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Risikomanagement - News
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Empirische Forschung erhebt Daten und wertet diese aus. Die Finanzkrise bietet diesem Wissenschaftszweig ein enormes Feld und dementsprechend hoch ist auch die Zahl der zum Thema erschienenen Publikationen. Insbesondere die Verbindung zwischen Spekulationsblasen und der Finanzkrise wird dort immer wieder hervorgehoben. Jerome L. Stein (Brown University USA und CESifo, München) untersucht in seinem Arbeitspapier, in welchem Maß empirische Forschung hilft, Spekulationsblasen bereits im Vorfeld zu identifizieren und in welchem Maß die empirischen Untersuchungen mit den theoretischen Grundlagen des Risikomanagements korrelieren.
Der europäische Anleihenmarkt steht im Zentrum eines aktuellen Arbeitspapiers von Prof. Roland Füss, Prof. Dirk Schiereck und Arne Wilkes (alle European Business School). Für den Staats- und Unternehmensanleihenmarkt entwickelten die drei Wissenschaftler ein Modell, um möglichst risikofreie Renditen zu erzielen. Zu diesem Zweck nutzten Füss, Schiereck und Wilkes Daten vom europäischen Rentenmarkt zwischen Januar 2000 und September 2008.
Dies drohende Staatspleite Griechenlands macht aktuell die Risiken der Staatsverschuldung bewusst. Dass Staaten in finanzielle Schieflage geraten, ist allerdings in der Geschichte schon häufiger vorgekommen. Das Quiz der Financial Times Deutschland bietet in ruhigen Minuten die Möglichkeit, das eigene Wissen über historische Staatspleiten und ihre Auswirkungen zu testen.
Theoretische Modelle müssen sich in der Praxis beweisen. Dies gilt auch für akademische Modelle für das Risikomanagement am Finanzmarkt. Shahin Shojai (capco) und George Feiger (Contango Capital Advisors) testen in ihrem Arbeitspapier verschiedene Risikomanagementmodelle. Bei vielen der Modelle stellen die beiden Autoren hohe Fehlerquoten fest, die sie auf eine ungenügende Praxisnähe der akademischen Arbeit zurückführen.
Wie haben sich geläufige Preismodelle wie das von Robert Merton entwickelte Intertemporal Capital Asset Pricing Model (ICAPM) angesichts der jüngsten Erschütterung des US- Immobilienmarkts bewährt? Dieser Frage geht Lutz Johanning (WHU Otto Beisheim Graduate School of Management, Vallendar) gemeinsam mit Christian Funke, Timo Gebken (beide European Business School) und Gaston Michel (Source For Alpha AG) in einer aktuellen Abhandlung nach. Johanning, Mitverfasser der 2. Risikomanagement-Studie von Union Investment, und seine Forschungskollegen überprüfen im Verlauf ihrer Studie mehrere Preismodelle auf ihre Anwendbarkeit.
Eine sogenannte Central Clearing Counterparty (CCP) kann bei Börsengeschäften als Vertragspartei zwischen Käufer und Verkäufer treten und ist damit für beide Seiten der direkte Handelspartner. Auf diesem Weg bleiben die Handelspartner anonym. Gleichzeitig mindert die Installation einer CCP das Erfüllungsrisiko, das mit dem Risiko der Illiquidität oder dem Komplettausfall eines Handelspartners verbunden ist. Hierfür erhält die CCP Sicherheitshinterlegungen von beiden Handelsteilnehmern und kann durch Ausfälle und Illiquidität entstandene Kosten abdecken. In ihrem Arbeitspapier untersuchen Darrell Duffie und Haoxiang Zhu (beide Stanford Graduate School of Business), bei welchen Assetklassen und unter welchen Voraussetzungen das Einsetzen einer CCP zu einer Verringerung von Risiken führt.
Noch in den 80er Jahren schätzte mancher Bankvorstand das Bilanzrisiko erfolgreich Pi mal Daumen ab. Heute sind komplexe mathematische Formeln und Softwarelösungen notwendig, um Risiken zu messen und erfolgreich am Finanzmarkt zu agieren. Als Pionier von Risikomanagementlösungen für Markt-, Kredit- und operationale Risiken gilt der ehemalige Yale-Dozent Ron Dembo. Der gebürtige Südafrikaner hat mit der Gründung von Algorithmics Incorporated ein auf die Ansprüche der Finanzbranche zugeschnittenes Geschäftskonzept entwickelt. Im Gespräch mit Investment Professionell gibt Dembo Einblick in die psychologischen Stolperfallen im Risikomanagement.
Was sind die größten Risiken der internationalen Finanzindustrie? Dieser Frage gehen die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers und das "Centre for the study of Financial Innovation" (CSFI) mit der Banking Banana Skin-Studie nach. Der Name der Studie verweist mit einem Augenzwinkern auf das Risiko, auf der Wall Street auf einer Bananenschale auszurutschen. Doch die Studie selbst ist umso ernster. 440 Bankenbranchenexperten aus 49 Ländern wurden befragt. Dabei ermittelten die Initiatoren der Studie die aus Sicht der Bankenwelt größten Risiken. In der jüngst erschienenen Neuauflage der Studie gelten politische Eingriffe als Risikofaktor Nummer eins für den Finanzmarkt. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen Kreditrisiken, Überregulierung, die Entwicklung der Weltwirtschaft und Liquiditätsrisiken.
Der US-Hausmarkt als Auslöser der Subprime-Krise ist auch Objekt für die europäische Forschung. So haben sich Professor Roland Füss, Bing Zhu und Nico B. Rottke vom Real Estate Management Institute (REMI) und der EBS in Wiesbaden mit flexibleren Ansätzen zur Modellierung volatilitätsbedingter Spill-over-Effekte im US-Hausmarkt beschäftigt. Anhand einer vierteljährlichen Erhebung der Hauspreiserlöse von 20 US-Metropolregionen in den vergangenen 28 Jahren (1980-2008) konnte das Forschungsteam feststellen, dass herkömmliche DSP-GARCH-Modelle zu statisch waren. Stattdessen überprüfen sie einen flexibleren asymmetrischen Ansatz.
Volatilitätsmodelle sind ein zentraler Bestandteil beim Risikomanagement der Asset Allocation. Alexandra Hansis (Goethe-Universität - House of Finance) widmet sich in einer aktuellen Studie der Erweiterung der Volatilitätsmodelle um eine affine und nichtaffine stochastische (zufällige) Volatilitätsvariante.
In Verbindung mit der steigenden Arbeitslosigkeit ist die erdrückende Schuldenlast der Industrienationen zu einem zentralen globalen Risiko geworden, das die weltwirtschaftliche Entwicklung gefährden könnte: Dies gehört zu den Kernaussagen im unlängst erschienenen Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums. Viele Industrienationen hätten beispielsweise bei künftigen Krisen ein Problem: Haushalte, Wirtschaft und Regierungen verfügen nämlich oft über keine finanziellen Reserven mehr, um auf weitere globale Probleme oder Katastrophen angemessen reagieren zu können.
Die Finanzmarktkrise hat ihre Spuren hinterlassen - auch bei den Versicherungen und
versicherungsnahen Unternehmen. Das Risikokapital und der Ertrag haben starke Einbußen erlitten und sind daher auf der Suche nach neuen Anlagestrategien. Aber welche Kapitalanlagepolitik ist die richtige für einen Versicherer? Verschärfte aufsichtsrechtliche Anforderungen, ein anspruchsvolles Kapitalmarktumfeld und tiefgreifende demographische Veränderungen erzwingen ein Umdenken bei allen Beteiligten. Diesem Thema widmen sich unter unterschiedlichen Gesichtspunkten gleich zwei Handelsblatt-Tagungen am 3. und 4. März und am 29. und 30. Juni in München. <a href="http://www.assekuranz-im-Aufbruch.de/">Weitere Informationen</a>
Der Core-Satellite-Ansatz kombiniert ein passiv bewirtschaftetes Kernportfolio mit einem aktiv bewirtschafteten Ergänzungsportfolio. Während das Kernportfolio mögliche Verbindlichkeiten abdecken soll, bietet das Ergänzungsportfolio die Chance, größere Risiken einzugehen, um so höhere Renditen zu erzielen. Noël Amenc, Felix Goltz (beide EDHEC-Risk-Institut) und Adina Grigoriu (AM International Consulting) untersuchen in einem Arbeitspapier die Chancen und Risiken, die diese dynamische Asset-Allocation-Technik Managern von ETF-Portfolios bietet.
Viele Risikomanagementsysteme sind mit der Finanzkrise in die Kritik geraten. Einer möglichen Schwachstelle dieser Systeme geht Robert F. Engle (Leonard N. Stern School of Business) nach. Engle untersucht in seinem Arbeitspapier, ob eine unbemerkte Veränderung der Risiken bestimmte Instrumente zur Risikomessung wie Statistiken und ökonomische Bewertungskriterien unwirksam werden ließ. Er bezieht sich vor allem auf solche Instrumente, die ursprünglich der Erfassung kurzfristiger Risiken dienen, die jedoch in der Praxis häufig auch falsch und viel zu langfristig eingesetzt wurden.
Können Hedgefonds Liquiditätsrisiken steuern, indem sie besser auf angesammelte Liquiditätsschocks reagieren? Diese Frage untersucht ein Thesenpapier von Yong Chen (Virginia Polytechnic Institute & State University), Bing Liang (University of Massachusetts at Amherst), Andrew W. Lo (MIT Sloan School of Management) und Charles Cao (Pennsylvania State University). Für die Studie erfassten die vier Forscher die Entwicklung zahlreicher Hedgefonds zwischen 1994 und 2008 und analysierten deren Verhalten bei hoher und niedriger Liquidität im Markt.
Verbriefungen sind ein wichtiges Finanzmarktinstrument. Im Zuge der Finanzmarktkrise sind allerdings auch Verbriefungen in die Kritik geraten und teilweise auch mitverantwortlich für die Krise gemacht worden. Um in der Zukunft Engpässe bei Krediten zu verhindern und die Erholung der Konjunktur nicht zu behindern, erscheinen Verbriefungen jedoch noch immer als adäquates Instrument. Die Studie der Unternehmensberatung BearingPoint "Zukunft der Verbriefung in Europa" untersucht die Chancen einer Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes.
In der Finanzmarktkrise hat das Asset Management vieler institutioneller Investoren versagt. Die Unzufriedenheit bezog sich häufig auf die bisher verfolgten Langzeitstrategien, die den sich immer schneller verändernden Marktgegebenheiten nicht mehr gerecht wurden. Insofern hat ein Umdenken unter den institutionellen Investoren eingesetzt. Maik Rodewald, Chefredakteur der Financial Times, beleuchtet die aktuelle Entwicklung in Deutschland.
Hans J. Blommestein (Tilburg University) stellt in einem aktuellen Arbeitspapier die These auf, dass die Ursachen der Finanzkrise teilweise auch in den Instituten zur Finanzforschung liegen. Zwei zentrale Gründe nennt er, um seine These zu untermauern. Erstens sei es ein weitverbreiteter Fehler vieler Universitäten, Ökonomie nicht als eigenständiges Fach zu betrachten, sondern lediglich als eine Branche, in der Mathematik angewandt wird. Zweitens versagen viele an Universitäten entwickelte empirische Modelle zur Risikovermeidung, weil der empirische Input, auf den die Modelle beruhen, zu gering sei.
Over the Counter-Derivate, kurz OTC-Derivate genannt, werden außerbörslich oder an Terminbörsen quasi "über den Schalter" gehandelt. OTC-Geschäfte waren zwar kein Auslöser der vergangenen Krise, verstärken aber die Komplexität der Märkte. Investoren gehen mit den OTC-Derivaten teilweise unverhältnismäßig hohe Risiken ein, auf die die Regulatoren bisher wenig Einfluss haben. Deshalb untersucht die Studie von Darrell Duffie (Stanford University) regulative Optionen, um angemessen auf die systemischen Risiken im OTC-Derivate-Markt zu reagieren.
In einer lockeren Folge wird Prof. Dr. Roland Füss, Leiter des Lehrstuhls Asset Management an der European Business School, Oestrich-Winkel, auf dieser Seite aktuelle Forschungsarbeiten zum Thema Risikomanagement vorstellen. Als Erstes widmet er sich einem Arbeitspapier von Tobias Adrian (Federal Reserve Bank of New York) und Markus Brunnemeier (Princeton University). Diese stellen in ihrer Abhandlung mit dem kurzen Titel CoVaR ein neues Risikomodell vor. CoVaR stellt dabei eine Erweiterung bisheriger VaR-Modelle dar. Im Unterschied zu bisherigen VaR-Modellen berücksichtigt CoVaR noch stärker als bisher die systemischen Risiken wie die Interdependenzen zwischen einzelnen Institutionen oder Wirtschaftszweigen.