Allmähliches Ende der Nachkrisenzeit

Zehn Jahre nach Lehman bleiben die Perspektiven für die Börsen gut.
Das Jahr 2017 werden viele Anleger in besonders guter Erinnerung behalten, aller Unsicherheiten zum Trotz. Vor allem an den Aktienmärkten ging es aufwärts, bis hin zu neuen Allzeithochs in Deutschland und den USA. Aber bleibt es dabei? Oder steht uns – zehn Jahre nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman - ein Umschwung bevor?

Wachstum allerorten

So viel vorab: Es gibt sehr gute Gründe, optimistisch in das neue Jahr zu blicken. Hauptgrund dafür ist die brummende Weltwirtschaft. Bei Union Investment rechnen wir mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 bis vier Prozent. Besonders in der Eurozone hat sich die Lage im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verbessert. Hier lassen unsere Prognosen ein Plus beim Brutto-Inlandsprodukt (BIP) von 2,1 Prozent erwarten. In Deutschland dürfte das Wachstum mit zwei Prozent ebenfalls stark ausfallen.  Auch in den USA stehen die Zeichen weiter auf Wachstum. Mit einem BIP-Anstieg von 2,5 Prozent sollte der Zuwachs sogar noch stärker als 2017 ausfallen. Und schließlich hat sich in den Emerging Markets vieles zum Besseren gewendet. Das liegt an der positiven Entwicklung der Weltwirtschaft, aber auch an den Ländern selbst.. Lediglich in China könnten Wachstumssorgen aufkommen. Neben der hohen gesamtwirtschaftlichen Verschuldung dürften auslaufende Stimulierungsmaßnahmen der Regierung sowie eine Verlangsamung der öffentlichen und privaten Investitionen dämpfend wirken.

Notenbanken mit vorsichtiger Kursumkehr

In der Vergangenheit war höheres Wachstum mit steigender Inflation verbunden. Von diesem Zusammenhang war 2017 nur wenig zu sehen. Aus gutem Grund. In der Welt von heute wirken strukturelle Faktoren der Teuerung entgegen. Globalisierung, Demografie und Digitalisierung führen dazu, dass viele Waren und Dienstleistungen in der Tendenz immer billiger produziert und angeboten werden können. Aktuell führt diese Gemengelage dazu, dass der zyklische Aufwärtsdruck bei der Inflation deutlich gedämpft wird. Im Jahr 2018 dürften in den USA 1,8 Prozent, in der Eurozone nicht mehr als 1,5 Prozent erreicht werden – trotz der guten Wirtschaftslage.

Für die Zentralbanken entfällt somit der Grund für eine stärkere und raschere Straffung der Geldpolitik. Daher werden Federal Reserve, Europäische Zentralbank und Bank of Japan ihren Kurs nur sehr langsam anpassen. Für die Eurozone heißt das: keine Zinserhöhung vor 2019.

Aktien und Rohstoffe favorisiert

Diese Mischung aus prosperierender Wirtschaft, moderater Inflation und in Summe noch unterstützender Geldpolitik führt dazu, dass uns auch 2018 ein aussichtsreiches Börsenjahr bevorsteht. Profitieren dürften Energierohstoffe, Industriemetalle und Aktien. Für letztere sehen wir insbesondere in der Eurozone und in Japan Luft nach oben, weil die Märkte nicht überteuert scheinen und die Unternehmensgewinne weiter positiv überraschen sollten. An den Rentenmärkten  führt im Niedrigzinsumfeld neben Papieren aus den Emerging Markets an Nachranganleihen und punktuell an Hochzinsanleihen kein Weg vorbei.

Konstruktives Kapitalmarktumfeld, externe Risiken

Wie fällt also das Gesamtbild aus, was ist von 2018 zu erwarten? Im Vergleich zu den Vorjahren ist die konjunkturell bedingte Krisenanfälligkeit der Kapitalmärkte gesunken. Das Wachstum ist robust, die Inflation moderat und die geldpolitische Wende eingeleitet. Die zahlreichen positiven Faktoren dürfen allerdings nicht den Blick auf die Risiken verdecken, die primär externer Natur sind. Vor allem (geo-)politische Faktoren  wie die Wahl in Italien, die Brexitverhandlungen sowie die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und im Mittleren Osten  sowie aufkeimende Inflationssorgen könnten für Unruhe sorgen. Das bedeutet, dass 2018 trotz starker Fundamentaldaten zwischenzeitliche Rücksetzer nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich sind. Denn zudem sind viele Marktteilnehmer derzeit in ähnlichen Favoriten investiert, was die Anfälligkeit für Kursrückschläge inhärent erhöht. Langfristig treibt das Fundamentalbild die Kurse, und das ist gut. Da gilt es, dabei zu sein.