Globale Konjunkturabschwächung hinterlässt erste Spuren

Besser als gedacht. Trotz vieler Belastungsfaktoren berichten die US-Konzerne für das vierte Quartal ordentliche Zahlen. Mit Blick nach vorne dürften die Gewinnerwartungen aber zu hoch gegriffen sein. In welchem Spannungsfeld befinden sich die US-Unternehmen in diesem Jahr? Und was bedeutet das für Aktien-Anleger?

Schlechtester Dezember seit den 30er Jahren, bester Januar seit 1987. Und auch im Februar ging es an den Aktienmärkten in den USA positiv weiter. Während die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Ende 2018 mit ihrer insgesamt neunten Leitzinsanhebung noch für starke Kurseinbrüche gesorgt hat, war sie es auch, die die Aktienmärkte im Januar trieb. Die Währungshüter um Jerome Powell signalisierten, bei Bedarf ihren Straffungskurs auszusetzen und der Wirtschaft sogar mit stimulierenden Maßnahmen zur Seite zu stehen. Eine 180-Grad-Wende in der Geldpolitik!

Globale Konjunktur trübt sich ein

Insgesamt soll der künftige Fed-Kurs stärker als zuletzt von den Konjunkturdaten abhängen. Und diese zeigten sich schließlich zuletzt auf globaler Ebene eher trüb: Viele Frühindikatoren, wie die asiatischen und europäischen Einkaufsmanagerindizes, tendierten schwach. Insbesondere der Handelsstreit zwischen den USA und China, der zu einem verlangsamten Welthandel führt, belastet. Auch die Frühindikatoren in den USA hatten sich in den vergangenen Monaten von hohem Niveau etwas eingetrübt, zuletzt aber wieder stabilisiert. Verglichen mit der Eurozone ist die US-Konjunktur aber in einer besseren Verfassung. Die Vereinigten Staaten sind eine stärker binnenorientierte Wirtschaft, weswegen der abgeschwächte Welthandel ihr weniger anhaben kann. Zudem ist die Konsumlaune der US-Amerikaner ungebrochen. Gleichzeitig gibt es immer noch positive Impulse aus der Trump’schen Steuerreform. Insgesamt stellt sich aber die Frage, wann der Aufschwung in den USA zu Ende geht, denn der Konjunkturzyklus ist in einer reifen Phase angelangt.

In diesem Umfeld bewegen sich derzeit die US-Konzerne. Wie es innerhalb der Unternehmen aussieht, zeigen ihre Berichte für das vierte Quartal 2018. Das schwache Wachstumsumfeld bekommen auch einige international tätige US-Firmen zu spüren. Entsprechend zeigten sich die Daten von Unternehmen wie dem Baumaschinenhersteller Caterpillar oder dem Chemieriesen DowDuPont schwach, die Ausblicke wenig ermutigend und in der Folge auch die Kursentwicklungen der Aktien negativ. Sorgen bereiteten die Aktivitäten der US-Konzerne in China, wo sich die Wirtschaftsdaten abschwächen und der Handelskonflikt wütet. Der private Konsum in China ist aber weiterhin ein wichtiger Treiber, was sich beispielsweise positiv auf Luxusgüterhersteller, Bekleidungskonzerne und Medizintechnikanbieter aus den USA auswirkte.

Tech-Giganten im Fokus

Die Technologieriesen standen ohnehin im Fokus der US-Berichtssaison, da die Indexschwergewichte im vierten Quartal 2018 deutlich unter Druck waren. Nach schwierigen Monaten konnten Apples Zahlen die Anleger wieder überzeugen. Nach einer Gewinnwarnung Anfang Januar hatte der iPhone-Hersteller die gesenkten Analystenerwartungen leicht übertreffen können. Ihm gelang es, den künftigen Pfad über das schwächelnde iPhone hinaus vorzuzeichnen. Die Berichte der drei anderen Technologiegiganten fielen gemischt aus: Während die Facebook-Aktie mit einem Kurssprung auf die über den Erwartungen liegenden Umsätze und Gewinne reagierte, führten beim Online-Händler Amazon Verluste im internationalen Geschäft sowie Sorgen um steigende Kosten zu einem vorsichtigen Ausblick und einer negativen Kursreaktion. Das auf Basis der Marktkapitalisierung aktuell wieder größte Unternehmen der Welt, der Software-Hersteller Microsoft, legte auf den ersten Blick durchwachsene Zahlen vor – leicht unter der Umsatz-, aber etwas über der Gewinnerwartung. Microsofts wichtigster Wachstumstreiber aber, das Cloud-Geschäft, läuft nach wie vor sehr gut. Außerdem ist der IT-Konzern ein großer Digitalisierungsgewinner.

Es hätte schlimmer kommen können

Insgesamt zeigt die Berichtssaison für das vierte Quartal 2018 aber ein recht ordentliches Bild, auch wenn die Gewinne absolut betrachtet gesunken sind: Etwa zwei Drittel der Unternehmen im S&P 500-Index konnten die von Analysten an sie gestellten Umsatz- sowie Gewinnerwartungen übertreffen. Schaut man sich die Historie an, sind das aber eher mäßige Werte. Die Marktteilnehmer waren aufgrund des Abverkaufs im vierten Quartal 2018 skeptisch, sodass aber in vielen Fällen schon das Erreichen der Analystenschätzungen eine positive Kursreaktion zur Folge hatte.

Viele Analysten hatten ihre Schätzungen vor der Berichtssaison nach unten revidiert. Das zeigen die Gewinnrevisionen an, die insbesondere im Dezember stark zurückgekommen sind. Das mag erst einmal dramatisch klingen, allerdings muss man auch bedenken, dass die Kennzahl aufgrund des Trump’schen Konjunkturstimulus in den vergangenen Monaten deutlich nach oben verzerrt war. Mit Beginn der Berichtssaison wurden die Schätzungen dann aber wieder sukzessive nach oben angepasst. Aktuell befindet sich der Indikator wieder auf einem für das aktuelle Konjunkturstadium „üblichen“ Niveau.

Selektion ist gefragt

Machen wir uns nichts vor: Der Trend immer weiter in den Himmel steigender Unternehmensgewinne ist zu Ende. Das zeigen bereits die Berichte für das vierte Quartal. Auch im ersten Quartal 2019 dürften die Gewinne sinken. Für 2019 rechnen die Analysten mit einem Gewinnwachstum von sechs Prozent. Das könnte noch etwas zu hoch gegriffen sein. Dennoch rechnen wir damit, dass die Gewinne 2019 moderat wachsen sollten. Auf der einen Seite laufen Sonderfaktoren wie der Steuerstimulus 2019 aus, die Weltkonjunktur trübt sich weiter ein und die Kosten der Unternehmen steigen, weil sie beispielsweise höhere Löhne zahlen müssen. Auf der anderen Seite stehen die USA konjunkturell immer noch robust dar, viele Unternehmen sind durch ihren Heimatfokus vom Welthandel abgekoppelt und der flachere Zinspfad der US-Notenbank dürfte unterstützen. In diesem Umfeld kann die Spreizung zwischen starken und schwachen Adressen sehr groß ausfallen. Hier gilt es, durch eine sorgfältige Auswahl die besten Aktien zu finden und das Portfolio so aufzustellen, dass es unter den gegebenen Umständen den bestmöglichen Ertrag abwirft. So bieten sich auch in der zurück gewonnenen Normalität Chancen.

 

Stand: 22. Februar 2019