Union Investment mit neutraler Risikoausrichtung

Carry-Segmente übergewichtet

UIC Marktmeinung März.mp4

Risikoausrichtung bleibt bei RoRo-Meter 3

RoRo-Meter auf 3

Das Union Investment Committee (UIC) hat auf seiner regelmäßigen Sitzung am 25. und 26. Februar seine Risikoausrichtung auf neutral belassen. Damit bleibt der RoRo-Meter auf Stufe 3. Gleichzeitig erkennt das Gremium aber Verbesserungen in einigen wichtigen Umfeldfaktoren, wodurch sich Hinweise auf eine „Asymmetrie nach oben“ für die künftige Kapitalmarktentwicklung abzeichnen. Das Gremium geht deshalb gezielt Positionen bei chancenorientierten Anlageklassen ein, insbesondere auf der Renten-, Rohstoff- und der Währungsseite.

Vier Themen bestimmen derzeit die Kapitalmärkte: die Notenbanken, der US-amerikanisch-chinesische Handelsstreit, der Brexit und die Konjunktur. Nach Meinung des UIC sind von den Zentralbanken zunächst keine größeren Impulse zu erwarten. Bei den (geo-)politischen Faktoren kam es zuletzt zu einer deutlichen Beruhigung. Insbesondere beim Brexit verdichten sich die Anzeichen auf die vom UIC erwartete Lösung in letzter Minute. Auch die jüngsten Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China deuten nicht auf eine weitere Eskalation hin, wirken also marktstützend. Schwierig bleibt der wirtschaftliche Datenkranz. Insbesondere die schwache Konjunktur spricht daher, trotz erster zaghafter Stabilisierungstendenzen, zum aktuellen Zeitpunkt gegen eine (zu) offensive Aufstellung.

Konjunktur angeschlagen, vor allem in der Industrie

Betroffen von der derzeitigen Schwäche ist insbesondere der Industriesektor, und hier vornehmlich die stark in den Welthandel eingebundenen Volkswirtschaften. Deutschland und Japan sind geradezu Prototypen für diese Kombination, entsprechend negativ fielen hier die jüngsten Wirtschaftsdaten aus. Speziell die Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe ließen zuletzt aufhorchen. Gleichzeitig sind jedoch die Daten aus dem Dienstleistungsgewerbe nach wie vor gut, auch in Deutschland. Das GfK Konsumklima blieb beispielsweise im Februar stabil auf einem hohen Niveau. Es ist also nicht so, dass sich die Schwäche in der Industrie schon in der Breite in die deutsche Gesamtwirtschaft gefräst hätte. Ein ganz ähnlicher Befund gilt für Japan. Angesichts abklingender Sonderfaktoren (Wettereffekte, Branchenthemen wie etwa die Dieselproblematik) und der geopolitischen Entspannung sollten sich die konjunkturelle Aussichten daher in den kommenden Wochen und Monaten wieder etwas aufhellen.

Zentralbanken signalisieren größere Inflationstoleranz

Die Schwäche in den Konjunkturdaten bedeutet gleichzeitig auch, dass der Inflationsdruck im laufenden Jahr nur moderat ansteigen sollte. So haben sich die Inflationserwartungen jüngst sogar wieder deutlich zurückgebildet. Verstärkt wird dieser Effekt noch von einem gewissen Umdenken unter den Währungshütern. Zuletzt hatten sich verstärkt Stimmen aus Federal Reserve (Fed) und Europäischer Zentralbank (EZB) zu Wort gemeldet, die auf eine größere Inflationstoleranz hinweisen. Die Notenbanken scheinen zu dem Schluss gekommen, dass ein Ausstieg aus ihrer Niedrigzinspolitik nur sehr langsam und behutsam erfolgen kann. Nachdem die Fed im Januar klar gemacht hat, dass sie in diesem Jahr stärker datenabhängig agieren wird und damit weniger Zinserhöhungen beschließen wird als 2018, deuten sich etwa bei der EZB wieder stärker geldpolitische Stimulusmaßnahmen an. Im Zentrum der Diskussion steht dabei aufgrund der aktuellen Konjunkturschwäche die Neuauflage langfristiger Finanzierungsgeschäfte (TLTROs) wie zu Zeiten der Euro-Krise. Die Normalisierung der Geldpolitik der EZB würde sich damit weiter in die Zukunft verschieben, womöglich vor der nächsten Rezession sogar komplett ausfallen. Vor diesem Hintergrund erwartet das UIC weiter einen vorsichtigen, stark an den real- und finanzwirtschaftlichen Bedingungen ausgerichteten Kurs von EZB und Fed. Diese Datenabhängigkeit könnte – eine kräftige konjunkturelle Belebung vorausgesetzt – zu einem späteren Zeitpunkt die Notenbanken wieder verstärkt auf den Plan rufen. Für die kommenden Wochen ist damit jedoch nicht zu rechnen.

Charts des Monats: Stimmung der Einkaufsmanager rückläufig, Fed-Leitzinserhöhungen für 2019 am Markt ausgepreist

Entwicklung der globalen Einkaufsmanagerindizes und der Fed Funds Futures im Zeitverlauf
Entwicklung der globalen Einkaufsmanagerindizes und der Fed Funds Futures im Zeitverlauf
Quelle: Union Investment, Macrobond, Bloomberg; Stand: 25. Februar 2019

Aktien neutral gewichtet

 

Carry-Positionen im Rentenbereich erhöht

Der flachere Zinspfad von Fed und EZB wird das Aufwärtspotenzial der Renditen von deutschen und US-amerikanischen Staatspapieren begrenzen. Die Aussicht auf TLTROs bremst den Anstieg der Renditen im Euroraum zusätzlich. Das UIC hat die Renditeprognose für zehnjährige Bundesanleihen zum Jahresende deshalb ein weiteres Mal auf 0,45 Prozent gesenkt. Mit den (länger) niedrig verankerten Renditen von sicheren Staatsanleihen steigt der Druck der Renteninvestoren, stärker ins Risiko zu gehen. Durch die deutlichen Spreadausweitungen im vierten Quartal haben Carry-Segmente wieder an Attraktivität gewonnen. Solange die Notenbanken zurückhaltend agieren und geopolitisch (Handelskonflikt USA-China, Brexit) keine „Unfälle“ drohen, sollten die Risikoaufschläge vereinnahmt werden können.

Konsolidierung auf erhöhtem Kursniveau

Die Erholungsbewegung der Aktienmärkte hat sich in den vergangenen vier Wochen fortgesetzt. Dabei fußt die Entwicklung auf breitem Fundament, wie ein Blick auf die US-Märkte zeigt. Vor allem das technische Bild hat sich deutlich verbessert. Zusätzliche Unterstützung erfahren die Märkte durch die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen, deren Volumen sich auf Rekordniveau bewegt. Nach vorne gerichtet bleibt die Konjunkturentwicklung der zentrale Treiber der Entwicklung. Die Analysten haben ihre Gewinnschätzungen für das Jahr 2019 angesichts der schwächeren Frühindikatoren zuletzt weiter nach unten revidiert. Im laufenden Jahr werden die Gewinne auf globaler Ebene wohl um knapp fünf Prozent zulegen. Für den Moment ist also mit keiner Gewinnrezession zu rechnen. Gleichermaßen sieht das UIC angesichts der verbesserten Umfeldfaktoren aber auch keine Gefahr für einen drohenden Kursrücksetzer und positioniert sich angesichts der aktuell freundlichen Stimmung deshalb vorerst an der Seitenlinie.

Industriemetalle und Energie weiter übergewichtet

Trotz der beachtlichen Preiszuwächse ist das Gros der Rohstoffe im historischen Vergleich nach wie vor attraktiv bewertet. Im Bereich der Energierohstoffe dürfte es angesichts der Produktionskürzungen der OPEC und Russlands im zweiten Halbjahr 2019 zu einer ausgeglichenen Angebots-/Nachfragesituation kommen. Im weiteren Jahresverlauf ist zusätzlich mit einer Ausweitung der US-Produktion zu rechnen. Vorerst hält das UIC angesichts der attraktiven Bewertung aber an seiner Position fest. Dies gilt auch für die aktive Gewichtung von Industriemetallen, die von der Beruhigung der Handelsstreitigkeiten profitieren dürften.

Pfund aufgrund abnehmender Wahrscheinlichkeit eines Hard Brexit übergewichtet

Die jüngsten Töne aus Westminster deuten darauf hin, dass ein Hard Brexit vermieden wird. Oppositionschef Corbyn hat ein zweites Brexit-Referendum in Aussicht gestellt – Premierministerin May strebt eine Verlängerung der Verhandlungsperiode an, worauf die EU wohl auch eingehen wird. Mehr Sicherheit in der Brexit-Frage spricht dafür, dass viele Investoren ihre hohen Untergewichte in UK-Assets früher oder später abbauen werden.

Wandelanleihen weiter freundlich

In den letzten vier Wochen sind die Notierungen globaler Wandelanleihen deutlich gestiegen und setzten damit die Bewegung zu Jahresbeginn fort. Die durchschnittliche Aktiensensitivität stieg auf 48 Prozent. Grund war die weitere Entspannung an den globalen Aktien- und Credit-Märkten. Dabei wiesen US-Papiere mit einem erneuten Plus von fünf Prozent den stärksten Anstieg auf. Auch die übrigen Regionen profitierten vom positiven Marktumfeld. Auf Neuemissionsebene kam der Markt nur langsam in Schwung. Mit einem Volumen von 1,4 Milliarden US-Dollar war eine Emission von Fortive aus den USA das bisher größte Papier in diesem Jahr. An der grundsätzlich attraktiven Bewertung des Gesamtmarkts hat sich nichts geändert.

Außerordentliche Sitzung des Union Investment Committees

Stand: 12. März 2019

Das Union Investment Committee (UIC) hat auf einer außerordentlichen Sitzung am 12.03.2019 Allokationsanpassungen vorgenommen. Das Gremium schätzt die jüngste Einigung zwischen der EU-Kommission um Jean-Claude Juncker und der britischen Regierung unter Theresa May als Signal für weiter sinkende Eintrittswahrscheinlichkeiten von Randrisiken wie einem „hard brexit“ ein. Daher neutralisiert das UIC seine als Hedge konzipierte Yen-Position gegenüber dem US-Dollar. Gleichzeitig wird die bereits bestehende Long-Position im Pfund Sterling gegenüber dem Euro verdoppelt. Durch die Kombination dieser beiden Schritte wird das Musterportfolio auf der Währungsseite offensiver aufgestellt.

Hingegen nimmt das UIC seine bisherigen Übergewichtungen im Rohstoffbereich auf neutral zurück. Sowohl Industriemetalle als auch Energierohstoffe sinken damit um jeweils einen Prozentpunkt. Im Gegenzug wird die Gewichtung bei Absolute Return um zwei Prozentpunkte erhöht, sodass dieser Teil des Portfolios wieder auf dem Niveau der Grundallokation liegt. Ursächlich für die Neutralisierung der Rohstoffseite war die positive Wertentwicklung der vergangenen Handelswochen, in deren Zuge die Preisziele der Rohstoffexperten bei Union Investment weitgehend erreicht wurden. Aus Sicht des UIC ist die Investmentthese somit aufgegangen und es werden Gewinne mitgenommen.

In den übrigen Bereichen wie dem Aktien- oder dem Rentensegment des Musterportfolios wurden keine Anpassungen vorgenommen. Die Risikoausrichtung wurde bei RoRo-Meter 3 bestätigt.

Unsere Positionierung

Positionierung 12. März 2019
Stand: 12. März 2019

Stand aller Informationen und Darstellungen:
26. Februar 2019, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten

Neues von den Märkten: März

Erhalten Sie im Monatsbericht "Neues von den Märkten" einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen. Ergänzt wird der Monatsbericht durch aktuelle Kapitalmarktprognosen.