Union Investment mit neutraler Risikoausrichtung

UIC bestätigt taktische Neutralisierung

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Das Coronavirus hält die Kapitalmärkte in Atem. Die unsichere Nachrichtenlage überträgt sich auf die Finanzakteure. Im Handelsstreit zwischen China und den USA zeigt sich dagegen eine gewisse Erleichterung. Die Auswirkungen auf die Portfoliozusammenstellung erläutert Benjardin Gärtner, Leiter des Aktienportfoliomanagement bei Union Investment.

Risikoausrichtung neutral, RoRo-Meter weiterhin auf 3

RoRo-Meter bleibt auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hat am 26. Januar 2020 im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung mit einer taktischen Neutralisierung aller aktiven Positionen auf das Corona-Virus reagiert. Dabei wurde die Risikoausrichtung von RoRo-Meter 4 auf 3 (neutral) gesenkt. Auf der regulären Januar-Sitzung wurde diese Entscheidung bestätigt.

In den vergangenen Tagen hat sich das Virus weiter ausgebreitet. Mit der wachsenden Zahl infizierter Personen gehen in erster Linie menschliche Schicksale einher. Gleichzeitig verschärft sich das Risikoumfeld für Weltwirtschaft und Kapitalmärkte. Derzeit ist zwar noch unklar, welche Tragweite das Corona-Virus entwickeln kann. Simulationen von Data-Analysten bei Union Investment lassen aber darauf schließen, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist. Gleichzeitig legen die Berechnungen nahe, dass menschliche Opferzahlen und materielle Schäden geringer als bei früheren Epidemien ausfallen dürften. Sollte sich diese Annahme bestätigen, wäre die Kapitalmarktwirkung von Corona damit zeitlich begrenzt.

Das UIC trägt diesen Unwägbarkeiten Rechnung und nimmt für den Moment die Risikoausrichtung bei unverändert moderat-konstruktiver Einschätzung der fundamentalen Trends zurück.

Globales Konjunkturumfeld dürfte sich verbessern

Das Virus trifft die chinesische Volkswirtschaft zu einem Zeitpunkt, als der konjunkturelle Tiefpunkt erreicht schien. Der „Activity Tracker“ von Union Investment als Gradmesser der wirtschaftlichen Aktivität deutete just zum Ausbruch eine Beschleunigung an. Dieser Trend dürfte nun fürs Erste gestoppt werden. Reisetätigkeit (insbesondere angesichts des chinesischen Neujahrsfests) und Konsum werden zurückgehen. Dennoch rechnen unsere Volkswirte nur mit einer begrenzten Konjunkturwirkung. So lassen die geringen Mortalitätsraten (z.B. gegenüber SARS) in Verbindung mit entschlossenen Gegenmaßnahmen der Behörden auf eine vergleichsweise schnelle Eindämmung hoffen. Die gestiegene Bedeutung des Onlinehandels sollte die negativen Effekte auf den Konsum verringern. Und die Regierung in Peking dürfte mit umso stärkeren Stimulusmaßnahmen reagieren, je stärker die Konjunktur betroffen wird. Daher hat unsere Prognose von 5,7 Prozent BIP-Zuwachs für 2020 weiter Bestand.

Unterstützend wirkt die jüngste Einigung im Handelsstreit. Zwar bleiben 92 Prozent der verhängten Zölle in Kraft, insofern ist die Wirkung begrenzt. Dennoch ist der Effekt auf die globale Konjunktur leicht positiv und stützt die derzeit festzustellende Erholung der Weltwirtschaft. Hinzu kommt ein anziehender Lagerzyklus. Das UIC geht daher davon aus, dass sich die Konjunktur in den kommenden Monaten verbessert.

Charts des Monats: Corona fällt mit Konjunkturaufhellung in China zusammen

Virus-Ausbreitung hat sich beschleunigt
Charts des Monats: Corona fällt mit Konjunkturaufhellung in China zusammen
Quelle: Refinitiv; Johns Hopkins CSSE; Stand: 29. Januar 2020

Geldpolitik: Keine großen Veränderungen

Das geldpolitische Umfeld hat sich kaum verändert. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) lassen die ersten Wochen unter Christine Lagarde noch keine Rückschlüsse auf Kursänderungen zu. Klar ist, dass die EZB im Rahmen ihrer Strategiedebatte ihren Handlungsrahmen überprüfen will. Welche Ableitungen daraus folgen, ist aber noch nicht absehbar. Das UIC rechnet daher bis auf Weiteres nicht mit weiteren geldpolitischen Schritten der EZB.

Auch in den USA verzichtete die Notenbank Federal Reserve (Fed) im Januar erwartungsgemäß auf Änderungen ihrer Leitzinsen und nahm nur marginale Anpassungen an ihrer wirtschaftlichen Einschätzung vor. Die momentane geldpolitische Ausrichtung findet breite Unterstützung im Federal Open Market Committee (FOMC), es wurden lediglich technische Maßnahmen beschlossen. Allerdings würde die Fed wohl im Fall einer konjunkturellen Eintrübung (angesichts des nicht vorhandenen Inflationsdrucks) geldpolitisch reagieren. Sollte also im weiteren Jahresverlauf die US-Konjunktur wie erwartet an Fahrt verlieren, dürfte die Fed zwei weitere Zinssenkungen durchführen.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

 

Alle Renten-Positionen neutralisiert

Durch die Ausbreitung des Corona-Virus stieg die Risikoaversion deutlich an. Die sicheren Häfen wie Bundesanleihen und Covered Bonds sind gefragt und verzeichnen fallende Renditen. Das geldpolitische und fundamentale Umfeld spricht zwar mittelfristig weiter für die Spread-Segmente, wird aber aktuell von den Befürchtungen um das Virus überlagert. Trotz der Suche nach Papieren mit höheren Renditen und den Käufen der Notenbanken stiegen die Risikoaufschläge leicht an. Bis das fundamentale Umfeld wieder das Marktregime übernimmt, stellen wir uns bei den Renten-Anlagen neutral auf.

Aktien-Übergewicht neutralisiert

Die Berichtssaison für das vierte Quartal zeigt, dass sich das Gewinnbild der Unternehmen aktuell erheblich verbessert hat. Nur wenige Firmen haben mit Gewinnproblemen zu kämpfen. Insbesondere die US-Technologiewerte (Apple ist mittlerweile mehr wert als alle DAX-Konzerne zusammen), aber auch viele US-Banken konnten hervorragende Zahlen präsentieren. Die Teileinigung im Handelsstreit unterstützt darüber hinaus sowohl die Aktien der Industrie- als auch der Schwellenländer. Aufgrund der Unsicherheit rund um das Corona-Virus nehmen jedoch die Schwankungen an den Börsen zu. Daher hat sich das UIC zu einer neutralen Positionierung entschieden, auch wenn sich das fundamentale Bild für Aktien konstruktiv zeigt.

Energierohstoffe mit Potenzial

Aktuell leiden insbesondere zyklische Rohstoffe unter der Unsicherheit. Der Ölpreis liegt seit Monatsmitte knapp neun Prozent im Minus. Auch wenn sich die Nachfrage schwach zeigt, ist die Zuversicht da, dass Energierohstoffe Preispotenzial bieten. Neben der attraktiven Rollrendite sprechen die mit dem Iran-Konflikt gestiegenen geopolitischen Spannungen, die OPEC-Kürzungen sowie die verbesserten Konjunkturaussichten für Öl. Aufgrund der aktuellen Unsicherheit rund um Corona bleibt das UIC allerdings neutral positioniert. Der Edelmetallsektor hat seit Jahresbeginn vom Anstieg der geopolitischen Unsicherheit profitiert. Die Fundamentaldaten sprechen aber mit Ausnahme von Palladium aktuell gegen ein Investment.

Keine Positionsänderung bei Währungen

Auch bei den Währungsanlagen bleibt das UIC vorerst neutral bis die Auswirkungen des Virus besser absehbar sind. Die jüngsten Notenbanksitzungen gaben für die Währungsmärkte wenig Impulse, da die jeweilige Geldpolitik überwiegend bestätigt wurde. In den nächsten Wochen dürfte der Brexit wieder stärker in den Fokus rücken. Der Verlauf der Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union dürfte dann wieder Auswirkungen auf das Währungspaar Euro/Pfund Sterling haben.

Starker Jahresstart für Wandelanleihen

Durch die Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt sind auch Wandelanleihen gestiegen. Bis auf japanische Papiere legten alle Regionen deutlich zu. Insgesamt weist der Wandelanleihenmarkt mit einer Aktiensensitivität von etwa 50 Prozent weiterhin eine hohe Konvexität auf. Mit dem Jahresstart gab es wieder vermehrt Neuemissionen, die auch gut vom Markt aufgenommen wurden.

Unsere Positionierung

Unsere Positionierung vom 05.02.2020

Außerordentliche Anpassung vom 5. Februar 2020

Das Union Investment Committee (UIC) hat sich am 5. Februar zu einer außerordentlichen Sitzung getroffen. Vor dem Hintergrund eines sich verbessernden Risikoumfelds – insbesondere mit Blick auf das Corona-Virus –, teilweise günstigerer Bewertungen und einem nach wie vor konstruktiven Fundamentalbild hat das Gremium die Gewichtungen in chancenorientierten Anlagen mit Augenmaß erhöht. Die Risikoausrichtung bleibt auf RoRo-Meter 3 (neutral). Im Einzelnen wurden Aktien der Industrieländer, Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie und Investment-Grade-Unternehmensanleihen um jeweils 2,5 Prozentpunkte übergewichtet. Im Gegenzug nahm das UIC Staatsanleihen der Kernländer der Europäischen Währungsunion (EWU) um fünf Prozentpunkte zurück. Covered Bonds wurden um 2,5 Prozentpunkte untergewichtet. Das Durationssignal wechselt auf „short“.

Stand aller Informationen und Darstellungen:
30. Januar 2020, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten: Februar

Neues von den Märkten: Februar

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 04. Februar 2020)