Die Stellvertreterbank, Christian Fried

Die Stellvertreterbank

Die Volksbank im Bergischen Land eG absolvierte im Herbst 2019 gemeinsam mit Union Investment erfolgreich die 44er-Prüfung der BaFin. Für die Bank bedeutete die Nominierung zunächst einen erhöhten Arbeitsaufwand. Aber Christian Fried, Leiter Betriebswirtschaft, sagt rückblickend: „Die Herausforderung war auch eine Chance, unser Risikocontrolling zu testen.“

Text: Felix Schütze

Kurz gefasst

  • Die Volksbank im Bergischen Land eG absolvierte im Herbst 2019 gemeinsam mit Union Investment die bankaufsichtliche Prüfung nach Paragraf 44 KWG im Rahmen einer Stellvertreterprüfung
  • Mit der genossenschaftlichen Expertise im Rücken wurde die Volksbank während des gesamten Prüfungsprozesses begleitet und unterstützt
  • Die Volksbank nutzte die Risikomodelle von Union Investment als wesentliche Berechnungsgrundlage ihrer Risikotragfähigkeitsermittlung für ihre Fonds im Depot A
  • Der schriftliche Prüfbericht der Bundesbank bestätigte insgesamt die Einhaltung der MaRisk und dass die geprüften Risikomodelle zur Integration in die Risikotragfähigkeitsansätze der Primärinstitute grundsätzlich geeignet sind

„Wir waren echt überrascht“, erinnert sich Christian Fried an den Moment, als die Bundesbank der Volksbank im August 2019 mitteilte, dass sie gemeinsam mit Union Investment Teil einer bankaufsichtlichen Prüfung nach Paragraf 44 KWG im Rahmen einer Stellvertreterprüfung sein würde. Die Prüfungsankündigung traf just zu dem Zeitpunkt bei der Volksbank in der Hauptgeschäftsstelle in Remscheid ein, nachdem diese kurz zuvor auf agree21 migriert war. Rund sieben Wochen standen für die Aufbereitung der angeforderten Unterlagen zur Verfügung, die Prüfung sollte dann zwei weitere Wochen nach Einreichung stattfinden. „In dieser Phase der Wandlung hätten wir uns sicherlich einen längeren Zeitraum zur Vorbereitung gewünscht“, gibt Fried zu.

Über die Gründe, warum die Volksbank im Bergischen Land für die Prüfung ausgewählt worden war, kann der Leiter Betriebswirtschaft nur mutmaßen: „Ein Kriterium könnte auch unsere Eigenanlage gewesen sein. Diese ist breit diversifiziert, und insofern gab es eine ganze Menge zu prüfen.“ Im Depot A hält die Bank mit rund einer Milliarde Euro ein vergleichsweise hohes Direktanlagen- und Fondsvolumen. Neben einem selbst gemanagten, überwiegend festverzinslichem Eigenbestand, der in erster Linie der Erfüllung der Liquiditätsanforderungen dient, hat die Bank im Jahr 2010 mithilfe von Union Investment einen Spezialfonds aufgebaut.

Der Spezialfonds besteht aus zwei Segmenten in einem Fondsvehikel. Das erste enthält vor allem Risikotreiber, wie etwa eine Auswahl globaler Aktien, auch High-Yield- und Emerging-Markets-Papiere, Rohstoffe und vieles mehr. Dieses Segment verfügt über eine Wertsicherung nach dem IMMUNO-Konzept. Das zweite Segment in dem Spezialfonds stellt den Kern dar, der eher dem Brot- und Buttergeschäft der Volksbank entspricht und ein globales Fixed-Income-Portfolio mit Buy & Hold-Charakter ist.

Pragmatischer Blick auf die Chancen

Nachdem die Volksbank im Bergischen Land für die 44er-Prüfung ausgewählt worden war, versuchte sich Christian Fried zunächst mit der herausfordernden Situation anzufreunden: „Da im Nachgang zur agree21-Migration sowieso im Bereich des Risikocontrollings die Überarbeitung und Überprüfung von verschiedenen Dokumenten und Prozessen geplant war, haben wir dies miteinander verbunden und den Radius der Überprüfung noch einmal ausgedehnt.“

Parallel dazu baute Christian Fried zunächst eine interne Projektorganisation für die Prüfung auf, welche neben der allgemeinen Planung auch zwei Teilprojekte in den Bereichen Marktfolge Kredit und Betriebswirtschaft und Risikocontrolling umfasste. Dabei konnte die Volksbank von ihren genossenschaftlichen Verbindungen profitieren, zum Genossenschaftsverband, Verband der Regionen und zur AWADO Wirtschaftsprüfung. Mit der genossenschaftlichen Expertise im Rücken wurde die Volksbank während des gesamten Prüfungsprozesses begleitet und unterstützt.

Durch die Auflage des Spezialfonds bestand außerdem ein über Jahre gewachsener enger und regelmäßiger Austausch mit Union Investment. Dieser konnte während der Prüfungsphase noch zusätzlich vertieft werden, denn bei der Überprüfung standen auch die von der Union Service Gesellschaft entwickelten Verfahren zur Quantifizierung der Marktpreis-, Immobilien- und Adressenausfallrisiken im Fokus. Die Volksbank im Bergischen Land nutzte diese als wesentliche Berechnungsgrundlage ihrer Risikotragfähigkeitsermittlung für ihre Fonds im Depot A.

Christian Fried ist Leiter Betriebswirtschaft (Controlling, Melde- und Rechnungswesen) bei der Volksbank im Bergischen Land.

Christian Fried, Jahrgang 1972, ist Leiter Betriebswirtschaft (Controlling, Melde- und Rechnungswesen) bei der Volksbank im Bergischen Land. Als Chief Risk Officer (CRO) und Generalbevollmächtigter arbeitete und arbeitet Fried außerdem in mehreren Projekten in verantwortlicher Position. Seine Laufbahn begann der heute 48-Jährige im Jahr 1992 mit einer Lehre zum Bankkaufmann bei der Volksbank Remscheid-Solingen. Entspannung bedeutet für den verheirateten Vater eines Sohnes seine Familie und Freunde, Sport (Fußball, Baseball), Radfahren, Uhren sammeln und BBQ.

Unterstützung des Regulatorik- und Support-Teams

Bereits in der Vorbereitungsphase konnte sich die Volksbank so auf die Unterstützungsleistungen von Leif Schönstedt und Dr. Raffaele Parise und das Regulatorik- und Support-Team von Union Investment verlassen. „Die unkomplizierte und von hoher Qualität und Schnelligkeit geprägte Zusammenarbeit war für uns eine große Hilfe in dieser arbeitsreichen Zeit“, lobt Fried. Zusätzlich half auch die Einbindung der Volksbank in die genossenschaftlichen Systeme bis zum Meldewesen. Fried: „Damit bewährte sich auch unser Grundsatz, ausschließlich Fonds von Union Investment für die Eigenanlagen zu erwerben.“

Die guten Voraussetzungen für die Vorbereitung auf die Prüfung wurden dadurch ergänzt, dass die Volksbank selbst überdurchschnittlich firm in Sachen Regulatorik war, auch weil Christian Fried sich als Verantwortlicher für Controlling, Melde- und Rechnungswesen schon vorher engagiert mit diesen Themen beschäftigt hatte. „Nicht allein, um Vorschriften zu erfüllen“, wie er betont, „sondern vielmehr, um bei jeder regulatorischen Neuerung herauszufinden, welcher Mehrwert sich aus den neuen Bedingungen ziehen lässt. Dies ist mal einfacher und bei mancher Vorschrift vielleicht auch mal etwas schwieriger. Aber wir haben durchaus eine ganz gute Quote“, findet Fried.

Prüfung bestanden

Im November und Dezember 2019 wurden Union Investment und die Volksbank im Bergischen Land parallel auf die Einhaltung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) überprüft. Es verging danach jedoch fast ein Jahr, bis dann der schriftliche Prüfbericht der Bundesbank vorlag, der für beide Partner insgesamt positiv ausfiel. Zwar gab es auch für die Volksbank einen gewissen Nachbearbeitungsbedarf, aber wie Christian Fried aus annährend 30 Jahren Erfahrung sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal von einer 44er-Prüfung ohne Nachbearbeitungsbedarf gehört habe. Unabhängig davon, ob es eine Stellvertreterprüfung war oder nicht.“

Für die in dem Verantwortungsbereich der Bank liegenden Feststellungen wurde ein Projekt aufgesetzt, in dem die Feststellungen durch die jeweiligen Fachbereiche aufgegriffen und gelöst wurden. Hierfür nahm die Volksbank punktuell auch Hilfe im Verbund in Anspruch, sofern dies erforderlich war. Bereits im März 2021 konnte Christian Fried einen weiteren Erfolg melden. „Wir können heute – rund ein halbes Jahr nach Vorlage des Prüfungsberichts – für uns in Anspruch nehmen, dass wir unsere Aufgaben erledigt haben.“ Hinsichtlich der Feststellungen, die Union Investment betreffen, gibt es einen regelmäßigen und engen Austausch innerhalb des Verbundes, sodass Fried auch hierbei überzeugt ist, allen Forderungen der Aufsicht nachzukommen.

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
25. Mai 2021, soweit nicht anders angegeben.

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