Risikoausrichtung bleibt bei RoRo-Meter 3

RoRo-Meter auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hat auf seiner regulären Sitzung am 17. und 18. Dezember 2018 an der neutralen Risikoausrichtung festgehalten und das RoRo-Meter unverändert auf Stufe 3 belassen. Es kam lediglich auf Ebene der Subassetklassen zu Umstrukturierungen des Musterportfolios. Im Einzelnen wurde im Aktienbereich eine relative Position eingegangen. Das Gremium erhöhte das Gewicht von Aktien aus den Emerging Markets und nahm im Gegenzug die Positionierung bei Developed Markets zurück. Gleichzeitig wurde das zwischenzeitliche Übergewicht bei Energierohstoffen nach den starken Bewegungen der letzten Wochen neutralisiert und die Kasse entsprechend erhöht. Die übrigen Positionen blieben unverändert.

Hintergrund der Entscheidung war vor allem das aktuelle Konjunkturbild, gepaart mit den Auswirkungen auf die künftigen geldpolitischen Entwicklungen. Am aktuellen Rand zeichnet sich eine eklatante Schwäche in zyklischen und zinssensitiven Sektoren ab. In Europa, Japan und China ist dieser Trend bereits seit einigen Monaten sichtbar. Nun kommen mehr und mehr auch die USA dazu, die Leitökonomie der Weltwirtschaft. Das UIC ist aber davon überzeugt, dass es sich hierbei nicht um die Vorboten einer unmittelbar bevorstehenden Rezession handelt. Dagegen sprechen die nach wie vor positiven Signale aus dem Dienstleistungssektor. Auch die sich abzeichnenden Reallohnzuwächse in vielen großen Volkswirtschaften dürften auf mittlere Sicht für eine Stabilisierung sorgen.

Die konjunkturelle Eintrübung in den USA dürfte nicht spurlos an der Fed vorbeigehen. Das UIC erwartet, dass die US-Notenbank in ihrer Kommunikation perspektivisch den Ursache-Wirkungszusammenhang zwischen Konjunktur und Geldpolitik stärker betonen dürfte. Bereits das Andeuten einer entsprechenden Sensibilität der Fed für die Konjunkturängste dürfte daher für eine gewisse Entspannung sorgen.

Wichtige Treiber der vergangenen Monate waren zudem die vielfältigen Eventrisiken wie Brexit, die italienische Budgetdebatte oder der Handelsstreit zwischen den USA und China. Neu hinzu gekommen ist der „Gelbwesten-Protest“ in Frankreich, der zu einer Aufweichung der Budgetziele in Paris geführt hat. Trotz vereinzelter Entspannungstendenzen, etwa beim G20-Gipfel in Argentinien oder im jüngsten römischen Haushaltsentwurf, bleibt die Lage hier unübersichtlich und schwer prognostizierbar. Vor allem beim Brexit scheint eine weitere Verschärfung wahrscheinlich, bevor eine Einigung dann doch noch erreicht werden dürfte.

Konjunkturbild: Verarbeitendes Gewerbe weltweit schwach, aber Dienstleistungen weiter positiv

Das Wachstumsmomentum der Weltwirtschaft ist derzeit sehr gering. Auffällig ist die Schwäche im Welthandel, die geringere Dynamik am US-Häusermarkt sowie eine synchrone Verlangsamung der weltweiten Investitionsgüternachfrage (Capex). Im Ergebnis sind die Wachstumsüberraschungen aktuell weltweit negativ. Das gilt sowohl in den Developed als auch in den Emerging Markets, wenn auch dort auf bereits wieder stabilisierten Niveaus. Eine Reihe von Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe konnten sich beispielsweise zuletzt stabilisieren bzw. verbessern. Gerade bei großen Schwellenländern wie Indien, Russland und Brasilien war in den letzten Monaten sogar ein leichter Anstieg festzustellen.

Insgesamt ergibt sich damit ein Konjunkturbild, dass von zwei Effekten gekennzeichnet ist: Einer Verlangsamung des weltweiten Wachstumstempos gepaart mit einer sich schließenden Wachstumsschere zwischen Industrie- und Schwellenländern.

Chart des Monats: Deutlich geringere Gewinne vom Aktienmarkt eingepreist

Erwartete Gewinnsteigerung 2019
Erwartete Gewinnsteigerung 2019
Quelle: Goldman Sachs, Union Investment; Stand: 18. Dezember 2018.

Emerging Markets gegenüber Industrieländern bevorzugt

 

Geldpolitik: Maximal drei Zinserhöhungen der Fed 2019

Die US-Notenbank Fed trifft sich am 18./19. Dezember zur letzten Sitzung des Jahres 2018. Zwar hat der Kapitalmarkt die Zinsanhebung der Washingtoner Währungshüter mittlerweile aufgrund der beschriebenen Konjunktursorgen teilweise wieder ausgepreist. Dennoch geht das UIC davon aus, dass die Fed zunächst nicht von ihrem Kurs abrücken und den lange vorbereiteten „Hike“ durchführen wird. Vielmehr wird ein kommunikatives Umschwenken in Richtung „data dependency“ erwartet. Für 2019 rechnet das UIC mit maximal drei Anhebungen. Notwendige Gründe für ein Pausieren auf dem Zinsanhebungspfad wären nach Einschätzung des Gremiums eine Invertierung der Zinsstrukturkurve oder aber eine weitere konjunkturelle Verlangsamung. Die Wahrscheinlichkeit für ein schneller als bislang erwartetes Eintreten eines dieser beiden Ereignisse hat in den vergangenen Wochen zugenommen.

Renten: Keine Positionierungsveränderungen

Das Umfeld auf der Rentenseite hat sich in den letzten Wochen wenig verändert. Die europäischen Volkswirtschaften sind nach wie vor auf einem moderaten Wachstumspfad, dem aktuell das Momentum etwas fehlt. Die Inflation liegt weiter in der Nähe der Zielmarke der EZB. Das alles spricht perspektivisch für moderat steigende Renditen in Europa. Dem stehen aber weiter die politische Unsicherheit in Europa und die gestiegene Risikoaversion an den Kapitalmärkten entgegen. Daher behält das UIC die Positionierung auf der Rentenseite unverändert bei.

Aktien: Pair Trade Emerging Markets versus Developed Markets

Die Korrektur an den Aktienmärkten hat sich weiter fortgesetzt und die Märkte haben eine deutliche Konjunkturverlangsamung eingepreist. Gleichzeitig ist die Korrektur an den Aktienmärkten der Schwellenländer stärker fortgeschritten als beispielsweise in den USA. Mit Blick auf das Chance-Risiko-Profil hat sich das UIC daher entschieden, Aktien aus den Emerging Markets gegenüber Werten aus den Industrieländern vorzuziehen.

Rohstoffe: Energierohstoffe neutralisiert

Die Rohölpreise konnten von den Produktionskürzungen der OPEC und Russlands nur kurzzeitig profitieren. Aktuell überwiegen die Sorgen um die Konjunktur, die über die Nachfrageseite auf den Preisen lasten. Die Rohstoffexperten von Union Investment haben jüngst ihr Preisziel auf Sicht der kommenden zwölf Monate von 78 auf 72 US-Dollar je Fass Brent gesenkt. Der Bereich der Industriemetalle weist zwar solide Fundamentaldaten auf. Allerdings haben die verabschiedeten Stimulusmaßnahmen in China bislang noch keine Wirkung entfaltet. Das verlangsamte globale Wachstumstempo bedeutet zusätzlichen Gegenwind für das Marktsegment. Gold bleibt im unsicheren Umfeld unterstützt.

Währungen: Yen als sicherer Hafen

Die Aufwertungsrally beim US-Dollar stockt weiterhin. Mittelfristig dürfte der Greenback angesichts der etwas nachlassenden US-Wachstumsdynamik und des steigenden Fiskaldefizits an Wert verlieren. Einer allzu starken Gegenbewegung stehen vorerst aber die politischen Risiken in Europa entgegen. Der Japanische Yen dürfte als sicherer Hafen gefragt bleiben.

Wandelanleihen leicht schwächer

In den letzten vier Wochen gaben globale Wandelanleihen leicht nach. Die durchschnittliche Aktiensensitivität baute sich weiter ab auf rund 42 Prozent. Dabei wiesen US-Papiere, die einen relativ starken Technologie-Bias haben, nach wie vor die höchste Volatilität auf. Japanische Wandelanleihen schnitten mit einer Seitwärtsbewegung am besten ab. Insgesamt verharrte die Einzeltitelvolatilität auf signifikant erhöhtem Niveau. Auf Neuemissionsebene blieb es wie schon im Vormonat relativ ruhig. An der grundsätzlich attraktiven Bewertung des globalen Wandelanleihemarktes hat sich nichts geändert. Teilweise sind wieder – vor allem in Asien – attraktive Anleihe-Renditen vorhanden.

Unsere Positionierung

Positionierung 04. Januar 2019
Stand: 04. Januar 2019

Stand aller Informationen und Darstellungen:
18. Dezember 2018, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten

Neues von den Märkten: Januar

Erhalten Sie im Monatsbericht "Neues von den Märkten" einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen. Ergänzt wird der Monatsbericht durch aktuelle Kapitalmarktprognosen.