Französische Präsidentschaftswahl

Frankreich wählt Macron

(Stand: 8. Mai 2017)

In Frankreich ist der zweite Wahlgang um das Amt des Präsidenten mit einem deutlichen Sieg Emmanuel Macrons zu Ende gegangen. Mit einem Stimmenanteil von 66,06 Prozent zu 33,94 Prozent ließ er Marine Le Pen, seine Kontrahentin vom rechtspopulistischen Front National deutlich hinter sich (das Endergebnis finden Sie hier). Zwar fiel die Wahlbeteiligung mit 74,62 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1969. Rund vier Millionen Wähler gingen zudem an die Urnen, verzichteten aber auf die Abgabe eines gültigen Stimmzettels. Das Wahlergebnis ist damit einerseits positiv zu bewerten, spiegelt aber andererseits auch die schwierige innenpolitische Situation in Frankreich wider.

Gleichwohl: Der sozialliberale Quereinsteiger Macron hat einen dezidierten Reform- und Europa-Wahlkampf geführt. Für Investoren ist sein Wahlsieg daher aus zwei Gründen zu begrüßen.

  • Frankreich hat dem Frexit-Gespenst eine deutliche Abfuhr erteilt. Die unterschwellige Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone ist damit vom Tisch. Das schafft Investitionssicherheit und ist gut für die europäischen Börsen. 
  • Der Ex-Banker Macron verfolgt eine „Agenda 2010 auf Französisch“. Er will den Staatsapparat verschlanken, die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern und die öffentlichen Finanzen stabilisieren. Der neue Präsident setzt damit an den Schwachstellen der französischen Volkswirtschaft an.

Die Umsetzung der ambitionierten Pläne ist zwar nicht garantiert, vor allem wegen der anstehenden Parlamentswahlen. Zum Hintergrund: Zwischen dem 11. und dem 18. Juni werden die 577 Abgeordneten der Assemblée nationale für fünf Jahre gewählt. Hier kann sich Macron auf keine schlagkräftige Parteiorganisation stützen, was seinen Wahlkampf in der Fläche behindert. Vermutlich wird Frankreich daher künftig von einer „cohabitation“, also einer Kooperation unterschiedlicher politischer Kräfte, regiert. Macron wird kaum „durchreformieren“ können. Dennoch ist sein Einzug in den Élysée-Palast ein großer Fortschritt, sowohl gegenüber dem Status Quo als auch gegenüber der Le Pen’schen Alternative.

Das Wahlergebnis stützt die Kapitalmärkte, insbesondere in Europa. Viele Investoren aus Übersee (v.a. aus Nordamerika und Asien) hatten angesichts der politischen Risiken die Region bislang eher gemieden. Nun dürften die Fundsamentaldaten (wie das robuste Konjunkturmomentum und die anziehenden Unternehmensgewinne) stärker in den Fokus rücken. Insbesondere dem Euro, aber vor allem den Aktienmärkten in der Währungsunion (und insbesondere in Frankreich) sollte das Wahlergebnis zu Gute kommen. Auf der Anleiheseite dürften die Peripherieländer leicht vom Macron-Effekt profitieren. Der Wahlausgang dürfte also unsere „Risk-on“-Postionierung mit Betonung der europäischen Aktienmärkte unterstützen.

Die ersten Marktreaktionen bestätigen dieses Bild. Der Euro legte noch in der Nacht auf Montag bis über die Marke von 1,10 US-Dollar zu, gab jedoch in den Morgenstunden einen Teil der Gewinne wieder ab. Nach einer etwas festeren Eröffnung handelten zudem am frühen Montagmorgen alle Risikoassets schnell nahezu unverändert zu ihren Wochenschlussständen vom Freitag. Vermutlich hatten sich viele Investoren bereits im Vorfeld der Wahl für einen Macron-Sieg positioniert. Auch am Rentenmarkt waren nur minimale Renditeveränderungen zu verzeichnen, sowohl bei deutschen als auch bei französischen Staatsanleihen. Dabei ist zu beachten, dass der 8. Mai in Frankreich ein gesetzlicher Feiertag („Tag des Sieges“) ist.