Union Investment bestätigt neutrale Risikoausrichtung

UIC gewichtet Aktien über
 

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Die US-Notenbank Fed senkte die Zinsen in den USA weiter - bei der EZB trat Christine Lagarde kürzlich die Nachfolge von Mario Draghi an. Welche Auswirkungen erwarten wir von diesen Veränderungen bei den großen Zentralbanken? Benjardin Gärtner, Head of Equities, kommentiert die jüngsten Entwicklungen.

Neutrale Risikoausrichtung bestätigt

RoRo-Meter auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hat auf seiner regulären Sitzung im Oktober die neutrale Risikoausrichtung (RoRo-Meter 3) bestätigt. Gleichzeitig wurde die Aktienquote leicht angehoben, indem das vorherige Untergewicht des Emerging Markets-Segments neutralisiert wurde. In Kombination mit dem bestehenden Übergewicht in den Industrieländern gibt es damit nun ein Übergewicht bei Aktien. Im Gegenzug wurde die Gewichtung von Staatsanleihen aus den Euro-Kernländern weiter reduziert. Die starke Betonung der Carry-Rentensegmente wurde dagegen explizit bestätigt. In den übrigen Bereichen gab es keine Anpassungen.

Die UIC-Entscheidung basiert auf dem Absinken von Risikoprämien in den vergangenen Wochen, bedingt durch Fortschritte bei Handelskonflikt und Brexit. Auch konjunkturell sind leichte Verbesserungen auszumachen. Eine durchgreifende wirtschaftliche Erholung steht hingegen weiter aus. Die Geldpolitik unterstützt zwar nach wie vor. Allerdings verlieren die Maßnahmen der Notenbanken nach Einschätzung des UIC perspektivisch an Einfluss. Dieses Gesamtbild rechtfertigt derzeit ein moderat-konstruktives Musterportfolio.  

Konjunktur stabilisiert sich

Das kurzfristige Konjunkturmomentum stabilisiert sich. Die proprietären UI-Frühindikatoren für die USA und die Europäische Währungsunion verbesserten sich zuletzt ebenso wie die Einkaufsmanagerindizes für viele Regionen. In geografischer Hinsicht fällt auf, dass auch im Euroraum (etwa aus Frankreich) positive Signale auszumachen waren. Die zuletzt konjunkturschwachen Volkswirtschaften Italiens und Deutschlands fielen zudem nicht weiter ab. In den weltweit maßgeblichen Wirtschaftsräumen USA und China waren die Daten hingegen uneindeutig. Für eine konjunkturelle Trendumkehr auf globaler Ebene ist es also noch zu früh.

Die jüngsten Annäherungen im Handelsstreit bedeuten zudem keine grundlegende Änderung der Situation und reichen daher nicht aus, um die Verspannungen im Welthandel aufzulösen. Das UIC hält daher an seinem moderaten Konjunkturbild mit Blick auf die kommenden Monate fest.

Geldpolitik: Die Fed hat geliefert

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am 30. Oktober, wie von Union Investment und dem Markt erwartet, das Leitzinsband um 25 Basispunkte gesenkt und sich alle Optionen für die nächsten Monate offen gehalten. Die Notenbank sollte ihre Politik perspektivisch weiterhin datenabhängig gestalten, wodurch die Hürden für eine weitere Zinssenkung gestiegen sind. Das UIC erachtet die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung im Dezember entsprechend für eher gering, wobei die Fed im Fall überraschend schlechter Makrozahlen durchaus zu einer Kehrtwende gezwungen sein könnte. Im Jahr 2020 dürfte es zwei weitere Zinssenkungen geben. Dies trägt unserer Erwartung eines schwächeren US-Wirtschaftswachstums Rechnung. Die Europäische Zentralbank (EZB) beginnt am 1. November mit ihrem neuen Ankaufprogramm. Union Investment geht davon aus, dass der Fokus der Maßnahme auf Unternehmensanleihen liegen wird, um mögliche Klagen (Stichwort Staatsfinanzierung) zu vermeiden.

Charts des Monats: Deutsche Exporterwartungen verbessern sich; Aufwärtsdruck bei sicheren Häfen

ifo-Exporterwartungen und Verlauf der 10-jährigen US-Staatsanleihen gegenüber 10-jähriger Bundesanleihen
Charts des Monats: Deutsche Exporterwartungen verbessern sich
Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters Datastream; Stand: 31. Oktober 2019

Asset-Klassen: Aktien übergewichtet

 

Renten insgesamt leicht untergewichtet

Die in der Breite abnehmende Risikoaversion dürfte zu einem anhaltenden leichten Aufwärtsdruck bei den Renditen von Staatsanleihen aus den Euro-Kernmärkten und Covered Bonds führen. Die Spread-Segmente sollten hingegen weiterhin durch die Suche nach Rendite sowie, im Fall von Investment Grade-Unternehmens- und Peripherieanleihen, von den beginnenden EZB-Käufen profitieren. Emerging Markets-Staatsanleihen dürften von einer Fed im Lockerungsmodus und einem schwächeren US-Dollar unterstützt werden. Bei High Yield-Unternehmensanleihen behält das Gremium aufgrund der schwachen Konjunkturlage seine vorsichtige Haltung bei.

Schwellenländer-Aktien auf neutral hochgestuft

Die zentralen Treiber der Aktienmärkte sind die Gewinnentwicklung und das globale Wachstum. Das Gewinnbild bei den Unternehmen ist weiterhin überwiegend solide, wie die Q3-Berichtssaison zeigt. Im Handelskonflikt zwischen den USA und China kam es zuletzt zu Entspannungssignalen. Diese Beruhigung wirkt sich insbesondere positiv auf China aus, das stark in den Welthandel eingebunden ist. Zudem spricht die jüngste Zinssenkung der Fed für einen tendenziell schwächeren US-Dollar, was die Emerging Markets unterstützt.

Keine Positionsänderung bei Rohstoffen

Die Produktionsausfälle bei Öl nach dem Drohnenangriff in Saudi-Arabien konnten schneller wieder aufgeholt werden als anfangs vermutet. Dennoch dürfte sich der Ölmarkt im vierten Quartal 2019 in einem – wenn auch geringeren – Angebotsdefizit befinden. Daneben lassen sich im Energiemarkt weiterhin attraktive Rollrenditen vereinnahmen. Das Gremium bleibt bei seinem Übergewicht in Energierohstoffen. Dagegen bleiben Edelmetalle untergewichtet. Insbesondere Gold ist im Zuge der in den vergangenen Monaten gesunkenen Realzinsen weit gelaufen und mittlerweile zu teuer. 

Abnehmende Risikoprämien bei Währungen

Eine abnehmende Risikoaversion, eine im internationalen Vergleich stärker gelockerte US-Geldpolitik in Verbindung mit einer höheren Inflationstoleranz der Fed sowie eine mögliche, etwas frühere konjunkturelle Erholung im Rest der Welt gegenüber den USA dürften den Aufwärtstrend des US-Dollars beenden. In Erwartung eines geordneten Ausscheidens Großbritanniens aus der Europäischen Union dürften auch die Risikoprämien im Pfund Sterling sinken und zu dessen Aufwertung führen.

Starker US-Wandelanleihenmarkt

Im Oktober konnte der US-Wandelanleihenmarkt fast eins zu eins an der Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte partizipieren. Der europäische Markt war vergleichsweise schwach und Asien inklusive Japan leicht positiv. Die Aktienmarktsensitivität lag bei etwa 47 Prozent. Wandelanleihen bieten damit weiterhin ein ausgewogenes Profil mit hoher Konvexität zur Aktienmarktentwicklung. Die Neuemissionen sind im Oktober aufgrund der Quartalsberichtssaison der Unternehmen deutlich zurückgegangen.

Unsere Positionierung

Positionierung 31. Oktober 2019
Stand 31. Oktober 2019

Stand aller Informationen und Darstellungen:
31. Oktober 2019, soweit nicht anders angegeben.

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Neues von den Märkten: November

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 05. November 2019)