Nachgelesen: Professor Roland Füss rezensiert aktuelle RM-Arbeiten
CoVaR
Tobias Adrian (Federal Reserve Bank of New York) und
Markus Brunnermeier (Princeton University)
Working Paper (2009)
Zusammenfassung
Die Auswirkungen der Subprime-Krise zeigen, dass systemische Risiken und Spillover-Effekte eine bedeutende Rolle spielen, deren Quantifizierung in der Vergangenheit jedoch wenig Beachtung geschenkt wurde. Adäquate Risikomodelle sollten daher für diese Form von „Contagion Risk“ kontrollieren, damit auch während Krisenperioden das Risiko korrekt erfasst wird.
Der CoVaR stellt eine Erweiterung des bekannten Value-at-Risk (VaR) Maßes zur Messung von Risiken eines Unternehmens oder eines Portfolios dar. Während herkömmliche VaR-Methoden das Unternehmen oder Portfolio als autarke Einheit betrachten, misst CoVaR auch die Interdependenzen zwischen einzelnen Institutionen oder Industrien und stellt daher ein Maß für das systemische Risiko dar. Das Präfix „Co“ ist also im Sinne von „Conditional“ oder „Comovement“ zu verstehen. Bei ihrer Argumentation für ein Ersetzen traditioneller VaR-Ansätze durch den CoVaR nehmen die Autoren die Sichtweise der Bankenaufsicht ein. Der Fokus der Studie liegt daher auf dem CoVaR zwischen einzelnen Unternehmen oder Industrien und dem gesamten Finanzmarkt. Assets, die den VaR des Finanzsystems in Krisenzeiten erhöhen, für die also ein deutlich grösserer CoVaR als VaR gemessen wird, stellen ein höheres Risiko für den Finanzmarkt dar und sollten folglich höhere Cash-Reserven halten müssen. Aber auch kleine Unternehmen können eine Bedrohung für die Stabilität der Finanzmärkte darstellen, falls sie sich ähnlich verhalten und so im Sinne eines Herdeneffektes als Gruppe auftreten. Im 11. Genfer Bericht zur Lage der Weltwirtschaft gehen M. Brunnermeier, einer der Autoren dieser Studie, zusammen mit seinen Verfassern (Crocket, Goodhart, Perssaud und Shin) näher auf diesen Fall ein.
Neben der Messung von systemischen Risiken hängt der CoVaR auch von unternehmensspezifischen Eigenschaften wie Leverage, Maturity-Mismatch und der Unternehmengrösse ab. Die Autoren zeigen, dass der CoVaR mit vergangenen Werten dieser Variablen für mehrere Quartale prognostiziert werden kann und folglich für die antizyklische Regulierung von Banken geeignet ist. Nach Auffassung der Autoren führt die aktuelle Bankenregulierung zu einem prozyklischen Verhalten der Kapitalvorschriften. Dadurch bilden sich in ruhigen Marktphasen hohe Risiken, während strikte Kapitalvorschriften in Krisenperioden zu einer Kreditklemme führen können.
Obwohl sich die Studie noch im Working Paper Status befindet, hat sie bereits die Aufmerksamkeit von Akademikern und Zentralbankern auf sich gezogen. Der CoVaR wird aber auch aus Sicht der Investoren interessant sein, da die Stärke der Spillover-Effekte zwischen einzelnen Wertpapieren eines Portfolios quantifiziert werden kann.
Brunnermeier, M., A. Crocket, C. Goodhart, A. Perssaud und H. Shin (2009): The Fundamental Principals of Financial Regulation: 11th Geneva Report on the World Economy.

