Neues von den Märkten

Neues von den Märkten: Mai

Erhalten Sie im Monatsbericht "Neues von den Märkten" einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen. Ergänzt wird der Monatsbericht durch aktuelle Kapitalmarktprognosen.

Union Investment mit moderat offensiver Risiko-Ausrichtung

Positionierung moderat offensiv,

RoRo-Meter auf 4

RoRo-Meter 4

Seit der letzten Sitzung des Union Investment Committee (UIC) haben sich die Märkte ein gutes Stück nach oben bewegt. Alleine deutsche Aktien haben, gemessen am DAX, etwa 800 Punkte und damit über sechs Prozent zugelegt. Zwar bedeuten höhere Levels auch, dass die Kapitalmärkte etwas anfälliger für exogene Störfeuer sind. Dennoch hat das UIC im Rahmen seiner regulären Sitzung am 23. und 24. April seinen moderat offensiven Kurs (RoRo-Meter Stufe 4) bestätigt, denn für den Moment besteht aus Sicht des Gremiums noch weiter Luft nach oben. Gleichwohl betont das UIC seine besondere Wachsamkeit: Mögliche Risiken könnten sich beispielsweise im Fall einer neuerlichen Eskalation des Handelsstreits ergeben. Daneben mahnen geopolitische Entwicklungen zu erhöhter Aufmerksamkeit. Für den Moment behält das UIC seine Portfolioausrichtung aber unverändert bei: Aktien bleiben über- und Rentenanlagen untergewichtet.

Stabilisierung der Einkaufsmanagerindizes

Noch im März fußte die positive Einschätzung im Wesentlichen auf drei Faktoren: 1. der Erwartung, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China nicht eskaliert; 2. dem prognostizierten guten Verlauf der Berichtssaison; und 3. der Überzeugung, dass sich die Weltkonjunktur auf hohem Niveau weiter stabil entwickelt. Vor allem mit Blick auf den Handelsstreit ist die Nachrichtenlage ruhiger geworden. Zwar muss angesichts der Unberechenbarkeit der US-Administration jederzeit mit neuen Unwägbarkeiten gerechnet werden. Gleichermaßen bleibt aber festzuhalten, dass China bislang sehr besonnen und wenig konfrontativ reagiert hat. In bestimmten Bereichen (zum Beispiel Finanz- oder Automobilindustrie) hat Peking sogar eine mögliche Öffnung seines heimischen Marktes signalisiert. Auch die Erwartung eines guten Verlaufs der Berichtssaison zum ersten Quartal 2018 hat sich bislang bestätigt. Etwas Nervosität könnte indes beim Blick auf die aktuelle Konjunkturentwicklung aufkommen, denn die Union Investment-Frühindikatoren ULI, ELI und CLI bewegen sich derzeit allesamt in negativem Terrain. Dennoch vertritt das UIC die Meinung, dass dieses Bild nur vorübergehenden Charakter hat. Im Bereich der Einkaufsmanagerindizes zeichnet sich bereits eine Stabilisierung ab. Auch die vermeldeten industriellen Lageranpassungen könnten eine Gegenbewegung der Indikatoren einleiten. Unter dem Strich dürfte sich das Wachstumsmomentum zwar etwas abschwächen, dies aber auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Eine Rezession – die Angst vieler Marktteilnehmer – ist noch lange nicht in Sicht.

Die Inflationsentwicklung könnte in den nächsten Monaten aus statistischen Gründen etwas anziehen. Fraglich ist weiterhin, ob nachhaltig zyklischer Inflationsdruck aufkommen wird. Während das UIC im Euroraum kaum mit nennenswertem Preisdruck rechnet, werden auch die Fragezeichen im Fall der USA immer größer. Denn am Häusermarkt, der eine wichtige Komponente in der Berechnung der Kerninflation ist, ziehen die Preise nicht in dem Maße an, wie es in vergleichbaren Phasen vergangener Zyklen der Fall war. Mit Blick auf die Geldpolitik behält das UIC seine Erwartung der geldpolitischen Straffung in den USA und im Euroraum deshalb auch bei. Nachdem die Europäische Zentralbank ihre Anleiheankaufprogramme bis zum Ende des Jahres beenden sollte, dürften die Einlagenzinsen Mitte 2019 zunächst um 15 Basispunkte auf -0,25 Prozent und schließlich bis zum Jahresende 2019 auf null Prozent angehoben werden.

Charts des Monats: Marktstress hat wieder spürbar abgenommen; Aktienmärkte mit Aufholpotenzial

Entwicklung des Bank of America Merrill Lynch-Risikoindex sowie des MSCI World-Index und der Gewinnerwartungen
Entwicklung des Bank of America Merrill Lynch-Risikoindex sowie des MSCI World-Index und der Gewinnerwartungen

Quelle: Union Investment, Bloomberg, Factset, Stand: 24. April 2018.

Schwellenländer-Anleihen bevorzugt

Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries haben sich zuletzt der Drei-Prozent-Marke genähert. Vor allem in den vergangenen Tagen haben Bundesanleihen gleicher Laufzeit diese Entwicklung nachvollzogen – die Rendite stieg von 0,5 auf aktuell 0,63 Prozent. Das UIC rechnet kurzfristig eher mit einer Seitwärtsbewegung anstatt eines weiteren Renditeanstiegs. Das Durationssignal bleibt deshalb vorerst auf „neutral“. Da bis zum Jahresende aber wieder steigende Renditen zu erwarten sind, ist im weiteren Verlauf des Jahres mit Anpassungen zu rechnen. Sowohl bei US-Papieren als auch bei Bundesanleihen dürfte sich die Zinsstrukturkurve bis Mitte 2019 verflachen, wobei das Ausmaß der Verflachung bei Treasuries aufgrund der Zinspolitik der US-Notenbank Fed stärker ausfallen sollte. Die Liquiditätssituation bei Unternehmensanleihen hat sich wieder etwas entspannt. Auf Euro-High Yield-Anleihen lastet indes noch ein vergleichsweise hohes Neuemissionsvolumen – auch diese Effekte dürften jedoch von temporärer Dauer sein. Schwellenländer-Anleihen blicken im laufenden Jahr auf eine etwas schwächere Wertentwicklung zurück. Zu den Gründen zählen aber weniger die Spreads, die sich überwiegend seitwärts entwickelten, sondern vielmehr die anziehenden Treasury-Renditen. Grundsätzlich favorisiert das UIC nach wie vor Carry-Anleihen.

Die Berichtssaison zum ersten Quartal 2018 ist bislang äußerst positiv verlaufen. Die Gewinnerwartungen für US-Aktien liegen im Schnitt bei plus 20 Prozent, für globale Werte bei plus 14 Prozent. Vieles spricht für eine Fortsetzung des jüngsten Aufwärtstrends – hierzu zählen beispielsweise das eher neutrale Sentiment, aber auch die im Vergleich zum Jahresbeginn weniger offensive Positionierung vieler Investoren (unter anderem auch Hedge-Fonds).

Auch die Rohstoffnotierungen haben wieder spürbar angezogen. Vor allem Industriemetalle verzeichnete deutliche Preiszuwächse – zum Teil auch aufgrund der US-Sanktionen gegen das russische Unternehmen Rusal. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich im letzten Monat um über sechs Prozent auf rund 75 US-Dollar je Fass. Angesichts des erwarteten Einbruchs der venezolanischen Ölproduktion und der möglichen Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA rechnen viele Marktteilnehmer inzwischen mit einem Anstieg auf bis zu 80 US-Dollar. Gleichwohl existieren auch gegenläufige Effekte wie eine stark wachsende US-Ölproduktion sowie die inzwischen wieder stark einseitige „Long“-Positionierung der Ölinvestoren.

Seit nunmehr drei Monaten handelt der Euro zum US-Dollar in einer engen Bandbreite um die Marke von 1,23 US-Dollar je Euro. Es scheint, als ob sich die einzelnen, in verschiedene Richtungen wirkenden Triebkräfte der Währungsrelation (Zinsdifferential, wirtschaftliche Dynamik, außenwirtschaftliche Ungleichgewichte, Attraktivität von Finanzanlagen) gegenseitig aufheben. Das UIC rechnet auf mittlere Sicht weiter mit einem schwächeren US-Dollar und behält seine Jahresendprognose von 1,30 US-Dollar je Euro bei. Auch im kommenden Jahr 2019 sollte sich diese Entwicklung weiter fortsetzen.

Globale Wandelanleihen wiesen in den vergangenen vier Wochen eine Aufwärtstendenz auf. Obwohl weiterhin starke Schwankungen an den regionalen Aktienmärkten zu verzeichnen waren, bewegte sich der Wandelanleihemarkt relativ stetig in den positiven Bereich. Der weltweite Markt für Wandelanleihen ist durch die relativ niedrige Zinssensitivität von den tendenziell steigenden Renditen wenig betroffen. Die globale Neuemissionstätigkeit war im April verhalten. Nur in den USA zog die Aktivität etwas an. Mit einer Aktiensensitivität von rund 50 Prozent sind Wandelanleihen weiterhin mit einem attraktiven Maß an Konvexität ausgestattet.

Die Perspektiven am Geldmarkt sind für Investoren unattraktiv.

Unsere Positionierung

Positionierung 24. April 2018
Stand: 24. April 2018
  1. 1 Erläuterung: Zur Festlegung der Anlagestrategie wird zunächst das Marktumfeld genau analysiert. Das Ergebnis schlägt sich in einer Risikoeinschätzung nieder. Dazu formuliert das Union Investment Committee eine Risk-on- / Risk-off-Entscheidung in fünf Stufen (1, 2, 3, 4, 5). Diese ist wie folgt zu interpretieren: Eine „5“ steht für eine hohe Risikoneigung, eine „1“ für einen weitgehenden Rückzug aus Risikoanlagen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen:
24. April 2018, soweit nicht anders angegeben.