Gruenes Feld

Schub für europäischen Green-Bond-Markt

Grüne Anleihen sind begehrt. Die Europäische Union (EU) gibt mit ihrem Markteintritt als Emittentin dem europäischen Green-Bond-Markt zusätzlichen Schub. Union Investment erwartet ein kräftiges Wachstum bis Ende 2022. Ein Selbstläufer sind Grüne Anleihen als Anlage aber nicht.

Europas Kapitalmarkt steht vor einer riesigen Umverteilung von Anlagemitteln hin zu “grünen“ Projekten. Denn Grüne Anleihen sind ein wichtiges Finanzierungsinstrument auf dem Weg zu einer klimaneutralen EU. Jetzt kann die Europäische Union loslegen: Mit dem Green Bond Framework hat sich die Gemeinschaft den Rahmen gesteckt, um die Ausgabe eigener Grüner Anleihen zu starten. Rund ein Drittel der Mittel für den Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“ (NGEU) will die Staatengemeinschaft bis 2026 über Green Bonds finanzieren, also rund 250 Milliarden Euro. Damit dürfte die EU rasch zum größten Green-Bond-Emittenten der Welt aufsteigen.

Die EU schafft damit eine weitere „sichere“ Anlage – nur diesmal in grün. Union Investment selbst verwaltet derzeit ein Anlagevolumen von über sieben Milliarden Euro in Green Bonds. Die Grünen Anleihen der EU werden auf einen sehr aufnahmefähigen und-willigen Markt treffen: Die Anleger stehen bereit und die Dynamik bleibt hoch. Anfang September lag das Emissionsvolumen im Green-Bond-Markt bereits über dem im Vorjahr erreichten Rekordniveau. Immer mehr Staaten sind auf dem Markt aktiv, zuletzt beispielsweise trat Spanien in den Kreis der Staaten ein, die Grüne Anleihen begeben, und stieß auf eine große Nachfrage insbesondere von Pensionskassen. Auch Großbritannien steht mit einem ersten Green Gilt in den Startlöchern. Bis Ende 2022 dürfte das Volumen ausstehender Grüner Anleihen in Europa auf rund eine Billion Euro wachsen, prognostiziert Union Investment .

Grüne Anleihen auf dem Vormarsch

Grüne Anleihen auf dem Vormarsch
Quelle: Bloomberg; Stand: 8. September 2021

EU wird größter Green-Bond-Emittent

Die Europäische Union dürfte ihrerseits bis 2026 jährlich für bis zu 40 Milliarden Euro Grüne Anleihen auflegen und läge damit noch vor dem Staat Frankreich, der bisher Grüne Anleihen von insgesamt über gut 38 Milliarden Euro begeben hat. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland kann derzeit maximal 18 Milliarden Euro pro Jahr über Grüne Bundesanleihen aufnehmen, obwohl die Nachfrage nach Grünen Bunds um ein Vielfaches höher liegt. Grund hierfür ist das geringe Ausmaß grüner Investitionen im Bundeshaushalt. Hier dürften die neuen EU-Green-Bonds helfen, die Nachfrage der Investoren zu stillen. Stand Mitte September 2021 kommt Deutschland auf 21 Milliarden Euro ausstehendes Nominalvolumen.

Die EU hat angekündigt, ihre Green Bonds auf Grundlage des derzeit maßgeblichen, anerkannten Branchenstandards der International Capital Market Association (ICMA) zu begeben. Dadurch wird Transparenz bezüglich der Verwendung der Mittel geschaffen und garantiert, dass eine zweite Meinung eingeholt wird, welche die korrekte Mittelverwendung sicherstellen soll. Die Grünen Anleihen, welche die EU auf Grundlage ihres eigenen Emissionsrahmens – also des Green Bond Framework – begibt, werden voraussichtlich aber nicht alle Kriterien des geplanten EU Green Bond Standards (vgl. Kasten) erfüllen, der für den gesamten europäischen Markt Geltung haben soll. Dies liegt daran, dass die grünen Projekte des EU-Wiederaufbauprogramms, die mit den Grünen Anleihen der EU finanziert werden sollen, sonst zwingend die Vorgaben der EU-Taxonomie erfüllen müssten, also jenes EU-Regelwerks, das künftig grüne Investitionen definieren soll. Allerdings erfüllen die Wiederaufbauprojekte diese Kriterien voraussichtlich nicht vollumfänglich.

Der Green Bond Standard (GBS) soll für Grüne Anleihen aus der EU einen auch über Europa hinaus anwendbaren Rahmen setzen und klären, was „grün“ ist. Bisher liegt aber erst ein von der EU-Kommission im Juli 2021 vorgelegter Regulierungsvorschlag vor. Die ESG-Experten von Union Investment erwarten auf Basis dieses Vorschlags, dass sich potenzielles „Greenwashing“ dadurch effektiver verhindern lässt und durch eine bessere Vergleichbarkeit von in der EU aufgelegten Grünen Anleihen die Transparenz im Markt steigt. Zunächst soll der Standard erst einmal freiwillig sein.

Gegenüber den bisher üblichen Standards für Grüne Anleihen würde der EU GBS eine teilweise Verschärfung der Regeln darstellen. In der Mittelverwendung muss der Emittent auf das EU-Regelwerk Rückgriff nehmen, das grüne Investition definiert (EU-Taxonomie). Der Vorschlag der EU-Kommission sieht darüber hinaus in der Anleger-Berichterstattung erhöhte Anforderungen vor, etwa was den Detaillierungsgrad sowie die Wirkung der eingesetzten Gelder betrifft. Darüber hinaus sollen externe Dienstleister, die vom Emittenten im Rahmen der Emission verpflichtet werden, durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsicht (ESMA) beaufsichtigt werden.

Greenium dürfte Bestand haben

Eine für Investoren relevante Frage ist darüber hinaus auch, ob der Preisunterschied zwischen konventionellen und Grünen Anleihen, das so genannte Greenium, weiter bestehen bleiben dürfte oder verschwindet. Das Greenium besagt, dass eine grüne Anleihe mit einem höheren Kurs und damit mit einer geringeren Rendite an den Markt kommt als eine vergleichbare konventionelle Anleihe. Ob das Greenium Bestand haben wird, darüber gehen die Meinungen im Markt auseinander. Union Investment erwartet, dass das Greenium nicht so schnell verschwindet. So ist in den Augen der Experten kaum damit zu rechnen, dass Angebot und Nachfrage bei nachhaltigen Anleihen schnell ins Gleichgewicht kommen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Zentralbanken bei ihren Anleiheankäufen ebenfalls einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit legen wollen und so das Ungleichgewicht zu Lasten der nachhaltigen Investoren noch verschärfen.

Grundsätzlich ist darum zu erwarten, dass das Greenium Bestand haben wird, und sich womöglich noch etwas ausweiten könnte. Beispielsweise waren bei Emissionen von Supranationalen und staatsnahen Emittenten die Greeniums in der Vergangenheit sehr gering bis kaum wahrnehmbar. Dies ändert sich mittlerweile langsam. Eine Rolle dürften hier die im Jahr 2020 erstmals emittierten Grünen Bundesanleihen spielen, aus denen das Greenium direkt ablesbar ist. Diese Differenzierung zwischen „grün“ und „konventionell“ dürfte daher auch so langsam Einzug in andere Asset-Klassen halten.

Keine Selbstläufer

Welche Rolle können Grüne Anleihen aber in einem Portfolio spielen? Als wachsende Anlageklasse bieten Green Bonds nicht nur eine Möglichkeit, ethischen Überzeugungen am Kapitalmarkt Ausdruck zu verleihen, sondern auch Diversifikation und Ertrag im Rentenportfolio zu steigern. Grüne Anleihen sind jedoch keine Selbstläufer: Sowohl auf Ebene der einzelnen Emission als auch auf Ebene des Emittenten ist eine sorgfältige Analyse notwendig.

Grüne Anleihen brauchen aktives Management: Ein spezialisiertes Analystenteam prüft bei Union Investment jede Anleihe doppelt, sowohl auf Ebene der einzelnen Emission als auch auf Ebene des Emittenten. Für eine gezielte Auswahl Grüner Anleihen wird dabei bewusst auch auf etablierte interne Analysestandards und nicht nur auf Marktstandards gesetzt.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
9. September 2021, soweit nicht anders angegeben.