Metalle zwischen Handelskrieg und Marktdefizit

Ein Verlierer des Handelskonflikts sind Rohstoffe – insbesondere Industriemetalle. Doch auch bei Gold & Co. läuft es nicht gerade rund. Dabei sind am Metallmarkt interessante Anlagechancen zu finden.

Auch wenn es kurzzeitig zu etwas Entspannung im Handelsstreit kam, drehte sich im August mit weiteren US-Zöllen auf chinesische Güter die Eskalationsspirale weiter. Dabei schadet der von den USA ausgehende Protektionismus nicht nur allen anderen, sondern auch den USA selbst. Denn Zölle wirken stagflationär. Das heißt: Sie führen zu Inflation, schwächen Kaufkraft und unternehmerische Margen und damit das globale Wirtschaftswachstum. Und da Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer, Nickel und Zink eine große Rolle in der industriellen Fertigung spielen, geraten auch sie in den Zollstrudel. Seit Jahresbeginn haben sie auf Indexebene 15 Prozent an Wert verloren.

Sorge vor weiteren Handelsbeschränkungen

Kupfer in US-Dollar
Sorge vor weiteren Handelsbeschränkungen
Quelle: Thomson Reuters Datastream; Stand: 24. August 2018; * MS Radar Indizes

Insbesondere die Lage in China ist für die Metalle entscheidend, denn das Reich der Mitte ist der weltweit größte Nachfrager von Rohstoffen. Bei Kupfer zum Beispiel kommt knapp die Hälfte der weltweiten Nachfrage aus China. Aufgrund der etwas eingetrübten chinesischen Wachstumsaussichten und der schwachen chinesischen Währung ist die Nachfrage in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Auch chinesische Spekulanten haben sich von Industriemetall-Geschäften verabschiedet. Seit der Zollkonflikt Anfang des Jahres an Fahrt aufgenommen hat, hat der Renminbi um etwa zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Damit verteuern sich die in US-Dollar notierten Industriemetalle für den chinesischen Nachfrager. Die Währungsschwäche will die chinesische Zentralbank PBoC so nicht hinnehmen. Um die Abwertung des Renminbi zu stoppen, hat sie kürzlich unter anderem eine höhere Einlagenpflicht bei Devisengeschäften verhängt.

Sollte es die PBoC schaffen, die Währung zu stabilisieren, könnte das den Abverkauf bei Industriemetallen bremsen. Auch eine nachhaltige Beruhigung im Handelskonflikt wäre ein positives Signal für den Sektor allgemein. Doch unabhängig davon, bieten sich bei einzelnen Metallen schon jetzt Chancen – denn trotz aller Störfeuer gilt: Die Weltwirtschaft läuft weiter äußerst robust. Viele Metalle befinden sich derzeit in einem Angebotsdefizit, das heißt, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Interessant ist das Bild bei Nickel. Mit dem zunehmenden Trend zur Elektromobilität wächst auch die Nachfrage nach Nickel, das für die Kathodenherstellung in den Batterien gebraucht wird. Die Wachstumsraten liegen hier bei mehr als 40 Prozent.

Dagegen scheinen die goldenen Zeiten vorbei zu sein. Seit April kennt der Goldpreis nur eine Richtung: nach unten. Trotz geopolitischer Risiken etwa im Nahen Osten und der Eskalation im Handelsstreit ist die Krisenwährung nicht gefragt. Das hat insbesondere mit der Entwicklung der US-Zinsen zu tun. Bei einer Drei-Prozent-Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen sind „zinslose“ Goldinvestments nicht lukrativ. Und auch die schwache Nachfrage nach Gold-ETFs, die auf Jahressicht um 45 Prozent eingebrochen ist, setzt den Preis unter Druck. Letztlich belastet ebenfalls der starke US-Dollar, denn dadurch wird das Edelmetall für die goldaffinen Schwellenländer zu teuer. Der Goldpreis wird wohl erst wieder einen Sprung machen, wenn sich das US-Wachstum abschwächt und somit die Währungshüter einen langsameren Pfad als geplant einschlagen. Auch bei Palladium sehen wir eher negative Vorzeichen. Das Edelmetall hängt stark am Autoabsatz, da es in Katalysatoren für Benzinmotoren zum Einsatz kommt. Die Sorge vor Dellen im Wirtschaftswachstum übt Druck auf den Palladiumpreis aus.

Doch bei Platin bieten sich Chancen. Das Edelmetall, das in Katalysatoren für Dieselmotoren verbaut wird, hat stark unter dem Dieselskandal gelitten. Sein Preis notiert auf 15-Jahrestief. Die Dieselthematik ist mittlerweile eingepreist, die Produktionsrückgänge der nächsten Jahre aber noch nicht. Platin wird allen voran in Südafrika gefördert. Da momentan die Produktionskosten, unter anderem aufgrund des schwachen Südafrikanischen Rands, über dem Platinpreis liegen, verbrennen die dortigen Minen unentwegt Geld. Schon erste Platzhirsche wie Impala Platinum haben angekündigt, Produktionsstätten 2019 und 2020 schließen zu müssen. Damit dürften etwa zwei bis drei Prozent der Platin-Weltproduktion im Feuer stehen. Zahlreiche andere werden folgen müssen, was dem Preis Auftrieb verleihen würde.

Auch wenn der Fortgang des Handelskonflikts einen entscheidenden Einfluss auf die Metallpreise insgesamt in den kommenden Monaten haben wird, sollten Anleger differenzieren: Während Gold nicht glänzt, könnten Nickel und Platin gute Portfolio-Alternativen sein.

 

Stand: 20. August 2018