Fed vollendet die Kehrtwende

Auf ihrer regulären Notenbanksitzung in der vergangenen Woche hat die US-Federal Reserve den Leitzins nicht angetastet. Gleichzeitig gaben die Währungshüter überraschend bekannt, den im vergangenen Jahr begonnenen Bilanzabbau im September vorzeitig zu beenden. Für das laufende Jahr ist mit keinen Zinserhöhungen mehr zu rechnen.

Neun Mal hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) seit Dezember 2015 die US-Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte erhöht. Zunächst langsam und vorsichtig – vom ersten Zinsschritt zum nächsten verging ein ganzes Jahr –, zuletzt doch mit gesteigertem, aber konstantem Tempo. Der „Autopilot“ des Jahres 2018 – jedes Quartal eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte – schien bis zum letzten Zinsschritt Mitte Dezember 2018 auch die Maßgabe für das Jahr 2019 zu sein. Damals modifizierte die Notenbank ihre Sprachregelung dahingehend, dass sie mit Blick auf 2019 nur noch „einige“ weitere graduelle Zinsanhebungen für angemessen erachtet. Entsprechend verschoben sich die Einschätzungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses zur angemessenen Zinsentwicklung von zuvor im Mittel drei auf noch zwei Zinsanhebungen im Jahr 2019. Den Kapitalmärkten, die aufgrund der schwachen Konjunkturdaten und sich deutlich verschärfenden Finanzierungsbedingungen ohnehin stark unter Abgabedruck standen, war dies zu wenig – der Ausverkauf setzte sich fort.

Fed-Chef Jerome Powell und seine Kollegen erkannten schnell, dass durch das sich eintrübende Konjunkturumfeld die Zeit für eine Kurskorrektur gekommen war. Bereits Anfang des Jahres stellte die Fed deshalb öffentlich klar, dass die Leitzinsen 2019 deutlich moderater als in den Quartalen zuvor angehoben werden sollten. Dennoch rechneten die Währungshüter selbst zu diesem Zeitpunkt noch weiterhin mit zwei Zinsschritten im Jahr 2019. Sie verabschiedeten sich aber von ihrem Autopiloten und machten den weiteren Kurs stärker von der Kapitalmarkt- und Datenlage abhängig. Damit nahm die Risikoaversion am Markt schlagartig ab. Denn: Bei anhaltend schwachen Wirtschaftsdaten – nicht nur in den USA sondern weltweit – würde die Fed ebenso von weiteren Leitzinserhöhungen absehen wie auch im Falle einer Inversion der Zinsstrukturkurve. Und zwei Zinserhöhungen im Jahr 2019 wären eher zu verkraften als vier. Schon damals gingen viele Marktteilnehmer von keinem Zinsschritt mehr aus, wie an den Fed Fund Futures abzulesen war.

US-Leitzinsen unverändert

Diesem Zinspfad kommt nun auch die Fed immer näher. Auf ihrer Sitzung am 19. und 20. März hat sie das Zielband für den Leitzins unverändert bei 2,25 bis 2,5 Prozent belassen. Ebenso betonten die Währungshüter, sich hinsichtlich weiterer Zinsschritte in Geduld zu üben. Aus den nach der Sitzung veröffentlichten Protokoll geht hervor, dass die Fed-Mitglieder bis zum Jahresende 2019 im Median mehrheitlich keine oder bestenfalls noch eine Zinsanhebung und bis 2021 maximal zwei Zinserhöhungen erwarten. Das sind kumulativ drei Zinsschritte weniger als noch im Dezember vergangenen Jahres.

Dies war jedoch nicht das einzige weniger restriktive Signal. Wichtige Entscheidungen fielen auch in Bezug auf den Prozess der Rückführung der Zentralbankbilanz. Diese war über die letzten Jahre durch die massiven Ankäufe von verzinslichen Wertpapieren bis auf 4,5 Billionen US-Dollar angestiegen. Von ihrem bisherigen Plan, die Bilanz monatlich um maximal 50 Milliarden US-Dollar abzuschmelzen, verabschiedete sich die Fed also bereits nach einem guten Jahr wieder. Ab Mai wird der monatliche Bilanzabbau schrittweise zurückgeführt und schon Ende September vollständig eingestellt.

Entwicklung der US-Notenbankbilanz

Entwicklung der US-Notenbankbilanz
Quelle: Union Investment, Macrobond, Stand: 22. März 2019

Projektionen leicht nach unten angepasst

In ihren gesamtwirtschaftlichen Projektionen ist die US-Notenbank im Vergleich zur Dezember-Sitzung etwas pessimistischer geworden. So erwarten die Währungshüter ein Wachstum der US-Wirtschaft von 2,1 Prozent im Jahr 2019 – 0,2 Prozentpunkte weniger als vor drei Monaten. Für das Jahr 2020 senkte die Fed die Erwartung von 2,0 auf 1,9 Prozent. Fed-Chef Powell sprach von einer weiterhin robusten Konjunktur mit einem positiven Ausblick, trotz der zuletzt etwas schwächeren Datenpunkte und einer Reihe externer Risiken. Der aktuellen Verlangsamung sollte demnach eine Erholung im weiteren Jahresverlauf folgen.

An den Kapitalmärkten war die Reaktion auf die Fed-Sitzung überschaubar – vieles war bereits in den zurückliegenden Monaten vorweggenommen worden. Nach einem Kurssprung unmittelbar nach der Entscheidung gaben die US-Aktienindizes die Gewinne bis zum Handelsende am vergangenen Mittwoch wieder ab. Am Folgetag konnten sie um etwa ein Prozent zulegen. Die Renditestrukturkurve von US-Staatsanleihen sank über alle Laufzeiten. Zwischen den Geldmarktzinsen und der Rendite zehnjähriger US Treasuries bildete sich über die letzten Wochen eine Delle in der Zinsstrukturkurve, die in der vergangenen Woche noch etwas ausgeprägter wurde. Bis zu fünf Jahren Restlaufzeit ist die Zinsstrukturkurve invertiert, ein deutliches Zeichen, dass die Marktteilnehmer bereits schon im Jahr 2020 mit Zinssenkungen der Fed rechnen. Der US-Dollar gab zunächst nach, wertete aber in der Folge vor allem gegenüber dem Euro wieder auf.

Weitere Zinserhöhungen im Jahr 2019 wenig wahrscheinlich

Klar ist, dass die Latte für eine Wiederaufnahme der Leitzinsanhebungen extrem hoch liegt. Union Investment erwartet, dass die Fed in diesem Jahr voraussichtlich keine Zinsanhebungen mehr beschließen wird. Im Jahr 2020 könnte hingegen sogar schon eine erste Zinssenkung auf die Agenda rücken. Inwieweit dies schon das Ende des aktuellen Zinszyklus bedeutet, ist aber nach wie vor offen.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
25. März 2019, soweit nicht anders angegeben.