Stiftungszwecke erfüllen in Zeiten von Corona

Stiftungszwecke erfüllen in Zeiten von Corona

Der Corona-Crash hat für starke Verwerfungen an den Finanzmärkten gesorgt. Langfristinvestoren, zu denen Stiftungen gehören, können solche Krisen in der Regel besser verkraften. Gleichzeitig verzeichnen sie weiterhin Mittelzuflüsse, die angelegt werden müssen. Was sollten Stiftungsverantwortliche dabei beachten?

Die Wochen seit dem 12. März stellten auch für die Stiftungsvermögen einen massiven Stresstest dar. Damit ist die Coronakrise eine Zeit, in der Stiftungsverantwortliche viele Fragen haben. Was ist in den vergangenen Wochen passiert? Konnten mit der bisherigen Aufstellung die Anlagerichtlinien jederzeit erfüllt werden? Welche Stellschrauben können gedreht werden, um bessere Anlageperspektiven für die Zukunft zu schaffen?

Genauer Blick auf die Anlagerichtlinien

Eine Analyse des Stiftungsvermögens könnte der Ausgangspunkt für jede weitere Überlegung in dieser Richtung sein. Bei dieser Analyse ist neben der Betrachtung der Entwicklung des Vermögens und möglicher Wertverluste auch wichtig, die Anlagerichtlinien genauer anzuschauen. Waren sie der Krise gewachsen? Wie könnten die Richtlinien für die Zukunft formuliert werden, um in den neuen Realitäten der Märkte zu bestehen? „Aus unserer Erfahrung verfügen viele Stiftungen immer noch über Richtlinien, die zum Teil noch die ‚Mündelsicherheit‘ vorsehen“, berichtet Daniel Loch, Senior Client Relationship Manager für kirchliche Institutionen bei Union Investment. Aus einer rein auf Zinserträge basierenden Anlage lassen sich die reale Werterhaltung des Stiftungskapitals, die Erwirtschaftung von Fördermitteln sowie die laufenden Kosten kaum noch in Einklang bringen.

Breiter diversifizieren

Teil der Analyse der Anlagen und einer möglichen Neuformulierung der Anlagerichtlinien ist auch eine Zielbestimmung. Wie hoch sollen die Ausschüttungen und Ausschüttungsreserven in Zukunft sein? Daraus kann sich dann außerdem ergeben, was anlagetechnisch sinnvoll und machbar ist. „Eine rein auf Anleihen und zu einem kleineren Teil auf Aktien basierende Vermögensallokation reicht dabei oft nicht mehr aus“, stellt Daniel Loch fest. Eine möglichst breite Diversifizierung macht aus mehreren Gründen Sinn: Klumpenrisiken werden minimiert, und Verluste einer Assetklasse können durch Gewinne einer anderen besser ausgeglichen werden.

Sachwerte haben Bestand über alle Krisen hinweg

Doch worin sollte investiert werden, wenn man über eine breitere Streuung des Vermögens nachdenkt? Sachwerten, wie etwa Aktien und Immobilien, kommt eine wichtige Rolle im Portfolio zu. „Hierbei kommt es auch darauf an, welche Risiken für Langfristinvestoren mit einem Horizont von bis zu 100 Jahren schwerer zu verkraften sind“, erläutert Daniel Loch. „Volatilitätsrisiken wie bei Aktien lassen sich gerade auf lange Sicht besser aushalten als das Bonitäts- und Ausfallrisiko von Anleihen“, so Loch. Er findet: „Wenn schon Anleihen, dann bieten besonders Unternehmensanleihen im aktuellen Umfeld mehr Chancen auf einen Mehrertrag, da bei ihnen die Risikoaufschläge höher sind als vor dem Beginn der Corona-Pandemie.“ Doch langfristig gesehen, ist für Daniel Loch klar, bleibt das Niedrigzinsumfeld weiterhin fest zementiert.

Warum die Ewigkeitsbetrachtung für Stiftungen wichtig ist

Ewigkeitsbetrachtung
Quellen: ZEIT Magazin, efeno, Bundesverb. Dt. Stiftungen

Warum Fonds?

Eine möglichst breite Streuung des Anlagevermögens ist für Finanzverantwortliche von Stiftungen selbst oft nur mit relativ hohem Aufwand zu bewerkstelligen. Spezielle Stiftungsfonds wie UniInstitutional Stiftungsfonds Nachhaltig können hierbei eine gute Alternative darstellen. Der Fonds ist ausschüttend, und seine Erträge können eine Säule für die Liquiditätsplanung von Stiftungen sein. Die mit dem Fonds in der Regel mitgelieferten Services wie Reporting, Dokumentation und Ausschüttungs-Forecasts sind auch intern gegenüber dem Stiftungsbeirat nützlich und eine fundierte Unterstützung, um Investitionsentscheidungen zu begründen.

Aktives Management und Nachhaltigkeit

Wichtig ist darüber hinaus der Aspekt des Risikomanagements, den sich Stiftungsverantwortliche insbesondere bei aktiv gemanagten Fonds mit einkaufen ‒ ob als Spezialfonds mit genau auf die Anlagerichtlinien abgestimmten Wertuntergrenzen oder als institutioneller Publikumsfonds, der auf die regulatorischen Risikoanforderungen von Stiftungen ausgerichtet ist. Bei beiden kommt es besonders auf die flexible Steuerung der Aktienquote und die Zinsbindung an, sodass Risiken bewusst erhöht oder gesenkt werden können.

Aktive Steuerung der Aktienrisiken

Wirtschaftliche Aktienquote UniInstitutional Stiftungsfonds Nachhaltig und MSCI Welt
Aktive Steuerung von Aktienrisiken
Quelle: Union Investment, Stand: 5. Mai 2020

Einen immer wichtigeren Stellenwert haben außerdem spezielle Nachhaltigkeitsfonds, die durch die Beachtung von ökologischen, sozialen und Unternehmensführungskriterien im Fonds einen zusätzlichen Risikofilter bieten können und gleichzeitig die Chancen nachhaltiger und innovativer Unternehmen nutzen.

Guter Einstiegszeitpunkt?

Die momentane Situation an den Kapitalmärkten, an denen selbst grundsolide Aktientitel seit dem 12. März zum Teil bis zu 30 Prozent in der Bewertung abrutschten, stellt durchaus eine Chance dar. Denn wie eine alte Börsenweisheit sagt: „Wer nicht Aktien kauft, wenn sie fallen, hat auch keine Aktien, wenn sie steigen.“ Dass solche Zeiten wiederkommen, zeigt nicht zuletzt die Rückschau auf den DAX. Seit 1987 hat sich der deutsche Leitindex allen Krisen zum Trotz immer wieder nach oben bewegt, egal ob Dotcom-Blase, Lehman-Pleite oder Staatsschuldenkrise. Sicherlich ist die Coronakrise in ihrer Art einzigartig, und die genauen Auswirkungen wie auch der absolute Tiefpunkt sind noch unklar. Da das exakte Timen des Markts ohnehin sehr schwierig ist, empfiehlt Daniel Loch, neben der Einmalanlage über eine gestaffelte Anlage auch über einen Sparplan nachzudenken. Dadurch ist es möglich, einen insgesamt guten Durchschnittspreis einer Anlage zu erreichen, weil bei niedrigen Kursen entsprechend mehr Fondsanteile ratierlich gekauft werden und bei hohen Kursen weniger.

Die Coronakrise und die neuen Realitäten an den Kapitalmärkten verlangen noch mehr von Stiftungen und ihren Entscheidern. Die Krise ist aber auch eine Chance zur kritischen Selbstreflexion und sollte zum Nachdenken darüber anregen, was zu tun ist, um das Stiftungsvermögen besser an den Bedingungen künftiger Bullen- und Bärenmärkte auszurichten.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
08. Mai 2020, soweit nicht anders angegeben.