Einfach mit Publikumsfonds

Einfach mit Publikumsfonds

Die Eigenanlage der Raiffeisenbank Holzkirchen Otterfing eG basiert stark auf institutionellen Publikumsfonds und Nachhaltigkeit.

Autor: Felix Schütze

Kurz gefasst

  • Die Raiffeisenbank Holzkirchen Otterfing eG setzt in der Eigenanlage auf Rentenpapiere aus dem Verbund, auf deutsche Staatsanleihen und auf einige sorgfältig ausgewählte institutionelle Publikumsfonds.
  • Dabei wird breit diversifiziert angelegt, um Korrelationen von Marktbewegungen möglichst auszugleichen.
  • Alle EigenanlageFonds der Bank sind nachhaltig und berücksichtigen die ESG-Kriterien.
  • Die Eigenanlage war die Initialzündung, um als Bank einen konsequenten Nachhaltigkeitskurs einzuschlagen.

Die Marktgemeinde Holzkirchen im südlichen Speckgürtel von München zählt zu den wirtschaftlich stärksten Kommunen des Landkreises Miesbach. Dementsprechend floriert dort das Kreditgeschäft mit Firmenkunden. „Um unserem genossenschaftlichen Auftrag gerecht zu werden, versorgen wir diesen Bereich sehr gerne mit der notwendigen Liquidität“, sagt Peter Ungelenk, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Holzkirchen Otterfing. „Erst wenn etwas übrig bleibt, wird am Kapitalmarkt angelegt.“ Das Eigenanlagevolumen beläuft sich aktuell auf rund 75 Millionen Euro. In dieser Dimension sind für den Marktvorstand institutionelle Publikumsfonds ein adäquates Mittel, um die eigene Anlagestrategie umzusetzen.

Holzkirchner Asset Allocation

Die Bank setzt in der Eigenanlage auf Rentenpapiere aus dem Verbund, auf deutsche Staatsanleihen und auf einige sorgfältig ausgewählte institutionelle Publikumsfonds. Dabei wird breit diversifiziert angelegt. Zum Depot-A-Portfolio zählen internationale Rentenfonds mit einem Zielanteil von 13 bis 15 Prozent, europäische Immobilienfonds und Mikrofinanzfonds (jeweils acht bis zehn Prozent) sowie internationale Aktienfonds (zwei bis drei Prozent). Die breite Streuung über unterschiedliche Anlageklassen und Regionen ist für den langjährigen Marktvorstand wichtig, um Korrelationen von Marktbewegungen möglichst auszugleichen. „Wir wollen verstehen, worin wir investieren“, unterstreicht Peter Ungelenk. „Diese Einfachheit lieben wir, sie entspricht der Vision unserer Bank, ‚einfach, fair, transparent und nachhaltig‘ zu sein.“

Fast alle Fonds im Depot A stammen von Union Investment. Und das hat für den Marktvorstand einen großen Vorteil: „Wir verfügen über eine einheitliche Datenbasis, die uns und der Aufsicht jederzeit Transparenz gibt.“ Auch die Aufbereitung der Portfolioberichte von Union Investment weiß er zu schätzen. Diese seien trotz der Komplexität der Materie einfach und verständlich auf den Punkt gebracht. Philipp Thielemann, der die Raiffeisenbank für das Geno-Banken-und-Mittelstands-Team von Union Investment berät, hat andererseits einen guten Überblick darüber, wie die einzelnen Bausteine miteinander wirken und was noch zum Holzkirchner Portfolio passen könnte.

Peter Ungelenk

Peter Ungelenk, Jahrgang 1964, hat seit 1980 eine klassische Bankerkarriere vom Azubi bei der Münchner Bank bis zum Vorstand der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing eG (seit 2006) absolviert. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt auf den Bereichen Vertrieb, Markt, Kunden und Eigenanlage. Ausgleich zur Arbeit findet der verheiratete Familienvater und Großvater beim Musizieren und bei Reisen mit seiner Ehefrau.

Einfach nachhaltig

Nachhaltigkeit ist ein weiterer Leitgedanke für die Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing. Alle Eigenanlage-Fonds sind daher nachhaltig und berücksichtigen die ESG-Kriterien. Ganz augenfällig wird dies bei den beiden Mikrofinanzfonds, die die Bank in den vergangenen Jahren ratierlich aufgebaut hat. Diese ethisch-sozialen Produkte bündeln Kleinstkredite in Asien, Afrika und Lateinamerika, die helfen, wirtschaftliche Existenzen aufzubauen, und Menschen dabei unterstützen, aus eigener Kraft einen Weg aus der Armut zu finden. „Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist für uns der nachhaltig gelebte genossenschaftliche Grundgedanke“, stellt Peter Ungelenk fest. Gleichzeitig tragen diese Fonds zur Diversifizierung des Portfolios bei und bilden ein Gegengewicht zur Zinsabhängigkeit. Da es nur wenige Anbieter für Mikrofinanzfonds gibt, arbeitet die Bank in diesem Fall ausnahmsweise mit zwei spezialisierten externen Asset Managern zusammen.

Kleine Frage – große Wirkung

Die Eigenanlage war übrigens die Initialzündung, um als Bank einen konsequenten Nachhaltigkeitskurs einzuschlagen, wie Peter Ungelenk sich erinnert. „Bei unserer Anlageausschusssitzung im März 2014 stellten wir uns erstmals die Frage: ‚Ist es uns egal, was mit dem Geld passiert?‘“ Es war den Beteiligten nicht egal. In der Folge wurden sämtliche Eigenanlagen auf den Prüfstand gestellt. „Wo legen wir die Gelder an? Wir wollten in keine Länder rein, wo es noch die Todesstrafe gab. Korruption und soziale Gerechtigkeit waren weitere Themen, so haben wir angefangen“, berichtet der Marktvorstand. Das Klimathema wurde damals ebenfalls langsam aktuell. Expertise und Beratung holte sich die Bank in Frankfurt beim Nachhaltigkeitsteam von Union Investment. Mit dieser Unterstützung wurde das Depot A Schritt für Schritt bereinigt und auf Nachhaltigkeit umgestellt.

Für die Geschäftsleitung der Bank stand fest, dass Nachhaltigkeit kein isoliertes Thema sein konnte. Sämtliche unternehmerischen Aktivitäten sollten auf Nachhaltigkeit umgestellt werden – und das fand ein großes Echo. Mit Union Investment wurde eine erste Kundenveranstaltung zur Nachhaltigkeit ausgerichtet, an die sich Peter Ungelenk noch gut erinnert. „Die wollten wir erst bei uns in der Bank machen. Wir gingen so von 40 Teilnehmern aus. Doch das Interesse war viel größer. Wir hatten über 120 Zusagen. Da sind wir dann in einen Biergarten ausgewichen.“

 

Raiffeisenbank Holzkirchen Otterfing eG

 

Spezialbank mit Nachhaltigkeitsfokus

Seit dem Jahr 2016 bietet die Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing in ihrer Hausmeinung nur noch nachhaltige Kundenprodukte von Union Investment an. „Was wir im Depot A machen, empfehlen wir also fast eins zu eins unseren Kunden für ihren Vermögensaufbau im Kundenportfolio“, unterstreicht Ungelenk. Zur umfassenden Transformation der Bank gehörte auch, dass die Mitarbeiter in der Beratung zu ECO-Anlageberatern weiterqualifiziert wurden. „Wir haben außerdem in den vergangenen Jahren alles sukzessive klimaneutralisiert und zertifiziert“, berichtet der Marktvorstand. Sogar die Heizung stellte man auf Geothermie um. Der konsequente Nachhaltigkeitsansatz der Bank wurde bereits mehrfach gewürdigt. So wies etwa das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) das Institut in ihrem 2021er Marktbericht zum zweiten Mal in Folge als eine der 16 Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus aus.

Durch die hauseigene Transformation ist Peter Ungelenk mit vielen Fragen der aktuellen Taxonomie-Thematik gut vertraut. „Das ist ein abendfüllendes Thema“, sagt er und stellt fest, „unsere damalige ‚Herzensangelegenheit‘ wird nun für alle zur Pflicht.“ Prinzipiell unterstützt er die Brüsseler Bemühungen, feste Regeln und Standards für Nachhaltigkeit zu definieren. Dabei hofft er aber auch, dass der bürokratische Aufwand möglichst im Rahmen bleibt. Mit Spannung erwartet der Marktvorstand Informationen zur genauen Ausgestaltung der Taxonomie, auch was die Einstufung von Atomstrom, Kohle und Waffenherstellung als nachhaltig betrifft. Durch die aktuelle politische Lage stehe die Welt vor neuen Herausforderungen, denen man sich bei der Nachhaltigkeitsdiskussion eben nicht verschließen könne.

Mit der Entwicklung der nachhaltigen Eigenanlage mit institutionellen Publikumsfonds ist Peter Ungelenk insgesamt zufrieden. „Wir liegen genau im Schnitt mit anderen Banken.“ Dabei hatte man in den vergangenen zwei Jahren bereits zwei Bewährungsproben zu bestehen. „Letztendlich hat das Portfolio Krisen wie die Pandemie oder den Ukrainekrieg bisher gut überstanden. Das zeigt, dass die Diversifikation funktioniert“, resümiert der Marktvorstand der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
2. Mai 2022, soweit nicht anders angegeben.

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