Wandelanleihen in volatilen Märkten

Seit Jahresanfang waren die Kapitalmärkte stärkeren Bewegungen unterworfen. Nach Rekordständen führte eine allgemeine Risikoaversion, ausgelöst durch Inflationssorgen, Anfang Februar zu einem Kurssturz. Es folgten Erholungsphasen und weitere Verkäufe. Unter dem Strich ist die realisierte Volatilität seitdem auf erhöhtem Niveau geblieben. Wandelanleihen (Convertibles) haben sich in diesem von Schwankungen geprägten Umfeld vergleichsweise gut gehalten. Zwar bekam auch dieses Marktsegment die allgemeine Risikoaversion zu spüren. Während der MSCI World-Index im Abverkauf Anfang Februar aber rund sieben Prozent verlor, konnte sich der globale Wandelanleihemarkt, gemessen am Thomson Reuters Global Convertible Index, mit einem Minus von rund drei Prozent gut behaupten. Bereits kurze Zeit später drehte der Markt sogar wieder ins Plus.
Entwicklung globaler Wandelanleihen (indexiert)
Entwicklung globaler Wandelanleihen (indexiert)
Quelle: Union Investment, Thomson Reuters Datastream; Stand: 21. Mai 2018

Schutzfunktion in Abwärtsphasen

Durch ihr konvexes Risikoprofil partizipieren Wandelanleihen mittelfristig deutlich stärker an Aufschwüngen, als sie in Abschwüngen verlieren. In steigenden Aktienmärkten können sie durch die integrierte Kaufoption profitieren. Bei stark fallenden Börsen bieten sie durch ihren Anleihecharakter eine Art Schutzfunktion. Und genau die hat sich im Februar auch kurzfristig bewährt. Union Investment achtet deshalb bereits bei der Selektion geeigneter Papiere darauf, dass die Anleihen eine gute Konvexität aufweisen. Wir analysieren dezidiert die Struktur jedes Titels in unserem Investmentuniversum. Dabei setzen wir auf eine angemessene Aktienmarktsensitivität, um eben in solchen Abwärtsphasen gut gewappnet zu sein. Die Notwendigkeit von taktischen Umstellungen in etwas volatileren Marktphasen besteht deshalb nur in sehr seltenen Fällen.

Eigenkapitalneutrale Anleihen bleiben Nischensegment

Sogenannten eigenkapitalneutralen Wandelanleihen („non-dilutive Convertible Bonds“) stehen wir etwas vorsichtiger gegenüber. Hierbei handelt es sich um spezielle synthetische Konstrukte, die seit etwa drei Jahren von größeren Firmen in Europa wie Carrefour, LVMH oder Total ausgegeben werden. Die Unternehmen emittieren Wandelanleihen und hedgen sich gleichzeitig gegen das Risiko der Verwässerung ihres Eigenkapitals – aufgrund der enthaltenen Kauf-Option – ab. Die Wandelanleihe wird dadurch mehr oder weniger eigenkapitalneutral für den Emittenten. Für uns ist das Konstrukt eher unattraktiv, weil wir diese Art von synthetischen Convertibles durch eigene Konstrukte günstiger darstellen können.

Freundliches Marktumfeld

Da die Aktie der Haupteinflussfaktor für Convertibles ist, rechnen wir vorerst mit einer moderat positiven Entwicklung. Denn mit der Konsolidierung an den globalen Aktienmärkten hat auch die Bewertung von Wandelanleihen wieder ein faires bis günstiges Niveau erreicht. Aus regionaler Sicht sind derzeit vor allem Japan und die restlichen asiatischen Wandelanleihemärkte günstig. Auch Europa weist eine attraktives Niveau auf, wohingegen die USA schon seit einer Weile etwas höher bewertet sind. Zu den größten Risiken zählt die geopolitische Situation, etwa in Syrien, Nordkorea und im Nahen Osten. Auch neue Vorhaben der US-Regierung unter Trump könnten die Börsen bewegen: So hätte beispielsweise eine weitere Verschärfung im Handelskonflikt weltweit negative Auswirkungen. Mit Blick auf Europa steht neben den Brexit-Verhandlungen die Regierungsbildung in Italien im Vordergrund.

Profiteure höherer Kapitalmarktschwankungen

Wandelanleihen mit guter Konvexität sind weitgehend immun gegen Zinsänderungsrisiken – ein Vorteil in einem Umfeld, in dem die Notenbanken auf einen strafferen geldpolitischen Kurs einschwenken. Hinzu kommt, dass die wieder etwas höhere Volatilität für Wandelanleihen mittelfristig tendenziell von Vorteil ist, weil die in den Papieren enthaltene Call-Option im Wert steigt. Da sich die Schwankungen in den kommenden Monaten auf einem höheren Niveau einpendeln dürften als es 2017 der Fall war, ist dieser Effekt noch nicht vollständig eingepreist. Gerade in diesem von höherer Volatilität geprägten Umfeld könnte sich die Konvexität der Wandelanleihen weiter bewähren.

 

Stand: 21. Mai 2018