Warten auf die Trendwende 

Die konjunkturelle Schwächephase hält an. Die Frühindikatoren für Juli bestätigen für die USA und Europa die divergierende Entwicklung von Industrie und Dienstleistungssektor. Die Notenbanken haben entsprechend mit einem geldpolitischen Stimulus reagiert.

Weltweit nehmen die Wachstumsraten ab. Auch die jüngsten Datenveröffentlichungen deuten noch keine Trendwende an und sind von vielerlei Einzelfaktoren belastet. Am besten ist die Lage in den USA, wo der große Binnenmarkt die Schwäche des Welthandels und die Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten noch vergleichsweise gut ausgleichen kann. Bedenklicher ist die Situation in China und vor allem in Europa, wo erneut schwache Frühindikatoren kein Ende des im ersten Quartal 2018 begonnenen Abschwächungstrends anzeigen.

USA: Solides Wachstum im zweiten Quartal

Nach dem kräftigen US-Wachstum von annualisiert 3,1 Prozent in den ersten drei Monaten 2019 waren die Erwartungen für das zweite Quartal etwas verhaltener. Dennoch wurden diese gedämpften Erwartungen von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal von 1,8 Prozent mit einem Plus von 2,1 Prozent übertroffen. Allerdings kommt es stark auf die Zusammensetzung an. Das gute Wachstum im ersten Quartal war in dieser Hinsicht eher schwach – die private Endnachfrage legte nur um 1,3 Prozent zu, während große Wachstumsbeiträge aus dem Lagerabbau und schrumpfenden Importen herrührten. Im zweiten Quartal stieg die private Endnachfrage dagegen um 2,8 Prozent. Gleichzeitig gaben die Konsumenten auch wieder mehr Geld für langlebige Wirtschaftsgüter aus, was in der Vergangenheit ein guter Frühindikator für die BIP-Entwicklung insgesamt war.

Mit der Veröffentlichung der Wachstumszahlen für das zweite Quartal standen auch die üblichen Revisionen der historischen volkswirtschaftlichen Daten an. Unter anderem wurde die Sparquote für das erste Quartal 2019 von 6,7 auf 8,5 Prozent angehoben. Dies spricht für ein größeres finanzielles Polster bei den privaten Haushalten und sollte damit auch den Konsum bei einem schwächeren wirtschaftlichen Umfeld stützen.

Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für die US-Wirtschaft bestätigten zum wiederholten Male die divergierende Entwicklung zwischen der Industrie und dem Dienstleistungsbereich. Während sich die Indikatoren des Instituts for Supply Management (ISM) und Markit für die US-Industrie entgegen der Erwartungen im Juli auf 51,2 und 50,4 Punkte weiter leicht abschwächten, verbesserte sich bei Markit der vorläufige Wert für die Dienstleister von 51,5 auf 52,2 Punkte.

US-Wachstum verlangsamt sich auf noch immer solidem Niveau

Einkaufsmanagerindizes
US-Wachstum verlangsamt sich auf noch immer solidem Niveau
Quelle: Bloomberg, Markit; Stand: 1. August 2019

Euroraum: Schwächephase in der Industrie hält weiter an

Auch in Europa hat sich dieses Bild – Schwäche im Verarbeitenden Gewerbe und robustes Umfeld bei den Dienstleistungen – im Juli erneut fortgesetzt, nur mit einer noch stärkeren Diskrepanz und auf einem besorgniserregenderen Niveau. Noch besteht die Hoffnung, dass sich diese Lücke im weiteren Verlauf des zweiten Halbjahrs durch eine Erholung der Industrietätigkeit verringern wird. Aber die Sorgen bezüglich einer Ansteckung der eher binnenwirtschaftlichen Sektoren nehmen zu.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie gab im Euroraum im Juli um weitere 1,1 Punkte auf 46,5 Punkte nach, den schwächsten Wert seit Dezember 2012, und lag damit deutlich unter der erwarteten Konsolidierung. Besonders schwach entwickelte sich erneut die Industrietätigkeit in Deutschland mit einem Rückgang von 1,8 Punkten auf ein Sieben-Jahres-Tief von 43,2. Zurückzuführen war dies besonders auf die Komponente „New Export Orders“, die aufgrund rückläufiger Umsätze im Handel mit China und im Automobilsektor um mehr als fünf Punkte einbrach. Wenig überraschend halbierte sich das BIP-Wachstum im zweiten Quartal von 0,4 auf 0,2 Prozent – und eine Besserung zeichnet sich bislang nicht ab.

Die guten Nachrichten kamen erneut aus den stärker von den Konsumausgaben und der Binnenkonjunktur abhängigen Dienstleistungssektoren. Im Euroraum und in Deutschland schwächten sich die Service-PMIs auf 53,3 und 55,4 Punkte nochmals leicht ab, lagen damit aber immer noch auf einem gesunden Niveau.

Euroland: Starke Diskrepanz zwischen Industrie und Dienstleistungen

Einkaufsmanagerindizes
Euroland: Starke Diskrepanz zwischen Industrie und Dienstleistungen
Quelle: Bloomberg, Markit; Stand: 1. August 2019

China: Moderate Abschwächung dürfte sich fortsetzen

Auch in China deuten die jüngsten Daten noch nicht auf ein Ende der konjunkturellen Abschwächung hin. Sowohl der Einkaufsmanagerindex für die Industrie – der stärker die staatsnahen Unternehmen berücksichtigt – als auch der Caixin Manufacturing konnten im Juli zwar auf 49,7 und 49,9 Punkte zulegen. Für den Rest der chinesischen Volkswirtschaft fiel der „Non-Manufacturing“ PMI aber auf ein Acht-Monats-Tief von 53,7 Punkten. Neben der Dienstleistungs- war auch die Baukomponente dafür verantwortlich und suggeriert, dass sich die staatlichen Stimulusmaßnahmen zumindest im vergangenen Monat nicht in erhöhten Infrastrukturinvestitionen niederschlugen oder eine gedämpftere Bautätigkeit deren Effekt aufwog. Trotz der leichten Verbesserung im Industriebereich im Juli dürfte sich die moderate Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums weiter fortsetzen.

China: Noch keine Erholung

Einkaufsmanagerindizes
China: Noch keine Erholung
Quelle: Bloomberg, Markit; Stand: 1. August 2019

Fazit: Notenbanken reagieren mit geldpolitischen Stimuli

Die anhaltende globale Konjunkturschwäche unterstützt die Folgerungen, zu denen viele Notenbanker in den letzten Wochen bereits gelangt sind: Die Konjunktur benötigt einen Stimulus. Die Federal Reserve (Fed) hat diesen bereits am Mittwoch mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte geliefert, die Europäische Zentralbank (EZB) sollte im September nachziehen. Diese geldpolitischen Stimuli dürften der Konjunktur perspektivisch Impulse verleihen. Fiskalpolitische Maßnahmen, die vermutlich in der aktuellen Lage gerade in Europa den größten volkswirtschaftliche Effekt hätten, sind hingegen nicht zu erwarten.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
5. August 2019, soweit nicht anders angegeben.