Außerordentliche Sitzung des Union Investment Committees

Union Investment mit neutraler Risikoausrichtung

Positionierung neutral, RoRo-Meter wieder auf 3

RoRo-Meter 2 auf 3

Zwar kann man nicht davon sprechen, dass sich das Umfeld in den vergangenen Tagen durchgreifend aufgehellt hat. Gleichwohl war bei einer Reihe von Unsicherheitsfaktoren zuletzt aber eine Beruhigung oder gar leichte Besserung zu verzeichnen. Das Union Investment Committee (UIC) hat auf einer außerordentlichen Sitzung am 9. Juli seine Risikoausrichtung deshalb vom moderat defensiven in den neutralen Bereich angehoben (RoRo-Meter Stufe 3). Aktien werden nun neutral gewichtet, wobei das UIC Industrieländeraktien favorisiert. Auch im Bereich der Industriemetalle wurde eine aktive Positionierung eingegangen.

Handelsstreit größtes Einzelrisiko für Kapitalmärkte

Die Beruhigung betrifft zum Beispiel den Handelsstreit zwischen den USA und China bzw. Europa. Bislang verliefen die Streitigkeiten immer nach dem gleichen Muster: Der Einführung unilateraler „Strafzölle“ durch die Trump-Administration folgte eine „Vergeltung“ durch die Gegenseite, wiederum gekontert von einer abermaligen US-Reaktion. Mit Blick auf die jüngste Stufe des Konflikts, also dem Inkrafttreten von Zöllen auf chinesische Importe am 6.Juli, scheint dieses Aufschaukeln – zumindest für den Moment – unterbrochen. Es ist klar, dass damit noch keine Rückkehr zu einem verlässlichen System des (WTO-) regelbasierten, internationalen Warenaustauschs garantiert ist. Für die Kapitalmärkte zumindest ist bereits das Ausbleiben weiterer Drohbotschaften eine gute Nachricht.

Gleichzeitig trugen die unaufgeregten und sachlichen Kommentare der Notenbanken zur Bedeutung des Handelsstreits  zur Beruhigung bei. Offensichtlich schenken die Währungshüter dem Thema zwar durchaus Beachtung, es scheint aber so, dass die geldpolitische Normalisierung davon nicht gestoppt werden dürfte. Die erneut unterstrichene Berechenbarkeit der Geldpolitik gibt Erwartungssicherheit und verleiht den Kapitalmärkten Stabilität.


Dies gilt auch mit Blick auf das konjunkturelle Bild. So haben sich zuletzt eine Reihe von Frühindikatoren wieder stabilisiert bzw. sogar verbessert. Für die USA zeigen das sowohl der auf 60,2 Punkte angestiegene ISM-Manufacturing-Index als auch der starke Arbeitsmarktbericht. Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten läuft also nach wie vor gut, ohne jedoch bereits starken Inflationsdruck zu erzeugen. Damit gibt es keinen Druck auf die US-Notenbank Fed, ihren geldpolitischen Straffungskurs zu beschleunigen. In Europa waren die jüngsten Einkaufsmanagerindizes ebenfalls relativ stabil. Auch der Union Investment Frühindikator für die Eurozone (ELI) zeigt sich verbessert. Nimmt man diese Faktoren zusammen, so spricht aus Sicht des UIC viel für eine Konjunkturabkühlung, nicht aber für ein Abrutschen unter das Potenzialwachstum.

Schließlich hat sich auch die politische Situation in Europa beruhigt. Aus Rom waren in den vergangenen Wochen keine finanzpolitischen Vorstöße mehr in Richtung Brüssel, Berlin oder Paris zu vernehmen. Gerade diese Gedankenspiele hatten aber die Investoren im Frühsommer besorgt aufhorchen lassen. Aktuell scheint die italienische Regierungskoalition hingegen vor allem mit dem Thema Migration beschäftigt, was für die Kapitalmärkte ein deutlich geringeres Störpotenzial aufweist. Und: Italien verabschiedet sich mehr und mehr in die Sommerferien. Schon alleine aus diesem (profanen) Grund ist kurzfristig nicht mit neuen fiskalpolitischen Initiativen zu rechnen. Ergänzt wird das politische Bild in Europa durch die öffentlichkeitswirksame Einigung zwischen CDU und CSU in der Flüchtlingsfrage. Ob damit die zugrundeliegenden Meinungskonflikte (ganz zu schweigen von den tatsächlichen Problemen) wirklich gelöst sind, sei dahin gestellt. Klar ist aber: Ein Auseinanderbrechen der deutschen Regierung ist für den Moment deutlich unwahrscheinlicher geworden.

Diese Punkte zusammengenommen lassen aus Sicht des UIC die Risikoeinschätzung positiver ausfallen als noch vor wenigen Wochen. Darüber hinaus hat sich das zuvor stark asymmetrische Chance-Risiko-Verhältnis wieder etwas verbessert, weil durch die jüngsten Preisbewegungen einige der Risiken mittlerweile stärker in den Kursen abgebildet werden. In den vergangenen Wochen wiesen die Chartverläufe eine hohe Dispersion auf und zeigten damit, dass gerade in den exponierten Bereichen des Kapitalmarktes die Risiken mehr Berücksichtigung gefunden haben. Nichtsdestotrotz bleibt das Umfeld nach vorne blickend herausfordernd, ungeachtet der heutigen Entscheidung. 
 

Unsere Positionierung

Positionierung 09. Juli 2018
Stand: 09. Juli 2018
  1. 1 Erläuterung: Zur Festlegung der Anlagestrategie wird zunächst das Marktumfeld genau analysiert. Das Ergebnis schlägt sich in einer Risikoeinschätzung nieder. Dazu formuliert das Union Investment Committee eine Risk-on- / Risk-off-Entscheidung in fünf Stufen (1, 2, 3, 4, 5). Diese ist wie folgt zu interpretieren: Eine „5“ steht für eine hohe Risikoneigung, eine „1“ für einen weitgehenden Rückzug aus Risikoanlagen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen:
09. Juli 2018, soweit nicht anders angegeben.

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