US-Steuerreform

Trumps neue Steuerpläne - Details bleiben Mangelware

(Stand: 28. April 2017)

Die Steuerpläne beinhalten vieles, was die Investoren sich wünschen. Der große Haken daran ist die Umsetzung.

Benjardin Gärtner

Leiter Portfoliomanagement Aktien und Mitglied im Union Investment Committee

Nun ist es soweit – die seit langem erwarteten Steuerpläne der Trump-Administration wurden am Dienstag letzter Woche von Finanzminister Steve Mnuchin vorgestellt. Das neue Reformpaket zeigt dabei viele Elemente aus den ursprünglichen Steuervorhaben des Wahlkampfprogramms zur Präsidentschaftswahl von Donald Trump aus dem vergangenen Jahr. Insgesamt bleiben aber nach wie vor viele Details zur Umsetzung unbeantwortet: Es stellt sich insbesondere die Frage wie die prognostizierten hohen Kosten für die Reform gegenfinanziert werden können.

Ausgestaltung der Steuerreform – Details bleiben Mangelware

Die Grundidee hinter der vorgelegten Steuerreform ist nicht neu: Mit niedrigeren Einkommenssteuersätzen, einer höheren Transparenz (etwa mittels weniger Einkommenssteuerklassen als derzeit) und höheren Freibeträgen sollen Unternehmen und Privathaushalte entlastet werden. Diese Maßnahmen sollen einerseits die heimische Wirtschaft unterstützen und andererseits gleichzeitig Anreize für global agierende Konzerne schaffen, wieder verstärkt in den USA zu produzieren.

Im Vergleich zum ursprünglichen Wahlkampfprogramm von Donald Trump bildet nach wie vor die Senkung des Körperschaftssteuersatzes von derzeit 35 auf 15 Prozent den Kern der Steuerreform. Das Weiße Haus erhofft sich durch die Herabsetzung des derzeit höchsten Unternehmenssteuersatzes aller OECD-Länder eine substanzielle Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von US-Unternehmen und eine Verringerung der Abwanderung von Konzernen in Niedrigsteuerländer wie Irland. In dieselbe Richtung zielt die vorgesehene Maßnahme, dass bei einer Gewinnrückführung in die USA nur noch ein Steuersatz von 10 Prozent auf Auslandsgewinne gilt. Von der niedrigeren Besteuerung sollen neben den Großkonzernen auch kleinere und mittlere Unternehmen profitieren: Diese unterliegen bis dato teilweise dem Einkommenssteuersatz für private Haushalte in Höhe von bis zu 39,6 Prozent und sollen nun auch der Körperschaftssteuer unterliegen.

Im Bereich der Besteuerung von Privatpersonen ergeben sich im Reformvorhaben je nach erzieltem Einkommen drei Steuersätze in Höhe von 35, 25 und 10 Prozent, die etwas von den im Wahlkampf angekündigten Sätzen von 33, 25 und 12 Prozent abweichen. Niedrige Einkommen werden demnach sogar noch etwas stärker entlastet als ursprünglich vorgesehen. Durch die Senkung des Spitzensteuersatzes sollte absolut gesehen die Schere zwischen „Arm und Reich“ aber noch größer werden. Eine weitere Änderung betrifft die Freibeträge: Als Beispiel sei hier die Verdoppelung des Grundfreibetrags für Familien von aktuell 12.600 US-Dollar genannt.

Bei der Ausgestaltung der Pläne vermissen Experten jedoch weiterhin wichtige Details zu deren Umsetzung. Ganze Vorhaben sind in ihrer Ausgestaltung nach wie vor unklar. So blieben Konkretisierungen zu den an den Finanzmärkten lang diskutierten und befürchteten protektionistischen Maßnahmen (etwa Border Adjustment Tax in Form von Importsteuern und Zöllen) weitgehend unerwähnt.

Finanzierung der Steuerreform bleibt ungeklärt

Der entscheidende Knackpunkt der Steuerreform ist deren Gegenfinanzierung. Die Spielräume innerhalb des US-Haushalts sind stark begrenzt: Die Staatsverschuldung der USA beträgt bereits jetzt 77 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Aus dem Lager der Demokraten verlautete, dass bei Umsetzung der Pläne das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten auf neue Rekordhöhen steigen würde. Experten gehen davon aus, dass die geschätzten Kosten der Steuerreform den Schuldenstand auf deutlich über 100 Prozent anheben würden.
Zwar hat die republikanische Partei Mehrheiten in beiden Kongresskammern. Doch nach dem Credo „Aufkommensneutralität – keine Reform ohne Gegenfinanzierung“ wird Präsident Trump wohl kaum die notwendige Unterstützung seiner Partei bekommen. Aufgrund der hohen langfristigen Kosten der Steuerreform ist im Senat eine Mehrheit von 60 Sitzen notwendig. Woher die Trump-Regierung die Mittel zur Gegenfinanzierung nehmen will, wurde im Rahmen der Vorlage der Pläne nicht erläutert. In den ursprünglichen Plänen zur Steuerreform aus dem Wahlkampf wurde argumentiert, dass die kalkulierten Kosten sich durch höheres Wirtschaftswachstum tragen würden. Ein solcher Nachweis einer sich selbst tragenden Steuersenkung fehlt jedoch in der Vergangenheit: Weder bei den Steuerreformen in der Präsidentschaftszeit von Ronald Reagan noch in der Ära von George W. Bush haben sich diese in einem solchen Maße positiv auf die wirtschaftliche Aktivität ausgewirkt.

Kapitalmärkte reagieren verhalten

Zwar erscheinen die Steuerpläne insbesondere hinsichtlich der reduzierten Unternehmenssteuersätze vorteilhaft für die Unternehmensgewinne und damit auch für Kapitalanleger. Unter den Marktteilnehmer herrscht jedoch aus oben genannten Refinanzierungsgründen Skepsis, inwiefern die Steuerpläne in diesem Umfang umgesetzt werden (können). Diese Vorsicht wird an den ersten Marktreaktionen nach der Vorstellung der Steuerreform deutlich: Die Aktienbörsen zeigten sich kaum verändert, die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen sanken sogar. Eine Wiederbelebung des sogenannten „Reflation Trades“ mit steigenden Kapitalmarktrenditen und anziehenden Börsenkursen (insbesondere in zyklischen Sektoren) ist aufgrund der verhaltenen Reaktion der Kapitalmarktteilnehmer (vorerst) nicht zu erwarten.

Fazit

Die Steuerpläne des Weißen Hauses sind aus Investorensicht durch die positiven Effekte für die Unternehmensgewinne und den privaten Konsum durchaus begrüßenswert. Allerdings ist die Finanzierung der US-Steuerreform derart unklar, dass noch nicht einmal feststeht, inwiefern ein solcher Plan überhaupt zur Abstimmung kommen wird. Aufgrund der langwierigen zeitlichen Gesetzgebungsverfahren in den USA ist nicht mit einer Umsetzung der Steuerpläne vor dem vierten Quartal 2017 zu rechnen, unter Experten gilt sogar das Jahr 2018 als deutlich wahrscheinlicher. Zusammenfassend ist zwar davon auszugehen, dass eine Steuerreform in den USA umgesetzt werden wird, jedoch aufgrund der sehr begrenzten finanziellen Gestaltungsspielräume in deutlich abgeschwächter Form als derzeit von US-Präsident Donald Trump geplant.