Positiver Ausblick für US-Berichtssaison Q2/2017

Die globale Berichtssaison zum ersten Quartal 2017 ist äußerst stark verlaufen und hat die globale Revision Ratio in den positiven Bereich und auf ein Fünf-Jahres-Hoch gebracht. Die erfreuliche Verlauf der Berichtssaison und die guten Gewinnrevisionen haben zur bislang guten Performance der Aktienmärkte im laufenden Jahr beigetragen (S&P 500 +8,9 Prozent, MSCI AC World +11,3 Prozent, Stand: 12. Juli, jeweils auf US-Dollar-Basis).

Mit den Zahlen von JP Morgan, der Citigoup und Wells Fargo hat am Freitag die US-Berichtssaison zum zweiten Quartal 2017 begonnen. Vor allem die Zahlen der Großbank JP Morgan überzeugten, ihr ist es gelungen, das Ergebnis stärker als erwartet zu steigern. Aber auch die Citigroup und Wells Fargo konnten die Erwartungen übertreffen. In den nächsten drei Wochen werden 393 S&P 500-Unternehmen ihre Bücher öffnen (siehe Grafik). In der nächste Woche folgen weitere große Finanzunternehmen (Blackrock, Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley). Auch einige Tech-Konzerne berichten in der frühen Phase der Saison (Microsoft, Alphabet, Facebook Intel, Amazon). Der Beginn der Berichtssaison ist vor allem deshalb wichtig, da sich der Trend für die Gesamtsaison häufig frühzeitig andeutet. Außerdem erzeugen die Berichte der US-Unternehmen oftmals auch Performance-Reaktionen, die auf europäische Unternehmen des gleichen Sektors abstrahlen.

Anzahl S&P 500 Unternehmen, die am jeweiligen Tag berichten

Anzahl SP 500-Unternehmen

Nach starker US-Berichtssaison Q1/2017 positiver Verlauf in Q2 erwartet

Unterstützt von anhaltend guten globalen Makrodaten erwarten wir eine positive Berichtssaison, auch wenn sie nicht so stark ausfallen sollte wie im ersten Quartal 2017. Damals legte die spürbare Belebung der Frühindikatoren (PMI- und ISM-Indizes) die Grundlage für die starke Q1-Berichtssaison. Das stabil hohe Niveau der Frühindikatoren im ersten und zweiten Quartal 2017 sollte deshalb auch eine gute Basis für einen positiven Verlauf der Q2-Berichtssaison bilden. Der ISM-Manufacturing Index war im Quartals-Durchschnitt zwar leicht rückläufig (Q1: 57,0 versus Q2: 55,8), liegt aber weiterhin auf hohem Niveau. Der globale PMI-Manufacturing Index für die entwickelten Länder verharrte im zweiten Quartal 2017 auf einem hohen Niveau von 54 (fast unverändert zu Q1/2017), für die Schwellenländer stabil auf einem etwas niedrigerem Niveau von knapp unter 51.

Die spannende Frage ist, inwieweit ein positiver Verlauf der Berichtssaison – nach der starken Performance seit Jahresbeginn – neue Impulse für die Aktienmärkte bringen kann. 24 US-Unternehmen mit gebrochenem Geschäftsquartal haben bereits berichtet. Sie haben die gesteckten Gewinnerwartungen im Schnitt um 8,3 Prozent übertroffen. Die Kurse der Unternehmen haben nach Bekanntgabe der Zahlen im Schnitt aber lediglich um 0,2 Prozent zugelegt. Die globale Revision-Ratio ((Anzahl Upgrades minus Anzahl Downgrades)/Anzahl Gewinnschätzungen) ist noch nahe dem Fünf-Jahres-Hoch, hat allerdings zuletzt ein leichtes Überrollen gezeigt (siehe Grafik). Nimmt die Berichtssaison einen positiven Verlauf, sollte die Revision-Ratio im positiven Bereich verbleiben und damit das aktuell erwartete hohe globale Gewinnwachstum von 15 Prozent im Jahr 2017 stützen (zum Vergleich 2016: null Prozent).

Revision-Ratio MSCI AC World

Revision Ratio MSCI AC World

Tech-Firmen dürften starkes Wachstum fortsetzen

Von besonderer Bedeutung ist der Technologie-Sektor, der im bisherigen Jahresverlauf die stärkste Performance gezeigt hat (+20,4 Prozent auf US-Dollar-Basis, Stand: 12. Juli). Dies spiegelt die hohen Erwartungen an den Sektor wider, bedeutet gleichzeitig aber auch ein gewisses Rückschlagpotenzial, wenn die vorgelegten Zahlen die Erwartungen enttäuschen. Die Tech-Unternehmen mit gebrochenem Geschäftsquartal (Adobe, Oracle, Micron, Red Hat) haben im Juni überzeugende Zahlen vorgelegt und deuten damit auf eine Fortsetzung des starken Tech-Trends im zweiten Quartal 2017 hin.

Für Unternehmen aller Sektoren könnte potenziell das Thema „Cyberattacken“ von besonderer Bedeutung sein. Reckitt Benckiser senkte Anfang Juli seine Umsatzerwartungen aufgrund eines Cyberangriffs. Im Mai 2017 gab es eine weltweite Cyberattacke durch das Schadprogramm WannaCry. Im Rahmen der Q2-Berichterstattung könnten durchaus auch andere Unternehmen kleinere Belastungen in diesem Zusammenhang vermelden. Zu den Reformplänen der US-Regierung bei der Unternehmenssteuer gab es in den letzten Monaten keine weiteren Neuigkeiten und Details. Entsprechend sollte das Thema auch in dieser Berichtssaison keine Rolle spielen.

Es gibt auch einige Faktoren, die in der Q2-Berichtssaison belastend wirken könnten. Zuletzt wurden die Gewinnrevisionen in den USA durch den Telekom- und Energiesektor belastet – das dürfte sich in der kommenden Berichtssaison kaum ändern. In die Gewinnrevisionen des Energiesektors muss ein durchschnittlicher Q2-Preis für Brent-Rohöl von 48,6 US-Dollar (zum Vergleich: Q1-Schnitt 53,8 US-Dollar) und ein aktueller Wert von 45,3 US-Dollar eingepreist werden. Häufig warten die Analysten mit ihren Revisionen das Quartalsende ab. Deswegen dürfte die Ölpreisentwicklung des zweiten Quartals vermutlich noch weitere negative Gewinnrevisionen im Energiesektor zur Folge haben. Auch die rückläufigen US-Autoverkäufe im zweiten Quartal könnten in der Berichtssaison noch zu Negativrevisionen beitragen. Der enge US-Arbeitsmarkt und steigende Lohnkosten waren in den vergangenen Quartalen von einigen US-Unternehmen als belastender Kostenfaktor genannt worden, spiegelten sich bisher aber nicht in den Zahlen wider. Dieses Thema sollte zunächst auch weiter keine große Rolle spielen.

Für Q2/2017 werden Gewinne in Höhe von 31,9 US-Dollar erwartet – das entspricht einer Steigerung von 4,2 Prozent zum Vorquartal und 9,2 Prozent im Jahresvergleich (siehe Grafik). Ein positiver Verlauf der Berichtssaison könnte für Aufwärtsrevisionen der Q2-Gewinne auf rund 33,0 US-Dollar sorgen. Die Gewinnschätzungen für das dritte (34,3 US-Dollar) und vierte Quartal (35,3 US-Dollar) erscheinen im Gegensatz zu den Q2-Gewinnen deutlich ambitionierter.

Erwartete Gewinne der S&P 500-Konzerne

Erwartete Gewinne der SP 500-Konzerne

Konzerne im Euroraum könnten Belastung durch stärkeren Euro spüren

In Europa ist die Berichtssaison für das erste Quartal 2017 besonders stark ausgefallen: 80 Prozent der Stoxx Europe 600-Unternehmen haben beim Umsatz und 67 Prozent beim Gewinn positiv überrascht. Das ist das beste Ergebnis seit fünf Jahren. In der Q2-Berichtssaison könnte der stärkere Euro beginnen, zu einem Belastungsfaktor zu werden. In den zurückliegenden drei Monaten ist der handelsgewichtete Euro um knapp sechs Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch gestiegen. Die Notierung lag im zweiten Quartal rund 1,8 Prozent über dem durchschnittlichen Kurs im ersten Quartal und 2,4 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2016. Auch die Ausblicke einiger Unternehmen könnten durch die stärkere Währung belastet werden. Auf der anderen Seite zeigte sich die Konjunktur im Euroraum in Q2/2017 in guter Verfassung. Die Frühindikatoren entwickelten sich robust, der PMI-Manufacturing Index stieg auf ein Sechs-Jahres-Hoch bei 57,4 Punkten.

Für die US-Unternehmen könnte dagegen der schwächere US-Dollar, der handelsgewichtet im Quartalsvergleich 1,8 Prozent leichter tendierte, stützend wirken. Vor allem Industriekonzerne, die zusammen mit den US-Tech-Unternehmen derzeit das beste Gewinnrevisionsmomentum aufweisen, könnten profitieren.

(Stand: 14. Juli 2017)