Geldpolitik der Fed: Schnellere Straffung als gedacht?

(Stand: 17. Februar 2017)
• Gute Makrodaten unterstützen geldpolitischen Kurs der Fed
• Fed stimmt Markt auf weitere Zinsanhebungen ein
• Yellen lässt Tür für Leitzinserhöhung im März offen
• Insbesondere Trumps avisiertes Konjunkturpaket könnte Pfad beschleunigen
• Union Investment rechnet mit nächster Zinsanhebung im Juni
• Geldpolitischer Kurs von Unsicherheiten behaftet

Robuste Konjunktur, Inflation auf Fünf-Jahres-Hoch, gute Stimmung in der Industrie: In dieser Woche sind die Erwartungen für baldige Leitzinsanhebungen in den Vereinigten Staaten gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung auf der März-Sitzung kletterte auf 34 Prozent. Dafür sorgte auch Yellens Anhörung im Senat. Wie sieht der weitere Zinspfad der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) 2017 aus? Steht eventuell schon eine Zinsanhebung im März an?

US-Konjunktur auf Kurs

Die Verbraucherpreise haben sich im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat stärker als vom Markt erwartet um 2,5 Prozent erhöht. Im Dezember lag die Inflationsrate noch bei 2,1 Prozent. Im Monatsvergleich stieg das Preisniveau um 0,6 Prozent. Die Kerninflationsrate, die Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, lag im Januar bei 2,3 Prozent, und damit über Markterwartung. Daneben liefern weitere Daten, wie die stark gestiegenen Einzelhandelsumsätze sowie die verbesserte Stimmung in der Industrie, ausgedrückt durch Frühindikatoren wie den Philly Fed- oder den Empire-State-Index, Argumente für schnellere Zinsanhebungen. Nicht zuletzt der hauseigene Frühindikator ULI zeigt sich seit neun Wochen stabil auf einem hohen Niveau.

Die US-Wirtschaft scheint also auf Kurs zu sein. Bereits im vierten Quartal 2016 wuchs die größte Volkswirtschaft der Welt um 1,9 Prozent. Mit Donald Trumps angekündigtem Konjunkturstimulus könnte sich der Trend fortsetzen. Die Marktteilnehmer gehen davon aus, dass diese Maßnahmen der Konjunktur einen positiven Schub verleihen. Schon US-Währungshüter Jeffrey Lacker hat diese Woche eine Einschätzung abgegeben, dass deswegen die Zinsen schneller steigen sollten als an den Märkten erwartet.

Fed stimmt Markt auf weitere Zinsanhebungen ein

In ihrer Anhörung vor dem US-Senat am Dienstag schlug Fed-Chefin Janet Yellen ähnliche Töne an. Sie sagte, weitere Leitzinserhöhungen seien „wahrscheinlich angemessen“. Sie ließ allerdings den Zeitpunkt dafür offen. Die nächste Gelegenheit bietet sich auf der März-Sitzung. Zuletzt haben die US-Währungshüter die Leitzinsen im Dezember 2016 auf eine Spanne von 0,50 bis 0,75 Prozent angehoben und drei Zinserhöhungen für das Jahr 2017 in Aussicht gestellt. Die Notenbankchefin erklärte, ein schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm, wie es die neue US-Regierung plant, könnte bei dem aktuell starken US-Arbeitsmarkt die Notenbank dazu bringen, den Leitzins stärker als erwartet anzuheben. Yellen erwartet außerdem in den kommenden Monaten eine weitere Verbesserung der Bedingungen am Arbeitsmarkt, da die Wirtschaft weiter solide wächst. Sie warnte davor, die Straffung zu lange hinauszuzögern. Mit ihrer Rede ließ sie die Tür für eine Zinsanhebung im März offen. Wohl insbesondere um die Möglichkeit zu haben, zeitnah auf Entwicklungen in der Fiskalpolitik reagieren zu können. Details hierzu sind allerdings kaum bekannt.

Union Investment rechnet mit nächster Erhöhung im Juni

Die Experten von Union Investment rechnen für 2017 mit zwei bis maximal drei Zinserhöhungen. Da wenige Details zum Konjunkturpaket bekannt sind, erwarten wir die nächste Leitzinsanhebung erst im Juni und eine weitere im Dezember, so dass die Leitzinsspanne dann zwischen 1,00 und 1,25 Prozent liegen würde. Die frühe Verabschiedung eines größeren Fiskalprogramms würde dazu führen, dass die Fed im September einen zusätzlichen Zinsschritt vornimmt und die Leitzinsspanne dann zum Jahresende mit 1,25 bis 1,5 Prozent nochmals etwas höher läge.

In diesem Zuge haben unsere Rentenexperten die Zinsprognosen angehoben: Per Ende März 2018 liegt die Renditeprognose der zehnjährige US-Staatsanleihe 20 Basispunkte höher bei 3,00 Prozent.

2017 sind von der Fed zwei bis maximal drei Zinserhöhungen zu erwarten

Geldpolitik der Fed

Quelle: Macrobond, eigene Darstellung, Stand: 17. Februar 2017

Fazit

Es herrscht viel Unsicherheit über den Kurs der Fed 2017. Wie das US-Konjunkturpaket der neuen Regierung aussehen wird, ist unklar. Außerdem stehen bei der Fed diverse Nachbesetzungen und Personalentscheidungen in der nächsten Zeit an, die den künftigen geldpolitischen Kurs beeinflussen könnten. Yellen hat diese Woche auf einen restriktiveren Pfad für das Jahr 2017 hingewiesen, den auch Union Investment als wahrscheinlich einstuft. Mit der nächsten Leitzinsanhebung rechnen wir im Juni.