UnionInvestment_M01_0248

Neues von den Märkten

Erhalten Sie im Monatsbericht "Neues von den Märkten" einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen. Ergänzt wird der Monatsbericht durch aktuelle Kapitalmarktprognosen.

Marktmeinung

Union Investment mit neutraler Risiko-Ausrichtung

Positionierung neutral, RoRo-Meter auf 3

RoRo-Meter auf 3

Das ohnehin schon gute Fundamentalbild hat sich in den vergangenen Wochen zwar etwas verbessert und würde eine etwas offensivere Risikopositionierung durchaus rechtfertigen. Allerdings: Mit dem neuerlichen Raketentest Nordkoreas haben geopolitische Risiken in dieser Woche wieder Einzug am Kapitalmarkt erhalten. Die Börsen reagierten mit deutlichen Kursverlusten auf die schwer einzuschätzende Situation. Das UIC möchte sich in diesem Umfeld nicht gegen die kurzfristig aufgekommene Unsicherheit stellen und hat seine neutrale Risikopositionierung auf seiner regulären Sitzung am 28. und 29. August deshalb vorerst beibehalten (RoRo-Meter Stufe 3)1.

Die politische Lage ist vor allem deshalb so prekär, da man sich im Fall des Protagonisten Kim Jong-un nicht sicher sein kann, ob das Undenkbare nicht plötzlich möglich werden könnte. Daher unterscheidet sich der Nordkorea-Konflikt merklich von den meisten anderen geopolitischen Brandherden. Ein anderer „Störenfried“ ist Donald Trump – nicht nur wegen des Verbalkonflikts mit Nordkorea, sondern auch, da in Washington die Haushaltsverhandlungen für das Fiskaljahr 2017/2018 anstehen. Spekulationen zufolge könnte Trump sein Vetorecht dazu nutzen, um das Budget für den Bau der Mauer zu Mexiko durchzudrücken. Zusätzlich werden die USA im Oktober die Schuldenobergrenze erreichen. Sollten sich die Beteiligten auf keine Anhebung dieser Grenze einigen, käme es zu einem „Default“: Die USA könnten temporär keine Zinsen auf ihre Staatspapiere zahlen. Mit dem Eintritt dieses Szenarios rechnet kaum ein Marktteilnehmer. Viel wahrscheinlicher ist hingegen, dass es im Zuge der Haushaltsdiskussionen zu einem „Government Shutdown“ kommt, dem Stillstand in der US-Verwaltung. Solche Schließungen haben die Märkte in den vergangenen Jahren vergleichsweise gut verkraftet. Allerdings könnten die Diskussionen unter US-Präsident Trump deutlich bewegter werden.

Marktumfeld: Robustes Wachstum bei moderatem Inflationsdruck

Das Fundamentalbild stellt sich nach wie vor positiv dar, die Growth Surprise-Indizes haben in den Industrieländern sogar nach oben gedreht. Im Vergleich zu den Vormonaten hat das Konjunkturmomentum in den USA wieder etwas an Dynamik gewonnen, auch im Euroraum entwickeln sich die Einkaufsmanagerindizes weiter solide. Die Gefahr einer Wachstumsabschwächung ist vorerst eher gering.

Auch mit Blick auf die Inflationsentwicklung gibt es kaum Neuigkeiten. Nach wie vor verharren die Teuerungsraten auf (zu) niedrigem Niveau. In den USA beispielsweise ging die Inflationsrate in den vergangenen fünf Monaten sogar tendenziell etwas zurück – und das, obwohl am Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung herrscht. Die Märkte haben einen Anstieg der Teuerungsraten mittlerweile wieder ausgepreist, die Inflationserwartungen sind deutlich zurückgekommen. Das ist gleichzeitig auch ein Erklärungsansatz dafür, warum viele Marktteilnehmer den Fed-Projektionen misstrauen: Nach wie vor besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Zinserwartungen der Fed-Mitglieder und den am Markt gehandelten Fed Fund-Futures. Das Notenbanksymposium im US-amerikanischen Jackson Hole Ende August gab keinen Aufschluss über den weiteren geldpolitischen Kurs der großen Notenbanken. Fed-Chefin Janet Yellen äußerte sich lediglich zu Regulierungsfragen, auch EZB-Präsident Mario Draghi hielt sich bezüglich der künftigen Ausrichtung der Geldpolitik bedeckt. Das UIC rechnet nach wie vor damit, dass die europäische Notenbank im Herbst die Rückführung des Wertpapier-Ankaufprogramms ankündigen wird (Tapering).

Charts des Monats: Wachstumsdynamik zieht etwas an, Metalle zuletzt mit Outperformance

Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes im Verarbeitenden Gewerbe und Performance der Rohstoffindizes seit Jahresbeginn
Charts des Monats 29.08.2017
Quelle: Union Investment, Bloomberg, Stand: 29. August 2017

Asset-Klassen: Energierohstoffe attraktiv

Seit ihrem Hoch in der ersten Juli-Hälfte sind die Renditen zehnjähriger US-Treasuries und Bundesanleihen wieder deutlich zurückgegangen. Das UIC sieht in diesem Renditerückgang keinen systematischen Trend, im Gegenteil: Gemessen an den wirtschaftlichen Rahmendaten sind die Renditen ökonomisch schlichtweg zu niedrig. Anleihen aus der Euroland-Peripherie und Corporate Bonds entwickelten sich zuletzt freundlich. Mit dem näherrückenden Termin, an dem die EZB den Beginn des Taperings in Aussicht stellt, könnte es in diesen Anleihesegmenten jedoch etwas unruhiger werden. Grund zu echter Sorge besteht angesichts des robusten Konjunkturbildes indes nicht (Ausnahme: Italien). Zudem haben viele Staaten ihre Refinanzierungen vorgezogen – einer durch reduzierte EZB-Wertpapierkäufe geringeren Nachfrage stünde damit auch ein niedrigeres Angebot gegenüber. Im Bereich der Investment Grade-Corporate Bonds rechnet das UIC nach den ruhigen Sommermonaten mit einem deutlich anziehenden Neuemissionsvolumen. Da das höhere Angebot zu einer Ausweitung der Risikoaufschläge führen könnte, wurde die Positionierung in der Anlageklasse neutralisiert.

Die Performanceschere zwischen den Aktienmärkten der Schwellenländer und der entwickelten Welt ist in den vergangenen Wochen spürbar auseinander gegangen. Das schlechtere Abschneiden der Industrieländer (vor allem europäischer Aktien) ist vor allem auf den starken Euro zurückzuführen. Abseits der geopolitischen Turbulenzen bleibt der Blick nach vorne positiv: Das robuste Makromomentum dürfte im laufenden Jahr zu einem zweistelligen Gewinnwachstum führen (MSCI World: +14 Prozent). Zuversichtlich stimmt überdies, dass auch die Gewinnrevisionen der Analysten zuletzt wieder nach oben gedreht haben (Ausnahme: Energiesektor). In den Schwellenländern steht die Entwicklung zunehmend auf breiteren Beinen: Noch in der ersten Jahreshälfte zählten vor allem IT-Aktien aus Asien zu den Performancetreibern. In den vergangenen Wochen lieferten nun auch Rohstoff-Unternehmen aus Lateinamerika und den EMEA-Ländern positive Wertbeiträge. Nach vorne gerichtet dürften die aufstrebenden Volkswirtschaften insbesondere von der anhaltenden Schwäche des US-Dollars profitieren.

Am Rohölmarkt scheint sich das vom UIC erwartete Szenario nach und nach zu materialisieren: Die Ölnachfrage steigt, zeitgleich halten sich die OPEC-Produzenten an die vereinbarten Produktionskürzungen. Der Hurrikan „Harvey“ sorgte für die vorübergehende Schließung von Raffinerien im US-Bundesstaat Texas. Dies führte zwar zu einem kurzfristigen Anstieg der Rohölvorräte in den USA, auf globaler Ebene geht das UIC aber weiter von sinkenden Lagerbeständen aus. In Summe verstärkt sich dadurch die Tendenz zu einem Angebotsdefizit. Da die Wahrscheinlichkeit höherer Ölnotierungen hierdurch steigt, hat das UIC seine Positionierung ausgebaut. Anders ist das Bild bei Edelmetallen: Der Goldpreis kletterte angesichts der geopolitischen Unsicherheit zuletzt zwar auf den höchsten Stand seit Herbst 2016, die ETF-Zuflüsse sind seit Mai jedoch rückläufig. Solange sich das Realzinsniveau nicht ändert, fehlen die Treiber für eine Fortsetzung der guten Entwicklung.

Der Euro ist gegenüber dem US-Dollar zuletzt über die Marke von 1,20 gesprungen. Neben Positionsbereinigungen dürfte vor allem die konjunkturelle Zuversicht für den Euroraum und – im Umkehrschluss – die politische Skepsis gegenüber den USA zur Entwicklung beigetragen haben.

Globale Wandelanleihen bleiben aufgrund der Kombination aus fairer Bewertung und attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis hinsichtlich der Aktienpartizipation aussichtsreich. Die Anlageklasse tendierte in den letzten vier Wochen etwas leichter, Wandelanleihen aus Japan lieferten die beste Performance. Angesichts der Sommermonate blieb die Neuemissionstätigkeit gering, was das Bewertungsniveau gestützt hat. Die erwartete Aktiensensitivität liegt mit rund 46 Prozent weiterhin im ausgewogenen Bereich und lässt somit einen signifikanten Grad an Konvexität erwarten.

Die Perspektiven am Geldmarkt sind für Investoren unattraktiv.

Unsere Positionierung

Positionierung 29. August 2017
Stand: 29. August 2017
  1. 1 Erläuterung: Zur Festlegung der Anlagestrategie wird zunächst das Marktumfeld genau analysiert. Das Ergebnis schlägt sich in einer Risikoeinschätzung nieder. Dazu formuliert das Union Investment Committee eine Risk-on- / Risk-off-Entscheidung in fünf Stufen (1, 2, 3, 4, 5). Diese ist wie folgt zu interpretieren: Eine „5“ steht für eine hohe Risikoneigung, eine „1“ für einen weitgehenden Rückzug aus Risikoanlagen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen:
29. August 2017, soweit nicht anders angegeben.