Risikoausrichtung moderat offensiv, RoRo-Meter auf 4

RoRo-Meter auf 3 auf 4

Der Druck, der von (geo-)politischer Seite auf den Kapitalmärkten lastete, hat zuletzt etwas nachgelassen. Das Union Investment Committee (UIC) hat die aktuellen Risikofaktoren (Handelsdisput, Schwellenländer, Italien, Brexit) auf seiner regulären Sitzung am 24. und 25. September kritisch diskutiert. Nach Ansicht des Gremiums scheinen sich die Märkte immer mehr an die Unsicherheiten zu gewöhnen. Verstärkt rücken wieder Fundamentaldaten in den Fokus des Geschehens. Und da diese überwiegend positiv ausfallen, hat das UIC seine Risikoausrichtung in den moderat offensiven Bereich angehoben (RoRo-Meter Stufe 4). Aktien und Rohstoffe werden nun übergewichtet.

Fundamentaldaten überlagern Unsicherheitsfaktoren

Die Töne im US-amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt sind zuletzt etwas moderater ausgefallen. Zwar haben die USA die Zölle auf Importe aus China ausgeweitet, aber mit einem geringeren Zollsatz als allgemein erwartet. Aktuell stocken die Verhandlungen zwischen beiden Seiten, das heißt mit einer nachhaltigen Lösung des Konflikts ist auch in den nächsten Wochen nicht zu rechnen. Gleichzeitig scheint aber auch eine erneute Verschärfung kurzfristig eher unwahrscheinlich. Im Rahmen der am 6. November in den USA anstehenden Mid-Term Elections dürften die Demokraten nach aktuellem Stand mindestens eine Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen. Damit hätte die republikanische Alleinregierung nach gut zwei Jahren ein Ende. Der stärkere Gegenwind für Donald Trump dürfte zum innenpolitischen Verhandlungsstillstand führen (Ende der expansiven Fiskalpolitik, Lahmlegen der Regierungstätigkeit über Untersuchungsausschüsse). Die Vergangenheit zeigt, dass innenpolitisch „gelähmte“ US-Präsidenten ihren Fokus stärker auf die Außenpolitik legten. Trump dürfte deshalb kaum von seinem konfrontativen außen- und handelspolitischen Kurs abrücken. Die Verhandlungen zum Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union („Brexit“) sind weiter verfahren. Aktuell liegen die Positionen Großbritanniens und der EU ebenso weit auseinander, wie die der Befürworter und Gegner eines harten Brexits. Premierministerin May hat vom britischen Unterhaus ein Verhandlungsmandat bis Ende November. Das UIC rechnet damit, dass May allenfalls eine grundsätzliche Einigung vereinbart und alle strittigen Einzelpunkte in die bereits vereinbarte Übergangsphase bis 2020 verschoben werden. Das britische Parlament würde dann über diesen Brexit-Deal oder – im Fall einer Ablehnung – über die weiteren Schritte abstimmen. Insgesamt stellt sich das Konjunkturbild robust dar, wenngleich die Divergenz zwischen den USA und dem Rest der Welt weiter hoch bleibt. Während die Anzeichen für eine Überhitzung in den Vereinigten Staaten steigen, haben sich die Frühindikatoren für den Euroraum und China zuletzt verbessert.

Stoppt die Fed den Bilanzabbau?

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird nach Ansicht des UIC dieses Jahr noch zwei Mal den Leitzins erhöhen. Anders sieht es jedoch beim gerade erst begonnenen Bilanzabbau aus, der schon bald wieder aufgegeben werden könnte. Seit März sieht sich die Fed mit dem Phänomen konfrontiert, dass die Zinsen am Interbankenmarkt wesentlich schneller und weniger synchron steigen als die Leitzinsen. Dies dürfte voraussichtlich dazu führen, dass die Rückkehr zu „normalen“ Zentralbankbilanzvolumina vergangener Zeiten nicht ansatzweise stattfinden wird. Eine Beendigung der Bilanzrückführung hätte nicht nur Auswirkungen auf die absolute Bilanzhöhe, sondern auch auf die durchschnittliche Duration, da die Notenbank dann über die gesamte Laufzeitenkurve US-Staatsanleihen kaufen würde. Sollte die Fed eine entsprechende Änderung ihrer Bilanzpolitik ankündigen, dürfte der aktuelle Renditeanstieg von US-Treasuries gestoppt werden.

Chart des Monats: Ende des Fed-Bilanzabbaus würde Risikoaktiva unterstützen

Entwicklung der Bilanzsumme der US-Notenbank Federal Reserve (in Milliarden US-Dollar)
Chart des Monats: Ende des Fed-Bilanzabbaus würde Risikoaktiva unterstützen
Quelle: Union Investment, eigene Darstellung; Stand: 24. September 2018.

Edelmetalle favorisiert

Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen ist in den vergangenen vier Wochen um über 20 Basispunkte auf 0,52 Prozent angestiegen. Das UIC rechnet kurzfristig zwar mit einer Konsolidierung, mittelfristig dürfte sich der Aufwärtstrend bei den Renditen aber weiter fortsetzen. An den Spreadmärkten sind die Ursachen der Marktkorrekturen noch nicht behoben, kurzfristig hat der Druck aber abgenommen. Mit Blick auf die Schwellenländer sind die Chancen für eine Beruhigung gestiegen: So versuchen die chinesischen Behörden, die handelsgewichtete Abwertung des Renminbi in den Griff zu bekommen, die türkische Zentralbank hat die Leitzinsen überraschend deutlich angehoben und in Argentinien scheint eine Aufstockung des IWF-Programms zunehmend wahrscheinlich. Auch in Italien stehen die Zeichen kurzfristig auf Entspannung: Die Koalition aus Lega Nord und 5-Sterne-Bewegung wird wohl einen halbwegs Maastricht-konformen Staatshaushalt verabschieden. Dennoch bleibt das UIC bei seiner grundsätzlich vorsichtigen Haltung. Im Vorfeld der im Jahr 2019 anstehenden Europawahl ist sowohl innen- als auch europapolitisch mit einer deutlichen Zunahme des populistischen Säbelrasselns zu rechnen – und je nach Wahlausgang möglicherweise auch danach.

Mit der wieder stärkeren Fokussierung auf die positiven Fundamentaldaten dürften sich viele Marktteilnehmer mit ihrer aktuell nur mäßigen Risikopositionierung gezwungen sehen, ihre Aktienquoten wieder zu erhöhen – zumindest legen dies die Positionierungsdaten nahe. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die US-Gewinnentwicklung im Rahmen der anstehenden Berichtssaison zum dritten Quartal niedrig. Der Konsens der Analysten geht derzeit sogar von einem leichten Gewinnrückgang im Vergleich zu den extrem guten Zahlen des Vorquartals aus. In Verbindung mit der positiven US-Konjunkturentwicklung sollte diese Hürde für die Unternehmen gut zu nehmen sein. In Europa und den Emerging Markets dürfte nach der schwachen Entwicklung der letzten Monate allein die vorübergehende handels- und geopolitische Ruhephase Aktien unterstützen.

Auch im Rohstoffbereich bestimmten zuletzt makroökonomische Faktoren die Preisentwicklung, die Angebots-Nachfrage-Situation stand überwiegend im Hintergrund. Allmählich wendet sich das Blatt. Das UIC sieht das beste Chance-Risiko-Verhältnis derzeit bei Edelmetallen. Während für die beiden eher zyklischen Metalle Palladium und Platin sowohl die aktuelle globale Konjunkturlage als auch das niedrige Angebot sprechen, sind Silber und Gold extrem überverkauft. Darüber hinaus dürfte der Druck auf den Goldpreis durch die Stärke des US-Dollar perspektivisch abnehmen. Im Energiebereich haben die Rohstoffexperten von Union Investment die erwartete Handelsspanne der nächsten Monate auf 70 bis 85 US-Dollar pro Barrel für Rohöl der Sorte Brent angehoben. Die jüngsten Äußerungen der OPEC deuten darauf hin, dass es bei Preisen über 80 US-Dollar pro Barrel zu keinen signifikanten Produktionsausweitungen kommen wird. Gleichzeitig gibt es aber erste Anzeichen, dass die Ölnachfrage zu schwächeln beginnt, vor allem in einigen Schwellenländern.

Globale Wandelanleihen entwickelten sich in den vergangenen vier Wochen in Summe weiter seitwärts. Dabei schnitten die Regionen umgekehrt zur Vorperiode ab: US-Papiere tendierten negativ, japanische Wandelanleihen legten deutlich zu. Am US-Markt und in Japan kamen in den letzten Wochen wieder einige Emittenten mit neuen Papieren an den Markt. In Europa begab Adidas einen neuen Wandler, der jedoch ohne Verwässerungseffekte („non-dilutive“) der Altaktionäre konstruiert wurde. Der Rückgang des Bewertungsniveaus scheint einen Boden gefunden zu haben, insgesamt bleibt der globale Wandelanleihemarkt attraktiv bewertet.

Trotz leichtem Anstieg der Geldmarktrenditen bleibt das Umfeld für Investoren unattraktiv.

 

Unsere Positionierung

Positionierung 25. September 2018
Stand: 25. September 2018
  1. 1 Erläuterung: Zur Festlegung der Anlagestrategie wird zunächst das Marktumfeld genau analysiert. Das Ergebnis schlägt sich in einer Risikoeinschätzung nieder. Dazu formuliert das Union Investment Committee eine Risk-on- / Risk-off-Entscheidung in fünf Stufen (1, 2, 3, 4, 5). Diese ist wie folgt zu interpretieren: Eine „5“ steht für eine hohe Risikoneigung, eine „1“ für einen weitgehenden Rückzug aus Risikoanlagen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen:
25. September 2018, soweit nicht anders angegeben.

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