Den Big Data-Berg bezwingen

Neuemissionen, Nachhaltigkeitsfaktoren, Quant-Modelle, Brokerbestände – Millionen Datenpunkte machen auf dem Unternehmensanleihe-Markt die Preise. Um bei dieser Datenflut den Überblick zu behalten und die richtigen Schlüsse ziehen zu können, bedarf es moderner Technologien und Plattformen zur Wissensvernetzung, die in den Investmentprozess integrierbar sind.

Globale Unternehmensanleihen bieten im Durchschnitt einen Renditeaufschlag gegenüber Euro-denominierten Unternehmensanleihen - selbst nach Bereinigung um Hedge-Kosten für das Währungs- und Zinsrisiko. Doch mit der Ausweitung des Anlageuniversums steigen nicht nur die Chancen für Asset Manager. Auch die Anforderungen an das Research und Risikomanagement nehmen deutlich zu. Ohne eine leistungsfähige IT-Lösung können die gestiegenen Anforderungen nicht mehr bewältigt werden. Kaum eine der am Markt etablierten Anwendungen liefert aber sämtliche Daten genau so, dass sie in die unternehmenseigene Wertschöpfungskette passen.

Union Investment hat deshalb eine solche IT-Lösung entwickelt. Die Global Credit Platform (GCP) soll die Lücke zwischen am Markt verfügbaren Daten und ihrer Verwendung für Investmententscheidungen schließen: Das Anlageuniversum wird effizient ausgeweitet, ohne dass der Portfoliomanager einen Mehraufwand hat. Entscheidend ist deshalb die Vernetzung sowohl von Daten als auch von Wissen. Mit Hilfe der GCP werden rund eine Million Datensätze pro Tag – bestehend aus allen für das Portfoliomanagement und den Investmentprozess relevanten Informationen – konsolidiert, ausgewertet und den entsprechenden Stellen effizient zur Verfügung gestellt. Ob der Anwender die Meinung des Renten-, Aktien- oder Nachhaltigkeitsbereichs zu einer bestimmten Anleihe oder das unternehmensweite Exposure in einem bestimmten Wertpapier sucht – das Tool liefert innerhalb weniger Momente den Rundumblick über die gewünschte, grafisch aufbereitete Information.

Mit der Global Credit Platform Kreditrisiken mit attraktivem Risiko-Rendite-Profil identifizieren

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Quelle: Union Investment, Stand: März 2019.

Die Kombination der Vielzahl von ex- und internen Daten macht die GCP einzigartig. So kann beispielsweise eine Verknüpfung von externen Marktdaten und Broker-Positionierungen mit internen Research-Empfehlungen und quantitativen Modellen Arbitrage-Möglichkeiten aufzeigen. Besonders wertvoll ist die Plattform auch für das Risikomanagement: Aufgrund der verschärften Regulatorik im Nachgang der globalen Finanzkrise haben Banken und Broker ihre Wertpapierbestände immer weiter reduziert. Zudem werden viele Anleihen, als Folge der teils immensen Ankaufprogramme, inzwischen von Zentralbanken gehalten. Die Liquidität im Handel mit einzelnen Papieren ist dadurch deutlich eingeschränkt. Mithilfe der GCP werden die Broker-Positionierungen in allen für das Unternehmen relevanten Papieren genau unter die Lupe genommen. So kann zum Beispiel analysiert werden, ob die Investmentbanken in einer Anleihe netto eher Käufer oder Verkäufer sind – eine Information, die Rückschlüsse auf die künftige Spread-Entwicklung zulässt. Zum anderen liefern die in Form gebrachten Daten aber auch Informationen über die generelle Handelbarkeit eines Papiers. Ist die Geld-Brief-Spanne besonders groß oder werden generell nur von wenigen oder vielleicht sogar gar keinen Brokern Preise gestellt, wird dies mit Unterstützung der Software sichtbar.

Daneben unterstützt die GCP auch beim Research-Management. Mit der Erweiterung von europäischen auf globale und insbesondere US-Bonds wächst das Research-Universum erheblich. Die entscheidende Frage dabei ist, welche Unternehmen und Anleihen aktiv gecovert werden sollen, ohne dass Opportunitäten am Markt verpasst werden. Die GCP liefert deshalb Vorschläge, ob eine Coverage in einzelnen Unternehmen effizient ist. Obwohl die letzte Entscheidung über eine Aufnahme der Coverage dem Portfoliomanager obliegt, liefern die Daten gute Anhaltspunkte, um die Komplexität zu verringern und die Effizienz im Prozess zu erhöhen. Eine weitere Ebene könnten diese Funktionen erhalten, wenn auch sogenannte Text Mining-Daten in die Unternehmensanalyse einbezogen werden. Die Methoden der Künstlichen Intelligenz sorgen dafür, dass die Smart Data-Experten im Unternehmen auf mehr als 400.000 minütlich aktualisierte Zeitreihen zugreifen können. Von Linguisten und Computerwissenschaftlern gefütterte Algorithmen durchforsten dafür täglich mehr als zwei Millionen Artikel aus Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Twitter und Blogs. Auch wenn natürlich erst die richtige Interpretation der Daten den echten Mehrwert liefert, könnte dies ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg zur umfassenden Unternehmensbewertung sein.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
25. März 2019, soweit nicht anders angegeben.

Autoren

  • Alexander Barth ist Senior-Portfoliomanager für globale Unternehmensanleihen bei Union Investment.
  • Felix Steuer ist Leiter der Gruppe Corporates und Family Offices bei Union Investment.