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Neues von den Märkten

Erhalten Sie im Monatsbericht "Neues von den Märkten" einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen. Ergänzt wird der Monatsbericht durch aktuelle Kapitalmarktprognosen.

Marktmeinung

Union Investment mit moderat offensiver Risiko-Ausrichtung

Positionierung moderat offensiv, RoRo-Meter wieder auf 4

RoRo-Meter

Es weht ein frischer Wind durch Frankreichs Politik: Bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hat Emmanuel Macron den Sieg davon getragen. Damit kommt es in der Stichwahl zum erwarteten Duell zwischen dem Shooting-Star der Pariser Politik-Szene und der Rechtspopulistin Le Pen um den Einzug in den Élysée-Palast. Zwar ist dieser Ausgang keine wirkliche Überraschung, sondern entspricht recht genau den Schätzungen der Meinungsforscher. Dennoch hatte die Mischung aus latentem Investoren-Misstrauen gegenüber Umfragen und der enormen Bedeutung Frankreichs für das politische Schicksal des Kontinents die Entwicklung an den europäischen Börsen in den letzten Wochen stark belastet. Mit dem Ergebnis des ersten Wahlgangs hat das Risiko eines politischen „Unfalls“ in Frankreich nun deutlich abgenommen. Die Umfragen sehen für die Stichwahl am 7. Mai einen klaren Vorsprung Macrons vor Le Pen. Als Kandidat der Mitte ist Macron sowohl für linke als auch für konservative Bevölkerungsschichten wählbar. Dadurch dürfte er vermutlich einen Großteil der Bürgerinnen und Bürger für sich gewinnen können, die im ersten Urnengang noch einen der unterlegenen Protagonisten unterstützt hatten.

Für den Moment scheinen die atmosphärischen Störungen daher vorerst vom Tisch: Das politische Risiko in Europa sinkt und wird ausgepreist. Das Union Investment Committee (UIC) hat vor diesem Hintergrund eine Anpassung seiner Risikoeinschätzung auf RoRo-Meter Stufe 4 vorgenommen. Mit Blick auf die nächsten Wochen dürften fundamentale Faktoren stärker in den Vordergrund rücken. Und hier überwiegen die marktfreundlichen Kräfte: Angefangen vom synchronen Wachstumstrend der wichtigsten Regionen, dem geldpolitischen Ausblick bis hin zu den verbesserten Gewinnperspektiven der Unternehmen sind die Vorzeichen konstruktiv.

Marktumfeld: Schwellenländer profitieren vom anziehenden Welthandel

In der Eurozone und den Emerging Markets fallen die Frühindikatoren besonders gut aus. Für den Euroraum stimmt dieser Befund schon länger, auch Frankreich zeigt starke Daten. Die Schwellenländer profitieren überproportional vom internationalen Warenaustausch. Sowohl der innerasiatische Handel als auch der Austausch zwischen Asien und Europa hat sich zuletzt deutlich verbessert und zu positiven Wachstumsüberraschungen beigetragen. Die Volkswirte von Union Investment haben daher ihre Wachstumsschätzungen für die Emerging Markets für die Jahre 2017 und 2018 angehoben. In den USA flacht das Momentum zwar ab, aber die Volkswirtschaft bleibt auf Erholungskurs. Auch aus China kommen vielversprechende Signale. Damit verfestigt sich das Bild einer synchronen Aufwärtsbewegung der Weltwirtschaft.

Mit Blick auf die Notenbanken geht das UIC unverändert von zwei weiteren Leitzinsanhebungen in den USA im Jahr 2017 aus. Der Erhöhungspfad bleibt damit moderat. Der zuletzt öffentlich vermehrt diskutierte, graduelle Abbau der von der US-Notenbank gehaltenen Anleihebestände dürfte nach Einschätzung des Gremiums erst gegen Jahresende auf die Agenda der Fed rücken. Auch in diesem Kontext rechnet das UIC mit einer Fortführung der bislang betriebenen Straffungspolitik mit Augenmaß. In der Eurozone wird derweil im weiteren Jahresverlauf eine erneute Verringerung der monatlichen Anleiheankäufe zunehmend wahrscheinlich. Eine Zinsanhebung im Vorfeld von Tapering-Maßnahmen erwartet das UIC zwar nicht, allerdings ist ein solcher Schritt mittlerweile auch nicht mehr auszuschließen.

Charts des Monats: Rückläufige Spreads bei europäischen Staatsanleihen, Reinvestitionspolitik der Fed rückt in den Fokus

Risikoaufschläge europäischer Staatsanleihen und Union Investment-Szenarien für Zinserhöhungen in den USA
Charts des Monats 25.04.2017
Quelle: Bloomberg, Union Investment, Stand: 25. April 2017.

Asset-Klassen: Aktienmärkte der Eurozone attraktiv

Der Ausgang der Frankreich-Wahl hat am Rentenmarkt deutliche Spuren hinterlassen, die Risikoaufschläge von französischen gegenüber deutschen Staatspapieren haben sich merklich eingeengt. Nach vorne gerichtet dürften vor allem Staatspapiere aus der Peripherie profitieren. Allerdings schränken idiosynkratische Themen und der absehbare Teil-Verlust von EZB-Unterstützung die Perspektiven ein. Gegen ein Investment in Staatsanleihen der Euro-Kernländer spricht neben der rückläufigen Zentralbankunterstützung auch die anziehende Wirtschaftsdynamik. Der durch ölpreisbedingte Basiseffekte erreichte Hochpunkt der Inflationsraten scheint überschritten. Mit einem Rückfall in disinflationäre Tendenzen ist aber nicht zu rechnen, so dass auch aus dieser Richtung keine unterstützenden Impulse für die Core-Rentenmärkte der Eurozone zu erwarten sind.

Mit dem Rückgang des politischen Risikos im Euroraum wird die Anlageregion zunehmend wieder interessant für Investoren aus Übersee. Die Mittelzuflüsse haben bereits merklich angezogen, der Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Hinzu kommt eine verbesserte Ertragslage der Unternehmen. Die Gewinnrevisionen europäischer Konzerne sind auf ein Zweijahreshoch geklettert. Der Start der Quartalsberichtssaison fiel zudem ermutigend aus. Das UIC favorisiert unter den entwickelten Ländern vor allem die Aktienmärkte der Eurozone. In den Schwellenländern schlägt sich die weltwirtschaftliche Belebung positiv auf die Anlageperspektiven nieder. Lateinamerika profitiert von stabilen Rohstoffpreisen, Asien von stärkerem Handel und positiven Impulsen aus China, Osteuropa wird von der Eurozone (und dem Ölpreis) mitgezogen. Der nach wie vor erhebliche Bewertungsabschlag gegenüber den etablierten Märkten unterstreicht die Attraktivität der Schwellenländer-Aktienmärkte.

Im Verhältnis zwischen Euro und US-Dollar scheint der Boden erreicht. Das perspektivische Nachlassen der EZB-Stimuli, die realwirtschaftliche Devisennachfrage sowie die Aussicht auf eine weiter verringerte politische Risikoprämie sprechen für eine Aufwertung der Gemeinschaftswährung im Jahresverlauf. Im Vorfeld des zweiten Wahlgangs in Frankreich erscheint im aktuellen Umfeld jedoch eine abwartende Haltung angeraten. Beim Britischen Pfund haben mit der Ankündigung von Neuwahlen durch Premierministerin Theresa May ebenfalls die politischen Unsicherheitsfaktoren etwas abgenommen. Dem stehen jedoch die Fragezeichen hinter den wirtschaftlichen Aussichten des Vereinigten Königreichs entgegen.

Am Rohölmarkt ist 2017 mit einer Fortsetzung des Nachfrageüberhangs zu rechnen, sodass der historisch hohe Lagerbestand über die kommenden Monate schrittweise sinken dürfte. Das UIC rechnet damit, dass die Förderbeschränkungen der OPEC-Länder weiter Bestand haben. In den USA dürfte die Produktion von „shale oil“ zwar zulegen, jedoch die Drosselung der traditionellen Förderstaaten nicht vollständig kompensieren.

Globale Wandelanleihen bleiben aufgrund der Kombination aus fairer Bewertung und attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis hinsichtlich der Aktienpartizipation aussichtsreich. Die stabilen Zuflüsse der letzten vier Wochen sorgten dafür, dass die Bewertung weltweit leicht angestiegen ist. Der marktfreundliche Ausgang der Frankreich-Wahl führte zu einer kurzfristigen Verteuerung französischer Titel und einer leichten Belastung zinssensitiver europäischer Werte. Die insgesamt positive Entwicklung der letzten Wochen war vor allem auf den freundlichen Trend der globalen Aktienmärkte zurückzuführen. Die durchschnittlich erwartete Aktiensensitivität des Marktes liegt im ausgewogenen Bereich bei leicht über 50 Prozent.

Trotz leichtem Renditeanstieg bleiben die Perspektiven am Geldmarkt für Investoren unattraktiv.

Unsere Positionierung

Positionierung 25.04.2017
Stand: 25. April 2017
  1. 1 Erläuterung: Zur Festlegung der Anlagestrategie wird zunächst das Marktumfeld genau analysiert. Das Ergebnis schlägt sich in einer Risikoeinschätzung nieder. Dazu formuliert das Union Investment Committee eine Risk-on- / Risk-off-Entscheidung in fünf Stufen (1, 2, 3, 4, 5). Diese ist wie folgt zu interpretieren: Eine „5“ steht für eine hohe Risikoneigung, eine „1“ für einen weitgehenden Rückzug aus Risikoanlagen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen:
25. April 2017, soweit nicht anders angegeben.