Union Investment bestätigt neutrale Risikoausrichtung

UIC stellt sich etwas vorsichtiger auf

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Risikoausrichtung bleibt bei RoRo-Meter Stufe 3

RoRo-Meter auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hat sich im Rahmen seiner regulären August-Sitzung etwas defensiver positioniert. Zwar wurde die Risikoausrichtung auf RoRo-Meter 3 belassen. Auf Ebene der (Sub-)Assetklassen gab es jedoch Anpassungen, mit denen das Musterportfolio vorsichtiger aufgestellt wurde. Hintergrund der Entscheidung ist ein erwarteter Wechsel der maßgeblichen Kapitalmarkttreiber. Waren in den vergangenen Monaten die Notenbanken oft ausschlaggebend, so rechnet das UIC nun mit einer größeren Bedeutung der Konjunktur. In Erwartung einer expansiven Geldpolitik in den USA und der Eurozone wurden die schwachen Makrodaten an den Börsen bislang nur begrenzt in den Kursen berücksichtigt. Das dürfte sich graduell ändern. Denn: Die Frühindikatoren deuten auf eine Fortsetzung der weltweiten Wachstumsschwäche hin – insbesondere in den besonders vom Welthandel abhängigen Volkswirtschaften. Für die Kapitalmärkte bedeutet das ein eher unruhiges Umfeld, in dem in Summe die negativen Begleitumstände überwiegen.

Weitere Abschwächung des globalen Wachstums

Die jüngste Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China bewirkt abermals eine Zunahme der Unsicherheit – nicht nur an den Kapitalmärkten, sondern vor allem auch in der Realwirtschaft. Unternehmerische Entscheidungen wie Investitionen werden in der Hoffnung auf eine Einigung so lange wie möglich hinausgezögert. Hinter der Auseinandersetzung verbirgt sich jedoch mehr als nur Handelspolitik. Letztlich steht dahinter ein latenter Hegemonialkonflikt. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung der Streitigkeiten hoch.

Aus konjunktureller Perspektive ist daher damit zu rechnen, dass der Gegenwind gerade für offene Volkswirtschaften anhalten dürfte. China und Deutschland sind prominente Beispiele. Sollte sich die Lage dort weiter verschlimmern, sind fiskalpolitische Maßnahmen durchaus wahrscheinlich. Das UIC geht damit in Summe von einer weiteren Abschwächung des weltweiten Wachstums aus. Das betrifft auch die größten Einzelvolkswirtschaften, wenn auch in abgestuftem Ausmaß. Eine globale Rezession wird jedoch nicht erwartet. Auch in den USA stehen die Zeichen nur auf weniger Wachstum, nicht aber auf Kontraktion.

Geldpolitik verliert an Traktion

Das UIC hält an seiner Einschätzung von bevorstehenden geldpolitischen Lockerungen in den USA und der Eurozone weiter fest. Bereits im September dürften demnach sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen senken. Bei der EZB sollten darüber hinaus ein Staffelzins für die Einlagefazilität und die Ankündigung einer Wiederaufnahme des Anleiheankaufprogramms auf der Agenda stehen.

Die Zentralbanken werden also durchaus entschlossen handeln. Allerdings wird es schwierig, die hohen Markterwartungen zu übertreffen, gerade bei der EZB. Und auch realwirtschaftlich verliert die Geldpolitik an Traktion. Dies liegt zum einen an der hohen Unsicherheit. Zum anderen folgen aber auch geldpolitische Stimuli dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. In einer Null- oder Negativzinswelt (wie im Euroraum) ist der Mehrwert weiterer Schritte daher vergleichsweise gering. In den USA, wo erstens noch mehr Spielraum zur Verfügung steht und zweitens der handelspolitische Niederschlag geringer ist, dürfte die Wirkung noch größer ausfallen.

Charts des Monats: US-Konjunktur zeigt sich noch vergleichsweise robust

US-Einzelhandelsumsätze / US-Konsumentenvertrauen
Charts des Monats: US-Konjunktur zeigt sich noch vergleichsweise robust
Quelle: Bloomberg; Stand: 27. August 2019

Asset-Klassen: Favoritenwechsel bei Aktien – Industrieländer vor Entwicklungsländern

 

Fokus auf Carry beibehalten

Im Gegensatz zu den anderen Anlageklassen wird die Geldpolitik für die Rentenmärkte im Euroraum weiterhin ein zentraler Faktor bleiben. Die für September erwartete Zinssenkung und die Auflage eines neuen Ankaufsprogramms dürfte, ebenso wie die anhaltende Suche nach Rendite, insbesondere die Spread-Anlageklassen perspektivisch weiter unterstützen. Daher bleiben Investment Grade-Unternehmensanleihen unter den Euro-Papieren favorisiert. Staatsanleihen aus den Schwellenländern sind durch die niedrigen Realrenditen und stabile Ölpreise gut unterstützt. Das UIC hält daher an seiner Rentenpositionierung fest.

Industrieländer-Aktien neutral, Schwellenländer-Titel untergewichtet

Das UIC bleibt bei Aktien untergewichtet. Allerdings hat das Gremium innerhalb der Assetklasse eine Umschichtung vorgenommen. Aktien der Industrieländer (DM), die vorher untergewichtet waren, stuft das UIC auf eine neutrale Gewichtung hoch. Das ist im Wesentlichen durch die hohe Gewichtung der USA im DM-Aktienblock begründet. Das Makrobild schwächt sich zwar in den USA auch allmählich ab, befindet sich aber noch auf einem höheren Niveau als beispielsweise in der Eurozone. Dagegen hat das UIC Aktien der Schwellenländer untergewichtet. Die Emerging Markets (EM) leiden durch ihre Verflechtung in den Welthandel unter dem Handelsstreit und der wirtschaftlichen Abschwächung.

Industriemetalle und Energierohstoffe untergewichtet

Das abgeschwächte konjunkturelle Umfeld wirkt sich negativ auf zyklische Rohstoffe aus. Industriemetalle leiden unter dem schwächeren Welthandel. Ein Großteil der Nachfrage stammt aus China, das unter der wirtschaftlichen Eintrübung und dem Handelsstreit leidet. Da es derzeit noch kein Anzeichen für ein chinesisches Stimulusprogramm gibt, hat sich das Gremium für eine Short-Position bei Industriemetallen entschieden. Auch Energierohstoffe hängen stark an der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Durch die konjunkturelle Eintrübung dürfte sich die Nachfrage in den kommenden Monaten abschwächen, was weiteren Druck auf den Preis ausüben sollte. Das UIC gewichtet Energierohstoffe unter.

US-Dollar versus Pfund Sterling

Politische Themen dürften ein wichtiger Treiber für die Währungsmärkte bleiben. Das gilt auch für das Pfund Sterling. In Großbritannien stehen die Vorzeichen auf Neuwahlen. Scheinbar gelingt es Premierminister Boris Johnson jedoch, den Wahltermin auf die Zeit nach dem 31. Oktober zu schieben. Zuletzt, ist mit den Niederlagen von Premierminister Boris Johnson im Parlament ein Brexit ohne Abkommen (No Deal-Brexit) zumindest kurzfristig deutlich unwahrscheinlicher geworden. 

Die nachlassende Wirkung der Geldpolitik sollte sich perspektivisch auch beim US-Dollar bemerkbar machen, obwohl die Fed unter den großen Notenbanken mit Abstand die meisten geldpolitischen Möglichkeiten hat. Die noch immer robuste Verfassung der US-Konjunktur – vor allem im Vergleich zu den stärker in den Welthandel eingebundenen Regionen wie dem Euroraum oder den asiatischen Emerging Markets – spricht ebenfalls für die US-Währung.

Aufwärtstrend bei Wandelanleihen gebrochen

Mit dem fallenden Aktienmarkt haben sich auch Wandelanleihen im August negativ entwickelt. Die Aktienmarktsensitivität reduzierte sich signifikant von 46 Prozent im Vormonat auf rund 39 Prozent. Die Bewertungen sind leicht zurückgegangen. Damit weisen  Wandelanleihen eine vergleichsweise niedrige Bewertung bei hoher Konvexität auf. Es gab vor allem in den USA einige große Neuemissionen, die gut vom Markt aufgenommen wurden.

Unsere Positionierung

Positionierung 06. September 2019
Quelle: Stand 06. September 2019. Die rechte Spalte der Positionierungsgrafik reflektiert die Veränderungen vom außerordentlichen UIC am 06.09 im Vergleich zum außerordentlichen UIC am 30.08.2019.

Stand aller Informationen und Darstellungen:
27. August 2019, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten

Neues von den Märkten: September

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 30. August 2019)