Union Investment Committee bleibt moderat-offensiv

Mit chancenorientierter Ausrichtung in die letzten Handelswochen 2021

  • Verschärfung der Pandemielage auf der Nordhalbkugel, aber flächendeckende Lockdowns unwahrscheinlich
  • Verbesserte Konjunkturdaten und vorsichtige Entspannung bei Lieferengpässen

  • Inflationsdruck aktuell weiter hoch, nachlassende Dynamik 2022 erwartet

  • UIC bestätigt moderat-offensive Risikoausrichtung (RoRo-Meter 4)

„RoRo“-Meter 4 bestätigt, Risikoausrichtung bleibt moderat-offensiv

RoRo-Meter bleibt auf 4

Das Union Investment Committee (UIC) hat auf seiner turnusmäßigen November-Sitzung keine Änderungen an der Anlagepolitik vorgenommen. Im Einzelnen wurde die moderat-offensive Risikoausrichtung (RoRo-Meter 4) bestätigt. Das Musterportfolio wurde ebenso ohne Anpassungen bestätigt. Bereits zu Anfang des Monats hatte das Gremium das zuvor bestehende Untergewicht in Schwellenländer-Aktien geschlossen und im Gegenzug das Übergewicht in Aktien aus den Industrieländern reduziert. Damit geht das UIC mit einer chancenorientierten Ausrichtung in die letzten Handelswochen des Jahres, was sich neben der Aktienposition auch in einer Betonung des Rohstoffsegments sowie einem Untergewicht bei sicheren Anleihen ausdrückt.

Die Positionierung fußt auf einer konstruktiven Einschätzung des Umfeldes. Insbesondere den Wachstumsausblick schätzt das UIC nach wie vor positiv ein. Die aktuellen Lieferengpässe bremsen zwar – noch – die Konjunkturdynamik. Allerdings dürften sich diese Verzerrungen sukzessive auflösen, nicht zuletzt aufgrund von saisonalen Effekten wie einem abflauendem Güterkonsum nach Beendigung des Weihnachtsgeschäfts. Im nächsten Jahr dürfte es dann zu entsprechenden Nachholeffekten kommen. Insgesamt bleibt der Konjunkturzyklus intakt und ein Wachstumseinbruch aus.

Die jüngste Verschärfung der Corona-Neuinfektionen beobachtet das UIC engmaschig, geht aber aufgrund der weit fortgeschrittenen Impfkampagnen nicht von flächendeckenden Lockdowns in den großen Volkswirtschaften auch für Geimpfte aus – trotz einer vermutlich weiter anstehenden Verschärfung der Pandemielage auf der Nordhalbkugel. Im Anschluss an die Wintermonate rückt nach Einschätzung des UIC der Übergang von einer pandemischen in eine endemische Phase in greifbare Nähe, zumindest in den Industrieländern. Für die Kapitalmärkte dürfte Corona damit perspektivisch an Bedeutung verlieren.

Starker Treiber für Aktien bleibt die hohe Profitabilität der Unternehmen, wie die zu Ende gegangene Berichtssaison erneut bewiesen hat. Eine anziehende Aktivität bei Aktienrückkaufprogrammen sowie die Perspektive auf Dividendenerhöhungen stützen ebenfalls die Aktienbörsen.

Konjunktur, Wachstum, Inflation

Die Konjunkturdaten haben sich in den vergangenen Wochen etwas verbessert, wie beispielsweise die jüngsten Nachrichten aus den USA zu Arbeitsmarkt oder Einzelhandel unterstrichen. Die Entwicklung zeigt: Die Wirtschaft hat gelernt, auch mit hohen Infektionszahlen einigermaßen zu leben – so lange strenge, flächendeckende Kontaktbeschränkungen ausbleiben. Völlig unbeeinflusst vom Infektionsgeschehen ist die Konjunktur gleichwohl nicht. Die Volkswirte von Union Investment rechnen daher in den kommenden Wintermonaten mit einer Verlangsamung des Wachstumstempos. Im Verlauf des bald bevorstehenden Jahres 2022 stehen die Zeichen hingegen wieder auf Beschleunigung. Nachlassende Lieferengpässe dürften zu Aufholeffekten in vielen Volkswirtschaften führen, nicht zuletzt im stark industriell geprägten Deutschland.

Eine entscheidende Größe für die Entwicklung von Konjunktur und Kapitalmärkten bleibt die Inflation. Im vergangenen Monat wurden sowohl in den USA als auch in Deutschland Werte jenseits der Vierprozentmarke gemessen. Neben pandemiespezifischen Ursachen sind es vor allem die Energiepreise, die zu den hartnäckig erhöhten Inflationsraten beitragen. Die Volkswirte von Union Investment haben auf diese Entwicklung reagiert und die Prognose in den USA für das Jahr 2022 auf 3,7 Prozent erhöht, während in der Eurozone 2,4 Prozent erwartet werden. Gleichwohl wird davon ausgegangen, dass insbesondere in der zweiten Jahreshälfte das Auslaufen von Basiseffekten, eine Entspannung der Lieferketten sowie ein Rückgang bei den Energiepreisen die Inflationsdynamik beruhigen werden.

Geldpolitik: Der geldpolitische Zyklus hat gedreht

Die US-Notenbank Fed hat auf ihrer November-Sitzung die Verringerung ihrer Anleiheankäufe angekündigt, nachdem bereits in den Vormonaten eine ganze Reihe kleinerer Zentralbanken ihre Geldpolitik gestrafft hatten. Der geldpolitische Zyklus hat also bereits gedreht. Der Tapering-Beschluss der Fed sieht vor, die Ankäufe monatlich um insgesamt 15 Milliarden US-Dollar zu senken – sofern der wirtschaftliche Ausblick es zulässt. Auf Basis dieses Plans dürften die Nettoanleihekäufe Mitte Juni 2022 auf null heruntergefahren sein. Damit hätte die Fed die notwendige Flexibilität, um bereits frühzeitig die Leitzinsen zu erhöhen. Union Investment erwartet in den USA einen ersten Zinsschritt Ende 2022.

In der Eurozone ist die Wirtschaftserholung schwächer und der Preisdruck geringer als in den USA. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird daher vorsichtiger agieren. Der Fokus liegt hier zunächst auf der Zukunft des Pandemie-Notfallprogramms PEPP, über das am 16. Dezember entschieden werden soll. Union Investment rechnet mit der Beendigung, aber einer Weiterführung der Anleiheankäufe in reduziertem Volumen. Zinserhöhungen durch die EZB werden nicht vor Ende 2024 erwartet. Der geldpolitische Richtungswechsel sollte daher marktschonend sein.

Fed beginnt Tapering – Kapitalmärkte preisen Zinsschritte ein

  • Monatliche Nettoankäufe

    Schnelles Tapering der FED – EZB deutlich langsamer
    Quelle: Bloomberg, Union Investment; Stand: 22. November 2021.
  • Umfrage unter Fondsmanagern zur erwarteten Anzahl an Zinserhöhungen im Jahr 2022

    Märkte erwarten ersten Fed-Zinsschritt 2022
    Quelle: BofAML, Union Investment; Stand: 22. November 2021.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

Renten: Divergierende Renditeentwicklung bei Staatsanleihen

Trotz eines Rücksetzers im Umfeld der Fed-Sitzung Anfang November ist der Trend zu höheren Renditen bei US-Staatsanleihen unverändert intakt, auch wenn bei Papieren mit längeren Restlaufzeiten die Renditehochs aus dem Oktober bislang noch nicht wieder erreicht wurden. Durch den unverminderten Anstieg der Rendite bei kurzlaufenden Anleihen hat sich die US-Zinsstrukturkurve weiter verflacht. Die steigenden Corona-Neuinfektionen haben den Kursrutsch sicherer Bundesanleihen hingegen gestoppt. Die Renditen zweijähriger Papiere sanken seit Anfang November um 15 Basispunkte, die zehnjähriger Anleihen um 20 Basispunkte. Für 2022 erwartet Union Investment unverändert leicht steigende Renditen, sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks. Im Zuge der jüngsten Suche nach „sicheren Häfen“ setzte sich der Trend zu höheren Risikoaufschlägen (Spreads) bei Peripherie- und Unternehmensanleihen fort. Die Spreads von Emerging Market-Anleihen in Hartwährung bewegen sich seit dem Sommer unter Schwankungen seitwärts. Das größte Potenzial für sinkende Spreads wird bei Emerging Markets- und Hochzinsanleihen gesehen.

Aktien: Märkte schütteln Belastungsfaktoren ab

Schwache Wachstumsdaten, hohe Inflation, Produktionsausfälle wegen verspannter Lieferketten, eine neuerliche Corona-Welle in Europa – die Liste der Herausforderungen für die Aktienmärkte ist lang. Doch diese zeigen sich in den Industrieländern äußerst robust. Unverändert gute Unternehmensdaten, mit Bedacht handelnde Zentralbanken sowie die Erwartung, dass sich die genannten Belastungen in den kommenden Monaten beziehungsweise Quartalen sukzessive wieder auflösen und damit die Gewinne der Unternehmen auch 2022 weiter steigen können, lassen weiter Gelder in die Märkte fließen. Im Umfeld deutlich negativer Realzinsen bleiben renditestarke Anlagen gesucht. Rücksetzer werden daher schnell als Kaufgelegenheiten wahrgenommen. In den Schwellenländern setzte sich die im Oktober begonnene Erholung fort. Das Untergewicht in der Region wurde daher zu Beginn des Monats geschlossen. Dennoch dürften die Regulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung zu einem längerfristigen generellen Bewertungsabschlag bei den betroffenen Unternehmen führen.

Rohstoffe: Starke Schwankungen bei Edelmetallen

Nachdem der Edelmetallsektor aufgrund der US-Realzinsentwicklung und der Produktionseinschränkungen in der Automobilindustrie über weite Strecken des Jahres deutlich hinter den konjunktursensitiven Rohstoffsektoren zurückgeblieben war, konnte er in den vergangenen Wochen zunächst deutlich aufholen. Erst die Nachrichten eines neuen Lockdowns in Österreich und die Sorgen um eine weitere Corona-Ausbreitung in Europa führten zuletzt wieder zu einem deutlichen Rücksetzer. Dadurch beschleunigte sich auch der Rückgang der Energiepreise, der im Zuge einer sich entspannenden Gasversorgung in Europa, der Diskussion um das Anzapfen strategischer Ölreserven sowie ersten Anzeichen nachlassender Engpässe einsetzte. Dennoch notieren die Preise für Öl, Gas und Strom noch immer weit über den Niveaus vor Jahresfrist und sind der Haupttreiber der aktuell hohen Inflation. Trotz steigenden Drucks aus den USA hält die OPEC+ an ihrem sich selbst gegebenen Fahrplan (monatliches Angebotsplus von 400.000 Barrel pro Tag) fest, obwohl einige Produzentenländer ihre Exploration nicht im geplanten Umfang erhöhen können. Die Preiskorrektur bei zyklischen Rohstoffen hat auch die Rollrenditen wieder sinken lassen, im Energiebereich von 13 auf acht Prozent und bei Industriemetallen von sechs auf 1,5 Prozent. Insgesamt haben sich die Rohstoffpreise in Anbetracht der starken Aufwertung des US-Dollars aber gut gehalten.

Währungen: Euro unter Druck – perspektivisch aber mit Chancen

Der schnellere Ausstieg der Fed aus der ultralockeren Geldpolitik im Vergleich zur EZB hat den US-Dollar weiter beflügelt. Die jüngsten Stimmen aus den Zentralbanken deuten darauf hin, dass sich das Tempo mittelfristig tendenziell eher noch weiter auseinander bewegen könnte. Die weitere Abschwächung der globalen Wachstumsdynamik hat dem Euro ebenso zugesetzt wie die jüngste Entwicklung der Corona-Neuinfektionen im gemeinsamen Währungsraum. Mit Ausnahme von Österreich wurden bislang neue Lockdown-Maßnahmen aber allenfalls regional eingeführt. Auch gegenüber den anderen wichtigen Währungen, wie beispielsweise dem Pfund Sterling oder dem Japanischen Yen, wertete der Euro jüngst weiter ab. Kurzfristig bleibt die Pandemieentwicklung eine schwer zu prognostizierende Einflussgröße auf die Währungsentwicklung, sodass das UIC aktuell von einer Positionierung im Währungsbereich absieht. Perspektivisch dürfte die Gemeinschaftswährung aber wieder an Stärke gewinnen, da sich die Treiber für die Währungsmärkte im Jahr 2022 ändern werden. So sollte unter anderem die Nachfrage nach Next Generation EU-Anleihen den Euro stärken und der US-Dollar dürfte durch ein stärkeres Augenmerk der Kapitalmärkte auf das US-Fiskaldefizit deutlich an Unterstützung einbüßen.

Wandelanleihen: Im Seitwärtstrend

Die Wandelanleihemärkte konnten die starke Entwicklung aus dem Vormonat zuletzt nicht fortsetzen. Sie partizipierten nur bedingt an der guten Aktienmarktentwicklung. Insbesondere Wandelanleihen aus den USA entwickelten sich in den letzten Tagen schwach. Die durchschnittliche Aktienmarktsensitivität lag unverändert bei etwa 51 Prozent und damit im ausgewogenen Bereich. Auch die Bewertungen zeigen sich weitestgehend stabil. Die Neuemissionstätigkeit ist insbesondere in den USA wieder stark angelaufen und traf auf eine hohe Nachfrage.

Unsere Positionierung

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Stand: 23. November 2021.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
23. November 2021, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten: November

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Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 2. November 2021)