Berichtssaison zum vierten Quartal 2017: Robuste Gewinne, optimistischer Ausblick

Die Finanzvorstände blicken optimistisch in die Zukunft. Die Weltwirtschaft läuft auf Hochtouren, die Unternehmensgewinne steigen – Aktionäre dürften in der Erwartung steigender Dividenden und nochmals ausgeweiteter Aktienrückkaufprogramme mit Vorfreude auf die im Frühjahr anstehenden Hauptversammlungen blicken. Die sich dem Ende neigende Berichtssaison für das Gesamtjahr 2017 hat den vielversprechenden fundamentalen Ausblick für die Aktienmärkte weltweit bestätigt. Im Laufe der letzten Monate wurden die globalen Gewinnerwartungen nochmals deutlich nach oben revidiert, die Gewinnrevisionen haben zwischenzeitlich den höchsten Stand der letzten dreißig Jahre erreicht.

Überzeugende Quartalergebnisse in den USA, solide Berichtssaison in Europa

Wichtiger Baustein dieser aufwärtsgerichteten Revisionsdynamik war eine überzeugende Berichtssaison in den USA. Das vorteilhafte Makroumfeld weltweit, eine robuste Binnenkonjunktur und nicht zuletzt ein schwacher US-Dollar sorgten dafür, dass die US-Unternehmen im vierten Quartal die Analystenschätzungen bei Umsatz und Gewinn übertreffen konnten. Mit dem Rückenwind eines schwächeren US-Dollar konnten haben 76 Prozent der im S&P 500-Index gelisteten Unternehmen die Umsatzerwartungen geschlagen (historischer Schnitt: 57 Prozent), bei den Gewinnen waren es 78 Prozent (74 Prozent).

Anteil der Unternehmen mit besser als erwarteten Umsatz- und Gewinnzahlen in Q4/2017

Anteil der Unternehmen mit besser als erwarteten Umsatz- und Gewinnzahlen in Q4/2017

Quelle: Union Investment, Factset, Stand: 05.03.2018

Gleichzeitig erweist sich die Berichtssaison in Europa als äußerst solide. Nachdem mittlerweile rund 75 Prozent der EURO STOXX-Unternehmen ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, liegt die Beat-Ratio im Hinblick auf die Umsätze bei 60 Prozent (historischer Schnitt: 55 Prozent), im Hinblick auf die Gewinne bei 59 Prozent (55 Prozent). Trotz der Euro-Stärke der vergangenen zwölf Monaten waren die Unternehmen in der Eurozone in der Lage, bei der Umsatzentwicklung besser abzuschneiden, als von Analysten erwartet – das spricht für die hohe Preissetzungsmacht der Euro-Konzerne.

Ausblick für 2018 von Optimismus geprägt

Beim Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2018 stechen in erster Linie die US-Unternehmen hervor. Mit der Veröffentlichung der Gesamtjahresergebnisse 2017 haben rund 75 Prozent der S&P 500-Unternehmen ihre Gewinnerwartungen für 2018 erhöht, während lediglich gut fünf Prozent der Unternehmen die Prognosen nach unten revidieren mussten. Der Optimismus von Corporate America ist damit aktuell so stark ausgeprägt wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Neben den robusten Konjunkturbedingungen und dem schwachen US-Dollar fußt die Zuversicht vor allem auf der kurz vor Weihnachten verabschiedeten US-Steuerreform. Basierend auf den Top-Down-Analystenschätzungen müssten die Steuererleichterungen im laufenden Jahr zu einer Steigerung des S&P 500-Indexgewinns von gut zehn US-Dollar je Aktie führen. In den vergangenen Monaten stiegen die Gewinnschätzungen für den US-Leitindex bereits von 146 US-Dollar auf mittlerweile rund 158 US-Dollar je Aktie. Die Umsetzung der Steuerreform sollte daher bereits nahezu vollständig eingepreist sein.

S&P 500 EPS Schätzungen für 2018

S&P 500 EPS Schätzungen für 2018

Quelle: Union Investment, Factset, Stand: 05.03.2018

Dennoch ist mit einem anhaltend hohen Wachstum der Unternehmensgewinne zu rechnen. Für den MSCI World-Index gehen die Marktteilnehmer in diesem Jahr von einer Gewinnexpansion von knapp 14 Prozent aus. Der US-Aktienmarkt sollte mit einem Zuwachs von 19 Prozent das höchste Gewinnmomentum aufweisen, gefolgt von den Schwellenländern mit 14 Prozent. Auch in Europa dürften die Unternehmensergebnisse mit einem Zuwachs von acht bis neun Prozent solide zulegen – und das ganz ohne schuldenfinanzierte Steuererleichterungen wie in den USA.

Gewinnwachstum nach Regionen - Konsensusschätzungen für 2017 und 2018

Gewinnwachstum nach Regionen - Konsensusschätzungen für 2017 und 2018

Quelle: Union Investment, JP Morgan, Stand: 05.03.2018

Dividendenreigen und Aktienrückkaufprogramme stützen

Robuste Unternehmensgewinne und ein optimistischer Ausblick sind gute Voraussetzungen, um die Aktionäre in stärkerem Umfang am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen. So ist in Deutschland (DAX-Index) und in Europa (EURO STOXX 50) davon auszugehen, dass die Unternehmen ihre Dividenden kontinuierlich anheben werden. Mit einer aktuellen Dividendenrendite für 2018 von 3,3 Prozent beim DAX-Index und 3,8 Prozent beim EURO STOXX 50-Index erweisen sich die europäische Aktienmärke gegenüber dem Niedrigrenditeumfeld an den Rentenmärkten weiterhin als äußerst attraktiv.

In den USA ist zudem davon auszugehen, dass sich das Volumen der Aktienrückkaufprogramme deutlich erhöhen dürfte. Im bisherigen Jahresverlauf haben die S&P 500-Unternehmen bereits Aktienrückkaufprogramme in Höhe von 151 Milliarden US-Dollar angekündigt. Die prominentesten Beispiele hierbei sind Cisco Systems mit einem neu angekündigten Share Buy Back-Plan von 25 Milliarden US-Dollar gefolgt von PepsiCo (15) und Oracle (12). Auf annualisierter Basis entsprechen die bis Anfang März angekündigten Pläne einem Rückkaufvolumen von über 800 Milliarden US-Dollar – ein deutlicher Zuwachs gegenüber den bisherigen Rekordjahren 2017 (530) und 2006 (560). Neue Aktienrückkaufprogramme dürften in erster Linie durch den kräftigen Anstieg der US-Gewinne einerseits und eine Rückführung von Cash-Beständen aus dem Ausland in die USA andererseits finanziert werden.

Fazit

Ein Großteil der positiven Effekte (positives Konjunkturmomentum, Effekte aus US-Steuerreform) dürften bereits in den Gewinnschätzungen für die Jahre 2018 und 2019 eingepreist sein. Die anhaltende Dynamik der Gewinnentwicklung sollte dennoch eine wichtige Stütze für die weltweiten Börsenplätze bleiben. Steigende Dividenden und die Aussicht auf eine spürbare Ausweitung der Aktienrückkaufprogramme in den USA erhöhen die Attraktivität der Aktienmärkte zusätzlich.

Stand: 2. März 2018