China im Handelskonflikt mit den USA

Im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten reagiert China mit Gegenmaßnahmen auf die von den USA verhängten Zölle. Die Chinesen gehen jedoch offenbar davon aus, dass die Amerikaner einlenken werden. Eine Einigung beim G20-Gipfel im Juni scheint weiter möglich zu sein, ist aber schwieriger geworden.

Donald Trump setzt die angedrohten Strafzölle auf chinesische Warenausfuhren als Druckmittel für die Verhandlungen über strukturelle Themen ein, also die Rolle der staatseigenen Betriebe in der chinesischen Volkswirtschaft, Technologietransfer und den chinesischen Anspruch auf Technologieführerschaft bei Themen wie künstlicher Intelligenz. Doch Peking hat bereits klargemacht, dass man nicht bereit ist, mit Washington über strukturelle Veränderungen des volkswirtschaftlichen Entwicklungsplans oder über Änderungen der nationalen Gesetzgebung zu verhandeln. Der Spielraum für Kompromisse ist also eng.

Noch keine Eskalation

Untermauert wurde die chinesische Position durch Gegenmaßnahmen auf die jüngste Runde von Strafzöllen der US-Regierung. Zum 1. Juni werden etwa 2.500 verschiedene US-Güter mit einem Zoll von 25 Prozent belegt. Auf weitere 2.050 Produkte sollen Zölle zwischen fünf und 20 Prozent erhoben werden. Insgesamt wären davon Importe im Wert von rund 60 Milliarden US-Dollar (auf Basis der Daten von 2018) betroffen. Die geringere Höhe der Wareneinfuhren aus den USA nach China sorgt jedoch dafür, dass die chinesischen Zölle weniger Wirkung entfalten als die amerikanischen. Chinas außenwirtschaftliche Stärke wird im Handelsstreit zur Schwäche. Selbst wenn man den Amerikanern auf der Importseite entgegenkommen (und dadurch den Handelsüberschuss verringern) wollte, wären die Möglichkeiten beschränkt. Bei Agrargütern sind die Einfuhren bereits hoch, das Steigerungspotenzial entsprechend gering. Hochwertige, strategisch relevante Kapital- und Rüstungsgüter will hingegen Washington nicht nach China liefern.

Allerdings stehen den Chinesen noch andere Instrumente zur Verfügung. Denkbar sind auch Exportverbote für einzelne Komponenten, die in der Lieferkette amerikanischer Hersteller eine wesentliche Rolle spielen, oder der erschwerte Zugang für amerikanische Unternehmen zum chinesischen Markt. Die Vergeltungszölle Chinas konterte Trump mit der Androhung von Zöllen auf weitere chinesische Importe im Gegenwert von 300 Milliarden US-Dollar.

Wirkungen auf Volkswirtschaften und Unternehmen sehr unterschiedlich

Für die US-Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt von 19,5 Billionen US-Dollar, die zu großen Teilen von der Nachfrage der inländischen Konsumenten getragen wird, hätten die angekündigten chinesischen Vergeltungszölle, wenn sie denn wirklich kommen sollten, nach Einschätzung der Volkswirte bei Union Investment kaum Auswirkungen.

Dennoch erließ Donald Trump mit der Begründung einer nationalen Bedrohung („National Emergency“) ein Dekret, dass vor allem die Geschäftstätigkeit der chinesischen Telekommunikationsausrüster einschränkt. Damit wird nicht nur verboten, dass deren Geräte in den USA verkauft oder verbaut werden dürfen. Darüber hinaus ist es US-Firmen ohne Sondergenehmigung nicht mehr erlaubt, mit diesen Unternehmen Geschäfte zu machen, was die Chinesen bei einigen kritischen Komponenten, die aktuell ausschließlich von US-Zulieferern gefertigt werden, in Bedrängnis bringen dürfte. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang das politische Kalkül des US-Präsidenten. Erfolge in der Auseinandersetzung mit China, für die es nach wie vor eine breite Unterstützung in der US-Bevölkerung gibt, dürften die Chancen für seine Wiederwahl Ende 2020 steigen lassen.

Sofortige Reaktion am chinesischen Markt

China im Handelskonflikt mit den USA
Quelle: Thomson Reuters Datastream, Union Investment; Stand: 14. Mai 2019

Nächste Wochen werden über Fortgang im Handelskonflikt entscheiden

Die Amerikaner haben zwar eine Zollanhebung bereits beschlossen. Die Erhöhung tritt aber mit einem gewissen Verzug erst zum 1. Juni in Kraft. Das eröffnet ein Zeitfenster für Verhandlungen und eine kurzfristige Lösung. Dr. Christian Wildmann, Gruppenleiter Fixed Income Emerging Markets bei Union Investment, hat in China regierungsnahe Repräsentanten und Berater beider Seiten gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass die chinesischen Gesprächspartner überwiegend mit einem Einlenken der USA vor Inkrafttreten der Zölle rechnen. Das heißt aber auch: Bleibt diese Einigung aus, wird der asiatische Markt vermutlich nochmal negativ überrascht.

Auf der Grundlage seiner Gespräche erscheint Dr. Wildmann eine Einigung im Handelskonflikt zwischen Washington und Peking beim G20-Treffen am 28. Juni in Osaka zwar weiterhin wahrscheinlich, aber die jüngsten Entwicklungen haben das Misstrauen der Amerikaner verstärkt. G20 wird daher vermutlich nur ein weiterer Meilenstein sein, gefolgt von einem langjährigen Prozess der Implementierung.

Sollte die US-Regierung die bereits beschlossenen Sonderzölle per 1. Juni in Höhe von 25 Prozent auf 200 Milliarden US-Dollar Importvolumen aus China erheben, wird damit eine weitere sukzessive, allerdings nicht aggressive, Abwertung der chinesischen Währung über die Marke von 7,00 Yuan je US-Dollar sehr wahrscheinlich. Das heißt, der Wechselkurs wäre dann, wie schon in der Vergangenheit, Teil der Antwort der Chinesen auf eine Eskalation im Handelskonflikt. Die Entwicklung der letzten Tage geht bereits in diese Richtung. Sollte dieses Szenario tatsächlich eintreten, wäre wohl mit einem weiteren Rückgang der Renditen auf zehnjährige chinesische Inlandsanleihen vom gegenwärtigen Niveau von 3,30 Prozent zu rechnen. Sollte es hingegen zu einer Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA kommen, würde der Renminbi wohl nur leicht abwerten und die Inlandsrenditen lediglich sehr moderat zulegen.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
21. Mai 2019, soweit nicht anders angegeben.