UIC

EU-Gipfelergebnisse unterstützen
europäische Assets

UIC erhöht Übergewicht im Euro

RoRo-Meter auf 3, Risikoausrichtung bleibt neutral

RoRo-Meter bleibt auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hält an seiner neutralen Risikoausrichtung (RoRo-Meter 3) fest. Nach Einschätzung des Gremiums haben sich Konjunkturbild, geldpolitisches Umfeld und Pandemieentwicklung im Monatsvergleich nicht wesentlich verändert. Daher wurden die bestehenden Positionen im Musterportfolio – etwa in den Spread-Märkten und bei Absolute Return – bestätigt.

Hingegen stuft das UIC die Ergebnisse des jüngsten EU-Gipfels als Meilenstein bei der Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus ein. Neben dem mittelfristigen Finanzrahmen (MFF) für die nächsten sieben Jahre wurde unter dem Schlagwort „Next Generation EU“ (NGEU) ein Hilfspaket über 750 Milliarden Euro geschnürt. Dadurch dürfte das Wachstum um bis zu einem Prozentpunkt pro Jahr für die nächsten drei Jahre beschleunigt werden und das Risiko einer coronabedingten Folgekrise in Europa abnehmen.

Zudem entwickelt sich die EU institutionell weiter, etwa durch die Möglichkeit eigener Einnahmen. Trotz der schwierigen Verhandlungen ist der „Deal“ daher unter dem Strich auch ein politischer Fortschritt. Der Gipfel zeigt: Die EU ist handlungsfähig und zu einer Koordination ihrer Fiskalpolitik bereit. Das ist positiv für Europa und entlastet die Anti-Krisenpolitik der EZB. Europäische Assets dürften davon profitieren.

Daher hat das UIC zusätzlich zu bestehenden Gewichtungen bei Profiteuren der Vereinbarung (wie Peripherieanleihen) die Währungsposition akzentuiert. Konkret wird die bereits vorhandene Übergewichtung des Euro gegenüber dem US-Dollar um eine „long“-Position zum Japanischen Yen ergänzt.

Konjunkturbild bleibt fragil

Die wirtschaftliche Erholung verlief zuletzt kräftig. Sowohl externe als auch unsere hausinternen Frühindikatoren zeigten von niedrigen Niveaus steil aufwärts. Allerdings: Die Konjunktur bleibt fragil. In den USA laufen z.B. die Soforthilfen für die privaten Haushalte aus dem „CARES Act“ Ende Juli aus. Bislang haben diese Zahlungen den Rückgang der verfügbaren Einkommen zu einem Gutteil ausgeglichen. In Verbindung mit den regulären Unterstützungen sind die Einkommen netto sogar gestiegen. Schlägt eine Verlängerung im politisch aufgeheizten Klima des Vorwahlkampfes fehl, droht eine Konjunkturbelastung.

Hinzu kommen die Unwägbarkeiten der Pandemie. Hohe Infektionszahlen (wie in den USA) werden zu verstärkten Gegenmaßnahmen und damit rückläufiger Konjunkturdynamik führen. Diesen Mechanismus gilt es zu beachten, insbesondere da die Effekte zeitlich auseinanderklaffen. Im August ist daher ein Szenario denkbar, in dem die Konjunkturdaten schlechter, die Infektionszahlen aber wieder besser ausfallen.

Abwartende Geldpolitik

Nach der Aufstockung des „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) im Juni kam es auf der Juli-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu keiner Änderung der Geldpolitik. Für den Moment dürfte die Ausweitung der EZB Zeit verschafft haben, daher sind zunächst nur kleinere Maßnahmen wahrscheinlich. Allerdings steht die Notenbank bereit, um bei einer Verschlechterung der Lage erneut zu reagieren.

Das gleiche gilt für die US-Notenbank Fed, die notfalls vor weiteren Maßnahmen – bis hin zur Einführung einer „yield curve control“ – nicht zurückschrecken wird. Das zwischenzeitliche Absinken der US-Notenbankbilanz sollte daher nicht falsch interpretiert werden. Hierbei handelt es sich um eine Reaktion auf die abnehmende Inanspruchnahme von Dollar-Kreditlinien durch befreundete Notenbanken, denen auf dem Hochpunkt der Corona-Krise solche Möglichkeiten eingeräumt worden waren. Ein Abkehr von der akkommodierenden US-Geldpolitik ist nicht in Sicht.

Chart des Monats: Meilenstein - EU einigt sich auf mittelfristigen Finanzrahmen und Wiederaufbaufonds

Chart des Monats: Meilenstein - EU einigt sich auf mittelfristigen Finanzrahmen und Wiederaufbaufonds
Quelle: Europäische Kommission, Union Investment; Stand: 21. Juli 2020

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

 

Carry kann verdient werden

Bei den Renditen der europäischen Kernländer ist kaum mit Bewegung zu rechnen. Zwar dürfte die Emissionstätigkeit perspektivisch anziehen. Diese Entwicklung sollte aber weitgehend von den Ankäufen der EZB abgefedert werden. Knappheitsprämien und begrenzte Inflationsrisiken deckeln die Renditen in längeren Laufzeiten. Für Peripherieanleihen kommt (neben der EZB) ein positiver Impuls aus dem Europäischen Wiederaufbaufonds hinzu, auch wenn ein Teil der Unterstützung bereits im Vorfeld des Gipfels eingepreist wurde.

Insgesamt spricht das Umfeld damit weiter für Anlagen mit Renditeaufschlag. Zwar ist das Potenzial für weitere Spreadeinengungen begrenzt, aber gerade mit Blick auf die (traditionell ruhigen) Sommermonate dürfte der Carry verdient werden.

 

Selektive Chancen bei Aktien

Die globalen Aktienmärkte haben ihre Erholung fortgesetzt, wenn auch nicht mehr mit dem Tempo der Monate zuvor. Denn: Aktien bleiben Profiteure der „Jagd nach Risikoprämien“ und vor allem die strukturellen Wachstumsthemen unvermindert gefragt. Daher sind die Bewertungen gerade in diesen Bereichen bereits ambitioniert.

Die Stabilisierung der Gewinnerwartungen bei globalen Aktien hat sich zuletzt bestätigt. Der Auftakt in die Berichtssaison für das abgelaufene zweite Quartal war etwas besser als erwartet. Dennoch reichen die Konjunktur- und die Gewinndynamik nicht aus um auch Value-Werten – und somit dem Aktienmarkt in der Breite – Rückenwind zu verleihen. Positive Nachrichten bezüglich eines Corona-Impfstoffs könnten mittelfristig für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung sorgen.

 

Investoren fragen Gold nach

Durch eine weitgehend konsequente Umsetzung der beschlossenen Produktionskürzungen der OPEC+-Staaten sowie einer rapiden Förderkürzung der Schieferölunternehmen in den USA ist es gelungen, den globalen Ölmarkt zu Beginn des dritten Quartals ins Gleichgewicht zu bringen. Der durch die coronabedingte Nachfrageschwäche der letzten Monate unaufhaltsame Aufbau der Lagerbestände dürfte damit kurz vor seinem Ende stehen. Indikatoren wie Stromerzeugung oder Baggerverkäufe in China deuten auf ein hohes Erholungstempo bei der Bauaktivität hin, das unseres Erachtens aber nicht nachhaltig sein dürfte. Der Goldpreis bleibt durch eine ungebrochene Investorennachfrage und niedrige Realrenditen unterstützt.

 

Euro weiter favorisiert

Die Einigung auf einen europäischen Wiederaufbaufonds gibt dem Euro weiter Rückenwind. Während das Britische Pfund im weiteren Jahresverlauf ein Spielball der Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU bleiben wird, dürfte der US-Dollar zunehmend unter dem Eindruck des Wahlkampfes für die US-Präsidentschaftswahlen im November stehen. Darüber hinaus sind das US-Zwillingsdefizit, die flachere US-Zinsstrukturkurve und die dauerhaft niedrigeren Leitzinsen der Fed struktureller Gegenwind für den Greenback. Der Japanische Yen bleibt im aktuellen Risk-On-Umfeld weniger gefragt.

 

Wandelanleihen weiter stark

Der Aufwärtstrend globaler Wandelanleihen hat sich in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Die durchschnittliche Aktiensensitivität beträgt derzeit etwa 56 Prozent. Die Bewertungen sind zwar weiter gestiegen, liegen aber insgesamt nach wie vor noch im günstigen Bereich. Die starke Neuemissionstätigkeit in den USA hat nach Beginn der Berichtsperiode der Unternehmen nachgelassen, während in den anderen Regionen durchschnittlich viele Papiere begeben wurden. Dabei wurden die Neuemissionen gut vom Markt aufgenommen.

Unsere Positionierung

Unsere Positionierung

Stand aller Informationen und Darstellungen:
21. Juli 2020, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten: August

Neues von den Märkten: August

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 24. Juli 2020)