UIC

Union Investment Committee bleibt offensiv positioniert

UIC-Portfolio: Risikoanlagen bevorzugt

Risikoausrichtung bleibt moderat offensiv, RoRo-Meter weiter auf 4

RoRo-Meter bleibt auf 4

Das Union Investment Committee (UIC) behält seine moderat offensive Risikoausrichtung (RoRo-Meter 4) bei. Zudem wurden alle Gewichtungen im Musterportfolio bestätigt. Das Gremium präferiert damit weiter Aktien, höherverzinsliche Rentenpapiere (Investment Grade-Unternehmens- und Peripherieanleihen) und Absolute Return-Strategien gegenüber Rohstoffen und den „sicheren Häfen“. Bei den Währungen bleiben der Euro und das Pfund Sterling gegenüber dem US-Dollar und dem Japanischen Yen favorisiert.

Das Kapitalmarktumfeld hat sich seit der außerordentlichen Entscheidung Anfang Oktober nicht wesentlich verändert. So bleiben die konjunkturellen und geldpolitischen Trends nach Einschätzung des UIC weiter unterstützend für Risikoanlagen. Zwar hat sich die Pandemielage zuletzt wieder verschärft. Dem steht aber eine abnehmende Unsicherheit über den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl entgegen. Durch die verbesserten Umfrageergebnisse Joe Bidens scheint sich ein klares Votum abzuzeichnen. Eine erfolgreiche Anfechtung des Wahlergebnisses durch Amtsinhaber Trump würde dabei umso unwahrscheinlicher, je deutlicher ein Sieg der Demokraten ausfallen würde. Diese zunehmende Überzeugung stützt die Kapitalmärkte.

Chart im Fokus: Biden als klarer US-Wahl-Favorit

Wahlumfragen: National und Schlüsselstaaten*
Chart im Fokus
*Staaten, die Trump 2016 mit knappem Vorsprung gewonnen hat (Vorsprung im Wahlmännergremium 2016: 34 Stimmen). Quellen: FiveThirtyEight, PredictIt, Union Investment. Stand: 20. Oktober 2020
Implizite Wettwahrscheinlichkeiten
Chart im Fokus
Quellen: FiveThirtyEight, PredictIt, Union Investment. Stand: 20. Oktober 2020

Die größte Unwägbarkeit bleibt die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie. Besonders in Europa türmt sich aktuell eine zweite Welle auf. Die Politik versucht zwar „Lockdowns“ wie im Frühjahr zu vermeiden, diese lokal zu begrenzen oder so lange wie möglich hinauszuzögern. Im Lichte der europaweit starken Anstiege der Fallzahlen ist aber zunehmend fraglich, ob diese Strategie aufgehen wird. Durch die Fortschritte in der Bekämpfung der Pandemie (mehr Tests, bessere Behandlungsmethoden, Tragen von Alltagsmasken) und einem erweiterten politischen Instrumentenkasten hält das UIC aber flächendeckende und auf nahezu alle Wirtschaftssektoren ausgedehnte Lockdowns wie noch im Frühjahr für weniger wahrscheinlich.

Konjunktur, Wachstum, Inflation

Die Weltwirtschaft hat den Übergang hin zu einer flacheren Erholung vollzogen. Die dynamische Aufschwungphase im Anschluss an die (Wieder-) Öffnung der größten Volkswirtschaften ist zu Ende. An deren Stelle ist ein moderateres Erholungstempo getreten. Diese Abfolge ist ein Stück weit normal und kein Grund zur Besorgnis. Dies gilt umso mehr, als insbesondere in China die Wirtschaftsaktivität anzieht und auch die US-Wirtschaft keine Anzeichen einer Trendumkehr zeigt. Gleichzeitig nehmen aber die Impulse der Stimulus-Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken ab („Peak Policy“). In den Vereinigten Staaten werden zwar noch immer Gespräche zwischen den Demokraten und der Regierung über die Verlängerung der Fiskalpakete geführt. Unterschiedliche Auffassungen über deren Höhe und taktische Überlegungen machen aber eine Einigung mit Zustimmung des Senats vor der Wahl zunehmend unwahrscheinlich. Die Inflation sollte in diesem Umfeld in den wichtigsten Wirtschaftsregionen nur moderat steigen.

Geldpolitik: Lockerheit wird lange anhalten

Die anhaltend niedrige Inflation eröffnet den wichtigsten Notenbanken die notwendigen Spielräume, ihre Geldpolitik auf das Begleiten der wirtschaftlichen Erholung auszurichten. Die US-Notenbank Fed hat diesen Strategiewechsel bereits beschlossen und wird künftig das Zinsniveau so lange als angemessen betrachten, bis Vollbeschäftigung erreicht ist. Zusätzlich muss die Inflation nicht nur zwei Prozent betragen, sondern auch auf dem Weg zu einer moderaten Zielüberschreitung sein. Eine restriktive Geldpolitik ist damit auf Sicht der nächsten Jahre weder jenseits noch diesseits des Atlantiks zu erwarten. Sowohl die Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) werden die Zinsen langfristig niedrig halten und mit quantitativen Maßnahmen Finanzsektor und Kapitalmärkte unterstützen. Damit verstärken sie den strukturellen Renditeverfall, sodass die Realzinsen tendenziell eher noch weiter sinken sollten.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

 

Renten – Spread-Segmente weiter attraktiv

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken, ihre Ankaufsprogramme und die negativen Renditen sicherer Anleihen bleiben ein wichtiger Unterstützungsfaktor für Papiere mit Risikoaufschlägen, wie Unternehmens- und Peripherieanleihen. Die Emittenten haben das gute Umfeld genutzt und sich zusätzliche Liquidität besorgt. Die große Welle von Bonitätsherabstufungen durch die Ratingagenturen dürfte abebben. Die Diskussion um Schuldenstundungen für schwächere Emerging Markets dürfte dagegen das Potenzial von EM-Anleihen begrenzen.

Aktien – Unternehmen bewältigen Krise

Aktien bleiben durch die Geldpolitik und das Negativzinsumfeld gut unterstützt – die Risikoprämien sind weiter hoch. Rückschläge aufgrund schwächerer Konjunkturdaten, der (Rest-)Unsicherheiten um die US-Wahl und der vor allem in Europa sich auftürmenden zweiten Corona-Welle dürften eher Kaufgelegenheiten sein, zumal viele Investoren noch „unterinvestiert“ sind. Die von uns (insbesondere für die USA) erwartete starke Berichtssaison für das dritte Quartal wird durch die ersten vorgelegten Zahlen bestätigt. Die Unternehmen kommen in der Krisenbewältigung gut voran und können vielfach sowohl die im Verlauf der letzten Monate angehobenen Gewinnerwartungen übertreffen als mit positiven Ausblicken weitere Hoffnungsschimmer geben.

Rohstoffe – Absicherung gegen Corona

Die Normalisierung an den physischen Rohstoffmärkten setzt sich weiter fort. China hat zuletzt die Importe und Produktion von vielen Industriemetallen durch „klassische“ Stimulus-Maßnahmen deutlich gesteigert. Die Nachfrage nach Rohöl und Rohölprodukten bleibt weiter schwach und könnte durch eine zweite Corona-Welle in Europa und in anderen Regionen zunächst weiter sinken. Durch den starken Produktionsrückgang sind aber Preiseinbrüche wie im ersten Quartal nicht zu erwarten. Mit einer Überwindung der Pandemie dürfte sich hingegen im Verlauf des Jahres 2021 die Möglichkeit einer Ausweitung der Förderung durch die OPEC+-Staaten eröffnen, ohne die Preise zu belasten. Bis dahin bleibt aber ein Untergewicht der konjunktursensitiven Rohstoffe aus Portfoliosicht eine gute Absicherung gegen eine erneute Corona-bedingte Wirtschaftsabschwächung. Edelmetalle bleiben durch die hohe Investorennachfrage aufgrund der negativen US-Realzinsen unterstützt.

US-Dollar dürfte abwerten

Die Schwäche des US-Dollars dürfte sich unabhängig vom Ausgang der Wahl fortsetzen, vor allem aufgrund erwarteter höherer US-Fiskalausgaben. Insbesondere der sich zuletzt abzeichnende Sieg der Demokraten würde auf dem Greenback lasten, da dann mit größeren Infrastrukturprogrammen, steigenden Schulden und Defiziten zu rechnen wäre. Dies würde unsere mittelfristigen Erwartungen eines zunehmenden US-Zwillingsdefizits, einer flacheren US-Zinsstrukturkurve und einer höheren Inflationstoleranz der Fed zusätzlich verstärken. Gleichzeitig bleibt der Euro perspektivisch von weiteren Schritten in Richtung einer Fiskalunion und hin zu einer insgesamt stärkeren Integration auf europäischer Ebene unterstützt. Das Pfund Sterling dürfte von einem möglichen Handelsvertrag zwischen Großbritannien und der EU profitieren. Der Japanische Yen sollte hingegen in einem konstruktiven Marktumfeld zur Schwäche neigen.

Starke Performance für Wandelanleihen

Den positiven Markttrend konnten Wandelanleihen wieder für sich nutzen. Über die letzten vier Wochen war die Wertentwicklung insgesamt mit absolut zwei Prozent sogar besser als die globalen Aktienmärkte. Dies wurde fast ganz durch die sehr gute Wertentwicklung von US-Wandelanleihen erzielt. Die Aktienmarktsensitivität ist weiter bei etwa 52 Prozent und die Bewertungen sind fair. Es gab wieder einige Neuemissionen, vorwiegend aus den USA, aber auch aus Europa und Asien ex Japan.

Unsere Positionierung

Unsere Positionierung

Stand: 27. Oktober 2020

Neues von den Märkten: November

Neues von den Märkten: November

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 26. Oktober 2020)