Geldpolitik: Federal Reserve auf längerem Zinserhöhungspfad – was machen die anderen?

Wie von uns – und auch von den meisten anderen Marktteilnehmern – erwartet, hat die US-Notenbank Federal Reserve auf ihrer Sitzung am vergangenen Mittwoch das Leitzinsband um weitere 25 Basispunkte auf 1,5 bis 1,75 Prozent angehoben. Sie bleibt damit auch unter dem neuen Vorsitzenden Jerome Powell auf dem schon unter seiner Vorgängerin Janet Yellen eingeschlagenen Zinspfad, hat diesen aber im Ausblick verlängert.

Fed bleibt auf eingeschlagenem Erhöhungspfad

Fed bleibt auf eingeschlagenem Erhöhungspfad

Quelle: Bloomberg. Stand: 22. März 2018

Mehr Zinserhöhungen in 2019 als bislang erwartet

Das zentrale Augenmerk unserer Notenbankbeobachter für die Sitzung lag auf den sogenannten Dot Plots, also der Einschätzung der einzelnen Notenbankgouverneure über den angemessenen weiteren Leitzinspfad. Hier ist festzustellen, dass es eine Konvergenz hinsichtlich der Einschätzungen gab. Das Lager der Skeptiker, die im Dezember allenfalls zwei Leitzinsschritte in 2018 für angemessen gehalten hatten, hat seine Einschätzung leicht nach oben bewegt. Die Mitglieder, die dagegen drei (oder mehr) Zinsschritte für angebracht hielten, sind hingegen weitgehend unverändert geblieben. Entsprechend blieb das Mittel (der Median) nahezu unverändert bei drei Zinsschritten.

Zinsprojektion der Fed-Mitglieder angehoben

Zinsprojektion der Fed-Mitglieder angehoben

Quelle: Federal Reserve. Stand: 22. März 2018

Faktisch verbirgt sich dahinter jedoch eine genau gleiche Anzahl von Mitgliedern, die drei bzw. vier Zinsschritte für angemessen halten. Eine deutlichere Änderung gab es für das Jahr 2019: Hier verschob sich das Mittel leicht nach oben von etwas mehr als zwei Zinsschritten auf nun genau drei weitere Zinsanhebungen. In der US-Notenbank steigt damit die Konfidenz, weiter auf dem Pfad sukzessiver Zinsanhebungen zu bleiben. Das bedeutet vor allem, dass die Zinsanhebungen über einen längeren Zeitraum stattfinden werden. Einen Grund diese zu beschleunigen, sieht die Fed dagegen nicht. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass der heutigen Zinsanhebung in diesem Jahr zwei bis drei weitere folgen werden. Für 2019 rechnen wir mit drei Zinsschritten.

Fed rechnet mit höherem Wachstum

Die gesamtwirtschaftlichen Projektionen für das Wirtschaftswachstum wurden seitens der Mitglieder im Offenmarktausschuss für 2018 und 2019 leicht auf 2,7 Prozent (vorher 2,5 Prozent) und 2,4 Prozent (vorher 2,1 Prozent) angehoben. Ebenso erwarten die Mitglieder nun eine weiter auf 3,6 Prozent fallende Arbeitslosenquote in 2019 (zuvor stabil bei 3,9 Prozent). Der prognostizierte Inflationspfad wurde dagegen unverändert beibehalten.

Marktreaktion schnell von Angst vor Handelskrieg überlagert

In der ersten Marktreaktion bewegte sich die Geldmarktkurve für Kontrakte in 2019 nur kurzfristig nach oben, blieb dann aber im Vergleich zum Vortag nahezu unverändert. Die Renditen für zweijährige Staatsanleihen stiegen nach der Entscheidung um sechs Basispunkte, die für zehnjährige Staatsanleihen zogen um rund fünf Basispunkte an. Der US-Dollar legte zunächst zu, gab dann aber gegenüber dem Euro auf 1,23 nach. Diese Reaktion ist unseres Erachtens insbesondere darauf zurückzuführen, dass der neue US-Notenbankpräsident Jerome Powell in der Pressekonferenz mit Blick auf die Entwicklung nach 2020 extrem zurückhaltend blieb. Allerdings rückte die Geldpolitik durch die Einführung der Handelszölle und der damit sich am Kapitalmarkt verstärkenden Angst vor einem Handelskrieg bereits schon am Folgetag der Fed-Entscheidung deutlich in den Hintergrund. Aufgrund dieser Ereignisse kamen die Aktienmärkte deutlich unter Druck und Staatsanleihen waren als sicherer Hafen gesucht.

People’s Bank of China zieht unmittelbar nach

Wie in der Vergangenheit hat die chinesische Zentralbank (PBoC) unmittelbar auf die Zinserhöhung der Federal Reserve reagiert und am Donnerstag den Reverse Repo-Satz zum ersten Mal in diesem Jahr um fünf Basispunkte auf 2,55 Prozent angehoben. Dieser Schritt war von den Marktteilnehmern ebenso erwartet worden, wie die Beibehaltung der anderen Leitzinssätze. Nach eigenen Aussagen zielt die PBoC auf eine Verringerung der Lücke zwischen den Notenbank- und den Geldmarktzinsen ab und möchte damit sowohl die Verschuldungsrate in der chinesischen Volkswirtschaft stabilisieren als auch irrationale Finanzierungspraktiken eindämmen. Dennoch bedeutet dieser Zinsschritt keine straffere chinesische Geldpolitik, die die PBoC gegenüber den Banken aktuell vor allem über ihre Liquiditätsmaßnahmen steuert. Auch nach der letzten Anhebung des Reverse Repo-Satzes im Dezember haben sich im Anschluss die „Monetary Conditions“ für die chinesischen Banken durch die von der Zentralbank zur Verfügung gestellte Liquidität verbessert.

Bank of England erhöht die Leitzinsen noch nicht

Auch bei der Bank of England war am Donnerstag Notenbanksitzung, das Monetary Policy Committee beließ den Leitzins aber unverändert bei 0,5 Prozent. Allerdings deuten die Aussagen auf eine mögliche Zinserhöhung im Mai und auf mehrere weitere Anhebungen bis Ende 2019 hin. Zum einen mehren sich die Indizien für einen steigenden Lohndruck im Vereinigten Königreich (durchschnittliches Lohnwachstum von 2,8 Prozent im Januar), andererseits senkt die zwischen Großbritannien und der Europäischen Union vereinbarte Übergangsperiode nach dem offiziellen Brexit die Wahrscheinlichkeit eines aus dem EU-Austritt herrührenden Wirtschaftsabschwungs. Die Bank of England erhält damit einen größeren Handlungsspielraum.

Fokus der EZB auf Beendigung der Anleihekäufe

EZB wird 2018 das Ende der Anleihekäufe beschließen

EZB wird 2018 das Ende der Anleihekäufe beschließen

Quelle: Bloomberg. Stand: 22. März 2018

Im Gegensatz zu ihren angelsächsischen Pendants steht das Einläuten des Zinserhöhungszyklus bei der Europäischen Zentralbank auch 2018 noch nicht auf der Agenda. Erst im kommenden Jahr ist mit einer ersten Anhebung der Leitzinsen zu rechnen. Die Inflation ist mit Werten um ein Prozent weiterhin ein gutes Stück von der Zielmarke der Notenbank (zwei Prozent) entfernt. Aktuell deutet wenig darauf hin, dass sie in absehbarer Zeit diese auch nur annähernd erreichen wird. Stattdessen wird die EZB noch in diesem Frühjahr die Beendigung ihrer Anleiheankaufprogramme ankündigen und sich damit langsam auf den Weg des Ausstieges aus den unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen machen.

Schwacher Franken im Fokus in der Schweizer Nationalbank

Ähnlich wie die chinesische Notenbank ihren Blick immer auf die Federal Reserve gerichtet hat, schaut die Schweizer Nationalbank (SNB) auf jede Äußerung der EZB. Zwar hat der Druck durch Mittelflüsse in die Schweiz mit dem Überwinden der Eurokrise deutlich nachgelassen, dennoch wollen die eidgenössischen Zentralbanker den Schweizer Franken nicht gegen den Euro aufwerten lassen um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaft zu erhalten. Daher bleibt ihr Ziel weiterhin, die komplette Zinsstrukturkurve für Anlagen im Franken unter der Kurve für Euro-Anlagen zu verankern. Mit aktuell etwas besseren wirtschaftlichen Frühindikatoren in der Schweiz heißt das für die SNB, dass sie sich erst nach der EZB – das heißt frühestens im Sommer 2019 – geldpolitisch bewegen wird.

Kein Ende der lockeren Geldpolitik in Japan in Sicht

In Japan ist eine geldpolitische Straffung noch nicht einmal am Horizont sichtbar. Auf ihrer letzten Notenbanksitzung vor gut zwei Wochen hat die Bank of Japan sowohl den Diskontsatz als auch die Zielrate für die Zehnjahresrendite unverändert bei -0,1 bzw. 0,0 Prozent belassen. Darüber hinaus hat sie bekräftigt, dass sie weiterhin Anlagen für bis zu 80 Billionen Yen pro Jahr kaufen wird, auch wenn sich ihre Ankäufe aktuell eher im Bereich von 55 Billionen Yen bewegen. Die Wiederernennung von Zentralbankchef Kuroda für eine zweite fünfjährige Amtsperiode ist darüber hinaus ein starkes Indiz für ein Fortsetzung der sehr lockeren japanischen Geldpolitik.

Viele EM-Notenbanken ohne Erhöhungsdruck

Im Gegensatz zu China (siehe oben), das durch die Bindung des Yuan an einen Währungskorb die Geldpolitik der Federal Reserve nachvollzieht, stehen die meisten Emerging Markets aufgrund überwiegend freier Wechselkurse und niedriger Auslandsverschuldung eher unter geringem Druck, der US-Notenbank zu folgen. Seit dem Beginn des US-Zinserhöhungszyklus im Jahr 2015 haben mehr EM-Zentralbanken die Zinsen per saldo gesenkt als erhöht. So haben nach der Fed-Sitzung die Notenbanken in Indonesien, Taiwan und den Philippinen ihre jeweils geltenden Leitzinsen bestätigt, während die Banco Central do Brasil aufgrund ihres positiven Wirtschafts- und Inflationsausblicks den Leitzins „Selic“ einstimmig um weitere 25 Basispunkte auf nun 6,5 Prozent gesenkt hat.

Stand: 23.März 2018