema die Börsen weiter verfolgen. Denn: Im nächsten Schritt steht die Neuverhandlung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien auf der Agenda. Dabei ist eine solche Vielzahl komplexer Fragen zu klären, dass im Vergleich hierzu die Aushandlung des Austrittsvertrages allerhöchstens ein leichter Aufgalopp darstellte. So lange die künftigen Handelsbeziehungen nicht festgezurrt sind, bleibt die Lage deshalb unsicher. Diese Unsicherheit dürfte weiter auf der britischen Investitionstätigkeit und dem Wachstum lasten. Ganz ad acta können die Märkte den Brexit also auch nach dem Austritt nicht legen. Entsprechend begrenzt sind die kurzfristigen Anlagechancen.

Je länger aber der Prozess dauert, umso mehr dürfte sich aber die wirtschaftliche Vernunft durchsetzen. Schließlich ist Johnson aufgrund seines deutlichen Wahlsieges nicht mehr zwangsläufig auf jene Abgeordnete aus den eigenen Reihen angewiesen, welche mit voller Vehemenz die Lossagung des Vereinigten Königreiches von der EU fordern. Wir sehen daher die Chance auf engere Wirtschaftsbeziehungen. Sollte sich eine solche Lösung abzeichnen, dürften auch die britischen Kapitalmärkte profitieren: Das Pfund sollte aufwerten und der Aktienmarkt gleichzeitig klettern. Das ist ungewöhnlich, da die Londoner Börse normalerweise negativ mit der Währung korreliert ist. Viele in London notierte Unternehmen sind global tätig, ein schwaches Pfund beschert ihnen daher Wettbewerbsvorteile und höhere Gewinne in der Heimatwährung. Durch das Einpreisen der Chance auf enge Handelsbeziehungen besteht nun aber das Potenzial für Gewinne sowohl bei Aktienkursen als auch bei der Währung. Das macht Aktienanlagen auf der Insel perspektivisch wieder attraktiv. Britische Staatsanleihen dürften im Gegenzug unter dieser „Risk-Off“-Bewegung leiden.

Prognosen von Union Investment

BIP 2019 & 2020
  1. Stand: 13.12.2019