Starke globale Berichtssaison im ersten Quartal

(Stand: 5. Mai 2017)

Die globale Berichtssaison ist in vollem Gange: In den USA haben bereits 81 Prozent der S&P 500-Unternehmen Zahlen vorgelegt, im Euroraum 62 Prozent EuroStoxx- und in Japan 33 Prozent der Nikkei-Konzerne. Die wichtigste Botschaft: Das erste Quartal 2017 ist für viele Unternehmen gut bis sehr gut verlaufen. Diese Botschaft bestätigt auch die Revision Ratio (Differenz von Aufwärts- und Abwärtsrevisionen von Analystenschätzungen im Verhältnis zur Gesamtanzahl der Schätzungen) für den MSCI AC Welt mit einem sehr positivem Momentum am aktuellen Rand. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Die guten Bilanzdaten haben am Veröffentlichungstag im Schnitt leider nicht zu den erhofften positiven Kursreaktionen am Markt geführt.

Gewinnrevisionen: Momentum der Upgrades steigt auf Sechsjahreshoch

Eine genauere Analyse der Revision Ratio zeigt den positiven Impuls der aktuellen Berichtssaison. Im Januar ist die Revision Ratio erstmals seit langem wieder in den positiven Bereich gewechselt – das heißt es gab mehr Aufwärts- als Abwärtsrevisionen. Der aktuelle Wert von +0,06 stellt ein Sechsjahreshoch dar. Was steckt hinter dieser Zahl? Von rund 38.000 Gewinnschätzungen für das Geschäftsjahr 2017 der 900 Unternehmen im MSCI AC World sind 13.500 Gewinnschätzungen nach oben und lediglich 11.300 Schätzungen nach unten revidiert worden. Dies mag auf den ersten Blick wenig beeindruckend klingen, ist aber historisch betrachtet eine sehr positive Entwicklung. Die laufende Berichtssaison für das erste Quartal 2017 hat das positive Niveau der Revision Ratios nicht nur bestätigt, sondern am aktuellen Rand für einen weiteren Aufwärtstrend gesorgt. In den letzten sechs Jahren hatte stets die Anzahl der Abwärtsrevisionen überwogen, das heißt die Analysten mussten ihre Gewinnerwartungen kontinuierlich nach unten revidieren. Auch historisch gesehen ist dieses Vorgehen eher die Regel.

Basis ist gelegt für 15 Prozent erwartetes globales Gewinnwachstum in 2017

Für den aktuell freundlichen Trend sorgt auch das gute Konjunkturmomentum. Die positiven Unternehmensdaten bestätigen die guten globalen Makrodaten der letzten Monate. So ist der globale Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe von 51,0 auf aktuell 52,8 Zähler gestiegen, der Index für den Dienstleistungssektor kletterte sogar von 51,6 auf aktuell 53,6 Punkte. Das für 2017 erwartete globale Gewinnwachstum liegt aktuell bei +15,1 Prozent (MSCI AC World). Mit dem positiven Verlauf der Berichtssaison zum ersten Quartal 2017 wurde ein Teil dieses erwarteten Wachstums bereits „geliefert“. Wenn das erwartete Gewinnwachstum im weiteren Jahresverlauf tatsächlich realisiert werden kann, wäre dies ein deutlicher Sprung nach mageren Vorjahren (+1,9 Prozent im Jahr 2016, -1,9 Prozent im Jahr 2015).

Die globalen Sektoren, die 2017 besonders zum Gewinnwachstum beitragen sollten, sind Energie (Gewinn pro Aktien 2017 +122 Prozent gegenüber dem Vorjahr), Materials/Rohstoffe (+28 Prozent) und Banken (+17 Prozent). Das Gewinnwachstum für den MSCI AC World wird unterstützt durch die Erwartung eines deutlichen Anstieg des Umsatzwachstums für 2017 von +5,5 Prozent (zum Vergleich Vorjahr: +0,7 Prozent). Wichtige Faktoren sind steigende Produzentenpreise und ein höheres Rohstoffpreis-Niveau 2017 im Vergleich zum Vorjahr. Unterstützt durch positive Gewinnrevisionen ist das Gewinnwachstum seit dem Jahresbeginn 2017 bereits leicht gestiegen – ein erfreulicher Trend im Vergleich zu den Vorjahren, als die Gewinnerwartungen im ersten Quartal deutlich nach unten revidiert werden mussten.

Positive Gewinnüberraschung bei leicht negativer Marktreaktion in den USA

In den USA haben von 405 S&P 500-Unternehmen 78 Prozent bei den Gewinnen und 64 Prozent beim Umsatz positiv überrascht. Die Q1-Gewinne für den S&P 500 sind um 4,1 Prozent von 29,30 US-Dollar zu Beginn des Quartals auf 30,50 US-Dollar nach oben revidiert worden. Damit kann die US-Berichtssaison zwar als positiv eingestuft werden, ist aber nicht soweit über der Norm wie im Euroraum. Im Vergleich zum 1. Quartal 2016 liegt die Wachstumsrate der S&P 500-Gewinne bei 13,8 Prozent. Die berichteten Q1-Gewinne lagen im Durchschnitt sechs Prozent über den erwarteten Gewinnen, haben am Folgetag allerdings zu einem leichten Marktverlust von durchschnittlich 0,3 Prozent geführt. Dieses Muster (positive Gewinnüberraschung und leicht negative Marktreaktion) konnte man beispielsweise bei Apple und Facebook beobachten, wo die Investoren noch stärkere Daten erwartet hatten. Allerdings ist der US-Markt seit den Präsidentschaftswahlen im November bereits um zehn Prozent gestiegen. Gründe hierfür waren die hohen Erwartungen an die Reformpläne der neuen US-Regierung und die sehr guten Entwicklungen bei den umfragebasierten Makrodaten. Diese bereits starke Entwicklung kann durchaus dazu beigetragen haben, dass die Hürde für eine weitere positive Kapitalmarktreaktion auf die Quartalszahlen nochmals höher lag.

Für die nächsten Quartale wird ein weiterer deutlicher Anstieg der Gewinne pro Aktie auf 35,30 US-Dollar zum Ende des vierten Quartals 2017 erwartet. Die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr 2017 liegen bei 131,20 US-Dollar und entsprechen einem Gewinnwachstum von elf Prozent. Die geplante Reform der Unternehmenssteuern in den USA ist noch so vage, dass die Analysten dies bisher nicht in die Gewinnprognosen einbauen konnten. Sollten sich die Reformpläne im Laufe des Jahres konkretisieren, ergäbe sich daraus weiteres Aufwärtspotenzial bei den Revisionen.

Unternehmen Euroraum besonders stark, speziell auf der Umsatzseite

Im Euroraum ist die Berichtssaison bisher sehr gut gelaufen. Von 165 EuroStoxx-Unternehmen haben 64 Prozent bei den Gewinnen und 84 Prozent beim Umsatz positiv überrascht. Die berichteten Umsätze lagen durchschnittlich +2,3 Prozent über den Erwartungen, bei den Gewinnen waren es acht Prozent. Im Gegensatz zu den USA haben die Unternehmen zumindest eine leicht positive Marktreaktion von durchschnittlich +0,4 Prozent am Folgetag gesehen.

Die sehr guten Umsatzzahlen im Euroraum in Q1 unterstreichen das gute Makro-Momentum. Generell sollten die Umsatzzahlen stärker mit den Makrozahlen korrespondieren, während in die Gewinnzahlen auch viele unternehmensspezifische Aspekte einfließen. Der Union Investment-Frühindikator ELI ist gerade wieder in die Phase 3 gewechselt und zeigt damit für das zweite Quartal 2017 eine Wachstumsbeschleunigung im Euroraum an. Mit den Aufwärtsrevisionen ist das erwartete Gewinnwachstum im Euroraum für 2017 auf +26 Prozent gestiegen bei einem erwarteten Umsatzwachstum von fünf Prozent. Für die Bankengewinne 2017 wird ein sehr starker Anstieg von 132 Prozent erwartet (weniger Strafzahlungen, niedrigere Abschreibungen, vermutlich auch Erwartungen für ein höheres Zinsniveau 2017) und für Energie von 35 Prozent.

Fazit

Insgesamt kann die laufende Berichtssaison bislang als Erfolg gewertet werden. Das global starke Konjunkturmomentum mit einem synchronen Aufschwung in allen wichtigen Regionen der Welt spiegelt sich in einem deutlichen Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen wider. In Europa ist die Dynamik dabei noch ein wenig höher als in den USA. Diese insgesamt freundliche Entwicklung sollte auch im weiteren Jahresverlauf anhalten.

Anteil Stoxx-Unternehmen über Erwartungen

Berichtssaison

(Stand: 5. Mai 2017)