Union Investment bekräftigt neutrale Risikoausrichtung

Aktienquote leicht angehoben

Risikoausrichtung bekräftigt, RoRo-Meter auf 3

RoRo-Meter bleibt auf 3

Auf seiner regulären Sitzung am 24. März 2020 hat das Union Investment Committee (UIC) seine neutrale Risikoausrichtung (RoRo-Meter 3) bekräftigt. Gleichzeitig hat das Gremium die Aktienquote leicht angehoben. Die bereits zuvor bestehenden Übergewichte in Unternehmensanleihen (High Grade) und Staatsanleihen der Euro-Peripherie wurden bestätigt.

Das UIC sieht in den geld- und fiskalpolitischen Gegenmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie. Dadurch wurde ein Übergreifen der Verwerfungen in der Realwirtschaft auf den Finanzsektor vorerst wirkungsvoll adressiert. Sowohl die Liquiditätshilfen als auch die Verringerung von Solvenzrisiken mindern die Gefahren für den Bankensektor und senken somit den Finanzmarkstress sowie die systemischen Risiken. Für eine breit angelegte, nachhaltige Aufwärtsbewegung wäre jedoch eine Verbesserung der Wirtschaftsaktivität notwendig, die wiederum eine Beruhigung bei den Infektionszahlen voraussetzt.

Vor diesem Hintergrund setzt das UIC weiter auf (Renten-) Anlagen, die unmittelbar von den Stützungsmaßnahmen der Notenbanken profitieren. Für Aktien hat sich das Umfeld ebenfalls verbessert, auch wenn hier die Unwägbarkeiten noch größer sind Insbesondere die weitere Entwicklung in den USA ist ungewiss. Das UIC bleibt bei seiner Einschätzung, dass die Kapitalmärkte kurzfristig weiter turbulent handeln dürften. Mittel- bis langfristig sind die Aussichten aber positiv.

Globale Wachstumsprognosen gesenkt

Angesichts der Corona-Pandemie haben die Volkswirte von Union Investment ihre Wachstumsprognosen deutlich gesenkt. Die temporäre Lähmung des öffentlichen Lebens in vielen entwickelten Volkswirtschaften (insbesondere Europa und USA) sollte die Pandemie zwar eindämmen. Ein scharfer Wirtschaftseinbruch im ersten und zweiten Quartal 2020 dürfte jedoch die Konsequenz sein. Die staatlichen Stützungsmaßnahmen können diese Entwicklung kaum verhindern, sollten aber negative Zweitrundeneffekte abmildern. Ab 2021 dürfte dann eine Erholung einsetzen.

Beim BIP der Europäischen Währungsunion (EWU) ist ein Rückgang von 3,6 Prozent in diesem Jahr zu erwarten (vorherige Prognose: +0,8 Prozent). Besonders betroffen dürfte Italien sein, dass aktuell die höchsten Infektionszahlen außerhalb Chinas aufweist. Auch für Deutschland gehen wir von einer Rezession aus. 2021 rechnen wir wieder mit positiven Wachstumsraten. In den USA dürfte die Wirtschaft auch im zweiten Quartal des laufenden Jahres deutlich nachgeben. Dort war das Wachstum aber bis zuletzt sehr robust. Wir rechnen daher für 2020 mit einem BIP-Rückgang von 1,9 Prozent (vorherige Prognose: +1,6 Prozent). Auch in den USA gehen wir von einer Rückkehr auf den Wachstumspfad im kommenden Jahr aus.

Charts des Monats: Federal Reserve (Fed) und Europäische Zentralbank (EZB) weiten Kaufprogramme massiv aus

Summe der Fed-Bilanz in Milliarden US-Dollar; Monatliche EZB-Nettokäufe in Milliarden Euro
Charts des Monats
Quelle: Bloomberg, Union Investment; Stand: 23. März 2020

Geldpolitik: Notenbanken reagieren schnell und umfassend

Die wichtigsten Notenbanken haben aggressive Maßnahmen beschlossen. So hat die Federal Reserve am 23. März eine unbegrenzte quantitative Lockerung, die auch Käufe von Unternehmensanleihen einschließt, sowie umfangreiche Hilfen für die Kreditversorgung der Realwirtschaft bekannt gegeben. Bereits zuvor hatte sie eine Zinssenkung um 100 Basispunkte sowie eine Ausweitung des Ankaufprogramms beschlossen.

Auch die Europäische Zentralbank hat die Ausweitung ihrer Wertpapierankäufe angekündigt. Das neue „Pandemie Emergency Purchase Programme“ (PEPP) sieht ein zusätzliches Ankaufvolumen von 750 Milliarden Euro vor. Der EZB-Rat bekräftigte, „alles Notwendige“ zu tun und im Bedarfsfall Umfang, Dauer und Zusammensetzung des Programms anzupassen.

Die Notenbanken reagieren schnell und umfangreich auf die Marktturbulenzen. Sie mindern damit den Stresslevel im Finanzsystem. Das ist die Voraussetzung für eine Stabilisierung an den Kapitalmärkten (speziell bei Credits), schafft aber auch die Bedingungen für eine schnelle und kräftige Konjunkturerholung. Das ist, zusammen mit den beträchtlichen fiskalischen Sonderprogrammen zahlreicher Länder, eine große Unterstützung für den Finanzsektor und die Realwirtschaft, aber nicht hinreichend für eine nachhaltige Überwindung der Krise.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

 

Spread-Produkte unverändert übergewichtet – Covered Bonds weiter reduziert

Die Corona-Pandemie und die Eindämmungsmaßnahmen haben im Rentenbereich zu einem Abverkauf von Spread-Produkten und der Suche nach sicheren Häfen geführt. Mit den fiskal- und geldpolitischen Stimuli dürfte an den Credit-Märkten ein Boden eingezogen sein. Andererseits geht damit eine deutliche Ausweitung der Staatsverschuldung in den betroffenen Ländern einher. Damit sollten auch die Renditen von Bundesanleihen nicht dauerhaft weiter absinken. EM- und High Yield-Anleihen dürften zwar indirekt von den genannten Maßnahmen profitieren, unterliegen aber auch stärkeren idiosynkratischen und wirtschaftlichen Risiken.

Industrieländeraktien leicht übergewichtet

Mit den Maßnahmen von Politik und Notenbanken wurde die Abverkaufswelle an den Aktienmärkten gestoppt und eine erste Bodenbildung eingeleitet. Die Volatilität ist auf hohem Niveau rückläufig. Für eine generelle Entwarnung ist es aber noch zu früh. Dennoch ist am Aktienmarkt die begründete Hoffnung zurück, dass die fiskal- und geldpolitischen Impulse zu einer Stabilisierung der Lage beitragen werden. Kurzfristig dürfte es turbulent bleiben, mittelfristig sind Aktien attraktiv.

Edelmetalle übergewichtet

Wir blicken weiterhin insgesamt neutral auf den Rohstoffmarkt. Innerhalb der Anlageklasse gehören Edelmetalle zu unseren Favoriten. Trotz seines Status als sicherer Hafen kam Gold zuletzt verstärkt unter Druck. Edelmetalle waren leichter liquidierbar als andere Assets und wurden deshalb abverkauft. Mit den nun stabilisierten Credit-Märkten dürfte der Verkaufsdruck abnehmen. Zusätzlichen Rückenwind erwarten wir von einer wieder sinkenden US-Realverzinsung. Darüber hinaus fuhr nun auch Südafrika als Reaktion auf das Corona-Virus die wirtschaftliche Aktivität zurück und schloss sämtliche Minen. Südafrika ist der größte Produzent von Gold und Platin. Der Ölmarkt bleibt weiter stark überversorgt.

Keine Positionsänderung bei Währungen

Der bislang laxe Umgang der britischen Regierung mit dem Corona-Virus ließ das Pfund zum Euro stark abwerten. Die Pandemie dürfte zu wesentlich höheren Kosten für den britischen Staat führen. Wir bleiben bei unserer abwartenden Haltung. Gleiches gilt für den US-Dollar. Das zu erwartende Maßnahmenpaket zur Stützung der Konjunktur wird den US-Bundeshaushalt enorm belasten und sollte den US-Dollar perspektivisch schwächen. Da sich viele Emittenten aber im US-Dollar verschuldet haben, war dieser zuletzt gefragt. Wir gehen von einer weiterhin hohen Schwankungsbreite aus.

Wandelanleihen im Krisenmodus

Da die Aktienmärkte weltweit starke Verluste verzeichneten, geben auch globale Wandelanleihen deutlich ab. Allerdings ist die Aktienmarktsensitivität deutlich gefallen (von etwa 50 Prozent auf knapp 30 Prozent), weshalb der Wandelanleihenmarkt nur etwa ein Drittel der Verluste der Aktienmärkte realisierte und damit die Vorteile der Konvexität der Anlageklasse unter Beweis stellte. Die Bewertung der Wandelanleihen ist in allen Regionen signifikant gesunken.

Unsere Positionierung

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Stand aller Informationen und Darstellungen:
24. März 2020, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten: April

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Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 27. März 2020)